Frage von Kuppelwieser, 155

Ist der Jetztzeitmensch, der Homo sapiens sapiens schon das Ende der menschlichen Evolution? Und was hätte das für eine Auswirkung auf die Religiosität?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Tasha, 69

Das kann man nicht sagen. Die Evolution geht ja immer weiter.

Natürlich läuft sie beim Menschen zur Zeit anders ab als bei den Tieren, weil wir unter anderen Bedingungen leben. Z.B. werden bei uns nicht Individuen durch Fraßfeinde ausgelesen. 

Auch läuft unsere Evolution vermutlich eher in Richtung "weniger lebenstüchtig ohne Hilfsmittel", im Gegensatz zur Evolution der Tiere in freier Wildbahn, aber evtl. vergleichbar mit der Evolution gezüchteter Tiere (ohne die bewusste Zuchtauslese).

Wir haben schon eine starke sexuelle Selektion: Es gibt Merkmale, die man an anderen Menschen attraktiv findet und andere, die die meisten Menschen weniger attraktiv finden, und wer wenig attraktiv ist, findet evtl. keinen Partner, mit dem er Kinder haben könnte. Natürlich gibt es dann wiederum die künstliche Befruchtung. 

Trotzdem bleiben auch bei uns Menschen ohne Partner, die ihre Merkmale nicht weitergeben können, ggf. eher ausgelesen durch ihre Lebensumstände (Beliebtheit aufgrund von finanziellen Möglichkeiten, Arbeit, Interessen).  Diese Menschen geben dann ihre Gene nicht weiter und es könnte sein, dass dadurch ihre bestimmte Eigenschaften seltener vererbt werden (ich weiß aber nicht, ob man sagen kann, dass viele dieser Menschen eine Gemeinsamkeit haben, die dann nicht mehr weitervererbt wird).

Der Mensch verändert sich aber immer weiter. Evolution bekommen wir nicht mit, weil sie über einen längeren Zeitraum als ein Menschenleben oder auch die Aufzeichnung der geschriebenen Geschichte verläuft. Es könnte aber sein, dass sich der Jetztmensch von dem Menschen unterscheidet, der in ein paar hunderttausend Jahren vielleicht noch leben wird.

Eine Auffälligkeit "unserer Zeit" ist sicher, dass Menschen überlegen, die früher wenig Chancen gehabt hätten: Menschen mit Behinderungen, Menschen mit Krankheiten, die sie körperlich einschränken, Menschen mit Hang zum Übergewicht usw. Auf der anderen Seite legen wir aber auch viel Wert auf gesunde Ernährung und Sport. Es könnte also evtl. sein - da lehne ich mich jetzt weit aus dem Fenster - dass sich diese beiden Typen stark auseinander entwickeln, und gegenteilige Merkmale in beiden Gruppen vererbt und ausgelesen werden. 

Kommentar von Kuppelwieser ,

"...dass sich diese beiden Typen stark auseinander entwickeln, und gegenteilige Merkmale in beiden Gruppen vererbt und ausgelesen werden...." Das hieße also, dass sich die jetzige Menschheit aufspaltet, so wie gehabt in Neandertaler und Jetztmensch und eine Spezies verschwindet! Das ist interessant und könnte aus der  Sackgasse führen!

Kommentar von realsausi2 ,

dass sich diese beiden Typen stark auseinander entwickeln,

Was nur dann zu erwarten ist, wenn die von Dir genannten Parameter tatsächlich genetisch angelegt sind.

Man könnte vielleicht einen Mechanismus über sexuelle Selektion kontruieren, aber das Eis ist sehr dünnn. Es ist ja nicht so, dass ein Dicker immer nur mit einer Dicken für Nachwuchs sorgt. Das geht ja bunt durcheinander.

Bis auf eher wenige Fälle, wo wirklich eine erbliche Stoffwechselstörung Ursache für die Leibesfülle ist, wird das im Genpool kaum Wirkung entfalten.

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Damit es zu einer Trennung zweier Spezies kommt, muss sich eine Population einer entsprechenden Größe von der Restpopulation der Art lösen und beide müssen sich voneinander isoliert weiterentwickeln. 

Als wir außer dem Pferd noch keine Fortbewegungsmöglichkeiten hatten, hätte das bei der globalen Verbreitung des Menschen durchaus passieren können, denn wie man sieht haben sich bereits viele unterschiedliche Ethnien entwickelt, welche unterschiedliche Körpermerkmale wie die Blutgruppen und vor allem die Hautfarbe hervorbrachten. Irgendwann wären diese Ethnien zu eigenen Arten oder sogar neuen Gattungen geworden und die Fähigkeit, dass sie sich untereinander fortpflanzen können, wäre verloren gegangen.

Durch unsere Infrastruktur wird unser Planet jedoch immer kleiner und zwischen den unterschiedlichen Etnien kommt es immer wieder zu genetischem Austausch und einer Durchmischung des Genpools. Die natürliche Isolation ist deshalb nahezu aufgehoben. Ein Aufspalten des Menschen in zwei Arten halte ich deshalb für sehr unrealistisch.

Kommentar von Schweinsbraten4 ,

Der Homo sapiens adipositas und der Homo sapiens veganis? :)

Antwort
von MarkusKapunkt, 74

Da es - man glaubt es kaum - noch Menschen auf dem Planeten gibt, nicht. Evolution vollzieht sich von Generation zu Generation, sehr, sehr langsam, bis es zu Veränderungen kommt. Solange es Menschen gibt, werden die sich auch weiterentwickeln und über kurz oder lang (eher über lang!) auch verändern und neue Spezies hervorbringen. Ein Ende ist da nicht abzusehen, außer natürlich dann, wenn die Art ausstirbt.

Kommentar von realsausi2 ,

sehr, sehr langsam, bis es zu Veränderungen kommt.

Ich muss das als Erbsenzähler mal kurz reingrätschen.

Die Veränderungen sind natürlich immer von einer Generation zur nächsten. Sehr klein, kaum wahrnehmbar.

Es ist nicht so, dass es nach einem längeren Anlauf ohne Veränderung dann plötzlich Plopp macht und es ist eine Veränderung da.

Tatsächlich als Unterschied wahrnehmbar ist dann diese stetige Abfolge von Veränderungen sicherlich nur in einem längern Abstand.

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Gute Ergänzung und keine Erbsenzählerei. Hatte ich eigentlich auch so gemeint, wie du es (besser) formuert hast. 

Antwort
von Andrastor, 50

Es gibt kein "Ende der Evolution". Evolution ist ein immerwährend fortlaufender Prozess und auch heute noch entwickelt sich der Mensch ständig weiter. Evolution endet dann wenn es kein Leben mehr gibt, das sich weiterentwickeln könnte.

Auf die Religiosität hätte keiner der beiden Fälle eine Auswirkung. Die Religionen haben demonstriert dass ihnen wissenschaftliche Erkenntnisse im besten Fall egal sind und sie sie einfach ausblenden.

Kommentar von Kuppelwieser ,

Der Neandertaler hatte andere religiöse Vorstellungen wie der Jetztmensch. So wird auch ein potenzieller Homo sapiens sapiens sapiens, der vielleicht die letzten Geheimnisse der Welt enträtselt, wenn überhaupt, andere religiöse Vorstellungen haben, über unsere jetzige Religionen schmunzeln, wie wir es über die heidnischen Religionen unserer Vorfahren tun!

Kommentar von Andrastor ,

Die religiösen Vorstellungen der Menschen haben jedoch nichts mit der Evolution des Menschen zu tun, sondern entwickeln sich unabhängig davon.

Kommentar von realsausi2 ,

andere religiöse Vorstellungen haben,

Ich halte es für wahrscheinlicher, dass unsere späten Nachfahren frei von Religion über die heute noch wirkenden eher den Kopf schütteln werden.

Kommentar von Andrastor ,

es bleibt zu hoffen, dein Wort in Darwins Ohr

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Zumindest bleibt zu hoffen, dass all die Irren, die unter der Zwangsvorstellung leiden, dass nur ihr eigener Glauben richtig sei und jeder, der nicht bereit ist, ihn zu teilen besser verschwinden ergo sterben sollte, irgendwann selbst alle verschwinden, damit wir Menschen endlich ein paar Generationen leben und uns weiterentwickeln können, ohne das wir uns dabei gegenseitig umbringen. Außerdem bleibt zu hoffen, dass der Mensch in Folge seiner höheren Entwicklung erkennt, dass er von der Erde und ihren Ressourcen abhängig ist und endlich lernt, vernünftig mit ihnen umzugehen. Es ist bloß die Frage, ob ein Ändern der Einstellung einen Vorteil bedeutet, der sich auch selektiv durchsetzt. Bislang hat die Evolution immer nur die Menschen begünstigt, die besonders skrupellos sowohl im Umgang mit ihren Mitmenschen als auch der Natur sind.

Antwort
von Chrisx95, 11

Da Vieles bereits dazu geschrieben wurde, dass die Evolution niemals ende, füge ich meinen Teil zu dem Thema der Religiösität hinzu:

Die Religion wird es (wie auch bisher) schaffen, Tatsachen, Dinge, Worte, ect. so zu verdrehen, auszulegen und allgemeinhin zu lügen, dass sie weiterhin ihren Bestand selbst legitimiert.*

Hier kommt es jedoch auf die Religion an: Es gibt sicherlich jene*, die der Wissenschaft nicht wiedersprechen, doch jene, die es tun, liegen bereitsheute falsch* und werden dies auch gut in der Zukunft schaffen.. sofern der Aufbau der menschlichen Gesellschaft der selbe oder ein ähnlicher wie just bleibt.

Also: Die Kirche tut, was sie immer tut und erzählt und macht Müll*, die Religion im Allgemein ist so vielseitig, dass es wissenschaftstreue wie fernere dieser (der Wissenschaft) gibt.

Tadaaaa, dies ist meine Variante des In-die-Zukunft-Schauens : D

Anmerken möchte ich, dass ich nicht über Religion(en) urteilen möchte, da diese zu vielseitig ist(/sind). Weiterhin möchte ich mich nur auf den größeren Teil der in Kirchen organisierten Religionen oder dieser Kirchen darin beziehen, dass ich diese für beispielsweise nicht gerecht halte (z.B. Ablehnung von Homosexualität), oder anderweitig kritisiere.

(Auch ich selbst bin kein Nihilist, wenngleich vielleicht ein Atheist)

Grüße


(* = Eine Behauptung meinerseits oder eine Vermutung, die lediglich der Leserlichkeit und Textlänge geschuldet so bedingungslos ausgedrückt wurde.)

Antwort
von realsausi2, 28

Ich habe gerade mal meine Kristallkugel poliert und nachgeschaut. Dort konnte ich sehen, dass uns irgendwann doch der von mir so vermisste dritte Arm wächst.

Im Ernst:

Niemand kann wissen, wo die Reise hingeht. Sicher ist nur, dass Evolution wirkt, solange eine Spezies nicht ausgestorben ist.

Auch der Mensch ist der Evolution unterworfen. Änderungen sind aber eher weniger Spektakulär. Man kann sich z.B. vorstellen, dass Männer irgendwann immun gegen Weichmacher werden. Oder das Funktionen des Immunsystems sich verändern werden.

Ein dritter Arm wird uns mit Sicherheit aber leider nicht wachsen.

Was das nun mit Religiösität zu tun hat, ist mir eher unklar. Ernsthafte Gläubige stellen Evolution nicht in Frage.

Kommentar von Kuppelwieser ,

Leider ist meine Frage - wie ich zu spät erkannt habe - vielleicht etwas missverständlich bezüglich der Religion. Gemeint war natürlich, ob der potentielle künftige Homo sapiens-sapiens-sapiens, der vielleicht die letzten Geheimnisse der Welt entschlüsselt hat, noch Rudimente von Religiosität aufweisen wird? Ich fürchte ja, denn nach den neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft, dürfte es doch solchen religiösen Fanatismus wie den IS schon lange nicht mehr geben, zumal die ja nicht im Urwald leben und alle Kommunikationsmittel zur Verfügung haben!

Antwort
von Mondhexe, 56

Ich fürchte ja, denn leider verhält sich der Homo sapiens so, dass er sich irgendwann selbst ausrottet und keine Chance mehr für weitere Evolution bleibt.

Antwort
von dadita, 47

Solange unsere Spezies existiert wird auch sie sich den Gesetzmäßigkeiten der Evolution folgend verändern. Evolution endet nie. 

Antwort
von Josofia, 45

Wir können nicht in die Zukunft schauen ...

Antwort
von mychrissie, 11

Mit Sicherheit ist der Mensch nicht am Ende des evolutionären Prozesses angelangt.

Vielleicht (hoffentlich) hat er am Ende die Religion zu den Akten gelegt und baut mehr auf seine eigene Vernunft.

Antwort
von HellasPlanitia, 42

Wieso sollte Evolution enden? Und wie stellst du dir das vor?

Antwort
von napoloni, 7

Ich bin die Krone der Evolution. Ihr Menschen seid doch schon kalter Kaffee, Ihr Homos! :o)

Öhm, ich bin unreligiös ^^

Antwort
von ichweisnetwas, 38

Das bezweifel ich.

Wir entwickeln uns irgendwann wieder weiter. Vielleicht sind wir ja dann endlich schlau genug uns nichtmehr gegenseitig auszurotten wie wir es schon tausende von jahren machen.

Weil das hat der mensch bei all seiner weisheit nochimmer nicht verstanden

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Nicht irgendwann. Zu jeder Zeit. Mit jeder Geburt eines neuen Menschen ist eine weitere Stufe der Entwicklung erreicht. Evolution drückt sich nicht dadurch aus, dass es plötzlich eine neue Spezies gibt. Veränderung entstehen durch Mutation und Rekombination, und der Selektionsdruck bestimmt, welche dieser Veränderungen sich dann irgendwann durchsetzen, dies ist aber ein sehr, sehr langsamer Prozess. Doch der Prozess läuft - mit jeder neuen Generation ist der Mensch also eine (kleine) Stufe der Evolution weiter.

Kommentar von Kuppelwieser ,

Wenn das aber so stufenlos abgelaufen ist, dann ist es aber frappant, dass man noch nicht unterscheiden konnte zwischen einem viertel- halb- dreiviertel Neandertaler und anderen Spezies! 

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Der Neandertaler ist nicht unser Vorfahre, sondern war unsere Schwesterspezies. Natürlich gibt es auch Entwicklungsstufen, aber dir muss klar sein dass diese Stufen nur Modelle sind. Wie Schritte auf einer Treppe, die uns helfen so etwas komplexes wie die Evolution zu verstehen. Die "Vorstufen" des modernen Menschen werden Homo ergaster und Homo erectus genannt, Fakt ist aber, dass es nicht "den" Moment gab, in welchem sich aus einer dieser Spezies dann ein neues Wesen entwickelte. So ein "Moment", in dem man eine Trennlinie zwischen Vorläufer- und Nachfahrenspezies ziehen kann, dauert viele Generationen und damit viele Jahrzehntausende.

Kommentar von Kuppelwieser ,

Es gibt aber Beispiele in der Natur, dass eine Spezies ruckartig entsteht, so wie die Apfelsorte "Granny" durch einen Zufall entstanden ist und nicht durch eine gezielte Züchtung!

Antwort
von ANDKNO, 41

Momentan ja weil es ja noch nicht die Weiterentwicklung gibt

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Jede weitere Generation einer Spezies ist bereits eine Weiterentwicklung. Nur wenn es dabei zu keinen sichtbaren Veränderungen kommt, heißt das nicht, das Evolution nicht "passiert". Evolution vollzieht sich sehr, sehr langsam und auch nicht immer gleich auf einen Schlag. Ein neues Merkmal braucht einige Zeit, bis es sich gegenüber den alten durchsetzen kann (wenn es dominant vererbt wird) und das alte Merkmal völlig verschwindet (wenn dieses rezessiv vererbt wird). Auch beim Menschen gibt es solche dominanten und rezessiven Merkmale. Wer weiß, viellleicht werden bald alle Menschen dunklehaarig und braunäugig sein...

Antwort
von Cybers, 41

Solange der nicht ausstirbt nein.

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