Frage von Isaak9, 164

War der Nationalsozialismus neben der politischen auch eine religiöse Bewegung ?

Antwort
von Geraldianer, 48

Die Kirchenaustritte waren nach der Machtergreifung häufiger als heute. Auch wenn das NS-Regime die christlichen Kirchen tolerierte und Teile dieser Kirchen die NS-Ideologie unterstützte war es für eine Parteikarriere besser nicht in der Kirche zu sein.

Im Grunde wollten die Nazis keine Götter neben sich sehen.

Antwort
von Dahika, 27

Ja und nein. Eher nein. Aber Himmler hatte so spinnerte Ideen mit Hexen und alten germanischen Mythen, ich glaub, er jagte auch den heiligen Gral, so dass man sagen kann, dass der Nationalsozialismus auch quasi religiöse Inhalte hatte. Allerdings ist Himmer zum Teil da von seinen Kollegen nicht ernst genommen worden.

Antwort
von Jonnymur, 54

Das kommt drauf an, was als "religiös" zu verstehen ist. Aus funktionalistischer Perspektive ist der Nationalsozialismus, wie auch Fußballevents oder Nationalfeiertage, religiös. Aus substantialistischer Perspektive ist er es eher nicht, da nicht wirklich von Transzendenz im NS die Rede sein kann.

Der NS kann also als religiös bezeichnet werden. Gleichfalls kann aber auch von einer atheistischen Weltanschauung gesprochen werden, in welcher nur eine Handvoll von Konfessionen aus opportunistischen Beweggründen (temporär) geduldet und instrumentalisiert wurden - wie etwa jene deutsche Kirchen, die dem Regime Folge leisteten.

Kommentar von earnest ,

Der NS kann nur dann als religiös bezeichnet werden, wenn man die Grenzen des Begriffs aufs Äußerste strapaziert.

Was hältst du von: "eine Ideologie, die pseudo-religiöse Züge aufwies"?

Antwort
von Ruenbezahl, 58

Hitler hat nicht versucht, das Christentum abzuschaffen, sondern er wollte den Einfluss der christlichen Religionen einschränken und unter seine Kontrolle bringen. Dabei bediente er sich durchaus auch christliche Symbole. Er wollte damit den Nationalsozialismus als eine Art Ersatzreligion an die Stelle der traditionellen Religionsgemeinschaften setzen. Im Kommunismus wurde das Gleiche, wenn auch mit anderen Vorzeichen, versucht.

Kommentar von Isaak9 ,

Hitler hat (nicht) versucht, das Christentum abzuschaffen

So wurde es in der Schule gelehrt. 

Antwort
von EmoCandy, 81

Ich denke, das Hauptziel war erstmal alle Religionen auszumerzen. Es gab zum Beispiel vermehrt die Jugendweihe, als die Kommunion oder Konfirmation. Religion sollte nämlich keinen großen und wichtigen Platz mehr einnehmen, da die wichtigste Person Hitler war. Ein Gott wäre nur störend gewesen.

Kommentar von Bitterkraut ,

Oh nein, das Hauptziel war nicht, Religionen auszumerzen. Seltsamer Gedanke.

der Machtübernahme durch die NSDAP wurden diese Parteien mit ihren Verbänden, aber auch die Freidenker-Bewegungen und viele freireligiöse Gemeinden verboten, somit auch die von diesen Gemeinschaften angebotenen Jugendweihen. Ein generelles Verbot der Jugendweihen gab es jedoch nicht, da nur ein Teil der freireligiösen Gemeinden verboten war. Die Nationalsozialisten entwickelten eigene Formen von Weihen und Feiern. So wurde die „Schulentlassungsfeier“ eingeführt sowie Aufnahmerituale in Hitlerjugend und BDM.[17] Diese drei Elemente wurden dann 1940 in Opposition zu Konfirmation und Firmung zur „Nationalsozialistischen Jugendleite“, der „Verpflichtung der Jugend“, zusammengefasst. Konfirmation und Firmung der Kirchen wurden nicht verboten https://de.wikipedia.org/wiki/Jugendweihe#Geschichtliche_Entwicklung_in_Deutschl...

Kommentar von EmoCandy ,

Ja da hat meine Schule wohl nicht ihre Artikeln aus dem Internet :(

Kommentar von earnest ,

Wie wäre es mit einem qualifizierterem Kommentar?

Ich möchte nur noch einmal darauf hinweisen: Der erste Satz deiner Antwort ist leider faktisch nicht zu halten.

Antwort
von nobytree2, 44

Nein, auch der Kommunismus ist keine Religion. Nationalsozialismus ist ein Sozialismus (hat definitiv Merkmale sozialistischer Systeme), welcher - anders als globale Systeme - die eigene Nation in den Vordergrund rückt.

NS 33-45 hatte ideologische Ausprägungen, die irreal waren, wie die Rassenlehre etc. Aber dennoch erfüllt es mangels spezifischer Transzendenz nicht die Definitionsmerkmale einer Religion.

Hitler wollte das Christentum abschaffen, weil es nicht mit dem NS konform war, ähnlich auch manche kommunistischen Systeme.

Kommentar von earnest ,

Welche Wesenzüge des Sozialismus sind dem denn Nationalsozialismus zu eigen?

Der Begriff "Nationalsozialismus" war reine Bauernfängerei zwecks Täuschung der Arbeiterschaft.

Spätestens nach Abservieren der Strasser-Brüder war da keine Spur "linker" Ziele mehr in der Parteiführung zu finden.

Kommentar von earnest ,

Hitler hat sich mit "dem Christentum" - besser: mit den mächtigen Amtskirchen - bestens arrangiert.

Stichwort: Konkordat.

Kommentar von nobytree2 ,

Mit schwachen Kirchenfürsten, aber bestimmt nicht mit den 10 Geboten, der Heiligen Schrift und dem Leben der Heiligen. Nicht nur schwache Kirchenfürsten haben das Christentum vertreten, sondern u.a. auch die weiße Rose.

Kommentar von earnest ,

Und wieviel Prozent der katholischen und evangelischen Christen in Deutschland repräsentierten diese widerständigen Gruppen?

(Umsomehr ist beispielsweise die "Bekennende Kirche" zu bewundern.)

Gegen Deinen ersten Satz hat wohl niemand auf der Welt irgendwelche Einwände.

Kommentar von nobytree2 ,

Die bekennende Kirche ist wirklich der Erwähnung wert, auch namentlich Dietrich Bonhöffer, Karl Leisner, Fröhlich und wenige andere, tatsächlich viel zu wenige. Aber gucke Dir die Katholiken und Protestanten in Deutschland heute an: Wohlstandschristen und Schwätzer, mich inbegriffen (sofern ich noch unter "Christ" falle).

Es wären wieder sehr wenige, würde sich das heute wiederholen. Von den falschen Christen unabhängig: Das Christentum, so wie es Jesus Christus gelehrt hat (nicht so, wie es die meisten heute "leben"), passt nicht zum Nationalsozialismus.

Kommentar von nobytree2 ,

Das ist meines Erachtens nicht korrekt, der NS ist aus der Arbeiterpartei entstanden und Hitler hat immer einen klaren Bezug zum arbeitenden Volk in dem Emporschwingen seiner Partei eingesetzt. Bis zur Machtergreifung war seine Partei definitiv eine Arbeiterpartei. So waren Akademiker nur als "Arbeiter der Stirn" anerkannt, ansonsten war ihm der Akademiker suspekt.

Der Sozialismus hat sich dann auch im Eigentumsbegriff der nationalsozialistischen Rechtsbildung fortgesetzt, welcher sehr ähnlich dem kommunistischen Eigentumsbegriff ausfiel, sowie in den Zwangskollektivierungen. Auch die Reduktion des Einzelnen als Teil des Kollektivs, die De-Individualisierung, die permanente Einbindung des Einzelnen in Kollektivorganisation von HJ bis zu Erwachsenenorgansiationen sind ein deutliches Zeichen von Zwangssozialisierung. Die Nation war das sozialistische Kollektiv, der Einzelne hingegen nichts.

Es war kein marxistischer Sozialismus (deswegen der Kampf der NS gegen den russischen Bolschewismus), aber er war anti-kapitalistisch (woraus u.a. der Antisemitismus begründet wurde), anti-individuell (inkl. keine Privateigentumsrechte im Endstadium), anti-liberal, kollektivistisch, innerhalb der Nation auf Gleichheit der Einzelnen bezogen, siehe auch das 25-Punkte-Programm.

Kommentar von earnest ,

Du solltest das Entstehen der Partei nicht mit deren tatsächlicher Existenz in den 30ern verwechseln. Das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.

Charakteristischerweise erwähnst Du das 25-Punkte-Programm. Das stammte aber aus dem Jahr 1920(!) - und verschwand schnellstens im Keller.

Das "anti-kapitalistisch" war nach dem Aberservieren der Strasser-Brüder reines Lippenbekenntnis und dazu gedacht, Arbeiter von der KPD (und der SPD) loszueisen. 

Tatsächlich wurde Hitler von den Großagrarieren und der Großindustrie hofiert und fianziert. Seine "Machtergreifung" ist wesentlich auch darauf zurückzuführen (google mal "Industrielleneingabe").

In deinem Mittelteil frönst du offenbar der Totalitarismustheorie (bitte bei Bedarf googeln), die inzwischen von der überwiegenden Mehrheit der Historiker als abgelegt betrachtet wird. 

Kein Angriff auf Dich, noby, aber Deine Ausführungen spiegeln in ihrer Gesamtheit ungefähr den Stand der historischen Forschung der 50er-Jahre wieder.

Und ja, auch ich habe das noch so in der Schule gelernt. Was aber nichts daran ändert, das dies Bild gemäß der neueren Geschichtsforschung völlig falsch gezeichnet ist.

Kommentar von earnest ,

-edit: finanziert

Antwort
von Klaus02, 19

Es gab starke Bemühungen einen germanischen Götterglauben einzufuhren, der das "verweichlicht Christentum" ersetzen sollte. Außerdem versuchte man das Christentum durch die "Blut und Erde Theologie" zu vereinnahmen.
Es gab auch starke atheistische Tendenzen im Nationalsozialismus.

Aber religiös war die Bewegung nur im übertragen Sinn
LGKlaus

Antwort
von Andrastor, 32

Durchaus. Adolf Hitler selbst nannte den Nationalsozialismus: eine christliche Bewegung.

Und wenn man bedenkt dass Hitler bis heute nicht aus der römisch katholischen Kirche exkommuniziert wurde, bekräftigt das den Verdacht dass die Kirche selbst durchaus mit seiner Vorgehensweise einverstanden war.

Kommentar von Isaak9 ,

Wieso ? Wenn er doch den Versuch unternommen hatte, das Christentum abzuschaffen.

Kommentar von Andrastor ,

Hatte er nicht. Er hat es sogar unterstützt.

Antwort
von piobar, 31

Eine offizielle Bewegung religiöser Art war das nicht jedoch eine sehr ideologische Bewegung.

Ideologie ist das A und O jeder Religion und bietet Grundlage für Fanatismus. Viele Sekten und Religionen können ohne ihre Ideologie nicht vorankommen bzw. nicht bestehen. Folglich, ist deine Fragestellung richtig und lässt sich mit einem Ja beantworten.

Kommentar von atzef ,

Dem einen fallen beim Jonglieren die Keulen auf den Kopf, dem anderen die Wörter aus ihm...:-)

Kommentar von piobar ,

@atzef ein sehr konstruktiver Beitrag der uns alle mit einem stauen zurück lässt...

Antwort
von Thelostboy342, 7

Vielleicht Himmlers Rassenkult innerhalb der SS :)
Sonst hatte z.B. Hitler sicherlich keine religiösen Ziele.

Antwort
von voayager, 79

Überhöhte irdisch-profane Ideen, die eifernd gehuldigt werden, nennt man auch pseudoreligiöses Gebahren.

Kommentar von jerkfun ,

Wenn Du nordischen Kult einbeziehst hast völlig Recht.

Antwort
von archibaldesel, 69

Nein, wobei insbesondere Heinrich Himmler einen seltsamen Hang zum Okkultismus hatte.

Antwort
von Bitterkraut, 31

Nein, natürlich nicht wie kommst du darauf?

Antwort
von Mojoi, 62

Er hatte einige Merkmale. Adolf Hitler wurde fast schon götzenhaft verehrt, seine Ansichten mit einem dogmatischen Eifer per se als richtig und gut angesehen. Der Glaube an den ständig gepredigten Endsieg noch um viertel vor zwölf fanatisch hochgehalten. 

Kernaussage der höheren Bestimmung des deutschen Volkes...

Schwülstige Dauerverwendung religiös-inspirierender Kraftphrasen: Heilig, Eid, Schwur, Treue bis in den Tod...

Kommentar von MutZurWahreit ,

Es war keine reliöse Bewegung eher hat er sich sich selbst zum gott erhoben

Kommentar von earnest ,

Können wir uns vielleicht auf "pseudo-religiös" einigen?

Antwort
von DinoSauriA1984, 44

Der Nazionalsozialismus versuchte - vielfach erfolgreich - alles zu instrumentalisieren; Sport, Jugendbewegungen, Kunst und Musik, Bildung und eben Religion.

Kämst Du jetzt auf die Idee zu fragen, ob der Nazionalsozialismus eine Kunstrichtung war? Oder eine Sportbewegung? Wohl kaum! Und so war er auch keine religiöse Bewegung!


Antwort
von Karl37, 4

Der Nationalsozialismus als solcher hatte nichts mit Religion am Hut. Bei einzelnen Unterorganisationen, wie die der SS des Heinrich Himmler hatten pseudo-religiöse Praktiken und lebten einem nordischen Germanenkult.

Antwort
von Philippus1990, 42

Nein, der Nationalsozialismus war meines Wissens nach religiös neutral (von der Judenfeindschaft abgesehen). Kirchen standen ideologisch nicht gerade hoch im Kurs, wurden aber wegen der Verwurzelungen der Bevölkerung in ihr instrumentalisiert ("Deutsche Christen").

Siehe auch:

<<Die Nationalsozialisten vertraten keine einheitliche Religiosität. Einige propagierten als Deutsche Christen (DC) einen nationalistisch-antisemitischen Protestantismus, andere einen rassistischen Neopaganismus mit Bezügen zur germanischen Mythologie. So verlangte der NS-Ideologe Alfred Rosenberg in seinem Hauptwerk Der Mythus des 20. Jahrhunderts eine Ablösung des Christentums durch eine Religion von „Blut und Boden“.>>

https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialismus#Verh.C3.A4ltnis_zur_Religion

Antwort
von kubamax, 64

Ja im übertragenen Sinne. Ein Personenkult. Eine Gehirnwäschereligion, wie man sie von Sekten kennt.

Antwort
von atzef, 13

Nein.

Wie kommst du auf dieses schmale Brett?

Antwort
von Arabinder, 14

Das einzige was ich zum Thema bei der Sache weiß ist, dass viele Moslems mit Hitler zusammengearbeitet haben, kann man also als religiöse Bewegung sehen.

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