Frage von HunMagyar25, 72

Ist der Bezug auf einen Schöpfer in der Wissenschaft erlaubt?

Wenn Schöpfungsglaube mit Naturwissenschaft in Beziehung gebracht wird, stellt sich automatisch die Frage, welchen Bezug der Schöpfer zu den aufgestellten Hypothesen und Theorien hat.

Antwort
von Agronom, 33

Das wäre nur möglich, solange man diesem Schöpfer keinen Einfluss zuordnet, was dann eine Bezugnahme zu diesem recht sinnlos macht.

Eine Grundlage für Naturwissenschaften ist der "ontologische Naturalismus", das ist eine Grundannahme welche besagt, dass unser Universum und alles darin ein von sich aus funktionierendes System ist und alles nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten abläuft. Ohne diese Annahme wäre Wissenschaft nutzlos, Empirie wäre nicht möglich, da durch einen übernatürlichen Einfluss keine Reproduzierbarkeit von Ergebnisse gegeben wäre, gesammelte Daten hätten damit keinen Wert, da nicht sichergestellt werden kann, dass diese nicht beeinflusst wurden.

Wenn du dich damit noch detaillierter beschäftigen möchtest, schau dir das mal an: www.darwin-jahr.de/evo-magazin/ontologische-naturalismus-ist-keine-ideologie

Kommentar von Christian3684 ,

Du schreibst richtig, dass man im Naturalismus von einer Grundannahme ausgeht, mit der man versucht alles zu erklären.

Nur kann man mit dem Naturalismus allein nicht die Entstehung der Energie/Materie/Gesetzmäßigkeiten/Strukturen/Eigenschaften usw. erklären, die die Grundvoraussetzungen/Komponenten sind, damit das gesamte System funktionieren kann.

Das alle diese Voraussetzungen nicht von alleine entstanden sein können kann man in berechtiger Weise von der Grundannahme ausgehen, dass sie durch ein schöpferisches Wirken, welches außerhalb liegt, geschaffen wurden. Von dieser Annahme ist Charles Darwin, der Begründer der Evolutionstheorie, ausgegangen. Er sah darin keinen Widerspruch zur Wissenschaft, wie das leider später die atheistischen Wissenschaftler behauptet haben, bzw. bis heute behaupten.

Diese schöpferische Grundannahme widerspricht nicht im Geringsten der Wissenschaft, weil sich diese ja nur mit den vorhandenen Gegebenheiten beschäftigen kann, aber nicht wie diese als Grundvoraussetzung enstanden sind. Denn ohne sie geben es kein Universum und kein Leben. (Darwin)

Kommentar von Agronom ,

Ja, das schließt man damit auch nicht aus, es könnte einen Schöpfer geben oder gegeben haben, der Energie, Materie, Naturgesetze etc. geschaffen hat. Diese Grundannahme besagt nur, dass dieser Schöpfer danach keinen Einfluss mehr nehmen dürfte, da sonst alles von der Willkür dieses Schöpfers abhinge.

Kommentar von Christian3684 ,

Erfreulich Deine teilweise Zustimmung!

Nur wo steht geschrieben, dass der Schöpfer keinen Einfluss mehr nehmen durfte? Oder dass sein Einfluss in willkürlicher Weise geschehen würde?  Wer könnte ihm vorschreiben was Er darf oder nicht darf? Warum sollte er, der die nötigen Voraussetzungen für den Kosmos und für das Leben geschaffen hat dann widerum in "willkürlicher Weise" handeln? Das ergibt weder einen Sinn, noch wäre das eine logische Schlussfolgerung!

Kommentar von Agronom ,

Ich sage nur, dass die Grundannahme des ontologischen Naturalsimus eben eine Einflussnahme untersagt, denn nur so kann man empirische Wissenschaften betreiben. Wenn Naturgesetzte beeinflussbar wären, wie sollte man sie dann eindeutig beschreiben und zu Erklärungszwecken verwenden.

Andere Ansichten sind deshalb ja nicht zwangsläufig falsch, aber finden eben keinen Platz innerhalb der empirischen Wissenschaften.

Antwort
von Hyperhaes, 26

"der Schöpfer"? Welcher denn? Ich nehme mal an du beziehst dich auf die Bibel, oder? 

Also man soll einen Mythos, etwas völlig unbewiesenes aus einem Buch voller Widersprüche in ein System einsetzen, was als Grundlage nachvollziehbare Fakten hat? 

Wäre man so vorgegangen, hätten wir keinen Fortschritt sondern Stillstand, weil man ja immer an den gerade passenden Stellen "Gott" eingefügt hätte (Blitz, Donner, Vulkanausbrüche etc.) und was die ET angeht... da hat ein Gott nun wirklich keinen Platz, man kann über Abiogenese oder Urknall streiten (wobei das meiner Meinung nach auch nur wieder der "Gott in der Lücke" wäre und/oder die Kausalitätskette nur ein Glied weiter nach hinten verschiebt)...

Nein, Kreationismus ist der einfache Weg, einer ohne Nachdenken, ohne Forschung, ohne Wissen... 

Antwort
von Philipp59, 5

Hallo HunMagyar25,

grundsätzlich sind Glaube und Wissenschaft aus meiner Sicht miteinander zu vereinbaren, sofern sich jede der beiden Richtungen ihrer Grenzen bewusst ist und nicht auf das "Hoheitsgebiet" des anderen übergreift.

Unglaubwürdig werden Vertreter des Glaubens , wenn sie eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse, die unwiderlegbar bewiesen sind, einfach ignorieren und sogar glauben, "wissenschaftliche Beweise" für ihren irrigen Standpunkt gefunden zu haben. Das beraubt sie nur jeder Glaubwürdigkeit und spielt eher denen in die Hände, die gegen die Existenz Gottes argumentieren. Leider haben das einige fundamentalistische Gruppen, wie z.B. die Kreationisten, getan, und haben dadurch der Glaubwürdigkeit der Bibel einen schlechten Dienst erwiesen.

Wissenschaftler bewegen sich grundsätzlich auf einem anderen Terrain als ein Verfechter des Glaubens. Ein Wissenschaftler hält sich bei seinen Forschungen an empirisch belegbare Tatsachen. Da jedoch die Existenz Gottes in diesem Sinn nicht belegbar ist, ziehen viele Wissenschaftler daraus den Schluss, dass es keinen Gott gibt. Hierbei sollte jedoch der Wissenschaftler wieder an seine Grenzen denken. Wenn er glaubt, dass nur das existieren kann, was wissenschaftlich belegbar ist, überschreitet er eindeutig seine Grenzen. Wissenschaft kann nicht die gesamte Welt erklären, sondern immer nur einen Teil daraus. Die Frage nach Gott liegt eindeutig jenseits dessen, was ein Wissenschaftler erforschen kann. Aus diesem Grund kann auch niemals der Glaube an einen Gott widerlegt werden.

Andererseits kann gerade das naturwissenschaftliche Forschen dazu führen, dass auch ein Wissenschaftler an Gott glaubt. Zum Beispiel zeigt das immer weitere Vordringen in den molekularen Aufbau der Strukturen des Lebens, dass überragende Intelligenz mit im Spiel ist. Dabei geht es nicht darum, in einem Schöpfer eine Erklärung für das Unerklärbare zu suchen. Es geht einfach darum, anzuerkennen, dass der Zufall keine zufriedenstellende Antwort auf die Frage ist, wie das Leben in all seinen vielfältigen Formen entstehen konnte. Auch können die Gesetzmäßigkeiten in der Natur allein nicht erklären, wie die komplexen Strukturen von lebenden Organismen mitsamt ihren komplizierten Bauplänen entstanden sein könnten.

Daher gab und gibt es viele Wissenschaftler, die ihre Überzeugung zum Ausdruck gebracht haben, dass es einen Gott gibt. Sie sehen also in der Wissenschaft einerseits und dem Glauben an Gott andererseits keinen Widerspruch.

LG Philipp

Antwort
von Franz1957, 12

Ob etwas "erlaubt ist", hängt davon ab, ob eine erlaubnisgebende Instanz existiert, die man als solche anzuerkennen bereit ist.

Isaac Newton scheint niemanden gekannt zu haben, der es ihm verbot, und falls doch, so muß es ihm egal gewesen sein.

Antwort
von Dahika, 9

Ich denke schon, dass es auch Chemiker, Biologen und Physiker gibt, die an Gott glauben. Wenn auch nicht an diese naive Kindergartenreligion.

Und ich kann mir denken, dass sie an Fragen stoßen, auf die es (noch) keine Antworten gibt. Wie  z.B. was geschah vor dem Big Bang? Da kann dann auch ein Physiker sagen: "vielleicht haben wir da den Schöpfer."

Das hindert ihn aber nicht daran, weiterzuforschen, und wenn er eine Antwort darauf findet, die nichts mit dem Schöpfer zu tun hat, dann ist das eben so.

Ich habe einmal ein interessantes Buch von einem Jesuitenpater (und Physiker) gelesen, der sehr beklagte, dass Gott immer nur im Unerklärlichen gesucht wird. Da man aber immer mehr erklären kann, sei Gott dann automatisch immer mehr im Rückzug begriffen.

Er sagte, dass man auf Gott anders schauen kann. Gott kann durchaus auch im Erklärten liegen.  Gott hat die Schöpfung nicht gemacht, er ist die Schöpfung.

Und wenn man daran glaubt, kann man sehr wohl Physiker und religiös sein.

Antwort
von Attagus, 24

Kannst du ein Beispiel für so einen Bezug nennen?
Der "Schöpfer" (ich nehme an du meinst einen allgemeinen Gott) is irrelevant für so gut wie alles, da nicht einmal festgestellt werden, ob ein Gott überhaupt existiert. Dinge, deren Existenz nicht beweisbar oder ergründbar ist, können nicht in Hypothesen verwendet werden. In Theorien schon gar nicht.

Antwort
von Renzo85, 20

Nein, wissenschaftliche Theorien/Experimente müssen wiederholbar sein! Man muss sie Beweisen können. Da hat glaube kein Platz.

Antwort
von realsausi2, 8

Nein, eine solche Verquickung ist unzulässig. Das wäre so, als würde man in die Bedienungsanleitung eines Staubsaugers den fliegenden Besen von Harry Potter einbauen. Überflüssig, unnötig, irreführend, unpassend.

Wissenschaftliche Erkenntnisse brauchen keinen Schöpfergott.

Antwort
von gloin01, 14

Ich würde sagen, wenn ein Schöpfer existiert, dann hat er unsere Welt so geschaffen, dass sie funktioniert (Naturwissenschaften). Ich sehe da keinen Konflikt. Ob man jetzt daran glaubt oder nicht bleibt einem selber überlassen.

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