Frage von IbanezP, 123

Ist das ein Arbeitsunfall oder nicht?

Ich hatte letzte Woche eine Fortbildung, da sitzt man eigentlich nur rum und bekommt etwas erzählt. Also ich musste nicht körperlich arbeiten, für die Forbildung musste ich allerdings eine längere Strecke zurück legen, ca. 300 km. Während der Fahrt musste ich dringend auf Toilette und weit und breit kein Autobahnklo, ich konnte es nicht länger einhalten, bin die nächste autobahnausfahrt raus und habe in einem Feld gehalten, es wuchsen büsche und hohes gras, als ich dann pinkeln wollte stürzte ich auf dem unebenen Acker und hatte heftige schmerzen im Knöchel, im Knie und im Becken. Da absolut nichts geschwollen ist bin ich nicht zum Arzt und wollte erstmal paar Tage abwarten, die schmerzen sind deutlich weniger geworden aber jetzt, 1 Woche später, schmerzt mir mein Knie und mein Becken nach längerem stehen.

Ich hatte überlegt zum Arzt zu gehen, kann ich das als Arbeitsunfall angeben (ist ja auf dem Weg zur Arbeit passiert) oder geht das nicht weil ich den direkten arbeitsweg verlassen habe um mal kurz zu pinkeln?

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Antwort
von Lokicorax, 40

Hoi.

Nein, dies gilt nicht als Arbeitsufall/Wegeunfall.

http://www.bmas.de/DE/Themen/Soziale-Sicherung/Gesetzliche-Unfallversicherung/Fr...

"Das Urteil des Bayerischen Landessozialgerichts

Demgegenüber hat das Landessozialgericht (Urteil, Az. L 2 U 204/13)  entschieden, dass kein versicherter Wegeunfall vorliege. Unstreitig sei, dass grundsätzlich ein versicherter Weg von der Arbeitsstätte nach Hause vorgelegen habe. Auch der Weg zum Aufsuchen einer Toilette stehe unter Versicherungsschutz. Eine (vorläufige) Beendigung des Versicherungsschutzes sei hier aber spätestens beim Durchschreiten der Außentür der Toilettenanlage gegeben, da die Handlungstendenz der Klägerin erkennbar auf eine eigenwirtschaftliche Tätigkeit gerichtet gewesen sei.

Ein ausnahmsweise bestehender Versicherungsschutz unter dem Gesichtspunkt "besondere Gefahrenmomente einer Betriebseinrichtung" liege nicht vor. Auf die Benutzung einer öffentlichen Bahnhofstoilette sei diese Ausnahme nicht anwendbar.

Rechtsgrundlage:
§ 8 Abs. 2 Nr. 1 SGB VII

Gericht:
Bayerisches Landessozialgericht, Urteil vom 15.01.2014 - L 2 U 204/13"

Ciao Loki

Kommentar von Lumbago666 ,

So einfach aufgeben? Wo ist die Tür im Wald?

Falls Du mit der Autotür kommst... Nehmen wir mal an er sei Fußgänger und würde seinen normalen Arbeitsweg von 10 km jeden Morgen und Abend wandern. Dauert ca. 2 Stunden, da muss man ja auch mal ;)

Antwort
von dadamat, 33

Das ist eine sehr defiziele Situation. Toilettengänge gehören meist nicht zur Arbeitszeit und bei Unfällen dabei oder dahin ist nur dann der Arbeitgeber in der Pflicht, wenn sich ein Unfall durch bauliche Mißstände ereignet. In deinem Fall kann voraussichtlich nicht ein Wegeunfall durchkommen, das Stürzen auf einem ungesicherten Feld ist "Privatvergnügen". Aber die Krankenkasse wird auf jeden Fall die medizinischen Behandlungskosten übernehmen (und dir einen Unfallbogen) zusenden. Der Arbeitgeber ist bei Krankmeldung oder Krankschreibung für 6 Wochen in der Pflicht dein Grundlohn zu zahlen, eine Angabe der Diagnose ist nicht erforderlich. Eine Berufsgenossenschaft wird voraussichtlich den Unfall nicht als Arbeits- oder Wegeunfall werten.

Antwort
von DerHans, 33

Selbst innerhalb des Betriebes ist der Gang zur Toilette vom Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung ausgeschlossen. Das ist Privatsache.

Antwort
von Lumbago666, 16

Hallo, 

neben dem Arbeitswege (Wohnung <> Arbeit) ist auch der sogenannte Dienstweg versichert. Sonst hätte der Postbote ein Problem ;)

der Toilettengang ist dem Grunde nach unversichert. Die Rechtsprechung sieht aber den Weg von und zur Toilette als versicherte Tätigkeit an. Das heißt im Klartext, dass der Weg vom Büro bis zur Außentür des Waschraums der Toilette versichert. Alle Tätigkeiten die dann im Wasch-/Toilettenraum passieren sind dann unversichert. Ausnahme: Klofrau ;)

Allerdings warst Du zum Unfallzeitpunkt nicht in einem Gebäude, sondern ein sogenannter "Wildpinkler".
Das führt zu der Problematik, dass es an einem Waschraum und an der so wichtigen Außentür fehlt.

Mir ist keine Rechtssprechung bekannt, die speziell für Wildpinkler eine "Außentür" beschreibt, sodass man hier selbst argumentieren muss.

Gerade bei diesen Fällen darf man sich ja vom Auto weg einige Meter weit, bis zum nächsten Baum , Busch, Laternenpfahl oder zumindest aus dem Blickbereich der anderen Autofrahrer (hoffentlich) bewegen. Hierin könnte man den Weg zum Waschraum sehen. Ich würde hier allerding in den Tätigkeiten ab dem Öffnen des Hosenstalls (soweit vorhanden) definitiv die eigenwirtschaftliche Tätigkeit sehen wollen. Alles was davor passiert könnte man ggf. noch als Weg sehen. 

Jede andere Sichtweise könnte man als Ungleichbehandlung gegenüber jemandem an einen festen Arbeitsplatz bewerten.

Ob dein Hosenstall schon offen war, also ob Du schon losgelegt hast, kann ich aus deinem Post nicht zweifelsfrei feststellen.

Sollte dem nicht so sein, kannst Du es bei Ablehnung des Versicherungsfalls zumindest mal versuchen mit so einer Begründung zu wiedersprechen. Allerdings ist zu erwarten, dass ein Klageverfahren notwendig sein wird.

Ein Hinweis dazu: Widerspruch nur gegen Bescheid. Klage gegen Widerspruchsbescheid. Die Klage gehört zum örtlichen Sozialgericht. Ein Anwalt wird nicht unbedingt benötigt. Sozialgerichtsverfahren sind kostenfrei. Anwaltskosten sind aber ggf. zu tragen, soweit keine Rechtsschutzversicherung, Gewerkschaft, etc. übernimmt. Ich persönlich würde jedem empfehlen, vor einer Klage sich zumindest von einem Fachanwalt für Sozialrecht beraten zu lassen.

Ob eine im Notfall die Klage Sinn macht, solltest Du nach den Erkrankungsrisiko abwägen. Ist damit zu rechnen, dass es zu einem Dauerschaden kommt oder dass später Spätschäden entstehen (ggf. den Arzt fragen), kann eine Durchsetzung des Schadens sinnvoll sein.

Viele Grüße

Lumbago

Expertenantwort
von Sternenmami, Community-Experte für Gesundheit, 61

Ist diese Fortbildung von Deinem Arbeitgeber angeordnet und bezahlt worden oder aber hast Du diese Fortbildung aus eigenem Interesse neben Deiner Arbeit besucht?

Machst Du die Fortbildung auf Wunsch Deines Arbeitgebers, dann müsste es ein Arbeitsunfall sein, weil es ja auf dem Weg zur bzw. von der Fortbildung geschehen ist. Dazu gehört auch, wenn man die Fahrt wegen dem Toilettengang mal unterbrochen hat. Du hast ja den eigentlichen Fahrtweg nicht verlassen.

Ich würde Dir jetzt raten, dass Du das einfach mit Deinem Arbeitgeber besprichst und auch beim Arzt solltest Du es genau so schildern, wie es geschehen ist. Der wird wissen, wie er das abrechnen muss.

Alles Gute und gute Besserung

Kommentar von IbanezP ,

Vielen Dank, auf Anordnung des AG's

Kommentar von Sternenmami ,

Hier schreiben einige User, dass ein Toilettengang nicht zum Arbeitsweg gehört. Eine Bekannte von uns ist jedoch letztens auf dem Weg zur Arbeit auf eine Autobahntoilette gegangen und dort ebenfalls gestürzt. Das wurde dann aber als Arbeitsunfall deklariert.

Ich denke, da gibt es bestimmte Punkte, die erfüllt werden müssen. Das sollte der Arzt aber wissen.

Kommentar von RudiRatlos67 ,

In dem Fall ist es ein arbeitsunfall

Kommentar von user8787 ,

Da muss man nochmal diffenzieren. 

Eine Anerkennung als Wegeunfall kann ich mir u.U. vorstellen, aber nur wenn das auf direktem Wege hin / zurück passiert ist. 

http://www.bgrci.de/rehabilitation-und-leistungen/wegeunfaelle/

Hier unterscheidet sich dann der Leistungsumfang zum klass. Arbeitsunfall.



Antwort
von Vollstreckerin, 13

Hallo,

das ist eine richtig gute Frage!

Wenn der Arbeitnehmer während der Arbeitszeit zur Toilette geht, ist es wohl inzwischen weithinein anerkannt, dass es ein Arbeitsunfall wäre, wenn ihm da etwas zustößt.

Hier, bei Dir liegt der Fall aber anders, selbst wenn man mal versucht, die Fortbildung mit anderer Arbeit gleichzusetzen.

Das Problem ist nach meiner Ansicht  vor allem, dass Du

1. vom direkten Weg abgewichen bist und
2. vor allem eben Deine Notdurft an einer Stelle verrichtet hast, die dafür zweeckmäßigerweise eher nicht vorgesehen und vor allem eben auch äußerst verletzungsträchtig ist.

Da Du noch nicht beim Arzt gewesen bist, ist noch nicht abzuschätzen, was daraus wird.

Wenn er Dich nicht au krank schreibt und auch sonst keine schwereren Folgen zu erwarten sind, hättest Du am Schluß eh´ ziemlich wenig von der Qualität "Arbeitsunfall".

Aber da wir das ja alles so genau nicht wissen, sage ich jetzt erst einmal, dass Du das ja zunächst ,mal behaupten kannst. Als Arbeitnehmerin mußt Du das nicht alles so genau auseinanderzuhalten wissen.

Etwas Schlimmeres, als dass man es Dir versagt, kann Dir nicht passieren

Viele Grüße Vollstreckerin

Kommentar von Lumbago666 ,

Hallo Vollstreckerin,

1. Ein Um-/Abweg ist versichert, wenn er aus vorwiegend arbeitgeberdienlichen Gründen erfolgt, was hier der Fall ist, weil Notwendigkeit der Verrichtung der Tätigkeit an einem anderen Ort / Erhaltung der Arbeitskraft.  

2. § 7 Abs. 2 SGB VII: "Verbotswidriges Handeln schließt den Versicherungsschutz nicht aus."

Antwort
von Ceres52, 29

Es ist sowieso egal ob Arbeitsunfall oder nicht, da man Arbeitsunfälle innerhalb von 3 Tageb bei der BG melden muss und wenn das letzte Woche war, ist diese Frist womöglich schon abgelaufen oder?

Antwort
von Kleckerfrau, 52

Maximal als Wegeunfall.

Aber du kannst mir nicht erzählen, dass es auf Autobahnen keine Toiletten gibt.

Kommentar von IbanezP ,

Gab keine in unmittelbarer reichweite, ich bin gefahren und gefahren aber ich konnte es keine 5 minuten mehr einhalten. Ich musste aufs klo und nicht in 5 oder 10 oder 15 minuten sondern JETZT.

Kommentar von Lumbago666 ,

Schonmal bei echtem Druck im Stau gestanden?

Antwort
von Halli79, 55

Eventuell ein Wegeunfall. Aber nach einer Woche dürfte dir der Nachweis schwerfallen es damit in Verbindung zu bringen. Zudem hast du ja auch nicht ordnungsgemäß die Toilette aufgesucht sondern bist fahrlässig in die Büsche gegangen.

Kommentar von RudiRatlos67 ,

Unsinn....

Er hat die Autobahn nur verlassen um seine notdurft zu verrichten, damit hat er seinen Versicherungsschutz nicht aufs Spiel gesetzt.

Kommentar von DerHans ,

Selbst innerhalb des Betriebes ist der Gang zur Toilette vom Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung ausgeschlossen. Das ist Privatsache.

Antwort
von Novos, 41

Nein, Toilettengänge sind grundsätzlich privat-persönliche Dinge, weil sie ausserhalb des direkten Arbeitsweges verrichtet werden.

Antwort
von Appelmus, 30

Ein Toilettengang ist kein Arbeitsunfall.

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