Frage von bachforelle49, 110

Ist das Zuliefererangebot für VW so begrenzt, daß dieser Konzern jetzt Kurzarbeit anmelden muß?

dachte, daß bei denen im Einkauf professionelle Kräfte sitzen, die ihre Bestellungen im Griff haben.. aber jetzt zeigt sich, daß der Apfel (Einkauf) nicht weit vom Stamm (Vorstand) fällt (!) Gibt es für Sitze und Getriebegehäuseteile nur einen einzigen Zulieferer oder gehört dieser Skandal mit zur unendlichen Geschichte der Scheinheiligkeitsszenarien dieses auf Eigennutz bedachten Großkonzerns?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von FinDev, 71

Von Prinzip her doch "ganz toll" gedacht:
Du schließt einen Vertrag mit EINEM Zulieferer ab und lockst ihn mit hohen Stückzahlen. Dieser freut sich einen Ast und stellt alles für diesen Vertrag um, denn da vermutet er das große Geld.
Wenn der Zulieferer dann quasi von dir abhängig ist, ziehst du die Daumenschrauben an.
Doof nur, wenn sich - wie jetzt geschehen - wehrt.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

Volkswagen ist bekannt dafür, die Einkaufspreise extremst zu verhandeln (der Einkäufer dürfte für eine Preisdifferenz entsprechend entlohnt werden ....)

und, obwohl alles teuerer wird (komischerweise auch die Fahrzeuge) bleiben die Preise der Zulieferer gleich bzw. werden teilweise sogar noch gesenkt ...

Kommentar von bachforelle49 ,

ja.., ist doch klar... diese `erfahrenen ` Entscheidungsträger im Vorstand haben eben doch nicht soviel drauf, wie sie gerne vorzugeben sich befleißigen, um ihre tiefen Schlücke aus der Tantiemenpulle ( Mill..) nur ja zu rechtfertigen.. die werden auch noch dick und fett trotz dieser ganzen Skandale, für die sie verantwortlich sind

Kommentar von Genesis82 ,

und du glaubst, das ist nur bei VW so? Nahezu jeder Großkonzern agiert so, erst recht wenn es eine AG ist. Die Lieferanten müssten ja nicht mitmachen, das Problem ist nur, dass sie dann unter Umständen gar keinen Abnehmer mehr haben. Also lieber fast gar keinen Gewinn als Verlust zu machen.

Antwort
von Genesis82, 26

Dieses Problem gibt es nicht nur bei VW. Das gab es auch bei anderen Herstellern und wird es auch immer wieder geben. Nur so extrem war es bisher vermutlich noch nie. Bisher gab es diese Probleme vor allem, wenn der Zulieferer insolvent war oder wegen eines Brandes, Überschwemmung oder ähnlichem nicht produzieren konnte. Ich denke da an den Tsunami in Japan, als auch schon mal einige Komponenten nicht mehr ausreichend zur Verfügung standen, und zwar in sehr vielen Branchen.

Für jemanden, der noch nie einen Einblick in den hochkomplexen Vorgang des Autobaus hatte, ist das alles nicht zu verstehen. Ich sehe das bei meinen Kunden selbst immer wieder: Die glauben (übertrieben dargestellt), wenn sie ein Auto bestellen geht im Werk einer mit einem Bestellzettel los, sammelt die Teile zusammen und das Auto wird gebaut. Bleiben wir bei dem Beispiel VW: Dort werden in Wolfsburg täglich 4000 Autos gebaut. Wie sollte das Material gelagert werden, wenn man die benötigten Teile für 1 oder 2 Wochen vorhalten und einlagern würde? Ganz Wolfsburg wäre eine einzige Lagerhalle.

VW gehört übrigens noch heute zu den Herstellern mit einer der höchsten Quote an Eigenproduktion. Dinge, die von mehreren Zulieferern in gleich guter Qualität geliefert werden können, werden auch bei mehreren Herstellern bezogen (z.B. Reifen). Bei gewissen Dingen ist man aber tatsächlich auch als Großkonzern wie VW von einem oder 2 Zuliefern abhängig. Entweder, weil es passende Lieferanten nicht gibt, die mit der Lieferung in die Just-in-Time-Taktung passen, oder weil das Teil zusammen mit diesem einen Hersteller entwickelt wurde, oder weil es einfach keinen anderen gibt, oder weil es sich um Teile handelt - oder, oder, oder, es gibt viele Gründe.

Ein anderer Antworter hat das tolle Beispiel mit Fahrrädern und Shimano genannt.

Antwort
von GuenterLeipzig, 52

Das ist aus meiner Sicht dem kurzsichtigen Handeln von VW geschuldet.

Wer fristlos bestehende Verträge kündigt, keine Plan B in der Tasche hat, gehört bestraft.

Wettbewerb ist gut und schön, solange gewisse Spielregeln eingehalten werden.

Auch ich bin in einem Unterehmen Akteur, wo es um die Inanspruchnahme von Zulieferungen und Dienstleistungen Dritter geht.

Dabei achte ich stets darauf, dass wir das in der Vollkostenrechnung wirtschaftlichste Angebot wahrnehmen (was nicht zwingend das billigste sein muss). Auch habeich stets immer mindestens ein zweites Pferd im Rennen, welches einspringen kann, wenn mal jemand aus irgend einem Grund nicht zum Termin liefern oder leisten kann.

Dabei setze ich einen Grundsatz um, den ich im Wertpapierhandel sehr schnell als Basics gelernt habe: Setze nie alles auf eine Karte,

Günter

Kommentar von Achim19651 ,

Sehr gut erkannt und beschrieben. Wer seine Zulieferer nur über den Preis knechtet, verdient es nicht anders.

Kommentar von Lexa1 ,

Im Großen und Ganzem hast du Recht, aber gerade im Automobilbau oder auch in anderen Branchen ist es nicht so leicht " ein zweites Pferd im Stall zu haben ". Diese Zulieferer stellen bestimmte Teile für ein bestimmtes Produkt her. Das ist nicht so leicht austauschbar. In der Papierindustrie den Zellstoff kann ich mir an vielen Stellen besorgen, aber ein Gehäusedeckel z.B. kann ich nur dort bekommen, wo die Gussform existiert.

Kommentar von GuenterLeipzig ,

@Lexa1:

Die Tatsache, dass es sich um spezielle Produkte handelt, schließt doch ein mehrgleisiges Fahren beim Abschluß von Rahmenverträgen nicht aus.

Nehmen wie an, ich bin im Einkauf bei einer Automobil AG und source die Fertigung von Komponenten an Zulieferer aus.

Dann würde ich die Lieferungen einzelner Komponenten am Markt ausschreiben, 4-5 Angebote einholen (mit Referenzen, welche punktuell geprüft werden).

Aus den 5 Angeboten, wähle ich mir 2 Angebote aus, die in der Vollkostenrechnung das für mich wirtschaftlichste Angebot vermutlich darstellen.

Diese beiden Firmen nehme ich unter Rahmenvertrag und rufe bei beiden Firmen unter Umständen gleichartige Komponenten ab.

Mit der Zeit wird sich im ersten Step zeigen, welcher Zulieferer das bessere Preis-Leistungsverhältnis aufweist.

Habe ich das erkannt, werden im zweiten Step nun die Mengengerüste bei der Bestellung zu Gunsten des betreffenden Anbieters mit dem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis verschoben.

Die andere Firma bleibt unter Rahmenvertrag mit reduziertem Mengengerüst!

So kann in meiner favorisierten Firma passieren was will, Insolvenz, Brand der Produktionsstätten oder anderes Ungemach.

Ich bleibe handlungsfähig, weil ich ohne Zeitverzug einen Plan B ziehen kann.

Günter

Antwort
von wfwbinder, 52

Die Zulieferer sind ja nicht einfach Betriebe die Unterlegscheiben liefern, die in ähnlicher Art und Qualität auch von 20 anderen geliefert werden können.

Lampen, Sitze, oder wie jetzt Sitzbezüge und Getriebegehäuse, wie auch z. B. die Armaturenbretter, werden ja gemeinsam mit den Autowerken entwickelt und zum Teil als fertige Komponente geliefert und eingebaut.

Wenn so ein Getriebegehäuse ein anderer liefern soll, müsste der erstmal die Gussformen erstellen, entsprechende Kapazitäten frei haben usw.

Die Zulieferer sind zwar gesonderte Unternehmen, werden aber von den Werken wie vorgelagerte Abteilungen behandelt und es wird alles vorgegeben.

Trotz der schlimmen Auswirkungen finde ich es daher gut, dass sich mal einer der Zulieferer wehrt. Ich bin gespannt, was die Gerichte sagen.

Expertenantwort
von fuji415, Community-Experte für Auto, 27

Das kommt davon wen man sehr viel Auslagert und es andren Firmen überlässt herzustellen und die Lieferung just in time kommt das heißt wen es gebraucht wird ist es am Band und nicht Stunden vorher . 

Da VW in der Anfangszeit alles selber gebaut hat und jetzt nicht mehr kann den Zulieferern nur Gratulieren das sie so was nicht schon viel früher gemacht haben und VW damit in die Knie gezwungen haben da helfen VW auch die Gerichte nicht mehr auch wen sie gewonnen haben man kann  bei den Zuliefern nicht die Polizei abstellen und die Leute mit Gewalt zur Lieferung zwingen so wie  im dritten Reich oder der DDR die haben meist nach Plan ohne Grund Teile gebaut die aber nicht gebraucht wurden .

VW hat es nicht anders verdient und sollte richtig dafür bluten . 

Antwort
von bartman76, 44

Es wird sich h er ja um ein spezielles Produkt handeln, welches so nur von EINEM angeboten wird. Da vermutlich sonst auch kein Unternehmen etwas mit dem Produkt anfangen kann, gibt es abseits dieser Verträge keinen Markt für das Produkt.

Es könnte aber durchaus sein, dass du dennoch recht hast. Wenn man nämlich nicht vernünftig mit seinen Lieferanten umgeht, kann es hier zu Problemen kommen.

Antwort
von Lexa1, 51

Die werden nur einen Zulieferer haben. Das ist kostengünstiger für beide Seiten. Und geliefert wird Just in Time. Das spart Lagerfläche und auch Kosten. Ist aber in vielen Firmen so.

Für den Zulieferer ein sicheres Konzept über Jahre ( Aufträge ). Und der Einkauf kann so auch die Preise bestimmen. ( leider )

Sie könnten sich auf die Schnelle einen anderen suchen, aber eh der die Produktion umgestellt und aufgenommen hat, das dauert.


Antwort
von BTyker99, 23

Ja, das wird wohl so sein. Vom Gefühl her würde ich sagen: Selbst schuld.

Einmal, weil ich mir vorstellen könnte, dass durchaus etwas daran ist, dass die Zulieferer so schlecht behandelt werden, wie sie es selbst sagen, und andererseits, weil VW "Just-In-time" und ähnliche riskante Produktionsmaßnahmen ergriffen hat. Hätten sie ein wenig vorgesorgt, und Lager betrieben, so wie es früher üblich wäre, hätten sie zumindest einen Zeit-Puffer gehabt, um das Problem zu lösen. Aber heute wird ja alles der Rendite untergeordnet, daher habe ich da kein Mitleid (mit den Managern).

Antwort
von Fischmehl, 44

welcher großkonzern handelt denn im gemeinwohl?

und nein, man kann nicht einfach ein anderes teil nehmen

bau doch mal ein fahrrad, wenn shimano sagt, sie verkaufen dir gar nix

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten