Kann man das Abitur wirklich in 8 Jahren machen? Was sins Vor- und Nachteile? Wie sieht es in der Praxis aus? Gibt es Lehrer unter euch, die sich ein Bild machen können?

wenn der Lehrplan entrümpelt würde und die Ausfalllstunden auf ein absolutes Minimum reduziertwürden, dann ist das ohne weiteres machbar

In Brandenburg geht die Grundschule bis zur 6. Klasse. Wenn man davon ausgeht, dass die Schulzeit (Gymnasium) nach der 12. Klasse abgeschlossen ist. Wird in Brandenburg nur 6 Jahre auf das Gymnastium gegangen. Bei 13 Schuljahren entsprechend dann 7 Jahre. In Sachsen endet die Grundschule nach der 4 Klasse und das Abitur wird mit Ablegen der Prüfungen in Klassenstufe 12 erreicht. Die Kinder besuchen also 8 Jahre das Gymnasium. In einigen Bundesländern geht die Grundschule ebenfalls bis zu 4. Klasse und ein Gymnasialabschluss wird mit Ablegen der Prüfungen in Klassenstufe 13 erreicht. Dort geht man dann also 9 Jahre auf das Gymnasium.
Das ist so ein Durcheinander, so dass ich für eine deutschlandweite Vereinheitlichung des Schulsystems bin.

Wir haben früher (1972) auch in 8 Jahren Abitur gemacht, und kein schlechtes. Aber - schlagt mich alle - unser Bildungssystem war einfach besser. Der Lehrplan war übersichtlicher, die Schüler wurden zu mehr Selbständigkeit beim Denken gezwungen und es wurde mehr der Lernerfolg kontrolliert. Klar, das Wissen der Welt hat sich vervielfacht und technische Möglichkeiten wie Internet ... war nicht mal dran zu denken.
Aber die Kunst des Lernens besteht auch in darin, aus einer Unmenge Möglichkeiten und Fakten die wirklich wichtigen und richtigen zu erkennen.
Und noch eins: Das schlimmste heute ist für mich, dass ein Abiturient Fächer "abwählen" kann und Fleiß und Interesse für ein Fach nach schon erreichten Punkten steuert! So wird es nichts!!!
Gartenfee1971 am 9. Mai 2008 11:20 DH! Zu den technischen Möglichkeiten: ich versuche gerade, meinem Sohn beizubringen, dass es auch andere Nachschlagewerke (Bücher) gibt und man sich diese in der Bibliothek ausleihen kann. Mussten wir ja früher für irgendwelche Ausarbeitungen auch machen und sogar ganze Texte (mit der Hand!!!) abschreiben, denn www bzw. überhaupt Computer im Kinderzimmer waren damals unvorstellbar.
Das spräche meiner Meinung nach auch für bundesweit mehr Vorgaben - ich habe sogar gehört das nicht in allen BL Mathe bis zur 12. Pflicht ist. Thüringen hat die Vorgabe Deutsch oder Mathe als 1. leistungskurs und im 2. "freie" Wahl, während dann Mathe oder deutsch dementsprechend im Grundkurs weiterläuft. Auch Geschichte oder Biologie dürfte meiner Meinung nach nicht abgewählt werden können. Das gehört zum Grundwissen. Wir hatten im Studium Leute die haben seit der 6. Klasse kein Geometrie gehabt - konnten nicht mal einen Zyliinder oder dergleichen berechnen. Das darf nicht sein.

abitur in 8jahren? wo gibt es denn sowas oder war das im gespräch? ich finde aber 12jahre ganz ok...haben auch die meisten länder
Das meint er glaube ich. G8 bezieht sich auf acht Jahre Gymnasium!
Man kann den Bildungsstand der Schüler nicht auf dem gleichen Niveau halten, wenn sie ein Jahr weniger Zeit haben den Stoff zu lernen. Das ist meine Meinung. Da aber Allgemeinbildung und der Bildungsstand sehr wichtig ist, halte ich Abitur nach 8 Jahren für kontraproduktiv!
Das "Ost"-Abitur läuft die ganze Zeit in 8 Jahren und beim Bewerben für das Studium wurde damals gesagt - bayerische und Thüringsch o sächsisches Abitur sind vergleichbar gut, während z.B. andere BL erst noch überprüft werden. Kontraproduktiv sind nicht 8 Jahre-Abitur sondern Ausfallstunden wegen Lehrermangel - wegen Geldmangel oder Halbtagslehrern!

Ich habe mein Abitur in drei Monaten gemacht und mir fehlt auch nichts. Wichtig ist die richtige Vermittlung der Kenntnisse.
Da in vielen Ländern Abitur nach 8 Jahren Gymnasium gemacht wird, finde ich das auch für Deutschland sinnvoll, da es auch immer um einen internationalen Vergleich geht, vor allem in der EU!
Abitur nach 8 Jahren birgt große Chancen, aber nur wenn auch der Stoff reduziert wird. Wer braucht denn schon das Schulwissen im Alltag? Wenn der Lehrplan gleich bleibt, sind Schüler UND Lehrer maßlos überfordert, denn sie hätten ein Jahr weniger für den gleichen Inhalt!
Das hat unsere Babsi (Barbara Sommer Schulkaiserin in NRW) inzwischen auch gemerkt und lässt jetzt von den Didaktik-Profs neue Lehrpläne für die Oberstufe schreiben. Und das schon nachdem das Kurz-Abi eingeführt wurde. Ja, die sind fix in Düsseldorf!!!

Der Eintritt ins Berufsleben dauert in Deutschland am längsten in der ganzen EU. Während in anderen Ländern schon 3-4 Jahre produktiv gearbeitet wird, geht man in Deutschland noch zur Schule.

8 Jahre sind definitiv zu wenig! Zu wenig angesichts der Tatsache, dass jedes Schuljahr wegen Ferien und anderem Unterrichtsausfall sowieso nur zu max. 1/3 stattfindet! Spätestens in den weiterführenden Schulen sollten die Ferien auf max. 6 Wochen pro Jahr begrenzt werden und täglich mindestens 6 Unterrichtsstunden stattfinden! Aber das würde ja die armen, überlasteten Lehrer völlig überfordern!
Wenn die Eltern uns Kinder schicken, die nicht schon meinen alles zu wissen, weil sie ja internet haben - kein Problem. Die meisten Kollegen sind nur durch diese wundervollen Kids überfordert.

Ich bin zum Glueck in G9, aber meine Schwester hat G8 - sie ist ziemlich ueberfordert (obwohl eine der besten in der Klasse), gerade auch weil sie seit der 5. 2 Sprachen auf einmal lernt - da kommt sie oefter mal durcheinander. Zwar ist es positiv, dass man frueher mit der Schule fertig ist (und damit naeher an internationalen Standards), aber andererseits sollte man damit vom Kindergarten und Grundschule anfangen, und nicht einfach den Lehrstoff von vorher 9 Jahren in 8 Jahre quetschen!
KurzAdler am 9. Mai 2008 11:41 Ach ja, vergessen, Umsetzbarkeit in der Schule... In der schule meiner Schwester besteht das Problem dass es dort keine Kantine gibt, sie aber mehrmals pro Woche Nachmittagsunterricht haben... Aber ich denke dass ist von Schule zu Schule verschieden...
Niiina am 9. Mai 2008 15:48 KurzAdler, ein ähnliches Problem haben wir an unserer Schule auch. An 4 Nachmittagen in der Woche 8 Stunden und nur eine total überteuerte Mensa und ein total überteuerter Kiosk (der auch nur an 3 Tagen auf hat) in der Nähe. Wenn man sein Geld nicht zum Fenster rausschmeißen will, muss man schon zu einem der Supermärkte in der Nähe gehen. Da uns die Schulleitung oder wer auch immer aber anscheinend das Geld aus der Tasche ziehen will, haben sie uns die Mittagspause einfach so gekürzt, das wir keine Zeit mehr haben dahin zu laufen und somit gezwungen sind, uns etwas in der Schule zu kaufen! Da soll noch mal jemand sagen, die Schule will uns nichts böses ^^
Ich empfehle, zu dieser Frage eher die Bildungsgewerkschaften zu Rate zu ziehen, z.B. http://www.gew.de/AergermitdemachtjaehrigenGymnasium. Auch auf der Homepage des Philologenverbandes (Verband Bildung und Erziehung) dürften brauchbare Informationen zu finden sein. Auf eigene Schulerfahrungen zu rekurrieren ist hier weniger hilfreich. "Tempora mutantur..."

8 Jahre Gymnasium ist eigentlich ganz ok. Nur für den jetztigen 9. Jahrgang, der in Niedersachsen als erster Jahrgang in 12 Jahren Abi macht, ist das absolut zu viel verlangt, ich spreche aus Erfahrung. Wir waren in der siebten Klasse noch 33 in der Klasse, seitdem sind schon 10 Leute sitzengeblieben. Eine Klasse wurde sogar komplett aufgelöst weil nur noch 15 Leute in der Klasse waren. Jeder dritte Schüler braucht Nachhilfe in irgendeinem Fach. Die Lehrer müssen so durch den Stoff rennen, dass wir uns die Themen teilweise zu Hause aneignen müssen, da im Unterricht nicht genug Zeit ist. Grundsätzlich ist das 12-Jahre-Abi eine gute Idee, aber man hätte einen anderen Jahrgang nehmen sollen, bei dem der Unterricht dann schon sein der zweiten Klasse oder so schneller durchgenommen hätte werden können. Im Moment haben die neunten Klassen kaum noch Freizeit.
Vor Wochen habe ich schon mal so eine ähnliche Frage beantwortet. Bei der ganzen Diskussion um das sog. "Turbo-Abitur" traut sich keiner mehr zu sagen, dass der gleiche Lernstoff dann nicht mehr zu bewältigen ist. Also: logische Konsequenz: Alle unnötigen "Lernballaststoffe" einfach streichen. Ich weiß, kein Fachidiot- Lehrer will, dass in seinem Fach auch nur irgendetwas gestrichen wird. Aber ist es wirklich sinnvoll, dass alle Abiturienten in jedem Schulfach zur Hochschulreife geführt werden müssen?! Wer Abitur gemacht hat, sollte nach 20 Jahren mal überprüfen wieviel er von den andern Fächer noch 1. behalten und 2. je in seinem Leben später nochmals gebraucht hat!