Prowler am 20.07.2009 um 20:41 Uhr
Ich glaube, im Westen liegt ein fundamentales Missverständnis über die Essenz des Buddhismus vor: Hier bei uns glaubt man, er habe zum zentralen Ziel, das Leben der Menschen mit Liebe und Frieden zu erfüllen. Also die Verbesserung des menschlichen Lebens als Ziel.
Der historische Buddha legte aber mit seiner Lehre das Fundament für eine extrem pessimistische Weltdeutung: 1. Das Leben ist leidvoll. 2. Der Buddhismus zeigt einen Weg auf, Wiedergeburt und damit Leiden endgültig zu überwinden, so dass man also nicht mehr leben und leiden muss. http://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus#Lehre
Ist der Buddhismus im Kern pessimistisch? Was meint ihr?! Danke.
Hallo,
ich bin Buddhist und beschäftige mich schon seit 20 Jahren mit dem Buddhismus.
Deine Behauptungen und Annahmen sind weitgehend falsch.
Buddha hat erkannt, dass viele Menschen leiden und unglücklich sind, hat die Ursachen dafür analysiert und einen (nämlich seinen) Weg vorgeschlagen, wie jeder für sich persönlich wieder glücklich leben kann. Nach zu lesen in den 4 edlen Wahrheiten und deren Umsetzung.
Damit zeigt Buddha den Menschen gerade wieder das Lebensglück und was dazu gehört auf.
Auch Buddha und seine Anhänger damals waren nicht pessimistisch und unglücklich, sondern sie haben das Glück den anderen Menschen direkt vorgelebt.
Natürlich "beissen" sich viele Buddhimus-Kritiker gerne an der Aussage "das Leben ist Leiden" fest. Aber sie lesen dann eben nicht weiter, dass Buddhisten das genau versuchen wieder zu überwinden und bei "das Leben ist Freude" ankommen. Ich frage mich was man dann vom Christentum halten sollte, wo es noch einen Satan und eine Hölle gibt ...
Buddha war ein Anhänger des Friedens: Frieden in menschlichen Beziehungen und gegen Kriege. Einmal stand er zwischen 2 Armeen die gerade Kämpfen wollten und verhinderte friedlich diese Auseinandersetzung.
Buddha hat das Eins-Sein mit allen anderen Menschen und den Tieren gelehrt - aber nicht "Liebe" weil dies wieder leidbringende Anhaftung ist. Insofern würde ich im Zusammenhang mit Buddha nie das Wort "Liebe" verwenden. Aber über das Eins-Sein, gibt es etwas das sich recht ähnlich auswirkt, aber andere Ursachen hat da es eben nicht mehr dem Ego entspringt.
Ich möchte natürlich hiermit nicht behauptet, dass nur Buddhisten nicht mehr leiden, das kann man auch in anderen Religionen erreichen. Nur im Christentum ist es eben erst gar kein Ziel, dass Menschen das Leiden überwinden - im Buddhismus ist es aber das einzige Ziel!
Grüsse http://www.zen.fuer-uns.de/

Und was ist mit denen, die nicht dem christlichen Schuldkult folgen? Ewige Verdammnis, soweit ich mich erinnere. Ist das optimistisch? Hölle ohne Ende? Nur weil man eine eigene Meinung hat?

Welche Religion ist nicht pessimistisch/negativ?
Das Christentum z. B. nicht - m. M. n. auch nicht. Siehe etwa die Bergpredigt, in denen den Schwachen, Leidenden, Armen usw. eine gute Zukunft verheißen wird.
Gruenesei am 20. Juli 2009 20:56 Ja, die Hölle verdrängen wir jetzt mal ganz schnell, an die will ja sowieso niemand denken. Das Christentum baut ja wohl auf Angst/Drohungen auf...
das ist nicht war. das ist glaube aus dem mittelalter und HEUTE würde das kein philosophe oder theologe unterschreiben! im christentum geht es um (nächsten)liebe und damit auch um ein schönes leben für sich selbst...religionen sind im grunde eh alle gleich sie vermittlen beinahe die gleiche lebensphilosphien..rechtes handeln usw. meiner meinung nach ist die ganze dogmatik er schmuck herum
Prowler am 20. Juli 2009 21:15 EBEN !
Die interessantesten Diskussionen kommen immer durch Unwissenheit zustande :-)). Und Sokrates, der vor allem Fragen stelle, sagte am Ende: Das Einzige, was ich weiss ist, dass ich nichts weiss. Manches hier Geschriebene würde Buddha akzeptieren (bes. Zenni), anderes basiert - wie beim Christentum und im Islam (Mohammed konnte gar nichts aufschreiben, er war Analphabet) - auf den Legenden und Notizen der Nachfahren. Diese schufen dann DIE RELIGION, mit deren Vorschriften, Mythen und Riten man Macht ausüben und Geld sammeln konnte. - Buddha hat selbst keine Religiopn gewollt. - Buddha hat von keinem Gott gesprochen, vor allem nicht in seinem Zusammenhang. - Buddha hat sich vor allem für das diesseitige Leben interessiert, das Jenseits ist von anderen gemacht, wie die Unbefleckte Empfängnis...
Nein, der fundamentale Buddhismus ist nicht pessimistisch sondern realistisch. Die Gier und das Streben nach immer mehr und mehr verursacht tatsächlich Leiden dadurch, dass man ja nie genug bekommt. Seht euch doch mal die Differenz zwischen der Werbewirklichkeit und der jämmerlichen Realität des eigenen Lebens an. Und wer sich dauernd selbst ´was vormacht, endet auch irgendwann im Suff oder in der Klapsmühle. Die meisten enden allerdings pleite, weil der Konsum als Ersatzglück gegen das Leiden benutzt wird. Vor allem Frust und Unterdrückung treiben den Konsum an. Buddha hat viel probiert, auch den totalen Verzicht auf Lust beim Essen, Trinken und beim Sex. Er hat eingesehen, dass Askese kein Weg zum Glück ist. Das ist vernünftig und nicht pessimistisch. Wie verlogen und oberflächlich heute mit dem Buddhismus umgegangen wird, macht jeden nachdenkenden, aufgeklärten, d.h. fundamentalistischen Buddhisten traurig oder wütend. Ich sehe das z.B. in meiner zweiten Heimat Thailand, wo 95% der Bevölkerung Buddhisten sind. Sie beten und opfern AUSSCHIESSLICH für ihren Erfolg im Beriuf, in der Liebe und im Lotto. Sie konsumieren hysterischer als die Amis. Sie sind extrem oberflächlich und legen viel mehr Wert auf Äußerlichkeiten als auf innere Werte. Auch der Buddhismus braucht einen Luther... Fred
Hallo,
ich denke hier haben einige Menschen eine falsche Ansicht. Nirvana bedeutet Erleuchtung und kann schon zu Lebzeiten erreicht werden. Dies hat ja auch der Buddha geschafft und danach noch 40 Jahre gelebt. Er hatte sicherlich auch mal Schmerzen und Hunger usw.. Das ist aber auch nicht mit Leiden gemeint. Was wir von den Dingen erwarten erzeugt Leiden. Wenn ich erwarte, dass mein Körper immer jung und gesund bleibt werde ich Leiden sobald er altert oder krank wird. Das ist mit Leiden gemeint. Des Weiteren zielt der Buddhismus nich nur auf das Pari-Nirvana ab, dem vollständigen Erlöschen der menschlichen Hülle. Wäre dem so, gäbe es keine Bodhisathvas, die auf das Parinirvana verzichten um in diese Welt solange zurück zu kehren bis alle Wesen aus dem Leidvollen rad des Lebens befreit sind. Einer der berühmtesten ist der Dalai Lama, der die Wiedergeburt des Bodhisathva Avalokiteshvara sein soll.
Zu den Christen mag ich nur sagen. Wenn Gott den Menschen nach seinem Abbild geschaffen hat, hat er den Menschen auch mit allen seinen schlechten Seiten geschaffen. Warum soll ich also bei diesem Wesen für etwas um Entschuldigung bitten, was dieses Wesen mir angetan hat?
Auch glaube du hast dich mit dem Buddismus nicht sehr aus! Zu der ersten aussage, dass das leben leid voll ist! ich glaube dass das stimmt, aber es schließt nicht aus dass das leben auch schön ist! So außerdem ist es im buddismus nicht das ziel nicht die wiedergeburt, sie findet sozusagen automatisch statt. Sondern das Ziel ist das "Nirvana" zu erreichen. vllt vergleichbar mit der christlichen vorstelllung vom reichgottes. der buddismus ist ehr eine philosphie und ihre grundgedanke (der achtteilige pfad sind sehr edel) und entsprchen den christlich vorstellungen( wie auch allen anderen religion) man soll niemandem schaden,möglichst nicht lügen etc...

Jede Religion setzt auf Erlösung/Verbesserung im 'Danach'. Es gibt im Buddhismus allerdings durchaus sehr positive Ströme. Buddhismus erlaubt dem Gläubigen durchaus Eigenentscheidung und freie Interpretation.
Nein, da es darum geht, dem Leiden entkommen zu können. Eine pessimistische Weltanschauung würde eine solche Möglichkeit bestreiten.
Prowler am 20. Juli 2009 21:00 Ich meine, die Weltsicht des B. sei pessimistisch, da sie PRIMÄR auf das Leidvolle des Lebens abzielt. Der moderne Atheist im Gegensatz kann im menschlichen Leben - gewissen Wohlstand und ein Mindestmaß zivilisatorischer Standards vorausgesetzt - durchaus ein Gutes, eine Freude, eine Lust, ein Genuss - ein lohnendes Projekt erkennen.
Als Gegenentwurf würde ich durchaus das Christentum nennen: Es gibt einen Gott, der jeden einzelnen Menschen liebt. Verhalten wir uns nach dem Willen Gottes, so dürfen wir als Belohnung auf Ewiges Leben in der Liebe Gottes hoffen.

Ich denke, dass wir alle wissen, dass das leben voller leid ist. Jesus hat doch auch leiden auf sich genommen, um die welt zu retten, und ins paradis aufzusteigen

Kann ich nicht bestätigen. Dank der Aussicht auf das Nirvana und der Möglichkeit, dieses durch gute Taten zu erreichen, würde ich diese Subkultur eher optimistisch einschätzen.
Prowler am 20. Juli 2009 21:15 Gut... final optimistisch; die Abwesenheit jeglichen Leidens aber nur im Nirvana (jenem unbeschreibbaren Zustand bei Fehlen jeglicher Zuschreibungen, übersetzbar vielleicht mit "verlöschend") - aber KATEGORISCH pessimistisch/ablehnend gegenüber dem Leben! Das Leben sei eben so elend, dass man den Kreislauf der Wiedergeburten ja unbedingt (!!!) unterbrechen will.
Hi zenni! Danke Dir für die hilfreiche Antwort!***