Inwiefern spielte der Nationalismus Chinas eine Rolle und inwieweit war der Boxeraufstand von der chinesischen Seite aus gerechtfertigt?

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2 Antworten

"Nationalismus" ist ein negativ belegter Begriff. Wenn Du in China bis zum "Boxeraufstand" zu diesem Begriff etwas suchst, dann ist das faktisch reiner, auf den Schutz nationaler Integrität bezogener "Nationalismus". Danach, auch im Kontext der Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg und der Abspaltung Taiwans unter der Guomindang, hat der Begriff "Nationalismus" in China eine andere Konnotation. Ebenso, wenn man die wirtschaftlichen Erfolge der VR China in jüngster Zeit betrachtet. 

China hatte sich bis in die zweite Hälfte des 19. Jhdt. von der Außenwelt weitestgehend abgeschottet. "Weitestgehend" deswegen, weil sie natürlich Verbindungen zur Außenwelt hatten (Marco Polo u.a., Seidenstraße usw.) und im Mittelalter eine hochentwickelte Flotte besaß, die weit in der Welt herumgekommen ist (Stichwort "Zheng He"). Aber einen regelmäßigen Austausch im Sinne von diplomatischen Beziehungen, Reisetätigkeit, ausgedehnten Wirtschaft- oder/und Finanzbeziehungen usw., gab es faktisch nicht. Außerhalb Chinas gab es für die chinesischen Würdenträger nur "Barbaren". Eine Einstellung, die durch massenhafte Errungenschaften in Wissenschaft und Technik in China befördert wurde und von denen die damalige Umwelt noch träumte (Kompass, Papier, Schießpulver, hoch entwickelte Schifffahrt, uvam.)

Erst mit den beiden sog. Opiumkriegen Mitte des 19. Jhdt. gelang es den westlichen, kapitalistisch aufstrebenden Mächten, mit Gewalt in China Fuß zu fassen. Damit einher gehend kam es (wie immer, wenn der Westen seine wirtschaftlichen, politischen und religiösen Lebensmaximen anderen Völkern "zum Geschenk" darbrachte!) zu massiver Zerstörung chinesischer Kulturgüter und Lebensgewohnheiten. U.a. hießen die o. g. Kriege "Opiumkriege", weil Opium natürlich, erstens, eine profitable Einnahmequelle war (und ist), und, zweitens, das Volk schön gefügig machte. Da sich die Chinesen lange Zeit gegen die Einfuhr des Opiums wehrten, wurden sie eben mit Gewalt von dessen "Nutzen" überzeugt. Das entwickelte selbstredend eine gewaltige nationalistische Strömung im Volk gegen die Westmächte. Eine der führenden Kräfte dabei war die sog. "Yi-he quan - Bewegung" ("Faust für Gerechtigkeit und Harmonie"), die 1899/1900 blutig niedergeschlagen wurde. Es gab also eine gewisse moralische und nationale Rechtfertigung für den "Boxeraufstand". Genutzt hat es, wie wir aus der Geschichte wissen, nichts (ähnlich wie bei den Maschinenstürmern Anfang des 19. Jhdt.)

Siehe u. a. 

http://www.deutsche-schutzgebiete.de/boxeraufstand_zusammenfassung.htm

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Ich weiß nicht, würde ich auch gerne wissen. Danke dass du Fragst

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