Frage von tibunn, 24

Ist: agnostischer Monismus = Pluralismus?

Bitte begründend antworten. Danke !

Antwort
von berkersheim, 14

Das Gegenstück zum Monismus kennst Du: Den Dualismus. Danach ist das Sein zweigeteilt in Geist und Materie. Die "Abteilung Geist" ist nicht nur die federführende, sie ist meist auch Ausdruck eines Göttlichen - um es allgemein auszudrücken, denn auch da gibt es viele Variationen bis hin zu Kants überhöhter Vernunft. Der Dualismus hat darum im Grunde immer eine religiöse Note, nicht selten verbunden mit einer Überhöhung des Menschen über die "nur" materielle Natur.

Der Monismus als Antidualismus hat von den frühen Naturphilosphen über Parmenides, Heraklit usw. seine heute bekannteste Form im Epikureismus. Diese Tradition ist durch das Christentum fast ausgelöscht worden und die westlich-abendländische Philosophie hat sich von diesem Crash nie ganz erholt. Eine echte Fortsetzung des Epikureismus gibt es nicht. Genau genommen ist die Bezeichnung "Monismus" sehr unglücklich, auch nur eine Gegenformulierung und Negativabgrenzung zum Dualismus wie A-Theismus zum Theismus. Grundhaltung des sog. Monismus ist: Die Welt aus dem zu erklären, wie man sie erfährt ohne die Erklärungshilfe des "göttlichen Geistes". Epikur z.B. leugnet Götter nicht schlichtweg, aber sie sind Teil unserer Erfahrung und stehen nicht darüber. Für ihn wie für seine Vorgänger ist das Sein ein großer, miteinander verknüpfter und sich ständig wandelnder Verbund, die Erfahrung von Göttern und geistiger Qualitäten eingeschlossen.

Da wir nicht wirklich wissen und erfahren haben, wer Götter sind und wie viele und welche Erfahrungen sich darin widerspiegeln ist der Monismus meist kein A-Theismus sondern ein A-Gnostizismus, ein "wir wissen es nicht". Da sich z.B. nach Heraklit "panta rhei" alles im Fluss befindet, alles immer in wechselseitig bedingter Veränderung ist, hat Monokausalität in diesem Denken keinen Platz, ist Offenheit und Pluralismus angesagt. Wenn sich alles mit allem umwälzt und sich in unterschiedlichsten Formen umsetzt, sind die Erscheinungen eher mehrdeutig als eindeutig, je nach Perspektive und einbezogenen Variablen. Aber die Dinge hängen zusammen und beeinflussen sich und Pluralismus meint nicht eine wilde Ungebundenheit. Das wird gern verwechselt. 

Antwort
von Grautvornix16, 6

Hi,- aus meiner Sicht  beinhaltet deine Frage ein widersprüchliches Element und unscharfe Relationsbildungen und macht eine Beantwortung dadurch nicht einfach: nämlich

1.) a-gnostisch und Monismus.

-A-gnostisch ist eine Haltung des Nicht-Wissens (insbesondere in Kontexten religiöser (Selbst-) Begründungsversuche.

- Monismus ist die Auffassung eines, allen Erscheinungen unseres Daseins in seiner Vielfalt zugrundeliegenden einzigen, gemeinsamen Grundes / Ursprungs.

Letzteres verweißt auf viele religiös-kulturelle Weltanschauungen, überschreitet damit aber auch die Schwelle zum Bereich des Glaubens. Damit wärst du dann als Anhänger dieser Vorstellung aber kein A-Gnostiker mehr sondern eher ein Gnostiker.

2) Grundsätzlich sehe ich vorab überhaupt keinen hinreichenden Grund, um eine Verbindung zwischen Monismus und Pluralismus per se sowohl zu verneinen als auch zu bejahen. Vielmehr hängt diese Entscheidung davon ab, welches Erklärungsparadigma du wählst.

- Ein Hindu würde sicher Pluralismus mit einem "Pluralismus" von Ursachen (Gottheiten) in Verbindung bringen - viele antik-griechische und andere vorgeschichtliche Viel-Gottheitsysteme desgleichen

- indianische Religionen hingegen sehen i. d. R. die Ursache von Vielheit in einem monistischen Grund - ebenso die jüdisch-christliche Religionssystematik

Es spielt für die Systematik selbst überhaupt keine Rolle ob ich als Gnostiker oder A-Gnostiker an die Sache herangehe um Pluralismus aus meiner jeweiligen Sichtweise abzuleiten / zu begründen da dieser Prozeß wahrscheinlich rekursiv ist. D.h.: die Begründung von Vielfalt / Pluralismus geschieht im "Nachhinein" und kann in der Suche nach ihrem Ursprung so oder so ausfallen.

Was vielleicht helfen könnte wäre die Frage nach der Qualität der jeweiligen Theorien, deren Analyse im Zusammenhang mit kulturgeschichtlichen Entwicklungen sowie deren saubere Trennung von "Glauben"

PS:  Die moderne Physik sucht noch nach einer Vereinheitlichungstheorie von Quantenphysik und der relativistischen aber dennoch innerhalb der klassischen Physik formulierten Erkenntnisse durch Einstein - geht also selbst im nicht-religiösen Bereich offensichtlich von vielfältigen Erscheinungsformen auf der Grundlage einer Ursache aus.

Man könnte jetzt versuchen zu analysieren ob die Theoriebildung in der modernen Physik den Begründungsverfahren des Hinduismus überlegen ist.

Du siehst: Deine "Gleichung" kann sowohl ein A-Gnostiker als auch ein Gnostiker (auch Hindus haben "Erleuchtete") aufstellen oder verneinen.

Und ob ich Vielheit als Wesenskern, Supradisposition oder Ur-Potential des einen Ursprungs / Ur-Ereignisses identifizieren kann -- daran arbeitet die Physik gerade. ;-)

Antwort
von teafferman, 12

Wenn ich mir meine Hausaufgaben und schulischen anderen Aufgabenstellungen von anderen Menschen hätte machen lassen, dann hätte ich mein Leben am Rande des Existenzminimums verbracht. 

Da ich meine schulischen Aufgaben, durchaus gerne wie es natürlich und angeboren ist, gerne selbst gemacht habe, habe ich im Leben eine Menge Spaß gehabt. 

Tja. Tatsächlich ist Dies die Antwort, welche mir auf Deine Fragestellung einfällt. Sie beantwortet im übertragenen Sinn sogar Deine Frage. 

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