Frage von Hellskellet, 80

Ist das HK G36 wirklich so unpräzise?

Es ist schon etwas länger her, dass behauptet wurde, dass das G36 im warm geschossenen Zustand enorme Präzisionsprobleme hätte. Mich interessiert dennoch ob es diese Behauptungen der Wahrheit entsprechen. Ich finde zu dem Thema allerdings nur schlecht bis gar nicht mit Nachweisen hinterlegte Zeitungsartikel und Spekulationen.

Kennt jemand von euch unabhängige Gutachten, Interviews mit Soldaten oder ähnliches welches Informationen zu diesem Thema liefert? Mit unabhängig meine ich, dass diese Gutachten/Interviews/etc... nicht von Heckler und Koch, dem Verteidigungsministerium oder von hochrangigen Bundeswehr Generälen oder Offizieren stammen sollten.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von willom, 43

Die Truppe selbst hatte nie größere Probleme mit der Waffe.

Jedenfalls nicht in der Form, daß es massenhaft auftretende Präzisionsprobleme in heißgeschossenem Zustand gab.

Was es gab, waren tatsächlich einige wenige Waffen die in einzelnen Einsätzen so heiß geschossen wurden, daß sich das Kunststoffgehäuse der Waffen verzogen hat. Das waren aber nicht mehr als eine Handvoll, jedenfalls kein massenhaft auftretendes Problem.

Grundsätzlich ist das G36 keine schlechte Waffe, allerdings wurde sie nicht für die Einsatzszenarien entworfen in denen sie inzwischen eingesetzt wird.

Lange Schußwechsel mit Gegnern in relativ weiter Entfernung, die sich auch noch in Deckung befinden und das bei klimatischen Bedingungen von z.B.  Afghanistan waren nicht vorgesehen, als die Waffe konzipiert wurde.

Das tatsächliche Problem beginnt aber im Grunde nicht bei der Waffe, sondern schon bei der kleinkalibrigen Nato-Patrone die bereits im Vietnamkrieg ihre Probleme hatte.

Antwort
von Jo3591, 30

Als das G 36 entwickelt wurde hatte die BW schon einige Jahre mit der letzten Endes aufgegebenen Entwicklung des G 11 mit hülsenloser Munition nutzlos vertan. Das damalige Szenario war die Konfrontation der beiden hochgerüsteten großen Machtblöcke NATO und Warschauer Pakt in Mitteleuropa bei mäßigem Klima ohne extreme Staubbelastung. Die Infanterie fuhr in Schützenpanzern mit eigener MK oder MTWs hinter den Kampfpanzern, unterstützt von Artillerie und aus der Luft, großer Wert wurde auf die Panzerabwehrfähigkeit gelegt. Kampfsituationen (Verschießen mehrerer Magazine in wenigen Minuten in heißer, staubiger Umgebung), die zu den beim G 36 gelegentlich beobachteten Problemen führten, waren damals seltener zu erwarten. Daher waren sie auch nicht Bestandteil des Anforderungsprofils. Die BW hat genau das Gewehr bekommen, das sie bestellt hatte (aber eben auch nicht mehr!). Für Unterstützungs- und Unterdrückungsfeuer war damals beabsichtigt, das fast identische MG 36 einzuführen, die bereits erfolgte Bestellung von über 5000 Stück wurde jedoch storniert und das gute alte MG 3 blieb dafür unersetzlich. Durch den Austausch des Rohrs gegen das des MG 36 würde das G 36 nur 136 g schwerer und die Probleme bei heißgeschossenem Rohr würden geringer. Ich könnte mir vorstellen, daß das für wenige Hundert € pro Waffe machbar wäre, aber um dieses Thema ist es ziemlich ruhig geworden.

Manche Probleme, über die berichtet wurde, sind allerdings nicht dem G 36 zuzuschreiben, sondern der mangelnden außenballistischen Performance der 5,56 x 45 NATO Patrone und die betrifft alle Waffen diesen Kalibers gleichermaßen. Die alte 7,62 x 51 Patrone war übrigens für ein vollautomatisches Sturmgewehr eigentlich auch ungeeignet, weil viel zu stark. Daher wurden die meisten FN-FAL und M 14 nur als Halbautomaten genutzt. Aus meinem G 3 habe ich jedenfalls nie mehr als 3 Schuß im Feuerstoß ohne Ladehemmung herausbekommen. 

Antwort
von FloTheBrain, 30

Es gibt ein Gutachten der Bundeswehr, dass die Munition verantwortlich macht.

Letztendlich aber auch egal.

Die Bundeswehr hat das bekommen, was sie damals bestellt hatte. Heckler & Koch konnte Nachforderungen darum erfolgreich abwehren. Das Gewehr war in dieser Konfiguration nicht für ausdauernde Wüstenkämpfe ausgelegt. Eigentlich generell nicht, bei dem verbauten Lauf.

Das SL8, die zivile Version des G36, was man als Sportschütze (noch) erwerben kann, hat z.B. einen ganz anderen Lauf, der viel dicker ist. Dieser Lauf ist auch bei hohen Temperaturen noch präzise.

Eigentlich müsste man also nur den Lauf tauschen, fertig. Aber es wird, wie immer bei Rüstungsprojekten, die Wirtschaftsförderung im Mittelpunkt stehen. Nicht die Zweckmäßigkeit. Darum haben wir Hubschrauber der Marine, die nicht über Wasser fliegen dürfen, einen Kampfjet, bei dem die Bordkanone aus Sicherheitsgründen nicht benutzt werden darf, ein Transportflugzeug mit Softwareproblemen und deutsche Schützenpanzer, die bei europäischen Manövern mit schwarzen Besenstielen als MG-Atrappe unterwegs sind, um sich erst auf den zweiten Blick zu blamieren.

Solche Fehler passieren aber heutzutage auch woanders. Die F22 der Amerikaner darf nicht nass werden, die F35 kann nur maximal 45 - 60 min über einem Kampfgebiet operieren usw.

Generell war auch das benutzte Kaliber des G36, das Standardkaliber der Nato-Sturmgewehre ein Fehler. Bei Entfernungen über 150 Meter kaum Stoppwirkung und ebenfalls zu wenig Durchschlagskraft.

Daher werden wieder alte Gewehre im Kaliber 7,62 mm modernisiert und neue in diesem Kaliber beschafft. Gewehre, die die Bundeswehr nach Jahrzehnten der Lagerung in neuwertigen Zustand zu zehntausenden vernichten lies. Das war Ende der 90er.


Antwort
von rav3ry, 49

Es gibt ein paar Sachen

#1 Bei der Bestellung des G36 als Sturmgewehr der Bundeswehr musste zwischen zwei Modellen entschieden werden. Das normale oder das etwas teuere Hitzebeständige. Staat kauft ersteres.

#2 Persönlich finde ich, dass das G36k Standart werden sollte, weil es viel besser in Räumen, Gängen, Gebäuden zu handhaben ist, was auf jede Einheit zukommen kann, nicht nur auf EGBler oder Spezialkräfte. Das G36A1 ist mit 1m als modernes Sturmgewehr einfach etwas zu lang als notwendig.

#3 Das G36 ist ansich ein super Sturmgewehr, fast nahezu kein Rückstoß. Die festen Visiere find ich teilweise etwas unklug, aber das ist meine persönliche Meinung. Es ist eine Lösung um Feinde auf verschiedene Distanzen zu bekämpfen und sie erfüllen ihren Zweck. Mehr muss man nicht erwarten.

#4 Das einzige wirklich hinderliche finde ich die Magazine, zu breit, und diese Haken sind tückisch.

Ich kann jetzt keine Vergleiche zur M4 oder so ziehen, aber an für sich hat meine immer ihren Zweck erfüllt.

Kommentar von GhostOA ,

Sehr schön zusammengefasst, ich will nur kurze meine Meinung und einige Ergänzungen bringen.

zu 1.) jup, da hast du vollkommen Recht. HK bot das MG36 an. Stärkerer Lauf, Zweibein und Trommelmagazin. Die Bundeswehr übernahm nur das Trommelmagazin und Zweibein, nicht aber den stärkeren Lauf. (Kleine Funfact-beim Vergleichsschießen um die Fehler des G36 "aufzudecken" wurde ein HK416 (soweit ich noch weiß) mit verstärktem Lauf benutzt. Sprich jemand hat ein LMG mit einem Sturmgewehr verglichen)

zu 2.) Deine Ansicht. Ich bin ein Freund der A1 Variante für den Standardsoldaten. Im Wald oder anderen durchschnittenen/offenem Gelände ist es nicht hinderlich. Gut im urbanen Gelände kann es hinderlich sein, aber man kann a) die Schulterstütze einklappen und b) war auch früher effektiver Häuserkampf mit Waffen die knapp einen Meter messen möglich.

zu 3.) Frag doch mal den Sicherheitsbeauftragten deiner Einheit und deinen TE-Führer oder KP-Chef. Es ist möglich eigene Visiere auf die Waffe zu montieren. Muss halt nur abgesprochen werden. Die Kameraden von der Inst bauen dir dann dein Visier richtig an und du musst es nur noch einschießen.

zu 4.) Ja die Haken sind tückisch. Aber sie bieten auch den Vorteil, dass ich ohne Probleme Doppelmagazine verwenden kann. Hat mir beim Ausweichen und schnellen Stellungswechseln sehr gefallen. Feuern, Feuern, Feuern-oh ich muss laden- 2sec später-Feuern.

zum Vergleich M4.

Rein technisch ist das System des G36 baugleich mit dem HK XM8. Die US Army hatte mit verschiedenen Waffen ein Testschießen unter Wüstenbedingungen. Wie ging es aus?
"
Einen kleinen Einblick in das Potential der XM8/G36-Familie gewährte ein Vergleichstest zwischen dem XM8, dem HK416, dem FN SCAR und dem Colt M4,
der Ende 2007 von der US Army veranstaltet wurde. Dabei wurden mit
10 Waffen eines jeden Typs unter schweren Wüstenbedingungen (Heavy Dust
Test) 60.000 Schuss abgefeuert. Während das M4 882 Mal versagte,
schnitten HK416 und FN SCAR mit 233 und 226 Ladehemmungen wesentlich
besser ab. Das HK XM8 erzielte mit nur 127 Ladehemmungen das beste
Ergebnis. Die Army erklärte daraufhin, dass die extremen Bedingungen
nicht die Zuverlässigkeit in typischen Operationsbedingungen
widerspiegeln würden.
" (zitiert aus Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/HK_XM8 26.08.16 06:49)

Wir haben also eine sehr gute und vor allem präzise Waffe. Was die Politik will ist eine Allzweckwaffe. Hier MG, da Sturmgewehr und woanders Präzisionsgewehr. Unmöglich, aber leider Wunsch der Politik.
Ich persönlich vertraue dem G36 und in Kombination mit einem MG und einem DMR halte ich es für die Waffe der Gruppe im allgemeinen.

Kommentar von rav3ry ,

zu 3.) Wie gesagt, teilweise. Ich finde es gut, 2 Optiken zu haben, nur wenn man den Standart BW Helm trägt, ist es sehr blöd da durchzuschauen, speziell durchs ZF.

2) Ja das geht, aber ohne frontgriff zieml. blöd. Es würde auch so gehen, aber dann müsste die hintere hand ca. 95% des rückstoß abfangen.

4) bin nicht der fan von doppelmagazinen ^^

Antwort
von nickka1233, 47

jedes Gewehr wird beim Schießen warm. Es gibt deutlich schlechtere Waffen als das G36. Ich habe und hatte nie Probleme mit der Waffe. Eine sehr gute Waffe, die in vielen Situationen Überlegenheit bedeutet. Sicherlich gibt es noch bessere Waffen aber das G36 ist nach meiner Meinung kein schlechtes Gewehr. Ob es Präzise ist oder nicht, hängt nach meinem Kenntnisstand hauptsächlich immer noch vom Schützen selber ab. Sind natürlich ein paar hundert Schuss durch das Gewehr gegangen, dann können sich leichte Verformungen bilden. Das ist richtig aber das ist wie gesagt bei fast allen Waffen der Fall. Beim MG3 müssen nach einer bestimmten Schusssequenz die Rohre ausgetauscht werden, um genau das zu verhindern. Die Politik und auch die ,,hohen" Bundeswehrsoldaten verlassen sich oft auf zu wenig Information. Dazu kommt leider noch das organisatorische. Alleine schon auf ,,Kasernen" Ebene funktioniert zum Teil überhaupt nichts. Ich möchte nicht wissen, wie es erst weiter oben zu geht. Es werden Gelder verschwendet. Das kann ich jeden Tag mit eigenen Augen sehen. Wir sprechen hier nicht von ein paar Euros. Zum Glück sind meine 8 Jahre in ein paar Monaten vorbei. Sicherlich gibt es auch gut organsierte ,,Kasernen" aber in meiner läuft zumindest nichts.

Antwort
von grubenschmalz, 29

Ich habe bereits auf Wettkämpfen mit dem G36 festgestellt, dass wenn die Waffe bereits lange geschossen wurde, sie ziemlich unpräzise war. Da wusste ich das damals aber noch nicht und hatte mich damals schon geärgert. Und das war jetzt kein Hexenwerk, freihändig liegend auf 200m und ähnliche Geschichte, das ist eigentlich Pillepalle. 

Kommentar von nickka1233 ,

Schwachsinn. Du hast dir die Frage schon selbst beantwortet. Umso länger man am Schießen ist bez. umso mehr Zeit vergeht, desto unkonzentrierte wird man bez. lässt auch die Kraft nach. Dadurch kommt es zu diesen ,,Fehlschüssen" Im Zweifel ist immer der Bediener Schuld. Regel Nummer 1.

Kommentar von grubenschmalz ,

Schwachsinn. Du hast dir die Frage schon selbst beantwortet.

Bevor du hier groß tönst, solltest du vielleicht mal höflich nachhaken, wenn du was nicht genau verstanden hast.

Es geht darum, wenn ich mit einer Waffe schieße, die schon 100 Leute vor mir hatten und die quasi ohne Pause geschossen wurde. Und wenn ich dann einen Streukreis von 1,5m habe, dann liegt das sicherlich nicht an mir, wenn ich auf die Entfernung mit meinem privaten Gewehr einen Streukreis von 20cm habe. 

Antwort
von PashaBiceps, 55

Nein ist es nicht . Es läuft schnell warm aber eigentlich macht man damit auch kein unterdrückungsfeuer sondern gezielte schüsse. Dann ist das kein problem. Solange man sich in der effektiven reichweite befindet ist es genau es sei den es ist warm gelaufen dann merkt man die auswirkungen aber auch nur minimal

Antwort
von prazisionsvogel, 14

Ach du meinst Knetmasse... Ne, Spaß vorbei, das G36 hat wirklich magelnde Präzision bei Hitze.

Kommentar von prazisionsvogel ,

Das gleiche Nein mg5

Kommentar von prazisionsvogel ,

Ich meine: beim

Antwort
von casala, 32
Antwort
von Yape1n, 36

Das G36 war und ist einer der besten Sturmgewehre das es gibt. Wenn man in einer jetzt zbs in Afghanistan 5h Magazin nach Magazin abfeuert ohne große pausen kriegt jedes Gewehr präzionsprobleme, das das G36 aber ein generelles Problem hat ist Blödsinn

Diese Falschmeldungen aus der Presse dienten nur dazu das die Bundeswehr doch schnellstmöglich bei HK ein neues Gewehr für die Truppe bestellt.

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