Frage von Jules394, 62

Ist das normal, dass eine psychosomatische Reha-Klinik so wenig nach ihren Patienten schaut?

... oder ist die Klinik einfach nicht so gut?

Einer jungen Patientin ging es psychisch überhaupt nicht gut. Die Mitpatienten machten es fast alle noch schlimmer und sie weinte eine Stunde ohne Pause, war total verzweifelt und hatte sehr negative Gedanken. Auch die Pflege, die sie weinend aufsuchte, konnte ihr nicht wirklich helfen. Immer noch total aufgelöst und sogar mit Suizidgedanken verließ sie das Pflegezimmer und weinte immer noch heftig. Die Pflege hat sich seither (seit gestern) nicht einmal erkundigt wie es ihr geht. Sonstiges Personal ebenfalls nicht. Ist das normal?

Antwort
von Tamtamy, 42

Um auf deine Frage zu antworten:
So, wie du es schilderst, läuft es normalerweise nicht ab. Damit meine ich das Verhalten des Pflegepersonals. Im Allgemeinen (und ich kenne den Ablauf in solchen Reha-Kliniken sehr gut) liegt dem Pflegepersonal, wenn es darüber informiert ist, VIEL DARAN, jemanden in einer solchen Situation aufzufangen und zu unterstützen.
(Aus der Ferne und als Außenstehender lässt sich natürlich nicht beurteilen, ob es so abgelaufen ist, wie geschildert und wie darauf reagiert wurde.)
Wenn sich die betreffende Patientin tatsächlich sehr ungerecht behandelt fühlt oder den Eindruck hat, zum zuständigen Therapeut würde eine schlechte Beziehung bestehen, hat sie auf jeden Fall das Recht, beim Oberarzt um ein Gespräch zu bitten, das der Klärung und Unterstützung dienen soll.

Antwort
von schloh80, 32

Eine Reha-Klinik ist nun mal kein Akutkrankenhaus für Psychiatrie. Das muss der Arzt entscheiden, der die Reha beantragt, welche Maßnahme richtig ist.

Sofern die Suizidalität ernsthaft wäre, wäre sie allerdings vom Pflegepersonal unter Hinzuziehung eines Arztes und ggf. der zuständigen Ordnungsbehörde gem. PsychKG binnen Minuten in die zuständige Akutklinik verlegt worden. Das geht ruckzuck, wenn das ernst ist.

Spricht insofern eher für Acting-out, Inszenierung & Co (Borderline?).

Kommentar von darkCharm ,

Hättest du dir den letzten Satz geklemmt, dann wäre deine Antwort gut.

Antwort
von DerMudder, 25

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Aber eine Reha-Klinik ist eigentlich keine psychosomatische Klinik oder auch Psychiatrie. Die Aufgaben und ärztlichen Vorgaben unterscheiden sich und normalerweise geht man auch in eine psychosomatische Reha erst wenn der Patient weitgehend stabil ist. 

Eine Reha dient ganz flach gesagt "Normalisierung" nach der eigentlichen "Behandlung". Entsprechend ist die Personaldecke meist auch niedriger als die in einem Krankenhaus - einfach weil die Patienten bis zu einem gewissen Grad bereits therapiert sind und ihren Tagesablauf weitgehend alleine bestreiten sollen.

Was die Suizidgedanken betrifft: Keine Schwester, Pfleger oder Arzt kann diese per Telepathie erkennen. Ich bin mir auch relativ sicher, dass die Reaktionen auf solch eine Aussage anders ausgefallen wäre. So eine Aussage ist "arztpflichtig" und muss von einem Psychologen beurteilt werden.

Ich will nicht ausschließen, dass die Klinik schlecht ist, doch man darf von keinem Krankenhaus erwarten, dass sie von alleine alles erkennen. Das Personal ist in der Regel überall überlastet, Ärzte machen sich meist rar und oft sind Freiberufler als "Einspringer" eingeteilt weil Personal fehlt/krank ist. Wenn muss man ggfl. mehrmals nachhaken und evtl. einer anderen Schwester/Pfleger den Fall schildern.

Falls du also über eine Freundin/Tochter redest, dann greif ihr etwas unter die Arme und geh mit ihr gemeinsam ins Pflegezimmer und mache auf freundliche Weise etwas Druck.
Falls du von dir reden solltest: Nicht verzagen und zu einer anderen Schwester gehen oder bei der nächsten Arztvisite/Sprechstunde offen reden. Wenn du es hierher geschafft hast, dann rede dir hier sonst noch was von der Seele und dann geht es mit einem kleinen, digitalen Arschtritt ab in den neuen Tag ;)

Kommentar von Tamtamy ,

Kleine Anmerkung: Es gibt sehr wohl Reha-Kliniken, die ausdrücklich als "Fachklinik für psychosomatische Medizin" arbeiten, und um eine solche scheint es sich hier zu handeln. Diese Kliniken sind personell gut ausgestattet und haben ein anspruchsvolles Behandlungsprogramm, was von den Kostenträgern (Krankenkassen, Rentenversicherung) gefordert und kontrolliert wird.

Antwort
von rafaelmitoma, 35

in dieser Klinik gibt es doch bestimmt einen Psychologen, den sie einmal in der Woche aufsuchen muß. oder sie geht zu einer Person ihres vertrauens,

Kommentar von Jules394 ,

Die Therapeutin konnte ihr bei dem Thema leider auch nicht helfen und nach dem Gespräch ging es ihr nur noch schlechter.

Kommentar von robi187 ,

wenn du sicher bist dass die behandlung nicht ok ist, kann kannst auch einen bericht an den kostenträger schreiben?

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