Inzest Warum hat es früher immer wieder Inzest innerhalb der Familien und Urvölker gegeben?

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10 Antworten

Ich wage mal zu behaupten, dass man nicht wusste, dass Missbildungen entstehen. So früh waren noch keine Erkenntnisse über Erbgut etc vorhanden. Auch Erbkrankheiten sind bei Inzest Mal häufiger, aber davon hatte man damals keine Ahnung, so gehen die wichtigsten Erkenntnisse über Erbgut und ähnliches erst auf das 19. Jahrhundert zurück.

Früher hat es Inzest gegeben, weil man dadurch glaubte, die Blutslinie rein zu halten. Man ging mit der Annahme, dass es göttliches oder gehobeneres Blut wie im Falle vom Pharao gab und man dies nicht mit dem unreinen Blut der Bürger vermischen sollte.

Außerdem war es in Adelsfamilien so, dass es nur eine beschränkte Anzahl ein heiratsfähigen Kandidaten gab, denn man sollte nicht unterhalb seines Standes heiraten, was natürlich vor allem für die Obrigkeit ein Problem darstellte, wenn nicht Cousinen und Cousins oder gar Geschwister auch als Partner in Frage kamen. Und dann musste natürlich auch ein Thronfolger oder Nachfolger produziert werden (Heirat war damals mehr eine Zwecksgemeinschaft, als eine "Verbindung zweier Herzen").

Und ja, in anderen Teilen der Welt ist Inzest noch Gang und Gebe – wenn auch nicht mehr so häufig zu finden, wie früher.

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Kommentar von Luksilla
21.09.2016, 06:13

Danke für deine ausführliche Antwort.

Die Frage die ich mir dabei immer stelle, ist doch die obwohl es Gesellschaftlich verboten ist in den meisten Ländern passiert es noch trotzdem. Und müsste der Mensch nicht Instinkt spüren das es falsch ist ?

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Das mit den Urvölkern stimmt nicht, egal für wie "primitiv" sie von uns gehalten werden, Regeln zur Inzestvermeidung sind in jeder Kultur zu finden. Bei Stämmen in abgelegenen Regionen war und ist es oft sogar üblich, dass Gäste zu Sex mit ihnen angehalten werden, um den Genpool zu erweitern.

Erst die Ideologien der Reinrassigkeit, des "blauen Blutes" usw haben zu einem Anstieg von inzestähnlichen Verbindungen geführt.  

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Gibt es heute Inzest auch noch?

Inzest ist nicht gleich Inzest. Wesentlich ist der Verwandtschaftsgrad, der entscheidend ist für mögliche Schädigungen.

Ab dem 2. Verwandtschaftsgrad ist es unwahrscheinlich, dass er sich nachteilig auswirkt.

Vielen Ethnien bleibt nichts anderes übrig, als sich mit der Verwandtschaft zu verheiraten, weil sie so isoliert leben.

Bei allen bekannten Naturvölkern gibt es offenbar eine Art Instinkt, der verhindert, das es zwischen Eltern und Kindern bzw. zwischen Geschwistern zur Fortpflanzung kommt.

Andernfalls hätten sie es nicht geschafft, trotz geringer Individuen ihren Fortbestand über Jahrhunderte oder gar einige tausend Jahre zu sichern.

Der "Adel" (aber auch ein Großteil der "normalen" Bevölkerung) stand und steht zudem unter dem Zwang standesgemäß zu heiraten.

Das schränkte bis vor noch nicht wirklich langer Zeit die Zahl der Kandidaten so weit ein, dass eine Heiratsvermittlung ein durchaus lukratives Geschäft war.

Heiratsvermittler (häufig Frauen) kamen herum und konnten vermitteln. Das war lange Zeit vielen Menschen verwehrt, weil Reisen teuer und mühsam war und die Auswahl schon allein deswegen stark eingeschränkt.

Auch heute noch ist es in vielen Kulturen üblich, sich mit der "entfernteren" Verwandtschaft zu verheiraten.

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Inzest bedeutet Geschlechtsverkehr zwischen engsten Verwandten (Eltern - Kinder; Geschwister), nicht zwischen Cousin und Cousine. Die Heirat zwischen Cousin und Cousine ist ja rechtlich zulässig, kommt vor allem in der Türkei öfter vor.

Da in Adelsfamilien früher Cousin und Cousine oft heirateten und Degenerationsmerkmale bei Adligen nicht selten in Erscheinung traten (man denke an Ludwig II. von Bayern und seinen geistesgestörten Bruder), bringt man diese Merkmale mit den häufigen Verwandtenheiraten in Verbindung. Man spricht hier von Inzucht. Deshalb wird die Heirat zwischen Cousin und Cousine nicht gerne gesehen, vor allem wenn es öfter geschieht (einmal ist keinmal, aber dann sollte bei den Abkömmlingen Schluss sein!).

Auch lässt der Hochadel heute hin und wieder zu, dass Adelssprösslinge Bürgerliche heiraten, wohl aus den genannten Gründen (Blutauffrischung!). -

Übrigens können beim Inzest und bei Inzucht nicht nur negative, sondern auch positive Erbmerkmale potenziert in Erscheinung treten. Das rätselhafte Auftreten von überragenden Genies in manchen Familien könnte vielleicht irgendwann auf Inzest oder Inzucht zurückzuführen sein (vermute ich mal). Hitler, dessen Vorfahren aus dem niederösterreichischen Waldviertel stammen, wo es nicht selten zur Inzucht, eventuell auch zum Inzest gekommen ist, verfügte klar über gewaltige Fähigkeiten, positive wie negative, alles enorm verstärkt (unerhörte Rednergabe - wenn er redete, waren die Zuhörer hin und weg - , enorme Willens- und Durchsetzungskraft, sagenhaftes Gedächtnis). Auch die kriminelle Ader war bei ihm überaus stark potenziert.

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Zum einen wurde nur innerhalb eines Stammes "geheiratet" zum anderen diente es später bei den Adelsfamilien, aber auch beim Geldadel um den Reichtum beieinander zu halten.

Über Vererbung und Erbkrankheiten wusste man aber auch kaum etwas bis garnichts. Rezente Erkrankungen treten nur bei Kombination zweier gleicher Gene auf und viele Kinder waren damals oft auch nicht lebensfähig, die wurden dann eben der hohen Kindersterblichkeit zugerechnet.

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Wie du schon sagtest war es damals besonders bei Adelsfamilien üblich. Dies hatte meist den Grund, dass sie ihre Blutlinie so weitererhalten wollten, dass rein adeliger Nachwuchs entsteht.

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Ich glaube nicht, dass die alten Ägypter eine Ahnung davon hatte, dass durch Inzest behinderte Kinder geboren werden können. Es ging wohl , wie auch Jahrhunderte später darum, eine reine Linie der Thronfolge zu gewährleisten.

Die spanische Linie der Habsburger ist ausgestorben vor lauter - untereinander heiraten und Kinder kriegen...

Ich persönlich finde ja, dass Inzest heute innerhalb einer Familie... einfach nur krank ist.

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Ja natürlich gibt es heutzutage noch Inzest leider, ich persönlich finde das zwar total abartig und krank aber gut. Evtl gibt es, es nicht mehr so weit verbreitet.

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Man muss ganz klar sagen, dass Deutschland und die Schweiz Ausnahmen sind, bezüglich Länder, in denen das verboten ist. Es ist ganz klar so, dass es selbst in Europa vielerorts erlaubt ist.

Das primäre Argument des Verbots ergeht über das Risiko behinderter Kinder und über das Risiko sexuellen Missbrauchs innerhalb von Familien. Die Gegner allerdings meinen, dass vor allem letzteres dadurch nicht vermieden wird.

Die Theorie der grossen Behinderungsgefahr ist nicht über alle Zweifel erhaben, insbesondere weil ein verkürzter Genpool auch Hochbegabungen etc. fördern kann.

Da es aber in Deutschland, wie gesagt, verboten ist, redet man hier nicht darüber, es gilt als Tabu. Früher war das halt anders.

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Kommentar von Luksilla
21.09.2016, 06:11

Vielen lieben Dank für deine Antwort, wenn ich das richtig verstanden habe soll aus Inzest auch Hochbegabungen entstehen können ?

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Vermutlich war das so, weil man es für richtig hielt, vielleicht auch mangels genetischer Kenntnisse. Hinzu kamen wahrscheinlich kulturelle und religiöse Gründe.

Heute weiß man es besser.....

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