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Ist das zwischenmenschliche Verhalten unserer modernen Gesellschaft wirklich fortschrittlicher gewordern?

gefragt von soustsoust am 11.05.2007 um 5:55 Uhr

Habe Eure Fragen und Antworten zum Thema "Mittelalter" verfolgt. Neben der Tatsache, dass es in der modernen Welt auch noch Krieg und Hunger gibt, behaupte ich hier mal, dass unser zwischenmenschlicher Umgang nicht so fortschrittlich ist wie er angesichts der modernen Lebensverhältnisse sein müsste (Ausnahmen sind natürlich zu finden). Ich sehe tagtäglich: - KLeinlichkeit - Ausgrenzung - wissentlich falsche Verleumdungen - heimliches Beschädigen von Eigentum - Halboffenes Verspotten/Beleidigen usw., alles in einem "sicheren Modus", der dem Handelnden Schutz vor Entdeckung bietet.

Manchmal könnte ich an der Welt verzweifeln. Wie seht Ihr das "moderne Mittelalter"?


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UlfDunkel
beantwortet von UlfDunkel am 11. Mai 2007 09:35
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Hilfreichste Antwort

Wir leben, ob wir es wollen oder nicht, in einer Multi-Kulti-Gesellschaft, die nicht nur alle möglichen Einflüsse und Anregungen bietet, sondern auch Werte und Normen von früher quasi über Nacht über Bord geworfen hat.

Man kann von Werten und Normen halten, was man will. Viele frühere Werte sind sicher heute zu Recht verfallen und Normen ändern sich mit der Zeit. Aber es gibt auch viele Dinge, die sich besser gehalten hätten, was aber nur in konservativen Gesellschaften so möglich ist (lat. conservare oder konservare = bewahren, erhalten).

Unsere Gesellschaft scheint Egoismen auf breiter Front zu fördern, wenn ich mir das alles so anschaue. Schlager spiegeln ihre Zeit gut wieder. Welche (deutsche) Titel oder Liedzeilen fallen mir da spontan ein, die wir alle schon mal gehört haben und die das Bewusstsein vieler Menschen tatsächlich verändern:

  • Man muss ein Schwein sein in dieser Welt ...
  • Ich find' Dich s.c.h.e.i.s.s.e ...
  • Zieh' Dich aus und leg' Dich hin, weil ich so verliebt in Dich bin ...
  • Dicke schwitzen wie die Schweine ...
  • Ich wär' so gerne Millionär ...

Die Liste ließe sich endlos weiterführen.

Literatur, Spielfilme, Szene-Kultur, Geschlechter-Ungerechtigkeit, Völker-Ungerechtigkeit, Globalisierungs-Terror, Terror-Globalisierung -- wo immer ich hinsehe, gibt es viel Schlimmes, das leider von viel zu vielen Menschen viel zu wenig hinterfragt und unreflektiert konsumiert wird.

Und am meisten wird mir schlecht, wenn ich eine BILD-Zeitung sehe. Buäh.

Kommentar von 45b54a18f2f3b57a3d5b58a6ec9c02basmallKolibri am 11. Mai 2007 09:38

Einen Titel muss ich aber doch noch hinzufügen: "Es ist ge.l ein A...loch zu sein"

Aber die Werbung ist da nicht viel besser (Geiz ist ge.l) ... :((

Kommentar von C44e62b40c01c004f0b5e471450598fesmallkiramarie am 11. Mai 2007 12:46

Du sprichst mir aus der Seele!!Könnt ihr euch noch erinnern,Anfang der 80er Jahre, da wurde Montags in der Zeitung gewettert u.liefen bei der ARD die Telefondrähte heiss, und warum?Nur weil Schimanski im Tatort 5 x Sch... und 2 x A...loch gesagt hatte!! Waren das noch Zeiten.

Kommentar von 622a0a9071a62222d3609db9c8991a7fsmallsoust am 11. Mai 2007 20:05

Danke für Eure Beispiele, vor allem auch die Schlagertitel! Höre NIE, auch nicht zufällig, so'n Schietkram und weiß jetzt endgültig, dass ich wirklich nichts, aber auch gar nichts versäume. Trotzdem: sehr aufschlussreich.


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neurodoc
beantwortet von neurodoc am 11. Mai 2007 06:49
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Es ist insofern fortschrittlich geworden, daß alle diese Verhaltensweisen wie Du sie beschreibst, angepaßt sind an das Überleben dieser übervölkerten Welt, nach dem Motto: nur der Stärkere, Bessere, Lautere kommt durch. Aus humanitärer Sicht halte ich die Entwicklung des zwischenmenschlichen Umgangs für einen Rückschritt Richtung Mittelalter oder früher: Verlust an Bindung, Liebe und Zusammengehörigkeit.

Kommentar von 403a6bf7f472d25ddb17970143d1fa2asmallWISSEN am 11. Mai 2007 07:00

Seh schön formuliert. Ich wünschte mir ich könnte es auch. Dafür gibt's ein daumen hoch.


WISSEN
beantwortet von WISSEN am 11. Mai 2007 06:45
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Ja ich glaube auch das wir uns in diese Bezihung (LEIDER) rückwärts bevegen. so nach Dem Motto ,,Erst kmme ICH, dann lange ,lange nichts mehr, dan der liebe Gott und erst dan die anderen.''

Kommentar von 5a31655a018d627bf5afb818c551f4b1smallneurodoc am 11. Mai 2007 08:01

Du hast es sehr prägnant formuliert!

Kommentar von 95c4a024bd262f242db42665ed8842dcsmallbommel65 am 11. Mai 2007 08:24

Hey, du hast das Geld vergessen ... :-)


schurke
beantwortet von schurke am 11. Mai 2007 07:23
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Es fägt ja schon in der Familie an. "Früher" lebten mehrere Generationen unter einem Dach und jeder war für jeden da. Heute überwiegen die Single-Haushalte und die Mehrheit ist der Meinung, der Staat hat für mich zu sorgen. Aber eigentlich gilt immer noch: Ich selber bin der Schmied meines Glückes. Soziale Bindungen gehören dazu. Erst wenn das wieder in unseren Köpfen fest verankert ist, entfernen wir uns auch wieder vom Mittelalter. Man sieht es doch in den "armen" bzw. "einfachen" Familien, oft ist nur so wenig da, aber immer wird geteilt, da kann unverhoffter Besuch kommen, irgend etwas steht immer auf dem Tisch. Aber je besser es einem geht, um so mehr wird gerafft, lieber soll es vergammeln, als dass was abgegeben wird.

Kommentar von C44e62b40c01c004f0b5e471450598fesmallkiramarie am 11. Mai 2007 08:01

Ich gebe dir völlig recht:Von Leuten die nicht viel haben, bekommt man oft das sogenannte letzte Hemd.Aber von Leuten die viel haben, bekommt man oft garnichts, zumindest nichts umsonst.


waterlilies
beantwortet von waterlilies am 11. Mai 2007 07:53
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Auch wenn es hier immer ums Mittelalter gegangen ist, manche Mitbürger benehmen sich bei weitem noch nicht so fortschrittlich wie es damals zuging, sondern scheinen eher steinzeitliches Benehmen vorzuziehen. Möglicherweise liegt es daran, das wir fähiger zu technischer Entwicklung sind als zu moralischer.



kiramarie
beantwortet von kiramarie am 11. Mai 2007 07:09
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Ich stimme meinen Vorrednern voll u.ganz zu!Fängt doch schon in der Schule an; diesen Zusammenhalt wie es den in meiner Schulzeit (70er Jahre)gab,vermisse ich bei meinen Kindern bzw.deren Klassenkameraden.Nach dem Motto:Heute Freund,morgen Feind.Wir haben da schon unglaubliches erlebt.Und das setzt sich meiner Meinung nach auch im Erwachsenenalter so weiter fort.Vor allem diese immer weiter fortschreitende Respektlosigkeit gegenüber seinen Mitmenschen u.fremdem Eigentum finde ich beängstigend.Möchte nicht wissen wie das in 20 oder 30 Jahren sein wird.

Kommentar von 622a0a9071a62222d3609db9c8991a7fsmallsoust am 11. Mai 2007 07:40

So empfinde ich es auch. Der direkte Auslöser für meine Frage war ein Vorfall unter Schulkindern, einer von sehr, sehr vielen.

Kommentar von C44e62b40c01c004f0b5e471450598fesmallkiramarie am 11. Mai 2007 08:18

Ich finde es sehr beängstigend, wie die Kinder teilweise schon in der Grundschule miteinander umgehen.Meine Tochter ist im 1.Schuljahr, sie hat eine Klassenkameradin,die ist jetzt schon so link,berechnend u.durchtrieben;da fehlen einem wirklich die Worte.Aber auch andere Kinder,wir wohnen unmittelbar an einer Grundschule,sind so respektlos, dass kann man oft garnicht verstehen.Täglich kann ich Vorfälle beobachten.Da werden fremde Auto begrapscht,Hauswände beschmiert,Blumenkübel vor der Haustüre gerupft,Fensterscheiben bespucktmit 5 Mann auf einen eingeprügelt,ja sogar ein Nachbarsgarten wurde schon verunstaltet u.wenn man sich als Erwachsener einmischt wird man blöd angeguckt u.mit Schimpfwörtern bedacht.Es ist traurig u. ich betone hier nochmal ausdrücklich, dass es sich bei den o.g. Vorfällen um Grundschüler im Alter von 6-10 Jahren handelt.Habe selber 4 Kinder u.bestimmt für vieles Verständnis,aber manchmal fehlen mir einfach die Worte,bei dem was ich so tagtäglich beobachten kann.Aber das bleibt ja auch nicht aus,weder Lehrer noch Schulleiter,Erzieher etc.haben doch heute noch irgenteine Handhabe (ich rede hier nicht von Schlägen!!),selbst wenn der Nachwuchs Mist gebaut hat u.mal nachsitzen soll, stehen manche Eltern doch gleich auf der Matte u.regen sich auf.Ich hab da kein Verständnis für.Wo soll das noch hinführen?????


CLHexe75
beantwortet von CLHexe75 am 21. November 2007 13:54
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Das ist einer der Gründe warum ich das Mittelalter liebe. Ich bin der festen Überzeugung, dass es im Mittelalter viel mehr Menschlichkeit gab als heutzutage. Damals war es selbstverständlich, dass z.B. die Nachbarin für eine Zeit auf die Kinder aufpasst und all solche Kleinigkeiten. Heutzutage heißt es nur: ich, ich ich und mein Geld. Das finde ich ganz schlimm.


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