Frage von Sollar, 156

Ist Burn Out eine Berufskrankheit?

Mein Freund ist Callcenter-Mitarbeiter (er verkäuft Zeitschriften-Abos). Jetzt bekommt er wohl ein Burnout. Ist so etwas eine Berufskrankheit?

Expertenantwort
von samm1917, Community-Experte für Depression, 74

Burn-out als Diagnose gibt es nicht. Ärzte nannten dies früher "Erschöpfungsdepression".

Es ist ein Zustand, der von starker Antriebslosigkeit und Energielosigkeit geprägt ist. Hinzukommen können Freudlosigkeit, Interessensverlust an Sachen, die einem früher mal interessiert haben; Schlafstörungen, Appetitveränderungen (verstärkt oder geschwächt) usw.

All diese Symptome kommen auch bei einer Depression vor. Man spricht jedoch von "Burn-Out" aus zwei Gründen:

  1. Ein Burnout ist keine klassische Depression, kann sich jedoch in eine solche hineinsteigern. Wie bereits erwähnt ähnelt die Antriebsschwäche der einer Depression, doch bei Depressionen sind andere Symptome stärker ausgeprägt (siehe dazu: http://deprimed.de/depressionen/)
  2. In unserer Leistungsgesellschaft klingt Burnout einfach besser als Erschöpfungsdepression. Burnout heisst automatisch auch, dass die betroffene Person unmenschlich geschuftet haben muss.

Burnout ist keine klassische Erkrankung nur für Callcenter-Mitarbeiter. Es betrifft alle Berufsgruppen, besonders jene, die viel Stress ausgesetzt sind.

Kommentar von Sollar ,

Burn-Out soll es angeblich nicht geben.
Und was ist das hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Z73.0

Kommentar von Grobbeldopp ,

Das hier ist keine Krankheit.

Kommentar von samm1917 ,

Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung.... ist bei Z eingeteilt. Bei F sind die psychischen Erkrankungen.

Kommentar von DahleRieger ,

Ich bin wegen Bourn out seit 9 Jahren in Frührente. Nur mal so das es die Krankheit nicht gibt.

Antwort
von Grobbeldopp, 82

Burnout ist als eigenständige Behandlungsdiagnose gar nicht in die diagnostischen Manuale aufgenommen.

Deshalb kann ein Arzt auch nicht unter dieser Diagnose arbeiten.

Man könnte annehmen, dass der Begriff als Synonym für Depressionen und Anpassungsstörungen verwendet, weil Burnout weniger ungünstige Assoziationen hervorruft. Tatsächlich hat die alltägliche Verwendung des Begriffs mehr mit Depression gemein als mit dem Symptom Burnout.

Kommentar von Sollar ,

Aber dafür soll es doch einen ICD-Code geben?  Wenn ja, wie lautet er?

Kommentar von Grobbeldopp ,

https://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-gm/kodesuche/onlinefassungen/htmlgm...

Steht bei Z 73, nicht bei den psychischen Krankheiten.

Dort ist es jedoch als "Problem mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung" aufgeführt und nicht als eigenständige Störung.

Kommentar von Sollar ,

Doch, es gibt inzwischen eine Code:
https://de.wikipedia.org/wiki/Z73.0

Kommentar von Grobbeldopp ,

Lies mal meine Antwort nochmal :-). Es gibt keinen Code als eigenständige Krankheit.

Antwort
von MrShield, 87

Ein Burnout ist nicht nur auf den Job zurück zu führen. Ein Burnout hat viel mehr Gründe und geht auch auf private Ebene zurück. Zu viel Stress kommt wohl nicht nur vom Callcenter.

Deswegen würde ich sagen, dass es keine direkte Berufskrankheit ist, nein. Dennoch spielt der Beruf eine große Rolle.

Antwort
von Sisalka, 96

Burn-out ist keine Berufskrankheit an sich. Es ist eher ein totaler Erschöpfungszustand, der viele Ursachen haben kann. Alleine die Tatsache, dass jemand im Callcenter arbeitet ist noch kein Grund für einen Burn-out. 

Wenn es deinem Freund schlecht geht, sollte er als erstes zum Arzt gehen.

Kommentar von Sollar ,

Kann denn die Krankenkasse nach ärztlicher Diagnose so etwas als Berufskrankheit anerkennen?

Kommentar von DerHans ,

Die Krankenkasse hat mit Berufskrankheiten überhaupt nichts zu tun. Dafür wäre dann die Berufsgenossenschaft zuständig.

Kommentar von Sisalka ,

Normalerweise nicht. und DerHans hat recht, wenn dann die Berufsgenossenschaft, aber auch da wird Burn-Out nicht ankommen.

Kommentar von Lumbago666 ,

Naja das stimmt, auf dem Papier... Die Kasse leistet in der Regel bei fraglichen BK'en vor, weil das Ermittlungsverfahren der BG ewig dauert und die BG in der Regel vorab gar keine Kostenübernahmen ausspricht (es sei denn der Fall wäre von Anfang an klar).

Zum Beispiel jemand geht mit einer Leukämie zum Arzt und gibt dort an, dass er glaubt, irgendwann mal mit gefährlichen Chemikalien gearbeitet zu haben.

Dann kann der Arzt das nicht sofort prüfen, die BG auch nicht und die Kasse schon gar nicht. Folge: kassenärztliche Behandlung und Meldung an die BG. Gemeint ist die Einwirkung der Chemikalie (z.B. Benzol) und den Ursachenzusammenhang.

Das bedeutet nicht, dass die BG unmittelbar was zahlt und auch nicht, dass die Kasse ab da raus ist. Solche Fälle sind zu Anfang fast nie eindeutig. Die Ermittlungsverfahren dauern ewig und ob was anerkannt wird oder nicht kann man erst nach vielen Monaten oder Jahren mal sagen.

Antwort
von martinHgtr, 78

Als Berufskrankheit würde ich es nicht unbedingt Bezeichnen, aber es kommt in diesem Bereich Call-Center oft vor da die Arbeitsumstände sehr beschränkt sind.

Antwort
von Lumbago666, 51

Nein, keine psychische Haupterkrankung kann derzeit als Berufskrankheit anerkannt werden. Welche Krankheiten das sind kann man in der Berufskrankheitenverordnung (BKV) nachlesen. 

Eine Voraussetzung dafür, dass eine Krankheit auf die Liste kommt ist, dass eine spezifische berufsbedingte, Gefährdung vorliegt, die den überwiegenden Teil der Bevölkerung nicht betrifft. 

Bei psychischen Erkrankungen stehen jedoch immer persönliche Anlagen im Vordergrund. Deshalb wird Burnout auch dauerhaft keine Berufskrankheit werden, auch dann nicht wenn die berufliche Komponente teilursächlich ist.

Kommentar von Lumbago666 ,

Nachtrag: Psychische Erkrankungen können nur mittelbare Folge einer Berufskrankheit sein, etwa wenn jemand die Nachricht bekommt, dass der Lungenkrebs (Beispiel BK 4105 - Pleuramesotheliom) in Kürze tödlich verlaufen wird. Bekommt jemand wegen dieser Nachricht und der damit einhergehenden Todesangst Depressionen, dann sind diese als mittelbare Folge auch entschädigungsfähig sein. 

Auch in Folge eines Arbeitsunfalls kann das mal so sein, wenn jemand eine lebensbedrohende Situation erlebt, z.B. während einer Geiselnahme oder bei einem Banküberfall oder gar nahestehende Personen getötet werden. Gleiches gilt, wenn man erfährt, dass das Bein ab ist und man deshalb Depressionen, PTBS oder dergleichen bekommt. 

Antwort
von skyberlin, 22
Antwort
von Lumbago666, 42

Auch wenn es keine Berufskrankheit ist, sollte er einen Arzt aufsuchen, denn irgendeine Erkrankung sollte bestehen, die auch behandelt werden sollte. 

Eine Behandlung dafür zahlt die Krankenkasse.

Antwort
von Psylinchen23, 58

Die meisten bekommen es von sehr stressigen Berufen wo einfach alles einen überfordert zb. das Arbeitsklima der Chef ... sind alles Gründe wo es einen zu viel werden kann und man so zu sagen ausbrennt. Berufskrankheit würde ich nicht sagen einfach das man über seine Grenzen geht von Psychischen und Körperlichen Standpunkt. 

Antwort
von DerHans, 76

Es gibt sehr viele Ärzte, die bezweifeln, dass das überhaupt eine Krankheit ist.

Es ist eher eine Modeerscheinung

Kommentar von Sollar ,

Wenn es eine Modeerscheinung ist, wieso gibt es dann einen ICD-Schlüssel dafür?
Bitte etwas mehr Verständnis für kranke Menschen.

Kommentar von Grobbeldopp ,

Oh die armen, armen kranken Menschen. Jetzt fühlt sich DerHans bestimmt ganz schlecht.

Lies mal was im ICD steht und wie das zu dm passt, was man so im normalen sozialen Leben als Burnout erklärt bekommt: Nicht!

Kommentar von Ostsee1982 ,

Es gibt sehr viele Ärzte, die bezweifeln, dass das überhaupt eine Krankheit ist.

Wer denn zum Beispiel?

Es ist eher eine Modeerscheinung

Eine Modeerscheinung wäre wohl kaum im ICD-10 gelistet oder ist bei dir alles eine Modeerscheinung das du nicht verstehst?

Kommentar von Grobbeldopp ,

Nochmal: Burnout ist im ICD-10 gelistet. Kein Widerspruch dazu.

Aber vergleich mal, was als Diagnosekriterien für Burnout da steht mit dem, was im alltäglichen Sprachgebrauch als Burnout bezeichnet wird; das stimmt nicht ganz überein, es sind vielmehr Symptome einer Depression, die man unter dem Begriff erwartet.

Ich fühle mich zwar etwas unwohl dabei, das zu behaupten, weil ích es nicht belegen kann und es nur auf meinem Sprachempfinden beruht.

Trotzdem wäre das eine Erklärung dafür warum die Meinung, dass Burnout in vielen Fällen als "modische" und unzutreffende Bezeichnung verwendet wird, in der Welt ist.

Kommentar von Sollar ,

DerHans: Hattest Du denn auch schon mal einen Burnout oder eine Depression?

Kommentar von DerHans ,

Ich hatte schon öfter mal keine Lust zum Arbeiten. Bin aber trotzdem losgegeangen

Kommentar von Sollar ,

Sorry, DerHans, wenn ich anderer Meinung bin. Denn es gibt sogar einen ICD-Code, hier steht er:
https://de.wikipedia.org/wiki/Z73.0

Antwort
von derMannohnePlan, 50

Die Diagnose Burn Out existiert nicht.

Es geht ums schönreden. 

Es ist immer schöner zu sagen: Ich habe Burn Out, als sagen zu müssen dass ich an einer Depression oder unter Angsttuständen leide.

Kommentar von Ostsee1982 ,

Die Diagnose Burn Out existiert nicht.

Ist das so?

ICD-10-Z73.0

Kommentar von derMannohnePlan ,

Ja, ist so!

Das Burnout-Syndrom gilt nicht als Krankheit im Sinne des ICD-10, sondern ist eine Zusatzdiagnose, die Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung bezeichnet. 

Auch im aktuellen Klassifikationssystem der American Psychiatric Association, dem diagnostischen und statistischen Handbuch psychischer Störungen (DSM-5), wird Burnout nicht als eigenständige Diagnose aufgeführt.[3] 

Als Ursache für das Burnout-Syndrom wird häufig auf Stress rekurriert.[4]

Kommentar von Ostsee1982 ,

Was im DSM steht ist uninteressant. Diagnostiziert wird nach ICD-10. Würde mich interessieren womit dann die Krankenkassen abrechnen. Ich nehme mal an, dass Burnout (wenn auch als Zusatzdiagnose) nicht zum Spaß im ICD steht.

Kommentar von Sollar ,

DerMannohnePlan, schau mal bitte hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Z73.0

Antwort
von LittleMistery, 39

Nicht ausschließlich, aber oft durch sowas ausgelöst. Würde ich sagen.

Antwort
von skyberlin, 52

Ja, das ist möglich, wenn die Arbeitsbelastung und die Betriebsstrukturen den Menschen auf Dauer mehr abverlangen, als sie leisten können.

ICD ist da die Bibel der Erkrankungen, die kann man googeln.

Kommentar von Sollar ,

Der ICD-Schlüssel ist schon klar. Mir geht es um die Anerkennung oder Verneinung als Berufskrankheit!

Kommentar von skyberlin ,

Das untersuchen der Arzt, der MDK, der Rentenversicherungsträger.

Berufskrankheit ist da nicht eindeutig definiert, alles Ermessenssache.

Kommentar von emib5 ,

Welche Erkrankung überhaupt nur eine (annerkannte) Berufskrankheit sein kann, steht in der entsprechenden Liste der Berufskrankheiten zur BKV. 

Und da steht Burnout nicht drin. Somit kann es keine BK sein.

Kommentar von skyberlin ,

Ist auch eine Frage der Nomenklatur!

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