Frage von AnonymLiebe, 126

Ist Abtreibung - unter allen Umständen - Mord?

Muss sich etwa ein Vergewaltigungsopfer o.ä. auch noch mit dem Titel "Mörder" rumschlagen?

Nicht immer kann man etwas dafür, dass ein Kind entsteht und kann dies womöglich auch nicht behalten. Wie seht ihr das also?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von TheTrollman, 23

Nein, nicht unter allen Umständen, eine Abtreibung nach einer Vergewaltigung oder wenn die Frau sonst selber stirbt ist kein Mord, dann ist eine Abtreibung eher eine schwierige ethische Abwägung, als ein Mord und niemand sollte das eine Vergewaltigte Frau Mörderin nennen, denn sie hat schon genug durchgemacht.

Was aber die ganzen Abtreibungen betrifft die einfach so gemacht werden, so finde ich schon, dass die in Richtung Mord gehen aber für mich sind weniger die Frauen Mörderinnnen, sondern eher die Ärtzeschaft und das System, welches diese gräueltaten erlaubt

Kommentar von TheTrollman ,

Danke für den Stern :)

Expertenantwort
von Kajjo, Community-Experte für Frauenarzt, Schwangerschaft, schwanger, 80

KONKRET ZU DEINER FRAGE

  • Nein, Schwangerschaftsabbruch ist kein Mord, weder im moralischen noch im gesetzlichen Sinne dieses Wortes. Mord ist einfach per definitionem ein anderer Tatbestand.
  • Ich finde es richtig, dass in Deutschland jede Frau die freie Wahl hat, eine Schwangerschaft auszutragen oder abzubrechen.

ALLGEMEIN ZUR KONTROVERSE

  • Meines Erachtens ist ein Kernpunkt der gesellschaftlichen und gesetzlichen Kontroverse zum Schwangerschaftsabbruch die Frage, inwiefern für alle dieselbe Moral zu gelten hat und inwiefern man Bürgern eine bestimmte Moral vorschreiben darf. Als Vertreter der pro-choice-Fraktion setze ich dabei auf Toleranz und Pluralität.
  • Wenn jemand sagt, er könne aus moralischen Gründen nicht abtreiben und er hielte Abbrüche für verwerflich und falsch, so ist das seine freie Wahl und gewiss muss er das Recht haben, nicht an Schwangerschaftsabbrüchen beteiligt zu sein. Ich würde niemals versuchen, ihn vom Gegenteil zu überzeugen, sondern seine Entscheidung und seine Moral tolerieren. Wenn jemand umgekehrt sagt, er könne Schwangerschaftsabbrüche mit seinem Gewissen vereinbaren, so ist auch das seine freie Wahl und gewiss sollte er das Recht haben, Schwangerschaftsabbrüche durchführen zu lassen. Ich würde auch hier niemals versuchen, seine moralische Einschätzung bezüglich Abtreibung zu verurteilen, sondern seine Moral tolerieren.
  • Die Kontroverse hier bei GuteFrage.net, aber auch generell in der Gesellschaft, entsteht vorallem dadurch, dass Abtreibungsgegner partout wollen, dass ihre Ablehnung der Maßstab für alle wird. Umgekehrt fordert aber kein pro-choice-Befürworter, dass jemand abtreibt, der dies nicht will, ja nicht einmal, dass der andere Abtreibung für legitim hält. Die pro-choice-Fraktion möchte nur für sich selbst das Recht haben, nach der eigenen Moral zu entscheiden, andere sollen davon gar nicht betroffen sein.
  • Gerade wenn moralische Ansichten, wie die kategorische Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen, vorrangig auf religiösen Überzeugungen basieren, ist es für mich persönlich nicht akzeptabel, dass Bürger, die eben nicht jene religiöse Überzeugung teilen, ihr Handeln ebenfalls nach den moralischen Maßstäben der religiös motivierten Gegener der Abtreibung richten müssen. Soll doch bitte jeder nach seiner Facon selig werden, aber nicht nach verordneter Moral und Religion.
  • Ich bin fest überzeugt, dass diese Frage des moralischen Maßstabs im Zentrum der Kontroverse liegt. Persönlich bin ich daher der Meinung, dass man bei Fragen nach Schwangerschaftsabbrüchen einerseits stets mit nüchternen Fakten antworten sollte und andererseits betonen sollte, dass die moralische Komponente eine rein persönliche Meinung ist.
  • Der inhaltliche Kernpunkt der Diskussion über Schwangerschaftsabbruch ist die Abwägung von Selbstbestimmung der Frau über den eigenen Körper und dem Lebensrecht eines Embryos.

SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH

  • In Deutschland hat jede Frau die freie Wahl, eine Schwangerschaft auszutragen oder abzubrechen. Diese freie Wahl sollte sie nutzen und dabei ihre Lebensziele und Lebensplanung, ihre eigenen Ansichten und Wertvorstellungen, ihre wirtschaftliche Lage und die eventuelle familiäre Zukunft und Partnerschaft berücksichtigen. Persönlich denke ich, dass es seht gut ist, dass jede Frau diese freie Wahl hat.
  • Schwangerschaftsabbrüche sind immer eilig. In Deutschland gilt die strenge Fristenlösung, nach der Abbrüche nur bis zur 12. Woche nach Empfängnis erlaubt sind.
  • Bis zur 12. Woche hat ein Embryo mit Sicherheit KEIN Bewusstsein, keinerlei Gefühle wie Angst und kein Schmerzempfinden. Anhaltspunkte nach Entwicklung: erste Motorik (16. SSW), Schmerzreizweiterleitung (ab 24-28, SSW), Bewusstsein (nicht vor 30. SSW) und Schmerzempfinden (35.-37. SSW): http://www.svss-uspda.ch/de/facts/embryo.htm 
Kommentar von AnonymLiebe ,

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort!

Antwort
von Battlemay, 100

Laut StGB kann man nur an einem lebenden Menschen Mord begehen. Das Leben beginnt laut Strafgesetz aber erst mit Beginn der Geburt. 
Folglich ist man beim Abtreiben keine Mörderin. Strafbar kann es dennoch sein. 

Kommentar von AnonymLiebe ,

Stimmt wohl - aber ethisch, moralisch?

Kommentar von martinzuhause ,

ethik und moral ist für jeden etwas anderes. daher sollte man das auch jedem selber überlassen wie er dazu steht

Kommentar von Battlemay ,

Wenn es um die moralische Ansichtsweise geht, kann man da keine Grundlage finden. So wurde es vom deutschen Gesetzgeber entschieden und ist daher gültig. Was man selbst davon hält, ist eine völlig andere Diskussion. 

Kommentar von annemarie37 ,

Die einzig brauchbare Antwort in dieser ethischen Frage, wo es niemals einen Konsens geben wird: nur die Betroffenen selbst können urteilen und entscheiden. Alles andere verletzt das Grundrecht auf Gewissens- und Religionsfreiheit.

Wo Abtreibung verboten ist, treiben Frauen illegal ab, unter Gefährdung der eigenen Gesundheit und des eigenen Lebens. Daher sind Abtreibungsverbote unethisch.

Antwort
von Alrik2, 102

Da Du eine ethisch/moralische Antwort suchst muss ich etwas ausweichend Antworten: Das kommt auf Deine persönliche Moral an.

Fragst Du z.B. einen katholischen Geistlichen wird er Dir wahrscheinlich sagen, "Ja, es ist Mord", denn für ihn beginnt das Leben mit der Befruchtung.

Andere Menschen gehen dafür eher mit der Definition unseres Gesetzes konform, und lassen das Leben erst mit der Geburt beginnen.

Auch dazwischen ist alles möglich.

Du musst für Dich festlegen, wo für Dich die Grenze ist. Das kann Dir niemand abnehmen.

Antwort
von graues, 119

Es gibt Zustände die sind für eine menschliche Psyche nicht tragbar. Dazu gehört auch der Umstand wie zb. nach einer Vergewaltigung. Das Kind aus einer Vergewaltigung heraus bekommen ist eine Individuelle Entscheidung des Opfers. Es ist wichtig das "jeder" damit leben kann. Eine Abtreibung wird manchmal dann entschieden wenn das Opfer dadurch die "Vergangenheitsbewältigung" als für "sicherer" ansieht, um nicht mit dem Bild der "Vergangenheit" konfrontiert, bewegt zu werden. Es gibt Frauen, die können die Vergangenheit sonst nicht bewältigen. Das Kind würde sie stets daran erinnern.Einem Opfer so einen Titel zu verleihen zeigt das nicht verstanden wurde was eine Vergewaltigung ist von demjenigen der sowas sagt, meint, denkt oder ausspricht.

Antwort
von annemarie37, 58

Abtreibung ist NIE Mord. "Mord" impliziert auch im ethischen Sinn eine abscheuliche, grausame Tat. Wer das Wort anders braucht, missbraucht die Sprache. Du kannst allenfalls von "Tötung" sprechen, aber nicht von Mord.

Eine befruchtete Eizelle ist lebendig, stimmt. Aber auch eine Samen- oder Eizelle ist bereits lebendig und sie enthalten je die Hälfte der Chromosomen. Ein Mensch ist mehr als seine Chromosomen und Gene. Ein Embryo ist noch nicht Mensch.

Tötest du ab und zu eine Fliege oder eine Mücke? Isst du Fleisch? Auch das impliziert Tötung...

Es geht nicht an, beim Schwangerschaftsabbruch nur an das embryonale Leben zu denken. Dieses schwebt nicht frei im All, sondern es lebt in einer Art parasitärer Verbundenheit mit der schwangeren Frau, kann sich ohne sie niemals entwickeln. Es ist quasi Teil der Frau... Und sogar wenn man den Embryo als "Menschen" ansehen würde, es kann nicht sein, dass er den Körper der Frau - gegen ihren Willen - 9 Monate lang benutzt und sie ihn gebären muss, mit den damit zusammenhängenden Beschwerden und Risiken. 

Antwort
von MoBruinne, 45

Der Anteil der Abtreibungen aufgrund krimineller Indikation (also Vergewaltigung) ist in Deutschland sehr gering (ca. 20 - 40 im Jahr).

Der mit Abstand größte Teil der Abtreibungen wird gemacht, weil das "Kind gerade nicht in den Kram passt." (ca. 100.000 im Jahr)

Das nur mal so nebenbei.

Ob man Abtreibung als Mord betrachtet oder nicht hängt davon ab, wann man von Leben ausgeht. Und das beantworten unterschiedliche Gruppen von Menschen sehr unterschiedlich.

Antwort
von TreudoofeTomate, 82

Abtreibung ist nie Mord. Man kann nur jemanden ermorden, der geboren wurde.

Kommentar von AnonymLiebe ,

Ja ich habe nicht erwähnt das es mir hier nicht um den rechtlichen Aspekt geht.

Kommentar von TreudoofeTomate ,

Brauchtest du auch nicht. Es ist tatsächlich auch so.

Kommentar von AnonymLiebe ,

Wie? Deine Antwort bezieht sich nicht auf die ethische Sicht.

Kommentar von TreudoofeTomate ,

Oh doch.

Antwort
von youarewelcome, 55

Es ist eine ganz individuelle Entscheidung, völlig unabhängig davon ob ein Kind durch eine Vergewaltigung entstanden ist oder in einer Beziehung gezeugt wurde, ob Du das Kind austragen möchtest oder nicht.

Ich habe kein Verständnis für Frauen die zu bequem zum Verhüten sind und aus dem Grunde dann abtreiben.

Aber in allen anderen Instanzen ist es das Recht und die freie, private Entscheidung einer jeden Frau, ob sie ein Kind austragen möchte, oder die Schwangerschaft abbricht.

Gerade bei einer Vergewaltigung sollte sie sich da gar nicht die Frage stellen sondern das tun was das Herz ihr sagt.

Um es emotional leichter zu machen, kann ich nur empfehlen, denn Abbruch so FRÜH wie möglich zu machen.

Antwort
von CalicoSkies, 33

Ein Schwangerschaftsabbruch ist NIEMALS Mord.

In Deutschland beginnt die Rechtsfähigkeit gem. BGB §1 mit der Geburt - es kann daher niemals Mord sein, völlig egal welche Umstände herrschen.

Eine Abtreibung als "Mord" und eine abtreibende Frau als "Mörder" zu bezeichnen ist strafbar - denn es handelt sich hier um Verleumdung (StGB §187)

Eine Abtreibung vor der 12. Schwangerschaftswoche ist in Deutschland strafbefreit - das ist zwar eine ziemlich komische Übergangsregelung (da in der DDR bspw. eine Abtreibung legal war, es ist damit ein Rückschritt), hat jedoch seine Gründe - insbesondere die Festlegung.

Ich persönlich finde Schwangerschaftsabbrüche völlig in Ordnung

- ein Embryo ist kein eigenständiges menschliches Lebewesen und das Recht der Mutter am eigenen Körper wiegt um ein Vielfaches höher.

Lg

Antwort
von Tragosso, 126

Abtreibung ist niemals und in keinem Fall Mord, solange es im gesetzlich festgelegten Rahmen erfolgt.

Kommentar von AnonymLiebe ,

Unter dem rechtlichen Aspekt nicht - stimmt. Aber wie sieht es ethisch - moralisch aus? Mord ist wenn Leben beendet wird (im weiten Sinne)... Der Embryo lebt auch.

Kommentar von TreudoofeTomate ,

Nein, er lebt nicht. Das Leben beginnt mit der Geburt.

Kommentar von AnonymLiebe ,

Leben beginnt ethisch schon bei der Befruchtung oder beim 1ten Herzschlag. Hier geht es mir nicht um den rechtlichen Aspekt den du hier ansprechen willst.

Kommentar von annemarie37 ,

Nicht "Leben", aber das Menschsein beginnt mit der Geburt. Leben als solches begann einmal vor x Millionen Jahren...

Kommentar von Tragosso ,

Aus meiner Sicht absolut nicht. Das Recht der Frau über ihren eigenen Körper ist höher zu bewerten als ein unfertiges Leben. Niemand sollte gezwungen sein, etwas in sich heranwachsen zu lassen und dann unter Schmerzen zu gebären, was man dort nicht haben will und/oder kann.

Kommentar von martinzuhause ,

jede körperzelle lebt. dann wäre es auch mord wenn du dich schneidest und blut auf die erde tropfen lässt da die zellen dann absterben

Kommentar von Elina87 ,

das Herz des Embryo fängt ca ab siebte Woche an zu schlagen,dann wäre es für mich als hätte ich ein Leben ausgelöscht,vorher nicht.

Kommentar von Elina87 ,

eine Schwangerschaft die durch Vergewaltigung entstanden ist,ist denke ich ziemlich unerträglich und das wahrscheinlich milde ausgedrückt........am besten Psychologen hinzuziehen

Kommentar von annemarie37 ,

Psychologen??? wozu? Das muss jede selbst entscheiden, ob sie eine ungewollte Schwangerschaft austragen will/kann oder nicht.

Kommentar von Waldfrosch4 ,

So einfach ist das wohl kaum .

Nach solcher Logik war auch die Vernichtung gewisser Gruppen oder ganzer Völker ...dann wohl auch ganz OK. Da es im gesetzlich festgelegten Rahmen geschah...

Die Regierung wollte es eben so.......ein richtig  Islamisches Moral Verständnis ..jenseits jeglicher Eigenverantwortung. 



Antwort
von earnest, 31

Schwangerschaftsunterbrechung ist unter KEINEN Umständen Mord.

Gruß, earnest

Kommentar von earnest ,
Kommentar von earnest ,

Pardon, ich war in der Wortwahl unpräzise.

Edit: Ersetze "Schwangerschaftsunterbrechung" durch "Schwangerschaftsabbruch".

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