Frage von Maxiking1111, 30

Ist der schlechte Kurs vom Euro gut oder schlecht für Deutschland und ist das von der EZB so gewollt?

Antwort
von bitbuerster, 17

Zunächst einmal: Das Ammenmärchen, die EZB würde nur deshalb Billionen von Euros drucken, um der Wirtschaft zu helfen, ist natürlich genau das: Ein Märchen

-Wäre das nämlich wahr, würde ich mich sofort bereit erklären zu helfen und würde ebenfalls bei mir im Keller anfangen, Geld zu drucken!

Nein: Die EZB druckt Geld aus dem selben Grund, aus dem jeder das gerne täte: Um ohne Gegenleistung Kaufkraft zu bekommen! 

Geld ist Macht und viel Geld ist viel Macht: 

Die EZB ist eine unheilige Allianz mit der Politik eingegangen. Die europäischen Regierungen sind pleite und süchtig nach der Droge "Kreditgeld"; die EZB ist der Dealer, der sie mit dieser Droge versorgt und im Gegenzug dafür immer stärker die politischen Geschicke in der EU lenken darf.

Dass der Euro dadurch gegenüber anderen Währungen schwächer wird, ist eine notwendige Konsequenz hieraus, die dem dummen Pöbel nur als "Vorteil" verkauft wird. Wenn Gelddrucken Wohlstand schaffen könnte, warum hören wir dann nicht sofort auf zu arbeiten und drucken nur noch Geld?

Und konkret auf Deine Frage: Für DE ist der schwache Euro schlecht. Zwar wird dadurch kurzfristig die Exportwirtschaft angekurbelt. Aber die Weltwirtschaft ist ein Nullsummenspiel: Die Exportüberschüsse des einen sind die Schulden des anderen. In der EU führt das zum absurdem Zustand, dass der deutsche Steuerzahler über direkte und indirekte Geldflüsse seinen europäischen Nachbarn erst mal jenes Geld schenkt, mit dem diese dann die Waren in DE einkaufen, welche derselbe doofe deutsche Steuerzahler erarbeitet hat. 

Auf die Art hat der deutsche Steuerzahler am Ende weder die Waren, die er erarbeitet hat, noch Geld dafür bekommen: Er hat beides ins Ausland verschenkt für ein Zahlungsversprechen, das nie eingehalten werden wird.

So beläuft sich der deutsche TARGET2-Saldo z.Z. auf ca. €500.000.000.000 -vereinfacht gesprochen ist das ein Konto des deutschen Steuerzahlers bei der EZB; kaufen europäische Ausländer in DE Waren ein, so bezahlen sie ihre Rechnung nur bei ihrer eigenen nationalen Bank, die reicht das Geld aber nicht nach DE weiter, sondern "lässt anschreiben" -eben auf das TARGET2-Konto- während die Deutsche Bundesbank zähneknirschend den deutschen Unternehmer aus eigener Tasche auszahlen muss und dafür nur eine uneinlösbare Gutschrift auf ihrem TARGET2-Konto bekommt. 

So darf sich DE an der Stelle €500 Mrd. "reich fühlen", weil es für diese Summe Waren ins Ausland geliefert hat. Nur wird es dieses Geld halt nie mehr sehen, ebensowenig wie all die hunderten Milliarden, die via ESM, EFSF und all die anderen Geldverschiebekonten versickert sind.

Die deutsche Wirtschaft freut sich über den niedrigen Eurokurs, weil es ihre Umsätze ankurbelt -und die Unternehmen bekommen das Geld dafür ja auch. Der bei diesem miesen Spiel Geprellte ist immer der deutsche Steuerzahler (=Du), weil er all dieses Geld zuvor geborgt hat. 

Sinnvoller wäre es, statt Gelder und Waren ins Ausland abfliessen zu lassen, beides im Inland zu halten: Auf die Art käme Michel nämlich in den Genuss, die Früchte seiner Arbeit selber ernten zu dürfen -und so sollte das in einer vernünftigen Welt ja wohl auch sein, oder?

Dazu müsste die Industrie sich aber von Export- auf Inlandsorientierung umstellen.Und welcher Junkie wird wohl freiwillig einen Entzug machen, wenn ihm sein (EZB)-Dealer unendlich viele Drogen (auf Kosten Michels) schenkt?

Antwort
von FrageSchlumpf, 27

Gewollt ist es, weil die EZB einem nicht bewiesenen ( und eher widerlegten ) Glauben anhängt.

Die Mehrheit glaubt, es sei uneingeschränkt gut, weil in Deutschland die Mehrheit glaubt, man müsste sich totarbeiten und nichts davon haben (=Export ) ,um überhaupt zu leben. Die Fakten sind aber so , dass Länder mit Importüberschüssen auch nicht sterben und oft sogar viel besser leben.

Antwort
von Luke91Nukem, 30

Das ist alles so gewollt. Ein sogenannter "schwacher Euro" ist gut für den europäischen Export (Verkauf), allerdings wird der Import (also Einkauf) umso teurer, was besonders für Länder wie z.B. Griechenland, die viel importieren müssen, sehr von Nachteil ist.

In den öffentlichen Medien ist zwar ständig davon zu hören, dass der Kurs unseres Euro's gegenüber dem Dollar immer kleiner wird, aber das ist alles so gewollt.

Die EZB spielt hier auch eine entscheidende Rolle, indem sie kontinuierlich Geld drucken lässt. Und wie jeder weiß: Dinge, die es sehr oft gibt, haben keinen allzu hohen Wert weil es jeder haben kann.

Durch den schwachen Euro wird im übrigen auch der normale Urlaub teurer und teurer. Aber ist man ja gewohnt, dass die "kleinen" Deutschen immer benachteiligt werden.

Kommentar von wfwbinder ,
   Durch den schwachen Euro wird im übrigen auch der normale Urlaub teurer und teurer. Aber ist man ja gewohnt, dass die "kleinen" Deutschen immer benachteiligt werden.

Wobei die führenden Urlaubsländer der deutschen Österreich, Spanien, Italien FRankreich usw. sind, wo man üblicher Weise weder in Dollar, noch in britischen Pfund zahlt.

Ausserdem stand der Euro auch schon mal bei 87 US-Cent und da hat es nciht bedeutet, das sich nur die Hälfte der deutschen einen Urlaub leisten konnten.

Kommentar von Luke91Nukem ,

Ich sagte ja nicht, dass sich keiner mehr einen Urlaub leisten kann. Ich sagte nur, dass Urlaube im nicht-europäischen Ausland immer teurer werden.

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