Ist das Debakel der Briten, mit dem wider Erwartung gewählten BREXIT, eine Folge der Generation Internet und Social Media und könnte in der BRD?

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7 Antworten

Zum ersten Teil der Frage - kurz gesagt, nein. Auch ohne die neuen Medien fahren die englischen Tabloids UND Politiker seit Jahrzehnten einen anti-Festland-Kurs. Die Einen bedienen sich der unerschöpflichen Quelle an Horrorstories, die tatsächlich meist nicht wirklich relevant sind; die Anderen nutzen seit Jahrzehnten alte nationalistische Ressentiments, um die EU für eigenes innenpolitisches Versagen und zur eigenen Profilierung zu missbrauchen.

Zum zweiten Teil - es ist nicht unwahrscheinlich, daß die AfD im allgemeinen Protestwahn noch einen zweiten Frühling erlebt, und dann wie all die anderen Protestparteien der letzten Jahre früher oder später in der Versenkung verschwindet (wo sind mittlerweile eigentlich die Piraten?).

Trotzdem hat das Brexitreferendum einige interessante Lektionen erteilt, die sich sowohl die Wahlkämpfer in Europa, als auch in Amerika sehr genau anschauen werden.

Die Fehler des Remain-Lagers sind deutlich aufgezeigt - man hat einen fast ausschließlich negativen Wahlkampf betrieben, der vor den Gefahren des Brexit warnte, anstatt daß es wenigstens einen Champion gegeben hätte, der mit praktischen Beispielen die Vorzüge der EU herausgestrichen hätte.

Ebenso hat man nicht direkt und offensiv die offensichtlichen Falschbehauptungen der Brexiteers ins Visier genommen, man hat sie nicht darauf festgenagelt, wie sie sich denn ihr britannisch-"unabhängiges" Wunderland genau vorstellen.

Die Führer sowohl der Tories, als auch Labour, waren beide keine glaubwürdigen EU-Befürworter.

Sie hat dem Wahlvolk deutlich vor Augen geführt, daß am Ende doch jede Stimme zählt. Persönlich rechne ich mit einer seit langer Zeit nicht gesehenen Wahlbeteiligung besonders der Jungen - zumindest für diese nächste Wahl.

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Und was möchtest Du dann machen? Demokratie verbieten? UND ich glaube nicht, dass die Jugend wirklich so kreuzdämlich ist, einen Haufen unfähiger Politiker (AfD) zu wählen, deren Ansichten so selten blöde sind, dass es sich nicht einmal lohnt die zu wählen, außer man möchte wieder die Zeit auf 1933 zurückdrehen. Zudem hat man nun ganz klar in Englad gesehen, das solche Menschen wie sie auch die AfD hervorbringt, keine Eier haben ihre Ansichten auch gut zu finden.

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Kommentar von ceevee
30.06.2016, 11:33

dass die Jugend wirklich so kreuzdämlich ist

Da wäre ich mir nicht so sicher. Ich hab es hier bei GF bei einigen jungen Leuten, die noch nicht oder erst seit kurzem wahlberechtigt sind, sehr rassistische Kommentare ablassen. Der Satz "Es ist mir vollkommen egal, was sonst so im AfD-Wahlprogramm steht. Die Flüchtinge sollen weg, das ist die Hauptsache!" oder Varianten davon ist auch öfters gefallen... ich behaupte mal, dass so einige AfD-Wähler deren Wahlprogramm nicht mal im Ansatz kennen. 

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Nein, hat mit Social Media nichts zu tun, der Konflikt ist schon älter und beruht auf dem Versprechen der EU "Fieden, Sicherheit und Wohlstand", insbesondere der Wohlstand bröckelt, EUweit.

Kann auch in Deutschland passieren, durch Wählerzustimmung für die AfD, aus dem gleichen Grund.
Eine direkte Folge der neoliberalen Politik.
In einer sozialen Marktwirtschaft muss man Wirtschaft und Wohlstand zusammen denken.
Nicht Rekordgewinne in der Wirtschaft und Niedriglöhne für das Volk, daraus entsteht genau kein Wohlstand.

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Kommentar von Apfelkind86
01.07.2016, 14:02

Und gegen neoliberale Politik wählt man dann die neoliberalste Partei, die verfügbar ist? oO

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Komisch, dass du dich auf die junge Generation stürzt und nicht auf die Generation "Ich bin so alt, dass ich noch das britische Empire erlebt habe und fand das eigentlich ne knorke Sache!", die nämlich für den Austritt gestimmt hat.

Die Welt ist halt extrem komplex geworden, viele Leute sind einfach nicht clever genug, um da noch durch zu blicken. Wenn dann so Typen wie Petry, Le Pen oder Farage kommen und denen vorgaukeln, sie hätten ja ganz einfache Antworten, dann freuen die Leute sich und laufen denen nach.

Und ist es nicht viel schöner, wenn man arbeitslos wegen den bösen Ausländern ist und nicht, weil man einfach ungebildet ist und nicht die beste Arbeitsmoral hat?

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Kommentar von Apfelkind86
30.06.2016, 11:14

Eine echte Parallele ist jedoch tatsächlich, dass ein Großteil der AfD-Wähler gar nicht will, dass die AfD regiert und es ihr auch gar nicht zutraut, die wollen nur Frust raus lassen.

Würde dann die AfD auf einmal eine Mehrheit stellen, dann wären die Gesichter hier ebenfalls sehr lang. Und es wäre wohl der Zeitpunkt für mich, auszuwandern. Zum Glück sind Akademiker auch anderswo gesucht.

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Kommentar von habakuk63
30.06.2016, 11:54

ich habe mich auf die jüngere Generation bezogen weil 

"....
dass viele junge Briten nicht abgestimmt haben, weil sie es für unnötig und überflüssig hielten (wer sollte schon wirklich für den BREXIT sein). " ODER "...aus Protest für den Brexit gestimmt, obwohl sie ihn nicht wirklich wollten,.."

und  nun haben Sie die Quittung erhalten.

Da hatte ich den Gedanken mit dem Erwachen am 18.09.

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Kommentar von PeVau
30.06.2016, 12:24

Wenn dann so Typen wie Petry, Le Pen oder Farage kommen und denen vorgaukeln, sie hätten ja ganz einfache Antworten, dann freuen die Leute sich und laufen denen nach.

Ja, daran erkennt man Populisten.

Und ist es nicht viel schöner, wenn man arbeitslos wegen den bösen Ausländern ist und nicht, weil man einfach ungebildet ist und nicht die beste Arbeitsmoral hat?

Daran übrigens auch!

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Kommentar von Agentpony
30.06.2016, 12:40

Komisch, dass du dich auf die junge Generation stürzt und nicht auf die Generation "Ich bin so alt, dass ich noch das britische Empire erlebt habe und fand das eigentlich ne knorke Sache!", die nämlich für den Austritt gestimmt hat.

Naja, der Ansatz ist schon nicht ganz falsch; wenn man die unglaublich schlechte Wahlbeteiligung der "Jungen" betrachtet, ist diese mindestens genauso für das Ergebnis verantwortlich, wie die wählenden Alten.

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Die Brexit-Debatte auf ihrem jetzigen Stand wirkt nun wirklich nicht wie ein rechtspopulistischer Erfolg in Europa, oder?

Vom ersten Tag an wurde erkennbar, dass es ein wirtschaftlicher Fehlschlag viel mehr für England als für die EU wird. Eine Großbank hat sofort Stellenverlagerungen von London woanders hin in der EU angekündigt; die Rede ist auch bereits von einer generellen Investitionsschwäche auf der Insel. Die Brexiter sind sofort eingeknickt, und die Leute, die ihre Lösung gewählt haben, geraten ins Jammern, das hätten sie so nicht gewusst, gewollt, und ob man ihnen das nicht hätte sagen müssen.

Kann man also schlussfolgern, die Engländer hätten sich für eine Demonstration ihrer Schwäche ohne die EU geopfert? Jedenfalls scheint es nicht so, als würde ihr Beispiel zur Nachahmung anregen.


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Lieber Habakuk63,

die „Gemütslage“ bin Großbritannien unterscheidet sich meines Erachtens doch sehr von der hier in Deutschland. Die „volksverführende“ Brexit-Kampagne stachelte mit Hilfe der Boulevard-Zeitungen ausschließlich
Emotionen an. Motto der Kampagne: „Gewinnt wieder Kontrolle über Euer Land“.
Dieses Versprechen verfing insbesondere bei denen, die sich selbst als
benachteiligt fühlen und/oder, die ihre „schöne, alte Zeit“ zurückholen wollen;
Stichwort „Britannia rules the waves“.

In der Altersklasse 65 und älter haben sich in Britannien 60 % für OUT entschieden. Aber selbst in der „jüngeren“ Altersklasse 45 – 54 waren
es 56 %, die OUT ankreuzten.

Die deutschen Medien sind nach Meinung Eindruck meilenweit davon entfernt, sich vor einen Karren, z.B. den der AfD, zu spannen. Klar, die a-sozialen Medien spielen bei der Generation Internet eine große Rolle – wer liest schon Zeitungen? Leider müssen wir auch für deutsche Verhältnisse vermuten, dass junge Menschen sich zu wenig in die Politik einbringen und entsprechend wenig Lust auf Stimmabgaben in Wahlen haben.

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Kommentar von Apfelkind86
30.06.2016, 12:29

Es gibt auch in Deutschland genug fragwürdige Medien, wie Compact, RT Deutsch oder die Junge Freiheit. Und viele AfD-Anhänger schirmen sich von Argumenten komplett ab und blenden alles aus, was nicht ihrer Meinung entspricht.

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Die Junge Generation hat soweit ich weiß zu 78% gegen den Brexit gestimmt. Die älteren dafür. Bei den  AfD Wählern sieht man auch am meisten über 50 Jährige.

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Kommentar von SchoenundKlug
30.06.2016, 11:06

ja, weil man eben schon etwas lebenserfahrung braucht, um das spiel zu durchschauen und sich für die richtige partei zu entscheiden

das siehst du zb auch daran, dass kinder meistens grüne wählen würden

sie sind eben kinder

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