Frage von deltaxry, 15

Ist Code-Switching, die alltägliche Praxis mehrsprachig lebender Menschen, verschiedene Sprachen miteinander zu vermischen, eine Kompetenz oder Unvermögen?

Was ist mit all jenen Menschen in Deutschland, die sich zwei Kulturen zugehörig fühlen, die zwei soziale Attitüden haben, die zwei Sprachen als ihre Muttersprache bezeichnen? Diese Menschen haben eine komplexe, gemischte (hybride) Identität, die nicht so leicht zu kategorisieren ist.

Antwort
von OlliBjoern, 10

Ich denke, das ist Teil der normalen Sprachentwicklung, wie sie unsere modernen Sprachen schon seit Jahrhunderten formte. An der englischen Sprache kann man das z.B. recht gut erkennen, dies ist eine zweifellos westgermanische Sprache mit typischen westgermanischen grammatischen (und lexikalischen) Elementen. Dennoch verfügt Englisch über zahlreiche Entlehnungen aus dem Französischen (und damit ultimativ auch aus dem Lateinischen), die natürlich der englischen Phonetik unterworfen worden (z.B. engl. the adventure, to continue, the connection und frz. l'aventure, continuer, la connection).

Mit der Zeit wurden viele "fremde" Wörter so üblich, dass sie gar nicht mehr als Fremdwörter empfunden werden heutzutage. Auch die deutsche Hochsprache wurde mitgeprägt von vielen benachbarten Sprachen, so ist die "Gurke" eine Entlehnung aus dem alten Polnischen "ogurek", während sich Englisch ("cucumber") interessanterweise mit dem Schwäbischen ("gugommer") einig ist [wobei hier schon geographisch einleuchtend ist, warum sich das polnische Lehnwort nicht bis dorthin durchgesetzt hat].

Expertenantwort
von earnest, Community-Experte für Sprache & deutsch, 6

Hier kann ich nur für mich sprechen.

Ich kann zwischen Deutsch und Englisch problemlos "switchen".

Meine Sprachkompetenz erlaubt das, von Unvermögen kann keine Rede sein. Wenn ich between the languages switche, dann ist das aber höchst selten ernst gemeint, sondern nur ein Zeitvertreib, meist mit jemandem mit ähnlichem Sprachgefühl - und einem gewissen sense of humor.

Gruß, earnest

Antwort
von Tamtamy, 15

Sofern wie die Anwender in der Lage sind, in der jeweiligen Sprache auch korrekt und ohne Switch zu sprechen, ist es als Kompetenz anzusehen (verbal fluency).

Kommentar von deltaxry ,

Das ist natürlich die Grundvoraussetzung.

Sprache ist lebendig, und das ist auch gut so. Mich interessiert ob diese ´neue Sprache´ auch als solche gesehen wird? Und, ob solches wechseln ( vermischen) willkürlich erfolgt, oder die Notwendigkeit ist, die eigene Identität auszudrücken?

Kommentar von Tamtamy ,

Ich bin bei dem Thema nicht mit dem fachlichen Diskussionsstand vertraut. Meine eigene Erfahrung ist, dass man, wenn man verschiedene Sprachen 'nebeneinander' gebraucht, relativ mühelos switchen kann und es z.T. auch unbewusst tut. Ich habe aber auch den Eindruck, dass es 'modefähig' geworden ist, so zu spechen. Sozusagen eine kleine Demo von MultiKulti.

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