Frage von Mangoherz, 79

Ist das normal (Berührungsangst, Dissoziation, Angst vor Männern)?

Hallo, ich komme jetzt langsam in ein Alter, wo ich über Berufs- und Familienplanung nachdenke. Ich möchte sehr gerne heiraten und später Kinder bekommen. Der Haken dabei: Ich fühle mich unwohl in der Gegenwart von Männern. Ich kann das nicht richtig erklären.. Ich mag es einfach nicht, wenn sie mich ansehen oder mir in irgendeiner Weise zu nahe kommen. Und nein, ich bin nicht lesbisch, leider. Ich fühle mich von Männerkörpern, Bart etc eindeutig angezogen, anderseits habe ich gleichzeitig eine große Angst dabei. Ich war mit 18/ 19 mal magersüchtig, habe einen manisch depressiven, narzisstischen und alkoholkranken Vater, bin ein Scheidungskind, habe aber ansonsten eigentlich eine wunderbare Familie und Freundinnen. Nur eben, dass ich keine Nähe (sowohl physisch als auch psychisch) zulassen kann und mag. Überhaupt nicht. Ich hasse es, wenn jemand (sei es meine Mutter oder jm anderes vertrauenswürdiges), auch nur irgendetwas von mir wissen will. Dann fühle mich sofort bedrängt, eklig nackt und schutzlos. Dann fliehe ich erstmal und gehe der Person tagelang auf Abstand. Jetzt denke ich, und habe auch die Angst, dass ich so nie einen Mann finde, der nett ist UND den ich an mich heran lassen würde, dem ich je vertrauen könnte, heiraten, eine Familie gründen etc.
Ich bin 22 und habe noch nie jemanden geküsst oder auch nur annährend an mich herangelassen. Ist es vielleicht nur, weil ich unerfahren bin oder nichts falsch machen möchte oder steckt da mehr hinter? Ich verstehe meine eigene Psyche nicht. Manchmal bin ich einfach wie weg - gar nicht mehr in meinem Köper. Und ich vergesse sehr schnell, erinnere mich nicht an vergangenes, manchmal nicht mal an die letzten Stunden. Ich denke eben nicht gerne über Vergangenes nach. Ich hoffe sehr, jemand hier kann einige der Fragen beantworten oder versteht mich einfach.. (denn ich tue es oft selber nicht).

Antwort
von xMirage95, 37

Frag dich nicht was normal ist. Das ist eh egal. Jeder ist anders, du auch. :)

Ich kann in gewisser Weise nachvollziehen was du meinst, auch wenn ich es nicht so extrem habe. Kenn das aber sehr gut - dieses Unwohlfühlen, die Angst, dass irgendjemand die Schutzlosigkeit bemerken könnte und das evtl. ausnutzen würde, die Unerfahrenheit usw.

Manchmal muss ich sagen hat sich das Unwohlsein bei mir oft als eine gute Intuition herausgestellt wenn klar wurde, was derjenige überhaupt wollte. Ich glaube tatsächlich dass das nicht immer ganz grundlos ist - denn ich vermute mal dass du trotz diesem generellen Unwohlsein doch nochmal Unterschiede zwischen Leuten spürst?

Wie auch immer. Was Berührungen angeht ist das einfach Gewöhnungssache. Mach dir da mal keinen Stress. :)

Was das Vertrauen angeht bleibt dir im Endeffekt eh nichts anderes übrig, als es, wenn du mal jemanden getroffen hast wo es passen könnte, genau das zu probieren. Da hat man leider nie eine Garantie, auch wenn ich mich selbst manchmal noch schwer tue das zu akzeptieren. ;) Das Wichtigste ist dass du den Kopf oben hältst und die Hoffnung und den Glauben hast, das alles hinzukriegen. Damit stemmt man jede Herausforderung. :)

Antwort
von PvtArrowhead, 37

Hast du viel und intensiven Kontakt mit der bipolar affektiven Störung und der Alkoholsucht deines Vaters gehabt, bzw. Hatte es irgendwelche Auswirkungen auf dich? Zb. Körperliche Gewalt etc?
Denn deine Psyche scheint irgendetwas aus der Vergangenheit nicht verarbeiten zu können. Darauf deuten zwei von dir beschriebene Verhaltensweisen:

a) Du bist ängstlich gegenüber körperlicher Nähe und meidest daher "innigen" Kontakt
b) Du denkst nicht gerne an die Vergangenheit bzw. Deine Psyche blendet sie aus, oder versucht es zumindest.

Schau, der Punkt ist, dass es für uns Laien von hier aus unfassbar schwer ist, deine Situation richtig einzuschätzen.
Aber sollte dich etwas vergangenes, vielleicht aber auch Zukunftsängste, plagen, dann such bitte einen Psychologen auf. Dem kannst du dich beruhigt öffnen - er steht unter Schweigepflicht und wird für nichts über dich urteilen.

Was deine Angst bzgl. des Partners angeht, kann ich dir sagen, dass es genug Männer dadraußn gibt, die dich verstehen und dir alle Zeit der Welt geben werden. Und mit der Zeit kommt das Vertrauen und du wirst sehen, du wirst dich wohl fühlen.

Ich wollte dich jetzt auch nicht dazu auffordern, zum Arzt zu gehen. Ich meinte nur, falls du wissentlich etwas verdrängst, tu etwas dagegen!

Ich wünsche dir von Herzen Alles Gute

LG
G. Schröder

Kommentar von Mangoherz ,

Danke für deinen unaufdringlichen Text :)

zu der Frage: Ja, ich hatte Kontakt zu ihm. Nach der Scheidung eigentlich eher weniger, aber anscheinend genug, um bleibende Schäden bei mir (und meinen Geschwistern) zu hinterlassen..

Ich weiß von meinen älteren Geschwistern, dass er schon öfters ausgetickt ist und sie und seine Exfrauen auch geschlagen hat. Ob das bei mir auch so war, kann ich aber wirklich nicht sagen. Keine Ahnung.

Kommentar von PvtArrowhead ,

Das du dich daran unter Umständen nicht erinnern kannst, ist unter Umständen normal. Ich möchte hier aber auch niemandem irgendetwas unterstellen. Er scheint aber trotzdem, wie du bereits sagtest, Schäden hinterlassen zu haben. Ich sehe zwei Möglichkeiten: Entweder du arbeitest die Beziehung zu deinem Vater auf - das wird schwer und könnte dich eventuell auch weiter frustrieren. Oder du versuchst es doch mal mit psychologischer Behandlung. Diese Leute sind auf genau so etwas spezialisiert. Es wird dir gut tun und dir helfen. Es wird dir auf keinen Fall schaden, einen Versuch ist es also allemal wert!

Antwort
von TheTrueSherlock, 41

Das klingt schon etwas Therapie bedürftig. Einerseits willst du Nähe und Liebe erfahren, allerdings hast du Angst vor Verletzung und stoßt alle Personen weg, die dir zu nahe kommen. So etwas hatte/habe ich auch und nennt sich Nähe-Distanz-Konflikt.

Bei mir und auch bei dir ist die Ursache sicherlich der Vater. Ich bin kein Psychologe, aber das klingt logisch. Durch ihn wurdest du oft verletzt und du konntest als Kind damit nicht umgehen. Du wolltest die Liebe von deinem Vater, wie man es als Tochter nun mal erfahren will und wurdest eventuell weggestoßen. Nun kannst du ebenfalls nicht mit dem Thema Liebe umgehen und hast Angst vor erneuten Verletzungen.

Das du in deinem noch jungen Alter noch nicht geküsst worden bist, ist nicht schlimm. Allerdings scheinst du noch viel mit deinem Vater aufarbeiten zu müssen und ich würde mir professionelle Hilfe suchen. Es ist vielleicht ein kleineres Thema, aber es ist okay Hilfe anzunehmen :) Denke mal darüber nach ^^

Liebe Grüße :)

Antwort
von FunnysunnyFR, 33

Es klingt wie eine Abgedroschene Floskel, aber es ist die Wahrheit.

Wenn dir der Eine, der Richtige über den Weg läuft, ist die Sehnsucht nach seiner Nähe, seiner Liebe automatisch da.

Glaub mir, ich habe meinen Mann, meine Liebe fürs Leben mit 23 gefunden.

Und war davor nie Verliebt. Hab das für gefühlsduseligen Schwachsinn gehalten, konnte dieses irrationale Verhalten meiner Klassenkameradinen in der Pubertät nie nachvollziehen.

Erfahrung mit Männern hatte ich schon, aber ohne auch nur ein bischen Nähe oder Emotion zuzulassen, oder zu spüren. Ich hab mir nur welche gesucht, die ich 100 % niemals wiedertreffe.

Und dann lief mir der eine über den Weg, der jetzt seit 15Jahren mein Leben teilt, mit dem ich Kinder habe und glücklich bin.

Aber ich hab es bis heute nicht geschafft, mein Bedürfnis nach Freiheit, unverbindlichkeit aufzugeben. Obwohl ich immer mein Mann sage, obwohl er schon 10000 mal gefragt hat, ich hab ihn bis heute nicht geheiratet.

Also zumindest für mich ist dein Verhalten ganz normal, falls dich das tröstet.

Kommentar von Mangoherz ,

Es hört sich trotzdem schön an - deine Geschichte. Dann habt ihr eben eure eigene - ihr müsst ja nicht heiraten :)

Kommentar von FunnysunnyFR ,

Er hört nicht auf zu nerven. Grins.

Und ich hab Angst, das mit der "Verbindlichkeit"einer Heirat irgendwie die Beziehung kaputt geht.

Wenn du so willst, hab ich auch ne Macke.

Eines haben wir gemeinsam, Alki als Vater, der mich nicht Wollte, weil ich kein Sohn war, Scheidungskind, und Viele "Stiefväter" inclusive zwei Halbbrüdern die auch noch Verschiedene Väter haben.

Viel Glück für deine Zukunft

Kommentar von Mangoherz ,

Danke, dir auch! Immerhin weißt du genau, wo deine "Macken" liegen :) und du wirst nicht allein gelassen damit.

Aber vielleicht hilft dir das: Mein ältester (Halb)Bruder ist 36, hat vier Kinder mit seiner (sehr taffen) Frau, die er noch von der Schule kennt. Er hat immer noch einen "weg" von der schrecklichen Scheidung meines Vaters und seiner Mutter und so sehr er sie auch liebt, wollte er partout nicht heiraten. Irgendwann hat sie gesagt, er hat jetzt gar keine Wahl mehr: Sie haben ein gemeinsames Haus, vier wundervolle Kinder und eine tolle Partnerschaft - er muss sie heiraten. 

Das hat er dann - zum Erstaunen von uns allen - auch tatsächlich vor 9 Jahren getan. Und sie sind immer noch glücklich! Er kann jetzt voller Stolz sagen "Meine Frau". Klar, einige Macken sind geblieben.. Z.B. dass wenn seine Frau in einem Streit auf Wut sagt, sie lässt sich jetzt scheiden (obwohl sie es natürlich nicht so meint), dann dreht er sofort komplett durch und kriegt Panikattacken. Das muss sie erst noch lernen, dass sie so etwas nie in seiner Gegenwart erwähnen darf, selbst nicht ,wenn sie selbst verletzt und wütend ist.. Aber zusammen kriegen sie das schon hin!

Kommentar von FunnysunnyFR ,

Seltsam wie sich Parallelen durch die Schicksale komplett Verschiedener Menschen Ziehen.

Auch das, nicht über Probleme reden, auch nicht mit der Mutter kenne ich von mir. Ich behalte meine Probleme für mich, und bin die letzten 38 Jahre sehr gut damit gefahren.

Ich hab mich von je her selber aus dem Sumpf gezogen, mich nur auf mich verlassen, und brech mir jetzt noch lieber fast das Kreuz, wenn ich für unsere Viecher die Futtersäcke schlepp, als das mir ein "Kannst du mir mal helfen" über die Lippen kommen würde.

Und bekomme dafür regelmäßig "Feuer" von meinem Liebsten. Grins

Antwort
von WelleErdball, 43


habe aber ansonsten eigentlich eine wunderbare Familie

Dieses "ansonsten" wird es aber nicht ausgleichen wenn die engste Bezugsperson auf die man sich als Kind und Jugendlicher verlassen hat/verlassen musste so schädlich darstellt und das zeigt sich auch deutlich in der Essstörung und in deinen Ängsten. Ich finde, dass bei dir auch soviel an Vorgeschichte und Problemen da ist, dass man das nicht mit einem kurzen Ratschlag zwischen Tür und Angel beheben kann sondern da muss man sicher therapeutisch rangehen.

Kommentar von Mangoherz ,

Ja das stimmt, aber ich mag es eben nicht zu reden, besonders nicht über vergangenes. Selbst wenn mich jemand nach dem Uni-Tag fragt, will ich schon nicht antworten. Da kann ich doch keine Therapie anfangen.. :/

Kommentar von WelleErdball ,

Aber eben genau in der Vergangenheit liegt der Schlüssel. Therapie ist kein Spaziergang aber ich fürchte für dich die einzige Möglichkeit um gesamtheitlich eine Besserung zu erzielen. Ich denke, in dem du das Verhältnis zu deinem Vater aufarbeitest kann sich auch etwas an dem Verhältnis zu Männern und in Liebesbeziehungen ändern.

Kommentar von Mangoherz ,

Okay, danke. Das gibt mir etwas Zuversicht..

Antwort
von Haaaalo, 34

 Was genau meinst du damit:

Ich hasse es, wenn jemand (sei es meine Mutter oder jm anderes vertrauenswürdiges), auch nur irgendetwas von mir wissen will.

Kommentar von Mangoherz ,

Dass es mir unangenehm ist, wenn mich jemand etwas zu meiner Person fragt, sei es nur im Alltag. Ich möchte nicht, dass irgendjemand (zu viel) von mir weiß und diese Person, sei es noch die kleinste, unwichtigste Information, dann gegen mich verwenden könnte..

Ich weiß, das klingt komisch, aber lernt mal meinen Vater kennen, dann versteht ihr mich :D

Kommentar von Haaaalo ,

Für mich klingt das nicht komisch. Ich kenne das sehr gut von mir. Du bist übervorsichtig im Umgang mit anderen und blockst einfach direkt ab, wenn etwas persönlich wird, weil du dich unwohl fühlst etwas von dir preiszugeben und daher auch in jeder Aktion von dir sicherstellen musst, dass die anderen so wenig wie möglich von dir erfahren. Dir wurde einfach das Vertrauen gebrochen. Und Zeit alleine wird diese Wunden nicht verheilen und dir dieses Vertrauen wiedergeben. Du brauchst eine Person, der du vertrauen kannst und für dich Verständnis hat. Es ist aber schwer so eine Person zu finden, gerade weil du nichts von dir preisgibst. War es denn schon immer so extrem? Und wie sehen denn deine Freundschaften eigentlich aus?

Antwort
von Oldschool124, 8

Hey Mangoherz,

Ich würd dir gerne privat schreiben, hab dir eine Nachricht geschickt!

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