Frage von mausi2016, 101

Ist das wirklich die richtige Entscheidung?

Hallo ich bin 14 und weiblich. Meine Mutter und ich verstehen uns nicht mehr so gut und meine Psychologin hatte gesagt, dass ich nicht mehr in der Familie bleiben kann. Jetzt muss ich mich entscheiden zwischen Heim und Familie. Einerseits will ich ins heim, andererseits auch nicht, weil meine Mutter jetzt viel weint und mir sagt, dass ich ihr ziemlich ins Herz gewachsen bin. Ich kann das nicht haben, wenn sie weint. Das ganze Leben wird dann ja auf den Kopf gestellt. Ich bin ziemlich überfordert damit. Bitte helft mir!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von PolluxHH, 36

Hallo mausi2016,

Heim ist auch nicht wirklich eine gute Lösung, sondern wenn wäre eher eine Pflegefamilie anzuraten. Dies hat mit den speziellen sozialen Strukturen zu tun, die sich in Heimen bilden (können). Ausnahmen bestätigen die Regel, aber es bliebe zu prüfen, ob das Heim, in welches Du kämst, zu diesen Ausnahmen gehörte.

Dabei lese ich bei Dir etwas von Psychologin, nicht von Sozialarbeiterin o.ä., was mich hellhörig werden läßt, da es schon recht deutlich außerhalb des üblichen Zusammenhangs einer solchen Entscheidung steht, meist weniger eine Frage von familiärer Zerrüttung annehmen läßt, als eher einen Fall von familiärer Gewalt oder schlimmer.

Die Aussage, daß Du dich mit Deiner Mutter nicht mehr so gut verstündest, ist dabei mit 14 auch sehr stark zu relativieren, da es ein übliches Phänomen in dem Alter ist.

Um es kurz zu machen: hier stehen für mich viele Fragezeichen, aber nichts, was auch nur im entferntesten erlaubte, Dir eine hilfreiche Stellungnahme zu geben.

Versuche doch einfach, folgende Fragen zu beantworten, wenn Du magst:

1. Warum sollst / willst Du die Familie verlassen und

2. was müßte passieren, damit Du bereit wärest, im Familienverbund zu verbleiben?

Kommentar von mausi2016 ,

zu frage 1:

Ich halte den täglichen stress mit meiner Mutter nicht mehr aus.

zu frage 2:

wenn wir eine gute Lösung finden würden, dann würde ich bleiben

Kommentar von PolluxHH ,

Hat sich Deine Psychologin schon mit Deiner Pflegemutter auseinandergesetzt? Hier ist die beste Alternative jemand, der neutral beide Seiten anhört und dann sieht, was für Wege offen stehen. Emotional scheint ja eigentlich eine beidseitige Bindung da zu sein, allerdings gehe ich mal ganz stark davon aus, daß Du im täglichen Leben ebenfalls äußerst zurückhaltend mit Informationen bist. Alleine dies aber kann so manche Mutter schon zur Weißglut treiben, denn ab einem bestimmten Punkt wird dies als offene Zurückweisung empfunden und man fühlt sich verletzt. Irgendwann wird es zu einer Zwickmühle und man sieht keinen Ausweg mehr - von beiden Seiten.

Was aktuell noch dazu kommt, sind die typischen Generationenkonflikte. Ein Nachbarjunge von mir spielt mindestens 8 Stunden pro Tag Egoshooter (bis vor kurzem noch CS:GO), in der Woche kommt er selten vor Mitternacht ins Bett, am Wochenende spielt er bis nach 4 Uhr morgens, sein Essen besteht aus Chips Tütensuppen und Tiefkühlpizza, doch die Mutter meint lapidar, daß es doch alle so machten. Es ist noch nicht einmal ein Grundinteresse erkennbar, welches er beruflich ausbauen könnte. Da wundert es kaum, daß er am Tag aussieht, als ob er gerade eine Rolle als Zombie einübte. Er hat keinen Streß, aber dafür, ohne es selber zu sehen, recht deutlich eine Hartz IV-Karriere vor sich. Da kommt bei wirklich interessierten Eltern nicht selten eine Torschlußpanik auf. Manchmal ist einfach fehlendes Verständnis und fehlende Kommunikation Auslöser des Stresses.

Was aber wichtig wäre, woran es auch immer liegen mag, was der Streßfaktor zwischen Euch ist, dieser muß gefunden und beseitigt werden, was ein aufeinander zugehen von Euch beiden erfordern dürfte, um daß ein Bleiben Sinn machte. 14 ist dafür ein schlechtes Alter, es würde also gerade auch Dir viel abverlangen.

Vielleicht frage Deine Psychologin, ob ihr euch nicht einmal zu Dritt an einem neutralen Ort darüber unterhalten könntet, was euch am anderen stört, was ihr mögt und was ihr euch wünschtet, dabei die Psychologin als Mediatorin. Solange die emotionale Basis noch vorhanden ist, läßt sich ein Weg finden, solange es beide wollen, beide ehrlich zueinander sind, auch zu sich selber (im Sinne des Erkennens, wo man selber Fehler begangen haben könnte) und die Zugeständnisse, die sie geben, auch einhalten wollen, könnte sich ein Weg abzeichnen. Einen Versuch wäre es wert.

Du siehst, daß ich gerade eher die Familie favorisiere, aber das liegt auch daran, daß Du dir selber unsicher bist, ob es der richtige Schritt wäre, die Familie zu verlassen. Fluchtverhalten nimmt Dein Herz nicht mit, aber ohne Herz könntest Du nie ganz im Heim ankommen.

Kommentar von mausi2016 ,

wir haben schon so viele gespräche zu dritt gehabt und obwohl wir es wollen funktioniert nichts! Ich bin mir schon etwas sicherer, dass heim eine gute Lösung ist. Ausserdem kann man auch Probewohnen machen. Meine Mutter wird es schon schaffen, darüber hinwegzukommen. Ich kann ja auch in den Ferien und an den Wochenenden bei meiner Familie sein. Dann wird  die Bindung vielleicht noch stärker und dann haben wir bestimmt nicht mehr stress miteinanader, weil wir uns dann halt nicht mehr rund um die Uhr sehen.

Kommentar von PolluxHH ,

Es ist unglaublich schwer, aus der Ferne etwas dazu zu sagen, denn es sind einfach zu viele Faktoren, die in einer solchen Situation eine Rolle spielen. Aber wenn schon ein mehrfacher Versuch einer Mediation gescheitert ist, dann kann nur jemand vor Ort die Situation hinreichend genau einschätzen, um auch nur im Ansatz Schlüsse ziehen zu können. Da muß ich passen und das Staffelholz bei der Psychologin belassen, alles andere wäre nicht in Deinem Interesse. Wichtig ist nur, daß Du dir sicher bist in dem, wofür Du dich entscheidest.

Kommentar von mausi2016 ,

ich habe mich für die familie entschieden danke 

Kommentar von PolluxHH ,

Diese Lösung, wenn man denn einen Weg fände, sah ich von vornherein als die bessere für Dich an und es freut mich zu hören, daß Ihr einen Weg gefunden zu haben scheint. Wenn man den anderen wirklich mag / liebt, dann findet man immer einen Weg, wenn man nur miteinander spricht. Ich drücke Dir beide Daumen für Deine Zukunft! :)

Antwort
von Peterwefer, 41

Das ist wirklich eine schwierige Entscheidung. Immerhin: Deine Psychologin hat ihre Gründe, das anzunehmen. Hat sie Dir gesagt, was für das Heim spricht? Denn darüber habe ich nichts gelesen. Du kannst natürlich innerlich mit Deiner Mutter verbunden bleiben (sie oft besuchen, oft anrufen, oft schreiben, etc) und ihr erklären, dass es für Dich eben das Beste wäre, ins Heim zu kommen. Dann würde sie es vielleicht verkraften. Jedenfalls, wenn sie es wirklich gut mit Dir meint und nicht nur in egoistischer Weise an Dir festhält.

Kommentar von mausi2016 ,

die Psychologin sagte, dass es zwischen meiner Mutter und mir nicht mehr geht, ich bin Pflegekind und damit seelisch total kaputt...

Kommentar von Peterwefer ,

Also ist die Mutter gar nicht Deine leibliche Mutter. Das macht immerhin was aus. Wie ich schon sagte: Ein paar Monate Heim, allein schon zur Erholung, und unter Kontakt zu Deiner Mutter müsste doch möglich sein. Denk jetzt ruhig auch mal an Dich.

Kommentar von mausi2016 ,

vor zwei Jahren war das Thema auch schon mal und da bin ich zwei Monate in Kur gewesen. Aber wie man sieht, hält das auch nicht ewig. Und ein paar Monate Heim geht auch nicht immer. Man kann nicht kommen und gehen wann immer man will.

Kommentar von Peterwefer ,

Aber kein Mensch kann Dir verbieten, zu Deiner Mutter in Kontakt zu bleiben, sie mal für ein paar Tage zu besuchen, ihr zu schreiben, etc. Und zwei Monate - ich habe an ein paar Monate mehr (ca. 18 Monate) gedacht. Das geht durchaus.

Antwort
von PRIVATPIRAT88, 16

Du das was dein Herz dir sagt

Kommentar von Peterwefer ,

Wahrscheinlich geht es ihr wie Goethes Faust: "Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust"

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