Frage von NotWorryBeHappy, 153

Inwiefern stellt der Islamismus eine antidemokratische Strömung dar?

Hey Leute :)

Ich muss für Geschichte heraussuchen, inwiefern der Islamismus eine antidemokratische Strömung darstellt. Es wär cool wenn ihr mir helft und auch explizite Beispiele/Haltungen gegen oder evtl auch für die Demokratie im Islamismus nennt.

Im Voraus schon einmal vielen Dank!!

Antwort
von PolluxHH, 69

Hallo,

zunächst einmal wäre es zwingend, den Begriff des Islamismus zu definieren, denn es ist eher ein Schlagwort als ein stehender (also fest umrissener) Begriff. Islamismus ist nach wie vor ein durch die Medien geprägter und
pauschalisierend verwendeter Begriff, dem eher eine rhetorische (und damit demagogische) als eine inhaltliche Funktion zuzurechnen ist und schon die Verwendung ist geeignet, latent antiislamische Strömungen zu fördern.

Da gäbe es noch ein weiteres Definitionsproblem: was ist Demokratie? Es gibt genügend Politologen und Historiker, die bezweifeln, ob überhaupt die Demokratie europäischer Prägung als Demokratie bezeichnet werden dürfte.

Wenn man aber schon die beiden Kernbegriffe des Referats nicht als allgemein gleich definiert voraussetzen kann, müßte man eine Fallunterscheidung über alle möglichen Definitionspaarungen treffen, um Deine Frage zu beantworten, faktisch nicht zu leisten. Auf dieser Ebene könnte man nur im Rahmen von Vorurteilen zu einem Ergebnis kommen.

Nehmen wir einmal den Iran. Man könnte ihn als die einzige echte Demokratie (neben Israel) im Nahen Osten bezeichnen, aber ist der Iran ein islamistisch geprägter Staat? (Und wenn jetzt jemand protestieren wollte: Demokratie ist kein Garant für ein ethisches System, dies ließe sich nur schlußfolgern, wenn man die Mehrheit der Bürger als zwingend ethisch integer, hinreichend informiert und nicht in ihrer Meinung beeinflußbar begriffe). Wenn ja, wäre die Frage beantwortet: Islamismus müßte nicht antidemokratisch sein, denn der Islam selber ist auch nicht antidemokratisch, allerdings änderte sich das Ergebnis, wenn man nicht sachlich, sondern kulturell voreingenommen die Frage beantworten und das europäische Demokratieverständnis als absoluten Maßstab setzen wollte.

Damit aber verschiebt sich die Frage auf nicht religiös fundierte Elemente des "Islamismus", stellt es also auf einen anderen Sockel und setzt das Hauptgewicht auf islamunabhängige Fragen in fundamentalistischen Strömungen allgemein, denn denen wohnt immer eine Tendenz zu totalitären Strukturen sowie zur Mißachtung der Rechte andersdenkender Menschen inne. Fundamentalismus allgemein verträgt sich nicht mit Toleranz, denn geübte Toleranz erforderte immer zuerst, gerade die fundamentale Ausrichtung zu relativieren.


Meines Erachtens sollte man den Begriff "Islamismus" möglichst meiden, denn genau betrachtet ist es weit mehr eine Beleidigung des Islam, dies durch diese Benennung engzuführen, als "Zwangskonvertierungen" als christlich zu bezeichnen, denn letztere wurden, wie auch die Tötung bei Weigerung, u.a. von der römisch-katholischen Kirche genehmigt und getragen, die deutliche Mehrheit der islamischen Gelehrten aber lehnt den islamischen Fundamentalismus als nicht in Übereinstimmung mit dem Islam stehend ab.

Es bietet sich also m.E. eine deduktive Argumentation.



Antwort
von wfwbinder, 65

Die Islamistischen Organisationen wünschen sich den ursprünglichen Islam zurück. Deshalb wurde ja von den Islamisten auch schon das Kalifat ausgerufen.

Es würde mit Sicherheit ein absolutistischer Staat entstehen. Siehe die Emirate am persischen Golf und Saudi Arabien. Da gibt es bis heute keine Demokratie.

Antwort
von Zicke52, 51

Demokratie: Alle Macht geht vom Volk aus.

Islam (oder x-beliebige Theokratie): Alle Macht geht von Gott aus.

Also ist beides nicht vereinbar.

Kommentar von wolfgang11 ,

Von welchem Gott?? Dem des Islam? Dem der Christen? oder dem der Juden? 

Kommentar von Zicke52 ,

In Theokratien, vom Gott der jeweiligen Religion. Im Bezug auf die Frage des FS konkret vom Gott des Islam.

Kommentar von wolfgang11 ,

Dann gibt es also mehrere Götter?? Ich dachte immer, nach der christlichen, der jüdischen und der islamischen Lehre gibt es nur EINEN Gott!

Kommentar von Zicke52 ,

Ja, für jede dieser Lehren gibt's nur einen Gott. Den ihren.

Kommentar von PolluxHH ,

Alle diese Religionen sind "abrahamitische" Religionen, führen sich also auf Abraham und dessen Gott zurück. Zur Lösung des Problems der christlichen Religion hinsichtlich der "Dreifaltigkeit" sei auf entsprechende Literatur verwiesen, aber - auch das Christentum hat nur einen Gott, und zwar denselben wie das Judentum. Gleiches gilt für den Islam, der sogar Abraham etc. und Jesus als Propheten anerkennt. Also nicht "jeder seinen Gott", sondern allen den gleichen Gott. Sonst machte auch die Ringparabel in "Nathan der Weise" wenig Sinn.

Könnte es sein, daß hier übersehen wurde, daß wolfgang11 seine Frage eher rhetorisch gemeint haben dürfte?

Kommentar von Zicke52 ,

@PolluxHH: Es ging um die Frage, ob der Islamismus antidemokratisch ist.

Meine Antwort: ja, aber das sind alle Religionen, sofern sie weltliche Macht ausüben (Theokratien). Und Theokratien müssen sich auf EINE Religion festlegen. Der Vatikan repräsentiert nicht neben dem Christentum auch noch das Judentum und den Islam. Saudi Arabien repräsentiert ausschliesslich den Islam, nicht das Christentum oder Judentum.

Alle diese Religionen widersprechen sich grundsätzlich, auch wenn sie alle abrahamitischen Ursprungs sind. Nur weil Jesus als bedeutungsloser Prophet in den Islam eingebaut wurde, heisst das nicht, dass der christliche und der islamische Gott vereinbar wären. Es gibt inhaltlichen keine grösseren Unterschiede als zwischen Islam und Christentum. Nur für Aussenstehende, also Agnostiker oder Atheisten, handelt es sich um den gleichen Gott. Aber von "innen", also seitens der Gläubigen gibt es immer nur einen Gott, und das ist der eigene. Die anderen Götter erkennen sie nicht an. Und auf diesen einzigen, eigenen, gründen sich Theokratien.

Kommentar von PolluxHH ,

Deine Begrifflichkeit von einer Theokratie ist recht beschränkt, wie mir scheint, denn das spiegelt eigentlich nur die Realität in christlichen und islamischen Ländern wider. Das Judentum kannte schon immer die noachidischen Gebote und den Status des Gerechten (und auch hier: Bindung an Gesetze, nicht an einen Glauben). Selbst der Islam, wenn man ihn sauber beachtet, wäre bereit, schriftgebundene Religionen - gegen Steuern - zu akzeptieren, wobei noch zu fragen wäre, wie dies demokratisch umzusetzen wäre. Die Scharia ist auch und in erster Linie als tradierte Sammlung von Rechtsnormen zu begreifen, aber Rechtsnormen kennen auch westliche Demokratien.

Doch halt, plötzlich komme ich an einen Punkt, an dem sich alles auf die Realitäten christlicher Theosophien zu fokussieren scheint - und die Realität in manchen islamischen Staaten von heute. Hier sollte aber nicht vergessen werden, daß über Jahrhunderte der Islam weit humaner auch gegenüber Andersgläubigen war, als umgekehrt das Christentum. Hier könnte man sarkastisch sagen, daß der Islam wohl vom "realen" Christentum derweil gelernt habe (keine Religion in der Weltgeschichte ging bis heute brutaler und menschenverachtender als die christliche mit Mitmenschen um), allerdings genau das Falsche.

Antwort
von hooperL, 55

Im Islam gibt es keine Demokratie. Es gibt nur die Sharia (Gottesgesetz). Und Gottesgesetze sind für Muslime wichtiger als menschengemachte Gesetze.
Wer die Sharia ablehnt, soll kein Muslim sein...

Antwort
von suziesext07, 41

zunächst einfach das Faktum: es gibt nicht ein einziges Land, in dem der Islam die herrschende Ideologie darstellt und gleichzeitig eine demokratische Gesellschaftsordnung herrschen würde.

Gibt es nicht und hat es nie gegeben.

Im Koran werden die elementarsten Menschenrechte missachtet: Unterwerfung der Frau unter den Mann, Unterwerfung des Ungläubigen unter die Gläubigen, Billigung der Versklavung, Slavenhaltung und Sklavenhandels. Das Rechtssystem wird nicht vom Volk demokratisch gebildet, sondern die Menschheit hat sich zu unterwerfen unter die als von Allah befohlenen Gesetze und Regeln.

Diese Regeln (Scharia) haben sich natürlich ganze Generationen von religiösen, nicht gewählten Autoritäten zurechtphantasiert und die Gläubigen haben sich ihnen zu unterwerfen, andernfalls drohen ihnen bestialische Strafen schon auf Erden und später in der Nachtodes-Hölle.

Im Islam ist nicht ansatzweise Spielraum für Demokratie, geschweige denn für Menschenrechte unabhängig des Glaubens oder der Rasse.

Lesetipp:

Hamed Abdel Samed "Der islamische Faschismus"

als PDF

http://libgen.io/ads.php?md5=F5492E042F8DEABFE4314F1E9B0AF571

Antwort
von Giustolisi, 55

Muslime haben es mir so erklärt:

Die Scharia ist das Gesetz Allahs und das steht über menschengemachten Gesetzen. Gibt es zum gleichen Sachverhalt unterschiedliche Regelungen, hat ein Muslim also im Zweifelsfall gegen die Gesetze des Staates zu verstoßen, um die seiner Religion zu befolgen. 

Einige strenggläubige Muslime fordern daher, dass die Scharia das Gesetz ersetzen soll
Einige wenige sprenggläubige Muslime zünden deswegen auch Bomben.

Antwort
von Jogi57L, 37

In einer Demokratie ist "Das Volk" die bestimmende Gewalt....

Das, was "Das Volk" wählt.... ( bzw. die gewählten Vertreter").. geben die Gesetze und die Rechtssprechung vor.

"Über dem "Volkswillen" steht nichts.. rein gar nichts..., auch kein "Gott"....

Im Islam stellt "Allah" und seine Regeln ALLES dar...da gibt es keinen "Volkswillen".. es zählt alleinig der Wille Allahs und seine Regeln....

Wenn das zusammen passen sollte... gut !

Wenn nicht... dann wären "Islam" und "Demokratie" keinesfalls unter "einen Hut" zu bringen....

aus diesem Blickwinkel...

Dass im Islam "Allah über allem steht"... und in einer Demokratie "Das Volk über allem steht"...

....kann sich ausführen lassen, WESHALB Islam(ismus) antidemokratisch sein könnte/ist....

Antwort
von TT1006, 15

Um es ganz einfach und sicher nicht zu 100% wissenschaftlich korrekt zu machen:

Ein Kalifat ist keine Demokratie und somit ist das Streben nach einem Kalifat antidemokratisch.

Wenn du's genauer haben willst, kannst du deine Hausaufgaben auch einfach selbst machen.

Antwort
von 3plus2, 45

Bei einer Demokratie wählt das Volk, beim Islam bestimmt die Imame und verbreitet Ansichten aus dem 6. Jahrhundert.

Antwort
von Ozgurluk, 33

İn den ganzen Scharia Ländern wird nicht die echte Scharia angewendet. Ich hoffe irgendwo wird sie mal richtig angewendet inshallah

Kommentar von Zicke52 ,

Ich hoffe, dass Leute wie du niemals auch nur in die Nähe der Macht kommen.

Kommentar von Superking90 ,

Am besten sogennante Demokratie leben was ? Und auf Grossisrael warten......

Kommentar von Zicke52 ,

Ja, ich lebe lieber Demokratie (das "sogenannte" schenke ich dir).

Was du mit Grossisrael meinst, weiss ich nicht.

Kommentar von PolluxHH ,

So bringt es nichts. Richtig ist, daß aktuell die Scharia in eigentlich allen Länden, in denen sie angewendet wird, in einer Weise Auslegung findet, die als nicht in Übereinstimmung mit dem Koran angesehen werden könnte, insbesondere auch Auslegungen des Dschihads. Ebenfalls richtig ist, daß es "die" Scharia, da nicht in Schriftform überliefert, sondern nur tradiert, nicht wirklich gibt, zumal auch stets in Bewegung befindlich über die Rechtsprechung nach der Scharia. Zudem richtig ist, daß nur das Wort des Propheten und die sunnat an-nabī letztlich religiös Gültigkeit haben, jede spätere Auslegung hat, im Gegensatz zur christlichen Religion, nur Zeitwert. Es können keine Dogmen neu gebildet werden. Hier wäre also erst einmal die Frage zu stellen gewesen, wie nun Ozgurluk seine Einlassung gemeint habe, denn das ist so äußerst mehrdeutig und könnte in Richtung der alten und toleranten Traditionen des Islam weisen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community