Frage von jupjuo, 121

Ist das rechtens Oder liege ich falsch?

Wir machen jeden tag als azubis überstunden (mind. 10,5 stunden pro tag bei 8 Stunden vertrag) und unser chef verlangt das wir am Ende vom Monat einen zettel unterschreiben, auf dem falsche arbeitszeiten stehen. ( nur 8 Stunden pro Tag)

Ich weigere mich diesen Zettel zu unterschreiben. Aber darf der chef das oder ist es richtig die Unterschrift zu verweigern?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Hexle2, Community-Experte für Arbeit & Arbeitsrecht, 55

Sind diese 10,5 Stunden reine Arbeitszeit oder sind die Pausenzeiten auch eingerechnet?

Eine Arbeitszeit von mehr als 10 Stunden ist nur in absoluten Ausnahmefällen zulässig und als Azubi darf man das schon überhaupt nicht leisten.

Wie alt seid Ihr? Wenn Ihr noch nicht volljährig seid, gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz und da darf max. nur 8 Stunden/Tag gearbeitet werden.

Im Übrigen sollten Auszubildende keine Überstunden leisten.

Der Chef darf weder dauerhaft Überstunden anordnen (sollte auch bei volljährigen Azubis nur die absolute Ausnahme sein) und schon gar nicht falsche Zeiterfassungen fordern.

Man sieht, der Chef ist sich durchaus bewusst, dass er rechtswidrig handelt, sonst würde er die Zeiterfassung nicht manipulieren/fälschen wollen. Selbstverständlich brauchst Du das nicht unterschreiben.

Bekommt Ihr die Überstunden die gar nicht zulässig sind dann auch nicht bezahlt, bzw. auf einem Zeitkonto gutgeschrieben? Fällt das alles "unter den Tisch"?

Hier mal was zur Arbeitszeit von Azubis:

http://www.azubi-azubine.de/mein-recht-als-azubi/arbeitszeit.html

Kommentar von jupjuo ,

Pause haben wir nicht. Wenn Zeit ist sind es max. 2 raucher pausen die 5 min dauern und in denen wir auf rufbereitschaft sein müssen.

Unsere täglichen normalen arbeitszeiten zeigen schon überstunden voraus. Das es in einem Restaurant länger geht kommt aber so gut wie jeden Tag vor.

Ja wir alle sind volljährig. Den ausgelernt en geht es ebenfalls so.

Und nein wir bekommen absolut nichts dafür!

Kommentar von Hexle2 ,

Den Link hast Du ja wohl schon angeschaut.

Was die Nichtgewährung von Pausen betrifft: Pausen sind gesetzlich vorgeschrieben (steht auch im Link). Eine Auszeit von 5 Minuten ist keine Pause. Als Pause zählt nur wenn es mindestens 15 Minuten sind und in dieser Zeit keine Arbeit verrichtet wird (weder nebenher z.B. eine Serviette falten, einen beruflichen Anruf annehmen oder Gläser spülen).

Hier wird das Arbeitszeitgesetz massiv verletzt und zudem wird auch noch betrogen.

Nach dem Arbeitszeitgesetz ist das nicht mehr nur nach § 22 eine Ordnungswidrigkeit sondern schon eine Straftat (§ 23 Arbeitszeitgesetz.

Man sollte hier mal die zuständigen Stellen (z.B. IHK) informieren und kann auch beim Gewerbeaufsichtsamt anrufen. Das geht auch anonym und wenn das Amt jemanden vorbei schickt und dieser die Verstöße feststellt, wird sich auch was ändern. Ich empfehle, dem Gewerbeaufsichtsamt zu sagen, dass es sich hier um Ausbildungsverhältnisse handelt.

Dein Chef bekommt dann nicht nur richtig Ärger sondern kann sich für die Zukunft auf weitere Kontrollen einstellen.

Kommentar von Hexle2 ,

Danke fürs Sternchen und schönes Wochenende

Antwort
von blackforestlady, 58

Du schreibst Überstunden, reine Arbeitsstunden oder Arbeitsstunden plus Pausen. Volljährig oder Minderjährig.Pause ist keine Arbeitszeit. Wenn Azubis Überstunden machen, gelten laut Arbeitsrecht die gesetzlichen Höchstarbeitszeiten: Für Minderjährige gilt laut Jugendarbeitsschutzgesetz eine maximale Arbeitszeit von 40 Stunden, bei Volljährigen laut Arbeitszeitgesetz eine maximale Arbeitszeit von regelmäßig 48 Stunden wöchentlich.
Auch Überstunden müssen immer dem Ausbildungszweck dienen, es muss also ein Ausbilder anwesend sein und Ausbildung statt finden.
Volljährige dürfen acht Stunden täglich und an sechs Tagen in der Woche beschäftigt werden, insgesamt also 48 Stunden wöchentlich. Die Arbeitszeit kann sogar auf zehn Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird.
Im Arbeitsvertrag darf bei Volljährigen, die Vollzeit arbeiten, also nur eine tägliche Arbeitszeit von acht Stunden und eine wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden vermerkt werden.
Auch wenn Überstunden geleistet werden, dürfen die maximalen Arbeitszeiten auf keinen Fall überschritten werden - das wäre ein Verstoß gegen das Arbeitsrecht!
Wenn im Ausbildungsvertrag eine geringere Arbeitszeit als 48 Stunden und eine Fünf-Tage-Woche angegeben sind, gilt laut Günstigkeitsprinzip diese Regelung.

Kommentar von jupjuo ,

Wenn 2 raucher pausen a 5 min in rufbereitschaft dazu zählen ..dann mit pause 

Antwort
von Evechen2016, 49

Er als Arbeitgeber muss sich an den Vertrag genau so halten wie der Arbeitsnehmer! Und Überstunden müssen auch bezahlt werden und diese sind freiwillig!

Antwort
von Timerunner, 73

nein dass darf er definitiv nicht. Überstunden sind IMMER freiwillig und müssen angemessen bezahlt werden. Wenn er das nicht tut solltest du das unbedingt der Berufsgenossenschaft oder notfalls auch der Polizei melden. 

Antwort
von WilhelmKarl, 54

Mein Sohn brachte es als Kochlehrling in drei Jahren auf über 1000 Überstunden. Nachfrage bei IHK, was dafür berechnet werden könne: Garnichts, denn ein Lehrling macht keine Überstunden. Dafür gäbe es in den Vorschriften keine Regelung.

Antwort
von Paguangare, 39

Was der Chef tut, ist illegal.

Antwort
von Ntouka7, 61

Nach einer aktuellen Studie ist unbezahlte Arbeit durchaus rechtens, also unterschreib lieber und sei froh dass es nur 10,5 Stunden sind.

Kommentar von Amtsschimmel25 ,

jaja von Lobyisten bezahlte Studien sind ja auch aussagekräftig und hebeln bestehende gesetzliche Regelungen aus.

Sklaverei ist nach einer vom Ku Klux Klan in Auftrag gegebenen Studie auch rechtens.

Kommentar von Hexle2 ,

Nach einer aktuellen Studie ist unbezahlte Arbeit durchaus rechtens

Kannst Du diese Studie mal nennen? Die wäre mir nämlich neu und ich lerne gerne dazu.

Jetzt mal ernsthaft: Wie kommst Du zu so einer Aussage dass unbezahlte Arbeit rechtens wäre? Davon mal abgesehen dass 10 Stunden/Tag die Obergrenze sind und nur in Ausnahmen geleistet werden sollen.

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