Frage von Madison17, 40

Ist das frühe Christentum identisch mit dem Judentum?

Hey, ich würde gerne wissen ob das frühe Christentum mit dem Judentum übereinstimmt. Denn das laut Wikipedia: ,,Ob das Wirken Jesu bereits zum Urchristentum gehört, oder dieser Zeit vorangeht, ist umstritten.[1]

Als Endpunkt und ungefähre Epochengrenze wird oft die Entstehung des Evangeliums nach Johannes (etwa 90–100)[2] angesehen, oder die Loslösung vom Judentum (bis um 135)[3] – dann gehören die Zeit der Apostel und der nachfolgenden zwei bis drei Generationen dazu."

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen:)

Antwort
von Pudelcolada, 7

Ich halte die Niederschrift des Johannes-Evangeliums für den entscheidenden Zeitpunkt, denn bis dahin hätten die Urchristen jederzeit die Vergöttlichung und auch die Erklärung von Jesus zum Propheten widerrufen können.

Doch mit diesem Evangelium erheben sie den Anspruch auf die einzig "richtige" Beurteilung von Jesus Christus als Gottes Sohn, dessen eigene Selbstopferung Gott besänftigen sollte. Denn anders als im Christentum wird im Judentum Gott als unnahbares Schöpfergeistkonzept vorrangig in seiner strengen und strafenden Gerichtsbarkeit wahrgenommen.
Mit der Einbindung eines weiteren Konzeptes wurde seine Rolle um die eines Vaters erweitert, dessen (halbgöttlicher) Sohn den eigenen Ödipuskomplex versucht aufzulösen. Dieses Konzept war nicht neu und entspricht der antiken griechischen Mythologie, konnte also von der jüdischen Religion auf keinen Fall akzeptiert werden. Ich meine, dieser Umstand war dem oder den Verfasser(n) des Johannes-Evangeliums sehr bewusst; dieses Evangelium ist in meinen Augen also auch und vor allem als politische Kampfschrift zu verstehen.

Wie schwierig die Erweiterung des jüdischen Gotteskonzeptes war, zeigte sich in den folgenden Jahrhunderten, als aus den daraus entstehenden Widersprüchen verschiedene christliche Kirchen entstanden, die nach und nach von der römisch-katholischen Kirche entweder verdrängt oder blutig niedergekämpft wurden.
Die größten Konflikte entstanden aus Fragen, die sich aus dem Zeugungsakt ergaben und die letztendlich zu verschiedenen Beurteilungen der göttlichen Trinität führen mussten.
( > Arianer/Goten, Nestorianer, Katharer, Gnostiker, Mystizismus)

Antwort
von anniegirl80, 16

Übereinstimmen kann es mit Sicherheit nicht. Dass Jesus der Messias ist, spaltete die frühen Christen und die Juden. Das kannst du im Neuen Testament nachlesen.

Viele Urchristen hielten sich allerdings noch an jüdische Traditionen. Sie gingen anfangs auch noch in die Synagoge (Apg 9,20 und andere). Jesus Christus hat die Speisegesetze aufgehoben (Mk 7,19). Bis das tatsächlich umgesetzt wurde, ging es aber noch länger - dafür brauchte es eine Vision von Petrus, die man wörtlich und symbolisch auslegen kann (Apg 10).

Ein weiteres Zeugnis der Spaltung ist der Galaterbrief.

Wie man das zeitlich genau festlegen kann, das kann ich dir allerdings nicht beanworten. Ich tendiere zu der früheren Zeitangabe von dir. Die Juden wollten ja praktisch von Anfang an nichts mit den Christen zu tun haben. Auch hier gibt es Bibelstellen, leider habe ich grad keine im Kopf dazu.

Antwort
von Hooks, 16

Nein. Lies einmal die Briefe Apostel Paulus, der hat sich sehr dagegen gewehrt, wenn Christen wirder zurückgefallen sind ins Judentum.

Auch die Apostelgeschichte könnte sehr hilfreich sein zum Lesen. Online geht das beim Bibleserver.com.

Jesus hat immer wieder gesagt: "Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist, ich aber sage euch... " (Matthäus 5-7) und er handelte auch danach, um zu zeigen, daß nun etwas neues entstanden ist.

Allerdiungs mujß man berücksichtigen, daß die Jünger Jesu nhoch nicht den hl. mGeist hatten, und daß er zu ihnen sagen muß: " Ich hätte euch noch vieles zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen."

Dazu gehört auf jeden Fall die Entstehung der Gemeinde, denn Paulus spricht ausdrücklich davon, daß Gott ihm ein Geheimnis offenbart hat, was vorher niemand wußte.

Und auch, daß nun die Heiden zu Gottes Volk gehören können, wenn sie wollen.


Kommentar von Madison17 ,

super Antwort danke :) Weißt du vielleicht auch ob sich die Sichtweise dort von der des ,,heutigen Christentums" unterschiedet ?

Kommentar von Hooks ,

Das kann man so pauschal nicht unterscheiden.

Dazu müßte genau festgelegt werden, was man mit Christentum meint. Wenn Du hier die Diskussionen bei gf dazu ansiehst, merkst Du schnell, daß sehr viele Leute total unterschiedliche Meinungen von dem haben, was "Christentum" ist - oder sein sollte.

Du könntest DIr einmal die Statuten besorgen von ev. Kirche, kath. Kirche, verschiedenen anderen Denominationen und dann vergleichen.

Oder mach mal eine Umfrage in der Fußgängerzone, das wäre doch interessant!

Manchmal gibt es dort sogar Büchertische oder Straßenprediger, die könntest Du auch mal fragen.

Antwort
von OnkelSchorsch, 6

Am Anfang waren die Judenchristen. Dann kamen mehr und mehr die Heidenchristen hinzu, woran insbesondere bereits Paulus beteiligt war. Duch das Heidenchristentum gelangten hellenische Elemente ins Christentum und veränderten die jüdische Sekte der Judenchristen zum Heidenchristentum, das bis heute andauert.

Es ist übrigens anzunehmen, dass Jesu Bruder nach dessen Tod das Judenchristentum weiterführte und die beiden Richtungen miteinander konkurrierten, wobei das Judenchristentum politisch war , während das Heidenchristentum eher unpolitisch bzw sich bei den Herrschenden (also Rom) anzubiedern versuchte - was auf lange Sicht hin bekanntlich auch gelang.

Antwort
von josef050153, 6

Es kommt halt darauf an, was du unter 'frühem Christentum' verstehst.

Bereits im ersten Jahrhundert haben sich Menschen aus dem Heidentum zu Christus bekehrt. Diesen war aber das jüdische Gesetz ziemlich egal.

Gerade dieser Spannungsbogen zwischen Juden- und Heidenchristen macht aber die Einzigartigkeit der ersten Christen aus. In anderen Religion und auch im Christentum ab dem 4. Jahrhundert hätte so etwas für drei Religionskriege gereicht.

Antwort
von fricktorel, 4

Nein, denn die Juden lehnten das Opfer Jesu (Röm.6,23) für uns Menschen ab (Mk.15,13).

Antwort
von schmidtmechau, 7

Hallo Madison17, 

spätestens mit dem Missionsgebot ist das Judentum verlassen. Das kennt keine Mission, weder unter Juden, noch unter Heiden.

Gruß Friedemann

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