Frage von Hallodrio24, 94

Ist des gut oder schlecht mit 5 Jahren zweisprachig zu sein?

Bitte pro und contra Argumente für eine Diskussion

Antwort
von testwiegehtdas, 31

Ich finde es gut, wenn Kinder zweisprachig aufwachsen. Besonders wenn es die Sprachen der Eltern sind (weil bieder verschiedene Muttersprachen hatten) oder z.B. die Eltern aus einem anderen Land eingewandert sind und das Kind die Landessprache und die der Eltern lernt.

Ich stehe nur Sprachen, die kein Elternteil wirklich spricht etwas kritisch gegenüber. Also wenn z.B. nur dafür ein chinesisches Kindermädchen geholt wird, obwohl die Eltern die Sprache nicht/kaum können.

Je jünger das Kind, desto besser lernt es.

Meine beste Freundin kam erst mit 8 Jahren nach Deutschland und konnte kein Wort deutsch, obwohl ihr Vater Deutscher ist. Sie meinte sie hätte es besser gefunden, direkt zweisprachig aufzuwachsen. Zumal eh immer im Raum stand wieder nach Deutschland zu gehen, wegen der besseren Schulbildung.

Eine andere Freundin ist zweisprachig aufgewachsen, Deutsch und Englisch, weil ihr Vater Engländer ist. Sie hat früher immer mit ihrem Vater englisch geredet und mit der Mutter Deutsch.

Ein wirklich Contra sehe ich nicht, außer eben wenn es der Fall "anderssprachiges Kindermädchen" ist. Denn da ist die Gefahr groß, dass die Eltern zu schnell Ergebnisse sehen wollen und das Kind zu sehr unter Druck setzen.

Wenn man "richtig" zweisprachig aufwächst, dann lernt man ja nach und nach beide Sprachen, einfach weil man sie immer benutzt und hört.

Gefühlt können Leute die zweisprachig aufgewachsen sind auch andere Sprachen gut lernen. Ich kenne nur eine die damit Probleme hat, aber prozentual deutlich mehr einsprachige die nicht gut in Sprachen sind. Vermutlich weil so schon früh der Sprachen-Teil im Gehirn stimuliert wird.

Kommentar von LolleFee ,

Selbst das anderssprachige Kindermädchen kann toll sein, wenn an keinen Beteiligten eine Leistungserwartung geknüpft wird. Auch über ein solches Kindermädchen kann das Prinzip "une personne - une langue" realisiert werden.

Ein wirkliches Contra sehe ich nur, wenn sich die Eltern nicht einig sind über die Spracherziehung ihres Kindes, wenn ein Elternteil seine Sprache mit dem Kind nicht sprechen möchte oder wenn das Kind gezwungen wird, in bestimmten Situationen in einer bestimmten Sprache zu sprechen.


Kommentar von Dahika ,

mein 20 j. Neffe hatte immer polnische Au Pair Mädchen. Die sprachen mit ihm aber kein Polnisch, denn sie wollten ja Deutsch lernen. Mein Neffe kann also kein Polnisch, aber er kann perfekt Deutsch mit polnischem Akzent reden. Wenn er das macht, dann unterhält er ganze Partygesellschaften und alles biegt sich vor Lachen. Der könnte glatt auftreten damit.

Expertenantwort
von Sternenmami, Community-Experte für Gesundheit, 21

Gib mal bitte bei Google "Vor- und Nachteile zweisprachige Erziehung" ein. Da kommen zig Seiten, wo die Vor- und Nachteile einer mehrsprachigen Erziehung aufgelistet werden.

Hier ist mal eine Seite davon:

http://bilingual-erziehen.de/zweisprachigkeit/info/vor-und-nachteile/

Ein Vorteil ist halt, dass diese Kinder in Bezug auf Sprachen wesentlich lernfähiger sind, aber es kann passieren, dass sie keine dieser Sprachen wirklich perfekt beherrschen, bzw. einzelne Worte dann immer falsch aussprechen und in den Dialekt der anderen Sprache verfallen. Auch gibt es häufig Probleme mit der Grammatik.

Trotzdem ist es häufig so, dass die zweisprachig aufgewachsenen Kinder in der Schule besser zurecht kommen und dann auch weitere Sprachen schneller erlernen.

Ich denke, wenn man zweisprachig erzieht, sollte man wirklich ganz extrem darauf achten, dass dies auch richtig erfolgt, also das Kind auch die korrekte Aussprache der einzelnen Worte beigebracht bekommt. Die Elternteile sollten diese Sprachen perfekt beherrschen (also es sollte möglichst die Muttersprache der Eltern sein).

Am besten funktioniert eine zweisprachige Erziehung, wenn man direkt nach der Geburt damit beginnt. Ein Elternteil spricht die eine Sprache und das andere Elternteil übernimmt ausschließlich die andere Sprache.

Im Alter von 5 Jahren damit zu beginnen, eine weitere Sprache zu erlernen, halte ich ehrlich gesagt für den falschen Zeitpunkt. Die Einschulung ist in direkter Nähe und das Kind wird dann mit Informationen überhäuft, muss lesen, schreiben und rechnen lernen. Da würde ich dann ehrlich gesagt zwei Jahre vor und zwei Jahre nach der Einschulung nicht auch noch mit einer weiteren Sprache anfangen. Letztendlich muss das aber jeder für sich selber entscheiden. Mehr als meine Meinung zu äußern, kann ich nicht tun.

Ich denke nicht, dass es hier ein wirkliches Richtig oder Falsch gibt. Man muss immer die Situation des jeweiligen Kindes einordnen und ob es Sinn macht, zum jeweiligen Zeitpunkt mit einer zweiten Sprache einzusteigen.

Alles Gute

Antwort
von peterobm, 45

du hast einen grossen Vorteil - im Heimatland kannst dich ohne Probleme unterhalten. 

Als Kleinkind lernt man das wesentlich leichter, als in der Schule.

Kenne viele wo die Kinder 2-sprachig aufwachsen

Kommentar von LolleFee ,

Der Begriff "Heimatland" in diesem Kontext ist für mich problematisch. Ich höre das oft, dass ein Land von Außenstehenden (bspw. den Eltern oder Verwandten) als "Heimat" von jemandem bezeichnet wird, obwohl derjenige selbst da noch nie oder kaum war. Das mag die Heimat der Eltern sein, macht sie aber noch lange nicht zur Heimat des Kindes. Heimat ist da, wo man sich zu Hause fühlt. Wie kann man das, wenn man sein Leben dort gar nicht verbringt?

Gleiches Problem beim Begriff "Muttersprache" - mit Muttersprache ist nicht die Sprache der Eltern gemeint, sondern die Sprache, in der man aufwächst. 

Antwort
von Yalana, 34

das ist wie alle anderen schon sagten eigentlich nur gut, ABER:

das geht natürlich nur, wenn die eltern eine sprache auch fließend sprechen, sonst entstehen solche situationen, in denen das kind weder die eine noch die andere sprache perfekt beherrscht, und das ist natürlich ein gravierendes problem. 

passiert so oft in einwandererfamilien der dritten generation.

Antwort
von Hardware02, 42

Es ist auf alle Fälle gut! Nur, wenn man eine Fremdsprache als kleines Kind lernt, kann man diese jemals akzentfrei sprechen. Die Grenze ist, so viel ich weiß, bei acht Jahren.

Kommentar von Hallodrio24 ,

Was verstehst du unter grenze?

Kommentar von Dahika ,

es gibt Studien, die besagen, dass man jenseits des 7.Lj eine Sprache nicht mehr akzentfrei lernt, da sich bis zu dem Alter die nötige Sprechmuskulatur einseitig ausgebildet hat. Das beste Beispiel ist der Ex-Außenminister Kissinger, der mit 13 Jahren in die USA kam. Er hat einen deutlichen Akzent. Oder erst recht Schwarzenegger.
Wir Nicht-Muttersprachler hören das vielleicht nicht, wenn jemand perfekt Englisch redet, aber Einheimische hören es halt doch. Ich kann z.B. nicht raushören, dass Marlene Dietrich einen deutschen Akzent hatte. Aber sie hatte ihn.

Kommentar von earnest ,

Nun, deren Akzent konnte man (meinen Ohren zufolge) fast mit dem Messer schneiden.

Antwort
von MrsAwkward, 30

Pro Argumente sind natürlich, dass Kinder viel schneller lernen und die Sprache schneller aufnehmen.
Contra Argumente sind, dass das Kind dann keine Sprache perfekt spricht. Meine Lehrerin hat mir das Problem mit der Bilingualen Erziehung so erklärt, dass ein Kind erstmal eine Sprache verstehen muss, damit es sich daran orientieren kann, wie andere sprachen aufgebaut sind. Ich kenne auch Kinder bei denen klappt das mit zwei sprachen super, aber eine bekannte ist polnisch-deutsch aufgewachsen. Sie ist jetzt 8 Jahre alt und spricht weder richtig deutsch noch polnisch.
Ich selbst habe auch immer gedacht, so viele Sprachen wie möglich Schell zu lernen, aber so gut, soll das wohl nicht sein.

Kommentar von LolleFee ,

Deine Lehrerin hat Dir da leider Mist erzählt.

Bei dem Spracherziehungsprinzip "une personne - une langue" spricht eine Person jeweils durchgängig eine Sprache mit dem Kind. Das Kind kann beide Systeme sehr gut auseinanderhalten und entwickelt unter Umständen sogar eher metalinguistische Fähigkeiten als Kinder, die einsprachig aufwachsen. Es gibt zudem keine Belege dafür, dass die Sprachentwicklung strukturell gestört ist. Was vorkommen kann, ist eine Sprachentwicklungsverzögerung (temporell!) der Sprache, mit der das Kind weniger Kontakt hat. Wenn dieser Kontakt jedoch intensiviert wird, kann der Rückstand sehr schnell aufgeholt werden. Artikulations- oder Grammatikstörungen treten nicht häufiger auf als bei einsprachig aufwachsenden Kindern.

Was man natürlich als Eltern vermeiden sollte, ist, selbst immer zwischen den Sprachen zu wechseln, denn dann hat das Kind tatsächlich keine Chance, die beiden Sprachsysteme auseinanderzuhalten.

Kommentar von MrsAwkward ,

Genau den Punkt meinte ich damit. Ich wollte mich auch erst noch ergänzen, aber ich find das immer doof, mich selbst zu kommentieren. Vollkommener Mist ist das nun wirklich nicht, denn eben das machen viele Eltern, einfach die Sprachen wechseln, beim sprechen und da kommen viele Kinder nicht komplett mit. Wenn man sich wirklich damit beschäftigt, seinem Kind was beizubringen, ist das gar kein Problem, solange das Kind mitmacht. Du hast natürlich recht, aber ich wollte lediglich den letzten Punkt ansprechen, den du zuletzt erwähnt hast. Generell bin ich da auch für, seine Kinder bilingual aufzuziehen, sofern man dazu in der Lage ist.

Kommentar von LolleFee ,

Naja, wenn Du schreibst, dass Deine Lehrerin gesagt hat, "dass ein Kind erstmal eine Sprache verstehen muss, damit es sich daran orientieren kann, wie andere sprachen aufgebaut sind", dann ist das schon Mist, sogar vollkommener Mist ;)) Denn wäre das so, würde daran ja auch das Ronjat-Prinzip nichts ändern.

Kommentar von MrsAwkward ,

Das Prinzip kenne ich nicht. Ich glaube auch nicht, dass wir uns "einig" werden. Bzw. habe ich dir ja bereits in vielen Punkten zugestimmt, aber ich denke nicht, dass du verstanden hast, was ich damit sagen wollte, weil du dich wiederholst.

Kommentar von LolleFee ,

Das Ronjat-Prinzip ist genau das Prinzip, wenn die Sprachen an Personen gebunden sind - Papa spricht bspw. nur Deutsch, Mama nur Französisch mit dem Kind.

Doch, ich verstehe schon, was Du meinst, und wir sind uns offenbar auch in einigen Punkten einig. Nur denke ich halt, dass das, was Deine Lehrerin gesagt hat, eben doch vollkommener Mist war, und habe das nochmal begründet. 

Kommentar von MrsAwkward ,

Da gebe ich dir auch vollkommen recht. Ne, meine Lehrerin hat das schon richtig gesagt, das lag eher daran wie ich's rüber gebracht hab. Sie meinte nämlich genau den Punkt, dass man die Sprachen nicht vermischen soll, also nicht den Satz deutsch anfangen und auf, beispielsweise, französisch beenden. Du hast es nur um einiges besser zusammengefasst.

Antwort
von Fragesims3undco, 33

in der schule hatten wir einen sachtext darüber :)

also im gorßen und ganzen hat es mehr vorteile zweisprachig aufzuwachsen man kann sich besser verständigen auch wird das verständniss für andere kulturen gestärkt. zwar dauert es manchmal etwas länger um das richtige wort für manches zu finden aber im gorßen und ganzen wird es mehr vorteile haben

Kommentar von Hallodrio24 ,

Standen in dem text noch mehr nachteile?

Antwort
von TreudoofeTomate, 27

Das ist sehr gut. Die Vorteile von Fremdsprachenkenntnissen liegen auf der Hand.

Antwort
von macqueline, 27

Das ist nur von Vorteil. Mein Sohn ist zweisprachig mit Deutsch und Englisch aufgewachsen, und zwar ganz von Anfang an. Es gab überhaupt keine Schwierigkeiten und auch jetzt als Erwachsener kann er zwischen den Sprachen hin und her springen. 

Antwort
von Dahika, 13

Es ist gut. Punkt. Allerdings sollte es schon eine echte Zweisprachigkeit sein. Also Vater Deutscher und Mutter Spanierin - oder umgekehrt.

Von Englischlernkursen im Kindergarten halte ich nicht so viel. Das ist ganz nett für die Kleinen, aber sehr viel bringt das nachgewiesenermaßen nicht. Die sind in der Schule, wenn sie dann Englisch richtig lernen müssen, keine Vorteile. Und es macht nicht  zweisprachig.

Aber eine echte Zweisprachigkeit ist schon toll. Meine Freundin ist Argentinierin und ihre beiden Kinder sind zweisprachig aufgewachsen.  Spanisch und Deutsch. Meine Freundin hat mit ihren Kindern immer nur spanisch geredet und der Vater Deutsch.

Jetzt sind sie 18  und 16, haben auf dem Gymnasium Spanisch - na ja, langweilen sich natürlich etwas. Aber egal.

Expertenantwort
von earnest, Community-Experte für Sprache, 15

Da gibt's kein "Contra".

Gruß, earnest

Antwort
von Dumpii, 19

SEHR GUT

Antwort
von jimpo, 16

In manchen Kindergärten wird das schon praktiziert. Ist doch toll.

Kommentar von Dahika ,

Ne, das ist das, was ich als ganz nett bezeichne, hat aber mit echter Zweisprachigkeit nichts zu tun. Das kann man auch lassen, es bringt keine nachgewiesenen Vorteile in der Schule.

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