Ist der Begriff "Rasse" biologisch gerechtfertigt?

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6 Antworten

Schwierige Frage, und ich muss zugeben, dass ich keine eindeutige Antwort habe. Allgemein würde ich aber auf den Rassenbegriff verzichten. Nicht aus moralischen Gründen, sondern aus rein fachlichen Gründen.

Zunächst einmal sind die Begriffe Rasse und Unterart gleichbedeutend. sie bezeichnen eine weitere Aufspaltung der Lebewesen unterhalb der Artebene. Der Begriff Rasse ist ja geschichtlich negativ konnotiert, weil er für die Wertung und vorallem die Herabwürdigung von ganzen Menschengruppen diente. Ich finde es aber an sich unbedenklich, das Wort "Rasse" in den Mund zu nehmen, solange man damit keine Wertung ausdrücken will.

Es ist schließlich offensichtlich, dass es Unterschiede zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft gibt, sowohl kultureller als auch biologischer Natur. Diese biologischen Unterschiede äußern sich zum Beispiel in unterschiedlichen Hauttypen, Haarfarben oder Körperbauten (ist dieser Plural richtig?). Durch genetische Marker kann man auch die Wanderungsbewegungen der Menschheit rekonstruieren und damit einen Stammbaum erstellen. Eine solche Karte sieht so aus:

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/da/Migraciones_humanas_en_haplogrupos_mitocondriales.PNG

Hieraus könnte man zum Beispiel ablesen, dass die Ureinwohner Amerikas aus Asien stammen. Nach den kladistischen Regeln sind damit Asiaten und amerikanische Ureinwohner näher miteinander verwandt als eine der beiden Gruppen mit Schwarzafrikanern oder Europäern.

Aber rechtfertigt das wirklich eine Unterteilung in eine eigene Klade? Bei Hundezüchtungen spricht man zum Beispiel von Rassen, weil es sich dabei um getrennte Abstammungsgruppen handelt. Schäferhunde wurden zu einem anderen Zweck und damit in eine andere Richtung gezüchtet als z.B. Möpse oder Terrier. Die Kreuzung zwischen zwei Hunderassen wird in der Regel vermieden. Ein Mischlingshund kann nicht mehr eindeutig einer Rasse zugeordnet werden. Das gilt auch für die meisten Menschen. Menschen wurden nicht künstlich gezüchtet und dementsprechend gab es zwischen verschiedenen Rassen, wenn man sie so nennen will, unzählige Kreuzungen. Ich bin mir sicher, dass der Großteil aller gebürtigen Westeuropäer auch Vorfahren aus dem slawischem, skandinavischem oder nordafrikanischem Raum hat, die gelebt haben, lange nachdem sich ihre jeweiligen Gruppen voneinander getrennt haben. Wenn die Mehrzahl der Menschen Mischlinge sind, kann man doch wohl keine Einteilung in Rassen vornehmen, oder?

Man kann natürlich auch sagen, dass die paar einzelnen Vorfahren nichts ändern an der Geschichte der Menschheit, da es solche Rückkreuzungen wohl auch bei jeder Artaufspaltung über einen gewissen Zeitraum gegeben hat. Aber ich gehöre auch der Ansicht an, dass die einzige natürliche kladistische Rangebene die der Art oder Spezies ist. Damit meine ich, dass die Trennung von größeren Gruppen als der der Art eigentlich willkürlich erfolgt. Natürlich sind sämtliche Taxa natürliche Abstammungsgruppen, aber ihre Einteilung in Familien, Überfamilien, Klassen, Stämme etc. hat keine Grundlage.

Als kleines Beispiel: Menschenaffen (Hominidae) werden als Familie bezeichnet, genauso wie ihre nächsten Verwandten, die Gibbons (Hylobatidae). Zusammen bilden sie die Überfamilie der Menschenartigen (Hominoidea). Die Familie der Menschenaffen wird unterteilt in zwei Unterfamilien, die Ponginae (mit einer Gattung) und die Homininae (mit drei Gattungen, Mensch, Schimpanse und Gorilla). Der Stammbaum dieser Gruppen ist eindeutig, aber wie ich die einzelnen Ebenen bezeichne, ist völlig gleichgültig. Ich könnte die Menschenartigen als Familie betrachten, die Gibbons und Menschenaffen als Unterfamilien und die Homininae als Gattung und es würde sich absolut nichts ändern. Es gibt nun mal keine Vorschriften dafür, wie eine Gruppe aussehen muss, damit man sie als Familie oder Gattung bezeichnet, nur die Reihenfolge muss beibehalten werden.

Dasselbe gilt auch für Gruppen unterhalb der Art. Auf den Menschen übertragen: Selbst wenn es eindeutige, isolierte Abstammungsgemeinschaften bei den Menschen geben würde, wäre es nicht eindeutig, wo man die Grenze ziehen will. Soll man dann alle Asiaten als Rasse bezeichnen, oder alle Asiaten, die nach der Abspaltung der Bewohner Thailands gelebt haben? Sind Isländer eine eigene Rasse, weil sie isoliert leben? Nach welchen Kriterien will man vorgehen, wenn man bestimmen will, ob ein Zweig des Stammbaums als Rasse/Unterart/Varietät bezeichnet werden kann? Es gibt keine harten Grenzen zwischen den Menschen, an denen man ansetzen könnte, sondern nur weiche, fließende Übergänge. Wenn man präzise sein will, müsste man jeder Abzweigung im Stammbaum einen Namen zuordnen -  und das ist einfach nicht machbar, da blickt doch keiner mehr durch.

Darum wäre ich dafür, es bei einem unbeschriftetem Stammbaum zu belassen, der die eindeutigen Abzweigungen und Vermischungen deutlich macht. Auf diese zwanghafte Einteilung in Ebenen wie Rassen und Unterarten kann auch verzichtet werden.

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In der Biologie ist die Rasse die Spezies, und zu der Spezies Mensch gehören alle 7,5 Milliarden Menschen auf dieser Erdkugel.

Klar sind sie sehr verschieden, je nach der Umwelt, in der sie seit langen Zeiten leben. Ein Schwarzer ist schwarz, weil ihn das vor schädlicher Sonneneinstrahlung schützt und ein Skandinavier ist blass, weil er an Vitamin D-Mangel und in Folge an Rachitis leiden würde, wenn er zu wenig Sonne bekäme. Ein Schweizer trinkt ohne Probleme literweise Milch, weil dort seit ewigen Zeiten Rinderzucht betrieben wird, ein Chinese ist laktoseintolerant und kriegt nach Milchgenuss Bauchschmerzen, weil dort kaum Rinder gehalten werden.

Aber der Begriff "Rasse" ist mittlerweile "vergiftet", denn er ist schon viel zu häufig dazu benutzt worden, um andere Völker oder Volksgruppen zu diskriminieren. Und auf dem Gebiet der "Rassenforschung" haben sich schon so viele nicht ernst zu nehmende Pseudowissenschaftler betätigt und haaresträubenden Unsinn abgesondert, dass man besser nicht mehr im Zusammenhang mit Menschen von "Rasse" spricht.

"Rasse" ist so eine Art Unwort geworden, wie es inzwischen leider auch mit dem unscheinbaren Wort "aber" geschehen ist. ("Ich haben nichts gegen Flüchtlinge, aber...", "Natürlich sind Moslems Menschen wie wir, aber...", "Natürlich bin ich tolerant, aber...")

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Kommentar von Grammatikus
29.11.2015, 13:48

Rassen sind nicht neue Arten (Spezies).

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Unterschiedlich. Beim Menschen wäre es zum Beispiel passender, von Unterarten zu sprechen, da es hier kaum Unterschiede im Skelett gibt. Von Hunderassen kannst du aber zum Beispiel problemlos reden.

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Als Rasse werden nur gezüchtete gleich aussehende Tiere innerhalb einer Art bezeichnet; für jede Rasse wird ein Zuchtbuch geführt. Rassen sind aber keine neuen Arten.

Alle Menschen gehören zur Art Homo sapiens. Bisher wurden zum Glück noch keine gleich aussehenden Menschen gezüchtet; es gibt also keine menschlichen Rassen.

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Kommentar von Grammatikus
25.12.2015, 06:44

Eine Rückmeldung wäre nett.

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Klar gibt es Rassen, da nutzt auch kein empörtes Getue von bonhommes und sonstiger moralischer Eiferer, wie z.B. div. GRüne und einiger philantropischer Bildungsphilister.

Wollte man den Begriff Rasse streichen, müßte man auf die Pflanzenterminologie ausweichen. Dann wäre der Begriff Sorten angesagt. Doch bezweifle ich gar sehr, so vorgehen zu wollen, auch wenn es umgangsasprachlich zuweilen heißt, "was ist denn das für eine Sorte Mensch"

Es gibt folgende Hauptrassen:

1. europide Rasse

2. mongolide "

3. australonegride "

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Kommentar von botanicus
27.11.2015, 15:17

Klingt wie zu Adolfs Zeiten. Biologen verwenden den Begriff nicht im Zusammenhang mit den Menschen.

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In welchem Zusammenhang denn?

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