Frage von DDuezenli, 39

Inwiefern strebt jedes Tun nach einem Gut. Kann man nicht auch nach etwas Schlechtem streben?

(Das Glück als Ziel des Menschlichen Lebens, Erstes Buch, Aristoteles)

Antwort
von GuteAntwort0, 16

Wenn man nach etwas schlechtem strebt, dann tut man dies immer aus einem Grund, die eigenen Gefühle zu befriedigen (Rache, Hass). Man strebt normalerweise das eigene Wohlsein an.

Antwort
von gottesanbeterin, 10

Natürlich kann man nach etwas Schlechtem streben. Man irrt halt und hält Schlechtes für Gutes; etwa, wenn man gierig oder geizig ist, hält man das Anhäufen von "Gütern" für vorteilhaft, doch letztendlich wird man davon unfrei, ma klebt ja förmlich an der Materie, ist von ihr abhängig, was für die Lebensqualität sehr schlecht ist.

Antwort
von MrRomanticGuy, 10

Viele Menschen streben nach Schlechtem, aber es macht sie nicht wirklich glücklich und weil sie nicht glücklich sind folgen sie dem schlechten Pfad weiter.

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Philosophie, 19

Jede Tätigkeit hat einen Grund, warum jemand sie ausübt. Der Begriff des Strebens enthält (implizit), auf ein Ziel ausgerichtet zu sein. Dieses Ziel ist das, was als ein Gut bezeichnet wird.

Ein Gut bedeutet bei Aristoteles etwas, um dessentwillen etwas getan wird. Das Gute und das Erstrebte sind insofern gleichgesetzt. Ein Gut ist etwas, das erstrebenswert ist, und damit formal gesehen ein Zweck und ein Ziel (ein Worumwillen bei jeder zielgerichteten Tätigkeit). Die Aussage ist bei Aristoteles auch definitorisch (Definition von „Gut“).

Nach etwas, das nicht erstrebt wird, kann man nicht streben. Beim Streben steht letztlich als Motiv etwas dahinter, das jemandem als erstrebenswert erscheint. Ein Unterschied ist darin möglich, ob die Beurteilung richtig oder falsch ist.

Möglich ist ein Streben sowohl nach etwas wahrhaft Gutem als auch nach etwas nur scheinbar Gutem.

Nach etwas schlichtweg Schlechtem kann man nicht streben, weil es kein Ziel ist. Von ihm geht keine motivierende Kraft aus. Erstrebt werden kann etwas, wenn es um Wohlgefühl und Wohlbefinden geht, um Vervollkommnung, um etwas, das angenehm, lustvoll, erfreulich oder unter irgendeinem Gesichtsspunkt nützlich ist.

Menschen können sich darin täuschen, was wahrhaft oder nur scheinbar gut ist.

Güter können unterschiedlich hochrangig sein.

Unter dem Guten versteht Aristoteles das, worumwillen das andere/übrige getan wird (οὗ χάριν τὰ λοιπὰ πράττεται Nikomachische Ethik 1, 5, 1097 a 18 – 19).

Aristoteles, Nikomachische Ethik 1, 1, 1094 a, 1 – 3:

πᾶσα τέχνη καὶ πᾶσα μέθοδος, ὁμοίως δὲ πρᾶξίς τε καὶ προαίρεσις, ἀγαθοῦ τινὸς ἐφίεσθαι δοκεῖ· διὸ καλῶς ἀπεφήναντο τἀγαθόν, οὗ πάντ' ἐφίεται.

Aristoteles, Nikomachische Ethik. Übersetzt und erläutert von Franz Dirlmeier. 10., gegenüber der 6., durchgesehenen, unveränderte Auflage. Berlin : Akademie-Verlag, 199 (Aristoteles, Werke in deutscher Übersetzung. Begründet von Ernst Grumach, herausgegeben von Hellmut Flashar ; Band 6), S. 5:  

„Jedes praktische Können und jede wissenschaftliche Untersuchung, ebenso alles Handeln und Wählen strebt nach einem Gut, wie allgemein angenommen wird. Daher die richtige Bestimmung von „Gut“ als „das Ziel, zu dem alles strebt“.“

Aristoteles, Nikomachische Ethik. Übersetzt und herausgegegeben von Ursula Wolf. Originalausgabe. Reinbek bei Hamburg : Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, 2006 (Rororo ; 55651 : Rowohlts Enzyklopädie), S. 43:  

„Jedes Herstellungswissen (technē) und jedes wissenschaftliche Vorgehen (methodos), ebenso jedes Handeln (praxis) und Vorhaben (prohairesis) strebt, so die verbreitete Meinung, nach einem Gut (agathon ti). Deshalb hat man «Gut» zu Recht erklärt als «das, wonach alles strebt».“

Antwort
von Ahzmandius, 12

Gut und schlecht ist subjektiv.

Es geht dabei um das Tun für etwas gutes für einen selbst bzw. etwas, was man als gut erachtet.

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