Parademix am 13.10.2007 um 23:25 Uhr
Ich finde das hochinteressant!
Der Körper funktioniert, das Hirn ist da und steuert zusammen mit dem Rückenmark usw. den Körper. Aber das Bewusstsein also das "ICH" wirft mir immer wieder Rätsel auf, wozu braucht der Körper noch ein Bewusstsein, wieso funktioniert er nicht einfach. Und wo liegt das Bewusstsein bzw. wie funktioniert es? Wieso hab gerade ICH MEIN Bewusstsein. Und: Wenn man den "Bewusstseinsteil" des Hirns ausschaltet, was würde dann passieren?
Das frage ich mich schon seit Ewigkeiten, und alle Antworten von mir laufen auf irgendwas Philosophisches hinaus, wisst ihr etwas genaueres?
(Bitte keine religösen Antworten, damit kann ich nichts anfangen -> Atheist)

Nun, das verdanken wir der Evolution, der Entwicklung der Sprache usw., daß wir eine Art Bewußtsein entwickelt haben. Dieses Bewußtsein ist nicht einfach nur eine morphologische Struktur, die im Kernspin oder beim Pathologen erkennbar ist.
Diese äußerst schwierigen grundlegenden Probleme sind bisher nicht wissenschaftlich voll und mit einer für alle einsichtigen Lösung erklärt worden. Das Ganze erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Naturwissenschaft (vor allem der Neurowissenschaft) und Philosophie des Geistes. Bisher gibt es nur verschiedenartige mehr oder weniger überzeugende Erklärungsversuche.
Ohne Selbstbewußtsein, also das in einer Reflexion feststellbare Bewußtsein, sich als Ich zu erleben, wären Menschen wohl nur eine Art biogische Automaten bzw. wie in einem nicht wachen Zustand.
Das Bewußtsein als Ich ist aber offenbar nicht auf irgendeinen Teil des Gehirns beschränkt und kann nicht einfach wie eine einzelne Zone ausgeschaltet werden.
In der Frage steckt das Leib-Seele-Problem, also die Schwierigkeit, das grundsätzliche Verhältnis von Materie und Geist zu klären.
Dabei gibt es mehrere Theoretische Möglichkeite:
a) Dualismus: Geist und Materie sind getrennt vorhanden, ohne zusammenzuwirken. Dadurch ist die schwierige Erklärung eines solchen Zusammenwirkens vermieden. Dann bleibt für die Erfahrungen eines eng verbundenen Nebeneinanders aber nur ein Verweis auf einen zufällig paralllelen Verlauf bzw. eien Instanz, die ihn Als eienArt Uhrwerk in Gang gesetz hat. Der Ansatz ist daher nicht wirklich befriedigend.
b) Monismus:
Die Erscheinungen werden durch ein einziges Prinzip erklärt. Dies kann entweder der Geist oder die Materie oder ein drittes übergeordnetes Prinzip sein.
Eine einfache Identität ist schon empirisch unplausibel, weil dann bei jedem Einzelwesen gleiche materielle Zustände im Gehirn geistig-seelsch genau gleich erlebt werden müßten. Dies widerpricht aber dem. was als tatsächliches Erleben beobachtet wird.
Am ehesten kann in zwei Richtung gedacht werden:
a) mentale Zustände nicht einfach auf Vorgänge und Zustände im Gehirn zurückzuführen, sondern sich erst auf der Gesamtheitsebene entwickeln zu lassen (was eine Abwandlung des Materialismusbegriffs erfordert)
b) Ideenprinzipien anzunehmen, die in einer mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen vereinbaren Weise imstande sind, nicht nur ein geistiges, sondern auch ein materielles Sein irgendwie zu erschaffen und zu begründen (was eine schwierige Begründung des Übergangs in etwas Andersartige erfordert)

Du bist ja niedlich ;-))
Ist die Frage nach dem Bewußtsein eine geisteswissenschaftlich-philosophische Frage, da führt auch für dich kein Weg dran vorbei. Insbesondere durch die Erforschung des Zustandes von Koma-Patienten wurde sehr deutlich, daß es keine objektive Skala für Bewußtsein geben kann. Man kann es nicht messen, demzufolge entziehen sich Begrifflichkeit und Phänomen dem Zugriff naturwissenschaftlicher Methodik und Analyse.
Empfehle dir die Lektüre von Gerhardt Roth, "Das Gehirn und seine Wirklichkeit". Sehr aufschlußreich und vielleicht auf Basis seines kybernetisch radikal konstruktivistischen Ansatzes eher dein Fall.
Für Hardcore-Logiker und glühende Anhänger objektiver Welterklärungsmodelle noch folgende Anmerkung: Subjektive Aussagen werden von Subjekten gemacht. Einleuchtend, gelle? Demzufolge müßten objektive Aussagen von Objekten gemacht werden. Zu dumm nur, daß Objekte keine Aussagen machen. Wer also kann objektive Aussagen treffen?
Parademix am 14. Oktober 2007 16:37 Wenn etwas existiert, kann man es auch naturwissenschaftlich erklären, ansonsten würde es nicht existieren...
Gerhard Roth behauptet, dass Menschen Instinkt bzw. Hirngesteuert sind, diese Meinung teile ich, dennoch ist es unabstreitbar, dass es ein "Bewusstsein" gibt, eine Wahrnehmung des Lebens, und genau dannach frage ich.
... dein 3. Punkt macht überhaupt keinen Sinn...
holodeck am 16. Oktober 2007 13:20 Aber genau das ist doch die Crux an deiner Frage: du gehst ziemlich selbstverständlich davon aus, daß es für das Phänomen "Bewußtsein" eine physikalisch-biologisch-chemische" Begründung gibt. Das habe ich bezweifelt (erster Teil der Antwort).
Der Untersuchungsgegenstand "Bewußtsein" ist obendrein abhängig von der Definition wissenschaftstreibender Subjekte (was untersuche ich eigentlich, wenn ich Bewußtsein untersuche) und fällt schon aus diesem Grund heraus nicht in die Domäne der Naturwissenschaften und ihrer Methoden (Teil 3 der Antwort). Zumal wir es hier mit etwas zu tun haben, was sich zwar mit naturwissenschaftlichen Korrelaten beschreiben, aber keineswegs aus diesen heraus in seiner Existenz erklären läßt.
Die Frage nach dem "Grund" für Bewußtsein ist demnach ähnlich komplex wie die Frage danach, wie aus "Nichts" "Etwas" werden kann. Die Antwort auf diese Frage bleibt uns die Astrophysik trotz schönster Big Bangs bis heute schuldig und wird sie uns auch weiterhin schuldig bleiben. Und zwar aus den gleichen Gründen heraus wie oben.

Man unterscheidet "Über-Ich", "Ich" und "Unter-Ich". So habe ich es zumindest in den Vorlesungen "Führung" gelernt. Mal schaun, was wiki dazu sagt..
http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber-Ich
.. ja, so was in der Art. Ich wusste doch, dass der Freud dahintersteckt. der unterscheidet aber
* Das Es, die naturnahe Triebinstanz,
* das Ich, und
* das Über-Ich

Du meinst sicherlich die Seele. Ohne Seele kann kein Körper leben. Doch gesehen hat sie noch niemand.
Parademix am 14. Oktober 2007 16:28 Bitte keine religösen Antworten... danke
Niklaus am 14. Oktober 2007 16:42 Seele ist nicht religiös. Die Seele ist das was im Menschen lebt.http://de.wikipedia.org/wiki/Seele
Parademix am 14. Oktober 2007 18:15 Du beziehst dich wohl auf:
Ich bleibe aber trotzdem lieber bei Bewusstsein, kommt mir "im allgemeinen Sprachgebrauch" korrekter vor...
Kurz, klar, verstaendlich. 5 DH
Danke Bruno!