Vor 12 Wochen verstarb mein Vater. Meine Mutter hat es erstaunlich gut verkraftet und auch akzeptiert. Aber sie ist irgendwie anders geworden. Früher interessierte sie sich immer für alles, was hier z. B. bei uns in der Familie passiert. Fragte nach. Heute erzählt man was, sie scheint es einfach nur zur Kenntnis zu nehmen. Viele Dinge verdreht sie, hat völlig neue Ansichten über Dinge. Ich war immer gerne mit ihr zusammen. Heute empfinde ich es oft als schwierig. Wer hat so was auch schon mal erlebt?

Dass ein Mensch sich verändert, wenn eine Lebensphase zu Ende geht (also z. B. die Ehe durch Tod eines Partners), ist nicht ungewöhnlich. Die Veränderungen, wie sie bei Deiner Mutter zu erkennen sind, habe ich selbst allerdings noch nicht so erlebt.
Du schreibst, sie hat den Tod "erstaunlich gut verkraftet und auch akzeptiert". Vielleicht schien das nur so? Vielleicht fängt sie erst jetzt mit der "Trauerarbeit" an? Dann kann man schon sehr "in sich gekehrt" sein und den Eindruck erwecken, sich nicht mehr für andere, die Familie zu interessieren. Wahrscheinlich durchlebt sie gerade jetzt ein intensives Gefühl des "Allein-seins".
Dass sie jetzt so verändert scheint, kann auch daran liegen, dass sie versucht, wieder zu sich zu finden, wie sie war, bevor sie ihre Rolle in Eurer Familie eingenommen hat. Gerade in sog. harmonischen Ehen steckt meist der eine mehr zurück als der andere und verzichtet auf vieles (und sei es auf eine andere Meinung als die des Partners ;o) ) Es war vermutlich selbstverständlich, dass Deine Mutter für Mann und Familie immer ein offenes Ohr hatte, immer für alle da war. Vielleicht will sie jetzt einfach mal eine Weile nur für sich dasein, sie selbst sein. Lass ihr Zeit, sei liebevoll und geduldig mit ihr, auch wenn Du sie nicht mehr verstehst. Es ist eine schwere Zeit für sie und wenn Du ihr liebevoll verbunden bist, hilfst Du ihr dabei, statt Dich zurückzuziehen.

Natürlich, das ist völlig normal und zu erwarten. Schlimm wäre es, wenn sich deine Eltern nicht so nahe gestanden hätten, dass deine Mutter der Tod deines Vaters kalt gelassen hätte; sieh es mal so. Mein Vater hat in einer ähnlichen Situation seine Energie ziemlich verloren und kümmert sich jetzt um für ihn früher recht banale Dinge. Vielleicht braucht er es ja auch, um sich abzulenken. Dein und ihr Schicksal-Schlag ist ja erst kurze Zeit her, deswegen gib ihr etwas Zeit, sich wieder zu finden.

Du schreibst, Deine Mutter hat den Verlust erstaunlich gut verkraftet. Ist es wirklich so? Ich vermute viel eher, daß sie sich verschließt und nach außen einfach nicht zeigt, wie sehr sie leidet. Diese Veränderungen deuten jedenfalls stark darauf hin. Deine Mutter will wohl die Trauer mit sich alleine abmachen, die Familie nicht belasten, hat aber im Moment den Lebensinhalt und damit auch den Sinn verloren. Es kann durchaus sein, daß die Veränderungen daher rühren, weil sie mit der Trauer einfach nicht fertig wird. Sie sollte sich in ihrer Trauer nicht verschließen. Beobachte Deine Mutter, rede mit ihr -auch über den Verlust. Deine Mutter darf sich nicht aufgeben, notfalls solltest Du mit einem Arzt mal darüber sprchen. Der kann auf jeden Fall auch für externe Hilfe durch Fachleute sorgen.
Das ist ganz normal, wenn sich die Menschen verändern. Gerade wenn der Ehepartner stirbt, mit dem man sehr lange zusammen war, sind viele erst mal orientierungslos. Sie haben ihren festen Halt verloren und müssen sich darauf einstellen, das sie nun alleine sind. Zudem ist es gerade bei älteren Leuten oft so, das der Mann oft für das finanzielle alleine zuständig war, und die Frauen oft lernen müssen, wie man Geld holt etc. Das erlebe ich bei meiner Arbeit leider ziemlich oft. Genauso wenn die Frau stirbt, haben oft die Männer keine Ahnung vom einkaufen. Sie wissen oft nicht die Preise, und wo sie bestimmte Dinge finden. Dies hat in der Regel oft die Frau alleine gemacht.
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Bis jemand den Tod verkraftet hat, kann sehr lange dauern, manchmal Jahre. Das kommt wiederum auf jeden einzeln an. Viele wissen auch erstmal nicht viel mit sich anzufangen, da viele alles mit ihrem Partner zusammen gemacht haben und kaum eigene Interessen haben.
Von daher ist es wichtig, das sich die Leute nicht verkriechen und vereinsamen, sondern sich Hobbys suchen und auch unter Leute gehen.
Das ist nicht ungewöhnlich! Ehefrauen haben manachmal jahrzehntelang ihren Mann als Mittelpunkt ihres Lebens, akzeptiert seine Meinung und seinen Lebensstil auch als ihren eigenen. Auch, wenn es nicht wirklich so ist. Zudem hat sie ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten der Familie verdrängt. Wenn es allen gut ging, dann war die Welt für sie in Ordnung. Nach dem Tod des Mannes kommt dann wieder die eigene Persönlichkeit zum Vorschein, eigene Gedanken, eigene Vorlieben, es ist ja keiner mehr da, der widerspricht. Interessiere du dich jetzt mal für deine Mutter, sie war jahrelang für dich da, frage mal nach, wie es ihr geht, wie sie ihr Leben führen möchte, hilf ihr dabei, ihren eigenen Lebensstil zu finden.

Mal ganz trocken realistisch betrachtet, ist das, was Du beschreibst ein ganz normaler Vorgang. Ein Mensch verliert für immer einen teil seines Lebens, nämlich seinen Partner. Damit entsteht ein seelisches Vakuum und sie fällt in ein tiefes Loch, was sie nun versucht irgendwie zu kompensieren. Auf einmal muss sie nicht mehrden Weg den Ausgleiches suchen, sondern ist nur auf sich selbst und ihre Meinung angewiesen und es passiert genau dies, was Du ausgedrückt hast..ich bemerke das jetzt an meinem Vater, der ist 86 und seine Frau seit 7 Wochen im Krankenhaus und am Donnerstag hatten die beiden 55. Hochzeitstag..

Nicht umsonst hielten die Menschen früher und auch heute noch in traditionellem Kontext das Trauerjahr ein und gaben sich durch schwarze Kleidung als Witwe / Witwer zu erkennen. Ihre Trauer gibt ihnen eine besondere Stellung innerhalb der Gesellschaft, auf die die Mitmenschen hingewiesen werden. Um zurück ins Leben zu finden, benötigen mindestens ein Jahr, davon sollte man auf jeden Fall ausgehen. Gespräche helfen, aber nicht immer unter Angehörigen. Schließlich haben Sie ja auch den Tod Ihres Vaters zu verkraften. In vielen Kirchengemeinden gibt es Trauergesprächskreise, in vielen Städten Trauertherapeuten; es ist keine Schande, sich da Hilfe zu holen.
ja das is normal. habe vor einiger zeit auch einen schweren schicksalsschlag hinnehmen müssen und wurde vom humorvollen clown zum ernsten aber freundlichen menschen. jeder mensch hat lebensphasen in der alles bisherige wie ein kartenhaus zusammenfällt. der körper schaltet dann in ein notprogramm bis der mensch sein leben neu "kalibriert" hat. manchmal wird er dadurch anders. aber das gehört zum leben.
gerade nach langer krankheit ist es normal das menschen nach dem tod überraschend gefasst sind. sie haben bereits während der langen leidenszeit abschied genommen.

Wenn Deine Mutter sich in dieser Situation anders verhält als vorher, dann ist das völlig normal.
Meistens pendelt sich das Verhalten der Betroffenen aber nach einiger Zeit wieder ein - es ist gut möglich, dass Deine Mutter in einem Jahr vielleicht wieder "ganz die alte" sein wird.

Beobachte sie, dass sie sich nicht selber vernachlässigt und gehen lässt und selber mit dem Leben abschließt. Hol sie ins Leben zurück, gib ihr wichtige Aufgaben, bitte sie um Hilfe.