Edgar Niklaus am 20.08.2007 um 17:46 Uhr
Wenn ich höre, das 46 % der potenziellen Azubi keine Ahnung vom PC haben. Viele die Grundrechenarten, Prozentrechung und Dreisatz nicht können, sowie keine Bewerbung fehlerfrei hinkriegen, dann ist doch unser Schulsystem nicht mehr in Ordnung. Oder haben die jungen Menschen einfach keine Lust?

Das ist in der Tat ein Problem. Ich unterrichte unter anderem an einer privaten Berufsschule Kommunikation und Korrespondenz. Ganz oft beschäftigen wir uns aber mit Kommaregeln und dem Unterschied zwischen "das" und "dass". Meiner Ansicht nach kommt da Vieles zusammen: Eine technikorientierte Jugend (zuviel TV/PC), aber auch unser defizitorientiertes Schulsystem (staatliche Lehrer sind lebende Fehlerscanner) und Lehrinhalte, die sich an den hohen Werten der bürgerlichen Aufklärung orientieren, statt an praktischen lebensnahen Stoffen. Schließlich ist nicht zu unterschätzen, dass staatliche Lehrer immer noch viel zu häufig verbeamtet sind, also keinen Leistungsdruck haben und jeglicher Kontrolle entzogen sind, wenn sie die Tür des Klassenraumes hinter sich schließen.
Ein endloses Thema, ich könnte tagelang darüber reden.

Deine beiden Fragen sind Vermutungen aber haben keine ratgebende Funktion, wer sollte das denn hier qualifiziert beantworten können. Es sei denn Du legst Wert auf Stammtischweisheiten.
Edgar Niklaus am 20. August 2007 20:20 Keine Vermutung. Wir haben Fachkräfte und auch Ingenieurmangel in Deutschland.
engelhaar am 20. August 2007 22:28 Da stimme ich Dir zu, nur Deine Frage lautete ob der Mangel Hausgemacht ist.

Schön, immer auf den staatlichen Lehrern herumhacken. Das kostet ja nichts. Und jeder Stammtischwortführer schlägt sich auf die Schenkel.
Da möchte ich etwas entgegen halten:
Erstens hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, was die Qualifikation der Lehrerinnen und Lehrer angeht und zweitens kann kein Lehrer dieser Welt gegen das außerschulische Curriculum ankämpfen, wenn viele Eltern nicht am gleichen Strang ziehen.
Seit den siebziger Jahren haben viele Eltern stillschweigend die Last der Erziehung in die Hände der Gemeinschaft gelegt, die diese aber gar nicht haben wollte und politisch auch nicht haben sollte.
In diesem Dilemma sind bereits zwei Generationen groß geworden, die sich in Erziehungsfragen unsicherer sind als je Eltern zuvor. Politisch gibt es aus meiner Sicht eigentlich nur zwei ehrliche Möglichkeiten: entweder man verweist die Erziehungsaufgaben konsequent an die Eltern zurück (viele werden sie aber gar nicht zurückhaben wollen) oder man führt tatsächlich flächendeckend eine richtige Ganztagesschule mit Schul- und Freizeitangeboten verteilt über den ganzen Tag ein (da fühlen sich allerdings etliche Eltern entmündigt).
Unter dieser politischen Entscheidungsschwäche leiden insgesamt die Lehrer genau so wie die Schüler. Beide sind Opfer und nicht Täter der Bildungsmisere.
engelhaar am 20. August 2007 22:29 Bravo, DH !!