Frage von S4YWYW, 41

Ist das zulässig, dass der Kundenservice das Inkasso Unternehmen beauftragt ohne dass die Klärung eines Sachverhalts erfolgt ist?

Hallo zusammen!

Eplus hat mir mehrfach die selbe rechnung bezahlt. Der sogenannte 'Kundenservice' ging nicht auf meine Reklamationen ein. Wieder und wieder kontaktierte ich den KS, ich zeigte die schon bezahlte Rechnung mit Kontoauszug und dass diese Rechnung 5 weitere Male gefordert wurden. Dann kam das Inkassounternehmen GFKL Collektions und wollte 154€ haben. nach ein paar Anrufen sollten es noch 58€ sein, nämlich nur die Inkassokosten.

Ist das zulässig, dass der Kundenservice das Inkasso Unternehmen beauftragt ohne dass eine Klärung oder ein Telefongespräch stattgefunden hat?

Was ist weiterhin passiert? Den fraglichen Rechnungsbetrag beglich ich zähneknirschend. Ich sah dann dass die Zahlungsfrist einen Tag vorher verstrichen ist.

Nachdem ich das Inkassounternehmen auch nicht bezahlt habe (denn ich habe 2 mal die selbe Rechnung beglichen) möchte nun ein Anwalt 166,93€ von mir.

Ist das verhältnismäßig? Zumal das hätte geklärt werden können wenn der Kundenservice seine Arbeit gemacht hätte.

Bitte helft mir. Ich will nicht dass die damit durchkommen! Denn die zocken bestimmt nicht nur mich mit sowas ab!!!!

Vielen Dank schonmal vorab. Gruß Sascha

Antwort
von kevin1905, 41

Eplus hat mir mehrfach die selbe rechnung bezahlt.

Der Mobilfunkprovider bezahlt deine Rechnung?

Ist das zulässig, dass der Kundenservice das Inkasso Unternehmen beauftragt ohne dass eine Klärung oder ein Telefongespräch stattgefunden hat?

Wer so - entschuldige - dämlich ist Vertragsangelegenheiten telefonisch zu klären, muss sich auf solchen Ärger einstellen. Telefongespräche sind Schall und Rauch, ich kann dir von fliegenden lila Kühen erzählen, alles ohne Beweiswert.

Aber um deiner Frage zu beantworten: Nein, wenn eine Forderung nachweislich (daher nicht telefonisch) streitig gestellt wurde, darf diese nicht durch ein Inkassobüro betrieben werden. Das ist ggf. schon eine strafbare Nötigung (§ 240 StGB).

Den fraglichen Rechnungsbetrag beglich ich zähneknirschend.

Wenn die Rechnung korrekt ist, sollte man das auch tun. Beanstandungen müssen binnen 8 Wochen vorgetragen werden, sonst gilt die Rechnung als anerkannt (§ 46i TKG). Nichts auf dieser Welt würde mich dazu bringen freiwillig etwas zu bezahlen, dass ich nicht bestellt habe oder für eine Leistung zwei Gegenleistungen zu entlohnen.

denn ich habe 2 mal die selbe Rechnung beglichen

Mir wie gesagt komplett schleierhaft. Wenn ein Vertragspartner von mir nicht in der Lage ist einen Zufluss korrekt zu buchen, zieh ich mir den Schuh nicht an. Wenn ich nachweisen kann, dass ich eine Forderung beglichen habe (Kontoauszüge sollte man ja bekanntlich mind. 13 Jahre aufbewahren), geh ich Eier schaukeln, egal ob da Inkassobüros oder Anwalt schreiben. Alles was keine Gerichtspost ist, hat ungefähr die Relevanz von Toastbrotkrümeln.

Ist das verhältnismäßig?

Nein, es ist sogar rechtswidrig, ggf. sogar ein Betrug (§ 263 StGB). In der gleichen Sache dürfen vom Schuldner niemals die Erstattung für zwei Rechtsdienstleister gefordert werden (Urteil BGH VII ZB 53/05).

Bitte helft mir. Ich will nicht dass die damit durchkommen!

  1. Kommunikation wird ab sofort nur noch schriftlich geführt, per Einwurfeinschreiben, vorab per Fax oder Email (ja zweimal!)
  2. Einzugsermächtigung wird entzogen. Ab sofort bezahlt du Rechnungen per Überweisung.
  3. Die Kosten für die zu viel gezahlte Rechnung verlangst du erstattet wegen Irrtum (§ 119 BGB). Man soll dir schriftlich die Gutschrift auf die Rechnung bestätigen.
  4. Widerspruch geht an den Anwalt mit Androhung der Strafanzeige, Beschwerde bei der RA-Kammer und negativer Feststellungsklage.

Das ist meine Einschätzung anhand deines Beitrags.

Antwort
von S4YWYW, 24

Vielen vielen Dank Kevin. Übrigens die fehlende Klärung mit dem Kundenservice habe ich in Form von Inkompetenten Antworten des KS abgespeichert. Die verweisen nur auf falsche Aufstellungen und beinhalten Schreibfehler bzw. unvollständige Sätze.

Nun noch was wichtiges: Die Zahlungsfrist die der Anwalt gestellt hat läuft heute ab. Wenn ich gleich einen Widerspruch schreibe, und nachweisen kann dass ich den zugesendet habe (per mail und per Einschreiben), kann er mir dann einen Schufaeintrag machen?

Die haben in dem letzten Schreiben auch Kopien beigelegt, in denen auf meine Reklamation eingegangen wurde - da war der strittige Betrag nämlich noch drin. Der Anwalt begründet mit der erfolgten und anerkannten Reklamation, dass der Verzicht auf die Gesamtforderung bzw. Rückgabe an nicht erfolgen wird.

Außerdem war es so: Ich Zahlte wie schon ganz oben geschrieben widerwillig den Betrag um größeren Schaden zu vermeiden - dies einen Tag nach verstreichen der Zahlungsfrist. Ich muss nochmal nachschauen, aber ich meine ich habe nach bezahlen des Betrages auch noch eine Mail an den KS geschrieben, in der ich mitteilte dass die Forderung beglichen ist. Einige Wochen später, ich glaube es waren 4 Wochen oder mehr, kam dann das erste Schreiben der GFKL.

Nun war das nachweislich streitig (also ohne EInigung mit dem KS), und obendrein noch total unnötig da die Hauptforderung ja schon vor aktivwerden des Inkasso erloschen war. Wird gesetzlich diese Verhältnismäßigkeit geregelt? Denn das könnte ich in den Widerspruch mit aufnehmen. Nach meinem Verständnis dürfte der Anwalt eig keinen Schufaeintrag machen wenn ich jetzt Widerspruch erhebe, denn dann ist die Sache ja noch streitig. Vielen Dank nochmal an alle die helfen, und besonders an Kevin!

Antwort
von pilot350, 41

Die Firma tritt die Forderung an ein Inkassounternehmen ab. Das bedeutet das Inkassounternehmen bezahlt die Forderung an das Unternehmen, übernimmt die Forderung und klagt sie ein.  Das ist zulässig. Dabei spielt es keine Rolle ob die Forderung gerechtfertigt ist oder nicht. Das Inkassounternehmen verdient damit Geld.

Kommentar von kevin1905 ,

Die Firma tritt die Forderung an ein Inkassounternehmen ab.

Nein tun sie nicht. Sie beauftragen Inkassobüros mit der Forderung. Eine Abtretung liegt erst vor, wenn die Abtretungserklärung nach § 410 BGB vorgelegt wird. Erst dann wäre das Inkassobüro selbst Gläubiger.

Dann darf es aber keine Gebühren geltend machen - was hier passiert ist - da es in eigener Sache handelt. Wenn ich micht selbst beauftrage etwas zu tun, wodurch entstehen dann Gebühren?

Das bedeutet das Inkassounternehmen bezahlt die Forderung an das Unternehmen, übernimmt die Forderung und klagt sie ein.

Wie ich bereits sagte, liegt das hier nicht vor. Ich habe einst bei einem Rechtsanwalt eine Ausbildung gemacht und bin seit 11 Jahren Unternehmer. Ich habe noch NIE eine nicht-titulierte Forderung gesehen, die abgetreten wurde.

Es macht auch betriebswirtschaftlich keinen Sinn, für beide Seiten.

Denn wenn ich als Inkassobüro sowas kaufe habe ich erstmal nur ein Blatt Papier. Ohne gerichtlichen Schuldtitel also wertlos. Den müsste ich - wie du sagst - einklagen. Heißt ich habe das Prozesskostenrisiko. Hat die Gegenseite einen Anwalt fliegen die Inkassokosten nämlich raus und im schlimmsten Fall verliere ich meine Zulassung, da ich gerade einen versuchten Betrug begangen habe.

Im o.g. geschilderten Fall wurde die Hauptorderung ja beglichen - zweimal sogar, also würde ich vor Gericht komplett verlieren und zahle neben den Gerichtskosten und meinen Auslagen auch noch die der Gegenseite.

Als abgebendes Unternehmen auch keine schöne Rechnung, denn ich verliere hierdurch. Eine Forderung zu veräußern ist meistens nicht für mehr als maximal 10% des Gesamtwertes möglich. Schuldet mir also jemand insgesamt z.B. 300,- € und ist dies tituliert, kann ich froh sein, wenn ich mehr als 30,- € kriege.

Dabei spielt es keine Rolle ob die Forderung gerechtfertigt ist oder nicht.

Ob eine Forderung gerechtfertigt ist, entscheidet ein Gericht. Kein Inkassobüro.

Kommentar von pilot350 ,

Ja aber dem Inkassobüro ist es egal ob die Forderung gerechtfertigt ist oder nicht. Die Versandhäuser haben heutzutage keine eigene Rechtsabteilungen mehr die Mahnungen versenden sondern geben die Forderungen an Inkassobüros ab.

Kommentar von kevin1905 ,

Ja aber dem Inkassobüro ist es egal ob die Forderung gerechtfertigt ist oder nicht.

Richtig und genau deshalb machen sie sich so leicht angreifbar, wenn der Schuldner ein bisschen grundlegende Kenntnisse in der Materie hat.

Die Versandhäuser haben heutzutage keine eigene Rechtsabteilungen mehr die Mahnungen versenden sondern geben die Forderungen an Inkassobüros ab.

Das ist deren gutes Recht, aber das heißt nicht zwingend, dass der Schuldner dies bezahlen muss.

Ich kann auch Arnold Schwarzenegger beauftragen verkleidet als Terminator beim Schuldner vorstellig zu werden, die Gage bezahle aber ich als Auftraggeber nicht der Schuldner.

Kommentar von franneck1989 ,

Schön, dass die Versandhäuser das so machen. Kann dem Kunden aber herzlich egal sein.

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