Frage von FreundeDerNacht, 38

Ist das eine leichte depression?

Ich fühle mich im Moment überhaupt nicht gut könnte aber auch an der Pubertät liegen ( 14 ) Musste letztes Jahr schlimmes mit erleben, und verarbeite jetzt erst alles. Mein Papa war anfang des Monats auf dem Hof und ich hab ihn gesehen. Immer wenn ich ihn sehe dann bin ich gleich auf 180 geladen...weil er meiner Mutter was schlimmes angetan hat letztes Jahr. Ja jedenfalls hab ich Schlafstörungen seid dem ich ihn auf dem Hof gesehen habe... hab vorher wie ein Stein geschlafen. Wache nachts 3-4 uhr Morgens auf. kann meistens wieder einschlafen, dauert und lange weil ich mich zuhause beobachtet fühle... und dann wache ich meistens wieder 6 Uhr auf (heute morgen) und bin schon hellwach wobei ich Abends gegen 23 Uhr schlafen gegangen bin. Wenn ich male dann zittere ich nach einer kurzen Zeit. Zittere so oder so deswegen schon, und hab manchmal so das übelste Herzklopfen... und dann machts meine mutter noch schlimmer und redet schlecht über meinen Papa, gerade wo ich das alles verarbeiten muss... ich lache nicht mehr so viel.... und sehe total schlecht aus im Gesicht (wenig blass geworden) bin aber fast täglich draußen frische Luft schnappen... ist das schon eine Depression? konnte vor Wochen überhaupt nicht wirklich garnicht lachen... meine Lehrerin hat mich auch schon angesprochen weil ich so Brain AFK im Unterricht sitze

Antwort
von EinNarr, 13

Das was du erlebt hast, unabhängig von den Details, ist ein traumatisches Erlebnis gewesen und das hinterlässt seine Spuren.

Du bist sehr selbsreflektiert und schreibst bereits, dass du dabei bist die Geschehnisse zur verarbeiten. Diese Verarbeitung kann dauern und vielen fällt es schwer, dass "mit sich selbst" auszumachen. Unterstützung ist an dieser Stelle wichtig und da käme schon ein Therapeut beziehungsweise eine Therapie ins Spiel. Diese könnte dir helfen, durch gezielte Techniken, Gespräche und Ratschläge, die Geschehnisse der Vergangenheit zum einen auf- und weiterhin zu verarbeiten. 

Manchmal klingt das sehr unbefriedigend aber die Diagnose, die daraufhin wohl gestellt werden wird, ist eigentlich zweitrangig. Im Fokus steht nur eines:

Dir geht es nicht gut und du möchtest, dass es dir wieder besser geht.

Wie man dieses "nicht gut gehen" nun benennt macht eigentlich keinen großen Unterschied. Ob nun Depression, PTBS, Angststörung oder ein Mix aus allem, ist am Ende nur Tinte auf Papier und hat nur den Zweck, eine Einordnung zu finden für das, was dich aktuell belastet.

Sich selbst etwas diagnostizieren zu wollen oder Laien zu befragen, die nur einen Text vor sich sehen, ist in dem Falle keine hilfreiche Option. Schlussendlich sind Diagnosen ein Gebiet für den Facharzt und die Erfahrung zeigt - da sollte man es auch besser lassen.

Was du jetzt machen kannst, hängt ein wenig von den Umständen und Möglichkeiten ab.

Je nachdem wie gut dein Verhältnis zu deiner Mutter ist, wäre es gut das Gespräch mit ihr zu suchen oder wahlweise auch mit einem anderen Familienmitglieds deines Vertrauens. Zumindest eine Person im familiären Umfeld, als Rückhalt, auf seiner Seite zu haben ist ungemein hilfreich - insbesondere dann, wenn du dich dazu entschließen solltest ein therapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Auch in der Schule ist einen Gesprächspartner haben sehr gut. Wen du dir suchst, hängt davon ab was die Schule dir bietet oder mit welchem Lehrer du dich gut verstehst. Manche Schulen haben Sozialpädagogen oder Vertrauenslehrer an die man sich in solchen Fällen wenden kann. Ein Termin bei diesen kannst du dir meist bei ihnen direkt oder über einen anderen Lehrer holen - diese können dir direkt auch Beistand leisten für alles, was mit der Schule zu tun hat. Ich bin damals zu meiner Deutschlehrerin gegangen, aufgrund unseres guten Verhältnisses - vielleicht gibt es auch abseits der Pädagogen und Vertrauenslehrer jemanden, auf den du zugehen kannst und auch möchtest.

Der letzte Punkt, nachdem Familie und Schule soweit abgehandelt sind fürs Erste, ist abhängig von deinem Wohnort. In einer Großstadt sind die Möglichkeiten wesentlich vielfältiger als auf dem Land - jedoch ist umschauen keine schlechte Idee.

Was du dir aber auf jeden Fall aufschreiben solltest, ist die Nummer der Deutschland weiten Seelsorge:

0800 111 0 111 und 0800 111 0 222

Du kannst dich dort rund um die Uhr melden und der Anruf ist immer komplett kostenfrei. Für viele ist es komisch dort anzurufen und die meisten lehnen es im ersten Moment ab, dennoch mein Rat - speicher sie dir ins Handy ein oder schreibe sie dir auf. Es soll nicht dein Schaden sein, sie zumindest zu haben und vielleicht kommt der Moment, wo du sie brauchst. Ich habe nur gute Erfahrungen mit dem Personal dort gemacht und würde die Seelsorge uneingeschränkt empfehlen.

Weiterhin kannst du auf dieser Seite:

https://www.therapie.de/psyche/info/

Dich umschauen welche Therapeuten es in deinem Umfeld gibt und dir so einen Überblick verschaffen. Eine Klinik wird es auf jeden Fall in greifbarer Nähe geben aber es ist vielleicht auch schon ein Anfang, sich einen Überblick verschaffen zu können. Nur für den Fall, dass du diesen Schritt in Erwägung ziehen möchtest.

Zu guter Letzt noch ein paar kleine Tipps für deinen Alltag und deinen Schlaf.

Vieles davon ist schwer geprägt durch das Erlebnis in der Vergangenheit und es gibt nicht die eine Patentlösung welches auf einmal deine Schlafprobleme et cetera aus der Welt schafft. Dennoch kannst du beim Schlaf etwas "experimentieren". Manche schlafen besser, wenn sie zum einschlafen etwas hören - einen Podcast, ein Hörspiel oder ähnliches. Auch kleine Rituale können helfen, wie ein Tee vor dem schlafen gehen, den man bei etwas Musik oder noch 4-5 Seiten von einem Buch trinkt. Die Kleinigkeiten machen viel aus und wichtig ist nur, dass diese Kleinigkeiten dir gut tun und dir ein gutes Gefühl vermitteln. Wenn du dich auf Dinge freust, die du vor oder beim einschlafen machst, dann überträgt sich diese Grundstimmung auch teilweise auf den Schlaf selbst.

Du schreibst auch, dass du sehr blass geworden bist und "nicht gut aussiehst". Die Psyche und der Schlaf können dort ihre Spuren hinterlassen haben. Es wäre aber sicher gut, einen Blick auf die Ernährung zu werfen. Wenn man nicht ausreichend isst und trinkt, dann ist das ebenfalls Gift für den Körper und schlägt sich auch stark auf die Stimmung nieder.

Gute Essen, viel trinken und kleine Rituale zur Nacht und auch über den Tag mögen eher Kleinigkeiten sein aber können eine große Wirkung haben.

Wenn du noch Fragen hast oder irgendetwas anderes loswerden möchtest, dann kannst du gerne als Kommentar antworten oder mit eine PN beziehungsweise E-Mail schreiben - ich versuche so schnell wie möglich zu antworten.

Ich wünsche dir alles Liebe und Gute für deinen weiteren Weg und hoffe inständig, dass es dir bald besser geht und die ersten Fortschritte sich einstellen.

Liebe Grüße.

Kommentar von FreundeDerNacht ,

Danke schön das du dir Zeit genommen hast SO eine lange Antwort zu schreiben. Wir haben Sozialpädagogen und Vertrauenslehrer in der Schule, ich werde überlegen nach den Ferien ( Donnerstag ) zu ihm zu gehen, wenn ich mich traue. Ich bin eh so ein schüchternes Mädchen was Lehrer fragen angeht und hab auch Angst über das Problem zu reden. weil ich immer anfange zu weinen. Ich kenne den Vertrauenslehrer schon etwas länger da ich ihn schon 1- 1 1/2 Jahre in Musik habe bzw. Musik AG 

Kommentar von EinNarr ,

Das ist ein wirklich guter Schritt in die richtige Richtung. Du brauchst dich, auch wenn es einfacher gesagt als getan ist, nicht schämen für Tränen - wirklich nicht. Es ist absolut in Ordnung wenn einem die Tränen kommen. 

Ich habe in Kliniken Menschen kennengelernt, "gestandene Männer" von wirklich hartem Kaliber, die im Zimmer angefangen haben zu weinen, wenn wir uns Abends noch unterhalten haben. 

Das ist absolut legitim. Behalte im Hinterkopf:

"Ich darf das." - das ist kurz, prägnant und wahr.

Es gibt vieles für was man sich wirklich schämen kann. Wenn man Menschen mutwillig verletzt hat, jemanden belogen und betrogen hat aber nicht dafür, dass man etwas fühlt. 

Du kannst stolz darauf sein, dass du diesen Schritt gehst - Hut ab!

Wer mit so viel Elan, Selbstreflexion und Wille an dieses Thema, an diese Situation, herangeht, der hat es verdient dafür auch belohnt zu werden und diese wird in deinem Fall eine hoffentlich rasche Genesung sein.

Liebe Grüße.

Kommentar von FreundeDerNacht ,

Danke, der VL würde auch verstehen warum ich weine... weil ich es einfach noch nicht ganz verarbeitet habe und es mir im Herzen noch sehr weh tut...das was ich alles mitmachen musste war nicht toll... ich musste immer daneben stehen als sich meine Eltern gestritten haben( jz geschieden zum glück sonst würde ich jetzt nicht mehr zuhause sitzen und währe schon längst abgehauen) ich hab immer gesagt ich kann nicht mehr aber nein die haben einfach nicht drauf gehört... ich war allerdings Froh (heute aber nicht mehr) als ich daneben stand als mein Vater Handgreiflich geworden ist... des war so schlimm das ich wie gelähmt war vor Schock o.o , das war das schlimmste WAS ich je zwischen meinen Eltern sehen musste... mir ging es nächsten Tag so schlecht das ich nicht zur Schule konnte... 

Kommentar von EinNarr ,

Genau das musst du dabei im Hinterkopf behalten, dass er das versteht und du kannst es dir sogar begründen:

"[...] weil ich es einfach noch nicht ganz verarbeitet habe und es mir im Herzen noch sehr weh tut [...]"

Heftige Familiäre Auseinandersetzung und insbesondere "schmutzige Scheidungen" hinterlassen ihre Spuren - das merkst du gerade sehr deutlich. Gerade wenn auch noch Handgreiflichkeiten eine Rolle gespielt haben, ist das prägend. Es wird dir gut tun, wenn du diese Wege gehst und dann bei einem kompetenten Gesprächspartner landest, der das mit dir in aller Ruhe und mit der nötigen Kompetenz aufarbeiten kann.

Die Devise lautet - "Desto früher, desto besser."

Gerade im Bezug auf psychische Probleme kann es ein schwerer Fehler sein zu spät zu reagieren und in der Zeit immer weiter zu "versinken". Man kann es sich ein wenig vorstellen wie Treibsand. Am Anfang hat man noch gute Chancen heraus zu kommen aber mit jedem Zentimeter den man absinkt, sinken auch die Chancen.

Dabei spreche ich nebenbei nicht von Wochen, sondern von Jahren - du kannst also unbesorgt sein. Es geht schlicht darum, dass es mit 14 besser ist, als erst mit Mitte 20.  

In der jetzigen Situation, nach der Trennung und wo du auch mit deiner Mutter jetzt allein bist, nochmal der Hinweis auch mit ihr zu sprechen. Nicht in Form von Vorwürfen á la "Warum habt ihr das früher gemacht und nie auf mich gehört/geachtet?", sondern eher im Sinne von Unterstützung bei deinem Vorhaben. Wenn deine Mutter mit einbezogen wird - so kann auch sie dich mit unterstützen und vielleicht schweißt euch das auch näher zusammen.

Liebe Grüße.

Antwort
von YukiSchreibt, 22

Am besten du gehst einfach mal zu einem Therapeuten!

Du solltest keine Selbstdiagnose stelle oder dir hier von jemanden irgendetwas sagen lassen, so etwas kann meinst nur ein ausgebildeter Psychologe sagen.

Wenn du nicht weißt wie du zu einem Therapeuten kommst ist es immer eine gute Idee mit deinen Eltern oder deinem Arzt zu reden.

Sollten deine Eltern nicht hilfreich reagieren könntest du zum Beispiel zum Sozialpädagogen in deiner Schule gehen (Die meisten haben heutzutage einen)
Dieser unterliegt, wie viele andere auch, der Schweigepflicht (sofern nicht die Gefahr droht, dass du dich umbringen willst o. Ä.

Ich hoffe ich kann dir helfen!

Aber du MUSST dir Hilfe suchen!
Ob du jetzt in einer Depression steckst oder nicht. Deine Lage klingt misslich und du solltest dir jemandem zum reden suchen.

Vielleicht gibt es in deiner Stadt auf eine Beratungsstelle
Dort kannst du dich kostenlos (meist allerdings nicht regelmäßig) mit einem ausgebildeten Psychologen unterhalten.

Sollte dir danach sein, dich mit mir zu unterhalten, kannst du gern Bescheid sagen.
Ich bin etwa in deinem Alter und habe auch schon unschöne Dinge erlebt.

Liebe grüße Yuki

Kommentar von FreundeDerNacht ,

danke. klar haben wir eine Sozialpädagogin in der Schule aber auch ein Vertrauenslehrer, zu den ich evtl. gehen werde da ich mehr Vertrauen zu ihm habe... 

Kommentar von YukiSchreibt ,

Das ist gut. Es soll ja Eltern geben, denen das egal ist oder die solche Umstände unterdrücken, da sie zum Beispiel ihre Ruf (FE als Arzt) schaden könnten. Hast du nicht noch Sommerferien? Bis die Schule wieder anfängt solltest du evtl noch jemand anderen finden!

Kommentar von FreundeDerNacht ,

Hehe nicht mehr lang Donnerstag fängts wieder an lebe in Niedersachsen hatten schon im Juni Ferien :)

Kommentar von YukiSchreibt ,

Dann ist's ja gut! In BaWü sind wir in der 1. Woche, deshalb hab ich mir ein wenig Sorgen gemacht. :) Hoffe du hälst bis Donnerstag gut durch.

Kommentar von FreundeDerNacht ,

Na dann schöne Ferien dir noch :)! 

Kommentar von YukiSchreibt ,

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Antwort
von Apfelbirnbaum, 8

Hallo, Du bist viel zu jung für Probleme dieser Art. Das wirst Du auch allein nicht schaffen. Hast Du ein gutes Verhältnis zu Deiner Mutter ? Versuche, mit ihr das Gespräch zu suchen. Allerdings ist meiner Meinung nach ein Therapeut gefragt. Allerdings bekommst Du meist erst nach mehreren Monaten einen Termin, das ist zu lang. Geh zu Deinem Hausarzt, warte nicht, bis Deine Probleme Dich erdrücken und es wirklich zu einer Depression kommt. Dies ist eine schwere Erkrankung, mit der nicht zu spaßen ist (eigene Erfahrung). Viel Erfolg !!!

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