Frage von mosca101, 90

Inwieweit kann mir der Arbeitgeber meine Arbeitszeit vorschreiben?

Ich bin seit dem 29.02.2016 aus der Elternzeit zurück, ich soll nun Früh- und Spätschicht arbeiten, was generell auch kein Problem darstellt. Eine Woche vor Arbeitsbeginn hat meine Frau einen schweren Schub ihrer MS-Krankheit erlitten, was 5 Tage stationäre Aufnahme zur Folge hatte. Nach der üblichen Behandlung werden nun 3 Wochen Reha teilstationär veranschlagt was wiederum zur Folge hat das Sie sich um 14:30 in Behandlung befinden wird und niemand da ist der unser Kind aus der KIta abholen kann.

Wir wohnen in Hessen und unsere Eltern in NRW bzw in Bayern so dass auch ein abholen durch die Großeltern flach fällt.

Ich bin nun mit der Bitte an meine Chefin rangetreten im März nur zur Frühschicht zu kommen, da ich sonst keine Möglichkeit habe meiner Sorgfaltspflicht gegenüber meinem Kind gerecht zu werden.

Dies will Sie mir nun nicht gewähren, und drängt mich darauf ein Babysitter für die Zeit einzustellen oder mir was anderes zu überlegen.

Nun meine Frage ist diese Haltung rechtens? Oder greift Sie da nicht in meine Persönlichkeitsrechte zu stark ein, da laut §106 S.3 GewO auch auf Behinderungen des Arbeitnehmers Rücksicht genommen werden muss.

Expertenantwort
von Familiengerd, Community-Experte für Arbeitsrecht, 44

Nun meine Frage ist diese Haltung rechtens?

Das kann man ohne genau Kenntnis auch der betrieblichen Umstände nicht so einfach beantworten. Welche Begründung gibt Deine Chefin?

Grundsätzlich ist Dein Hinweis auf die Gewerbeordnung GewO § 106 "Weisungsrecht des Arbeitgebers" richtig.

Wichtig ist bei dieser Bestimmung die Vorgabe, dass der Arbeitgeber zwingend nur "nach billigem Ermessen" seine Entscheidungen treffen darf, d.h. er muss die persönlichen Belange des Arbeitnehmers berücksichtigen und mit den betrieblichen Belangen abwägen.

Wenn die persönlichen Belange die betrieblichen objektiv überwiegen, darf der Arbeitgeber seine Entscheidung nicht durchsetzen.

Wie ich oben sagte, kenne ich die betrieblichen "Belange" nicht, gebe aber trotzdem meine Einschätzung aufgrund Deiner Angaben:

Ich halte Dein Anliegen, für die begrenzte Zeit nur zum Frühdienst eingesetzt zu werden, für absolut berechtigt. Du warst bis jetzt in Elternzeit, der Betrieb konnte also seine Abläufe aufrecht erhalten, auch ohne Deine Anwesenheit (womit ich nun nicht sagen will, Du seist "überflüssig" gewesen). Wenn nicht besondere Umstände vorliegen - deswegen meine Frage nach einer Begründung durch Deine Chefin -, dann ist nicht nachzuvollziehen, warum nicht auch für weitere 3 Wochen die Möglichkeit gegeben sein soll, Dich nur zur Frühschicht einzuteilen.

Unter diesen Voraussetzungen halte ich Deinen Anspruch, nur zur Frühschicht eingesetzt zu werden, für vorrangig gegenüber dem Verlangen Deines Arbeitgebers, Dich auch zur Spätschicht einzusetzen.

So weit meine rechtliche Einschätzung zu Deinem Recht; in wieweit Du es gegenüber Deiner Chefin aber durchsetzen willst und/oder kannst, ist eine andere Frage, denn "Recht haben" und "Recht bekommen" sind leider viel zu oft zwei sehr verschiedene Dinge ... ...

Kommentar von mosca101 ,

Vielen Dank für die schnelle Beantwortung, meine Chefin beantwortete die Frage damit, dass wenn Sie mir das Erlauben würde andere das auch Verlangen würden.                               

Zudem würde ich ja nur Fordern womit Sie auf meine Elternzeit angespielt hat die Sie mir auch nicht Erlauben wollte sich aber in dem Fall den Gesetzen beugen musste.

Der innerbetriebliche Ablauf war vor meiner Elternzeit nicht gefährdet da ich in einem anderen Werk zum Einsatz kam und ist es nu auch nicht da ich neu in dieses Werk versetzt wurde... Dort hab ich zwar schonmal gearbeitet aber in meiner jetzigen Abteilung noch nie.

Das letzte mal das ich im jetzigen Werk tätig war liegt auch schon gut eineinhalb bis zwei Jahre zurück.

Kommentar von Familiengerd ,

Nach dem, was Du jetzt ergänzend schreibst, hat Deine Chefin kein Recht, keine Handhabe nach der Gewerbeordnung, ihre Anweisung durchzusetzen.

Unter diesen Voraussetzungen - es gibt keine zwingenden betrieblichen Gründe, die Deinem vorübergehenden Einsatz nur im Frühdienst entgegen stehen - hast Du Anspruch, in den 3 Wochen nur zum Frühdienst eingesetzt zu werden. Deine Chefin darf ihre Anweisung nicht durchsetzen!

Ihr Argument, "dass wenn Sie mir das Erlauben würde andere das auch Verlangen würden", ist sachlich völlig irrelevant, gleichzeitig aber auch insofern richtig, als "andere" dieses Recht in der gegebenen Situation und unter vergleichbaren Voraussetzungen selbstverständlich auch hätten.

Es ist nur die Frage, wie Du Dein Recht durchsetzen kannst, wenn Deine Chefin sich sachlichen Argumenten nicht zugänglich zeigt.

In der Schnelle der Zeit ginge das nur über einen Antrag auf Erlass einer entsprechenden Anordnung gegen den Arbeitgeber durch das zuständige Arbeitsgericht. Dafür brauchst Du keine Anwalt (wenn Du - als Gewerkschaftsmitglied - von der Gewerkschaft einen bekämst oder über eine entsprechende Rechtsschutzversicherung: um so besser), wenn Du Dir das selbst zutraust; den Antrag kannst Du bei der Rechtsantragstelle des Arbeitsgerichts einreichen; sie nimmt ihn auch zur Niederschrift entgegen und hilft dabei kostenlos bei der Formulierung.

Antwort
von Allexandra0809, 44

Wie es rechtlich aussieht, kann ich Dir leider nicht sagen. Es ist jedoch nicht grad schön, dass sich Deine Chefin überhaupt nicht um die Privatangelegenheiten der Angestellten kümmert.

Kannst Du vielleicht einen Kollegen fragen, ob er mit Dir die Spätschichten tauschen würde? Du übernimmst seine Frühschichten und er Deine Spätschichten.

Ansonsten kannst Du vielleicht auch eine Nachbarin fragen, ob sie Dein Kind abholen kann und solange betreuen, bis Du daheim bist.

Kommentar von mosca101 ,

Ich hab nur eine Nachbarin die dafür in Frage käme und die ist 70 Fusskrank und ohne Führerschein also nicht möglich leider...

Kommentar von Allexandra0809 ,

Dann setz am besten eine Anzeige in die Zeitung, dass Du jemanden suchst. War bei uns auch schon mal der Fall und da haben sich sogar mehrere Leute gemeldet.

Du kannst auch mal mit den Erzieherinnen reden, ob sie eine Lösung sehen oder jemanden wissen, der vielleicht sogar in Deiner Nähe wohnt und Dein Kind mit zu sich nehmen kann.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten