Fr0stbeule am 08.10.2007 um 10:30 Uhr
Bei einer gemütlichen Stammtischrunde vertraten insbesondere viele Unternehmer die Meinung, der Klassenkampf hätte in Deutschland ausgedient und könne für beendet erklärt werden.
Wie seht Ihr das? Ist der Klassenkampf überholt bzw. nicht mehr zeitgemäß oder sogar überflüssig geworden? (wir sprechen über Deutschland!)

Wenn du mir sagst, wie der "Klassenkampf" (Arbeiter/Bauern gegen Unternehmer?) zu verstehen ist, könnte ich meine Meinung abgeben. Wenn das, was momentan bei der Deutschen Bahn läuft, als Klassenkampf zu verstehen ist, ist er sicher nicht tot.
Keine Deiner Wahlmöglichkeiten.
Von Klassen wird in Deutschland schon lange nicht mehr gesprochen, wenn, dann von Schichten. Das Wort "Unterschicht" kann heutzutage eine recht explosive Wirkung entfalten, da es Viele gern sähen, wenn das Unterste auf der Skala eine "untere Mittelschicht" wäre.
Immer dort, wo Menschen ums physische und soziale Überleben kämpfen, findet ein Gesellschaftsstreit statt, egal, wie man ihn im Einzelfall nennen mag.
Physisches und soziales Überleben wird für immer mehr Menschen hierzulande ein Problem.

Könntest du bitte die "Ausländer" hier aufklären, was du damit genau meinst? Danke. Gruss Solf
Wenn er's nicht tut, solf, hast Du das verdient. Du beantwortest auch keine Fragen an Dich (s. Deine Multikkulti-Frage)!!! LG
solf1 am 8. Oktober 2007 11:10 Ich bin erschüttert! Bin nicht böse sein.. Antwort wurde schon geliefert.. :-)) Aber du hast Recht! Kommt nicht mehr vor.. Versprochen!!


Immer mehr Unternehmen beschäftigen Tagelöhner, die als solche definitionsgemäß ausgebeutete Geschöpfe sind.
Da sind vor allem die vielen Zeitarbeiter. Das Problem ist bekannt, wird aber vom Gesetzgeber behandelt. Kämpfen tut da keiner.
Meist übersehen wird aber das bittere Schicksal anderer Tagelöhner: Da laufen überall im höheren Management so genannte Consultants herum, Unternehmensberater, die von den Kapitaleignern auch nie lange ins Haus gelassen werden.
So wird es Zeit, dass sich alle geknechteten Tagelöhner zusammentun, um gegen die sozialversicherten Betriebsinsassen mit lebenslanger Arbeitsplatzgarantie anzugehen!
Nicht nur die von dir beschriebenen Tagelöhner müssten sich zusammentun, sondern auch die zig Tausenden 430 Euro - Jobber,denen von heute auf morgen gekündigt werden kann.Und die bis auf wenige Ausnahmen, bei Krankheit u. Urlaub kein Geld weitergezahlt bekommen, obwohl es ihnen gesetzlich zusteht.Aber wer den Mund aufmacht, kann gleich gehen.
Man kann zur Ansicht kommen, der Kampf sei abgeschafft. Da machen grosse Unternehmen doppelten Reingewinn, die Kader und Aktionaere sahnen tuechtig ab - und, es werden tausende von Mitarbeitern entlassen. Da stimmt doch was nicht. Es stinkt gewaltig und aus Angstwird geschwiegen. Bis hin zurRegierung, die hinnimmt, dass die Arbeitenden die Arbeitslosen ueber Steuergelder finanziert. Verkehrte welt.
In Deutschland gibt es weiterhin Konflikte, die mit der gesellschaftlich-wirtschaftlichen Lage zusammenhängen.
Eine soziale Klasse ist eine Gruppe von Menschen mit gemeinsamen Merkmalen (vor allem ökonomischer Art), die ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl oder zumindest ein Bewußtsein über eine mit anderen geteilte soziale Lage bei einer in Gruppen mit sehr stark abweichenden Macht- und Besitzverhältnissen gespaltenen Gesellschaft besitzen.
Bei einem vorhandenen Gegensatz, der als auf Ausbeutung und Unterdrückung bezogen betrachtet werden kann, ist früher der Begriff "Klassenkampf" öfter verwendet worden. Heute kommt er kaum noch vor (wenn, dann eher als etwas, das es nicht geben soll, und rhetorischer Vorwurf). Auch der Begriff Klasse ist unüblich geworden. Eher geläufig ist der Begriff "Schicht", auch wenn seltsamerweise einige Politiker meinten, das Wort "Unterschicht" dürfe aber nicht verwendet werden.
Ein sehr einfaches Modell mit einer Zweiteilung in geschlossene Klassen von Menschen, die Produktionsmittel besitzen, und Menschen, die ihre Arbeitskraft anbieten müssen, ist überholt. Dazu ist die heutige Gesellschaft zu uneinheitlich und in vielfältige Gruppen aufgeteilt. Hinter der Äußerung der Unternehmer scheint aber nicht viel darüber hinausgehendes Überlegen zu stehen.
Immerhin ist sogar vor kurzem der Begriff "Prekariat" als Analogie zu "Proletariat" entstanden.
Über die Existenz von sozialen Konflikten Streit und Kampf an sich ist keine allgemeine, stets gleiche Bewertung möglich. Weder sind Verhältnisse gut, die zu einer starken gesellschaftlichen Spaltung führen, noch ein wehrloses Hinnehmen von Ungerechtigkeit.


Richtiger Klassenkampf findet zum großen Glück nicht mehr statt. Schon das Klassendenken an sich ist unserer freiheitlichen Grundordnung und unserem Selbstverständnis entgegengerichtet.
Die SED/PDS versucht natürlich, wieder ein paar Proleten aufzuhetzen, aber im großen und ganzen sind die Zeiten zum Glück vorbei!
Ich bin ich, keine Klasse.
Auch wenn der Begriff <Klasse> altmodisch erscheint, finden ständig Verteilungskämpfe statt, weil es Leute (meist auf der ohnehin schon gutsituierten Unternehmerseite) gibt, die nie zufrieden sind mit dem erreichten Wohlstand und andre (Schwächere, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen!) noch mehr als bisher wie eine Zitrone auspressen (wollen). Das Stammtischgerede der von dir erwähnten Leute soll wohl das Märchen von der SM (sozialen Marktwirtschaft) aufrecht erhalten ...

Wenn ich einige Sprüche von Lafontaine, aber auch von einigen eher linken SPD-Migliedern oder Grünen mal Revue passieren lasse, dann gibt es dort heftige Versuche, den Klassenkampf wiederzubeleben.
Fr0stbeule am 11. Oktober 2007 10:17 Nun ja, es dreht sich ja nicht alles um politische Reden. Und Klassenkampf könnte man auch als "Schichtenkampf" bezeichnen.