Frage von Creedes, 58

Ist der Anreiz zur Leistung für den Fortbestand der Wirtschaft notwendig?

Oder wäre es möglich, dass die Menschen durch eine strukturelle Veränderung u.a. bedingt durch eine solidarisierte Verteilungsinstanz (z.B. Grundeinkommen für jeden) den Weg aus dem ewigen Drang nach mehr Wohlstand und Wachstum der Wirtschaft zu entkommen und sich anderen vllt sogar höheren Zielen zu widmen. Aber gleichzeitig dennoch den Willen zur Arbeit auf einer anderen "friedlicheren" Ebene finden(#gesellschaftliche Zusammenarbeit, #Freizeitaktivität), sodass die Gleichheit und Gerechtigkeit zunimmt ?

-Ich verlange keine spezifischen Antworten aber würde es begrüßen eine Diskussion loszutreten...

Antwort
von haku7, 17

Gehen wir mal auf die "Wirtschaft" ein: (soweit ich es verstehe)

Wozu ist diese überhaupt nötig?

In jeder Gesellschaft muss immer ein System vorhanden sein, das die Produktion und Verteilung von Waren und Dienstleistungen, die benötigt werden, organisiert und durchführt. Ohne dieses würde die Gesellschaft nur ein kümmerliches Dasein führen.

Diese Waren produzieren sich nicht von selbst oder besser gesagt sie fallen nicht einfach so vom Himmel. Irgendjemand oder irgendetwas muss dabei tätig werden. Selbst bei einem einfachen Produkt ist einiges von Nöten zu dessen Herstellung und Verteilung.

Selbst die Arbeit am Laptop setzt

  • einen Laptop, dessen Fabrik, Entwicklung
  • Sofware, dessen Produktion und Erweiterung
  • Internet
  • Elektrische Energie, Stromnetzte, Kraftwerke, Rohstoffförderung
  • usw.

voraus. Diese Zutaten müssen ebenfalls koordiniert bereitgestellt werden.

woher kommt nun der  "Anreiz zur Leistung" ?

Wenn man an der Bereitstellung dieser Produkte und Dienstleistungen mitarbeitet, erhält man auch ein Recht alle sonstigen Güter begrenzt nutzen zu dürfen. Dieses Recht wird einem durch "Kaufkraft" in € ausgedrückt zugeteilt.

In früheren Zeiten konnte man nur die menschliche und tierische Arbeitskraft nutzen. Der Anreiz damals war existenzieller Natur und man wurde von der Gesellschaft dazu "gezwungen".

Heutzutage können wir jedoch die regenerativen Energieströme auf dem Planeten teilweise nutzen ( Sonne, Wind, Geothermie, ...) und greifen in sehr großem Maße auf die Lagerstätten der Natur zu.

Dies erlaubt es die nötige menschliche Arbeitskraft durch Maschinen zu substituieren. Ohne diese Energiequelle wäre es unmöglich so viele Menschen gleichzeitig auf dem Globus zu ernähren, da wir gar nicht so viel Nahrung produzieren und verteilen könnten.

Der Anreiz zur Leistung geht in solch einer Situation tatsächlich zurück

Zumindest der existentielle. Der Anreiz zum Wohlstand bleibt jedoch erhalten.

Für viele Bürger ist ein eigene Wohnung oder Haus, ein Auto + Kraftstoff und Fernreisen zu einem Standard geworden. Wenn man jedoch bedenkt wie aufwändig es ist so etwas in Millionenfacher Ausführung jedes Jahr aufs neue bereitzustellen ... 

Von alleine kommt es nicht, irgendein system muss dies bereitstellen und die meisten Menschen müssen dabei mitspielen ansonsten klappt das nicht.

Kommentar von Creedes ,

Erstmal: "WOW" sehr interessant dargestellt. Aber ich würde sagen wenn der Anreiz nur das Ziel des Wohlstands verfolgt (weiter gedacht: Das Verlangen nach mehr) so könnte doch gesagt werden, dass die äquivalente Verteilungsinstanz der Leistungsgerechtigkeit durch eine moderne, solidarische Instanz ersetzt werden könnte, oder ?

Sodass die Gesellschaft oder sogar die ganze Welt (sehr utopisch gedacht) arbeiten könnte ohne den heutigen Leistungs-, Wachstums-, Entwicklungsdruck zu spüren. Denn wir würden dann nicht arbeiten um unser Leben zu finanzieren sondern
arbeiten [wie auch du eben angesprochen hast] um ein  Teil der Gesellschaft zu sein und ihre materiellen &inmateriellen Vorteile zu erfahren & zu genießen.

Vorstellbar als eine Art Kreislauf: Arbeiten-> Produktion->Verteilung (Nach genannter Instanz)->Konsum & Nutzung der gesellschaftlichen Vorteil->Arbeiten....usw.....

Antwort
von tryanswer, 43

Klingt ja ganz nett, aber warum sollte der Mensch sich zu einer Leistung veranlasst fühlen, wenn seine individuellen Bedürfnisse bereits befriedigt sind?

Kommentar von Creedes ,

Solidarität,Gemeinschaftsgefühl,Freizeitgestaltung (#Arbeit macht glücklich [kp ob das stimmt]),...sowas halt, vllt sogar der menschliche Trieb voran zu kommen, Endecken,als Leebenssinn. Oder ganz weit: das unbekannte zu erforschen

Kommentar von tryanswer ,

Überleg doch mal was du da vorschlägst. Du willst also Verteilen! Du nimmst also "von den Reichen" (warum sollten die sich dann noch bemühen so viel Geld zu erwirtschaften) und gibst es "den Armen" die dann ihre Bedürfnisse befriedigen können (also ist der Anreiz da auch weg). Ergebnis: Insgesamt weniger Produktivität!

Es ist ja nun auch nicht so, daß dieses in der Vergangenheit nicht schon mehrfach gescheitert ist! - Um dein Vorhaben umzusetzen, müßtest du zunächst in der Lage sein die egoistische Natur der Menschen in eine altruistische zu verwandeln und genau daran scheitern derartige Theorien in der Realität.

Kommentar von Creedes ,

sprichst du damit den Kommunismus an ? 

Kommentar von Creedes ,

Ich glaube nicht das Menschen altruistisch sein müssen um zu verstehen, dass jede Handlung die sie in einer Gesellschaft tun, früher oder später auf sie zurück fällt denn jeder Menschen der handelt ist ein Teil seiner Gesellschaft & somit handelt er selbstverständlich für sich 

Kurz: Der Mensch muss nur verstehen dass wenn er für die Gemeinschaft handelt er auch profitiert. Dafür muss er nicht altruistisch sein 

Kommentar von tryanswer ,

Es stimmt schon egoistisches und gesellschaftsorientiertes Handeln müssen sich nicht ausschließen. Im Grunde geht es darum die Balance zwischen sozialem Frieden und Produktivitätsverlust zu finden. - Meiner Meinung nach ist dieses mit der sozialen Marktwirtschaft hervorragend gelungen. Ein weiterer Ausbau der Transferleistungen würde die Sache m.E. nur verschlechtern. Um das Optimum zu erreichen ist wohl ehr ein wenig mehr Anreiz erforderlich.

Kommentar von Creedes ,

Du hast es präzise erfasst. Genau Da trennen sich unsere Meinungen, für mich müsste der Trend in die entgegengesetzte Richtung gehen: Umverteilung, Gleichheit etc.....

Kommentar von aek79 ,

Tryanswer: Du sagst wir leben im Optimum und sollten ewig so weiter machen? Dann hast du noch nicht verstanden, dass sich unsere Gesellschaft gerade wandelt unser Hundert Jahre altes System nicht mehr greifen wird.

https://www.facebook.com/wurstsack/videos/1338639232829521/

Kommentar von tryanswer ,

Das ist nun die extreme Form, aber in die Richtung spiele ich an.

Antwort
von voayager, 41

Und all das soll ausgerechnet der Kapitalismus bescheren, bzw. in ihm möglich sein?

Kommentar von Creedes ,

Ich bin kein Freund des Kapitalismus, aber wenn man etwas ändern will muss man im System bleiben und es von Innen verändern, zumindest ist das meine Meinung ....

Kommentar von voayager ,

das ist weltfremd - utopisch - blauäugig! Nenne mir mal Beispiele, wo das funktionieren soll.

Kommentar von Creedes ,

Wie meinst du das "wo" natürlich jetzt und hier,.. lies dir die Antworten durch und das was ich drunter geschrieben hast dann bekommst du eine Vorstellung 

Kommentar von voayager ,

die Vorstwellung, dass du mit Illusionen befrachtet bist

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