Frage von Liiisa95, 82

Inwiefern ist eine Anzeige wegen Beleidigung effektiv?

Guten Morgen ihr lieben,

mich interessiert wie effektiv eine Anzeige wegen Beleidigung ist. Kurze Story dazu:
Heute Nacht auf Arbeit sind 2 Männer (geschätzt auf 22/23), von nacht's um 2 bis um 5 immer wieder aufgetaucht. Als ich nachher die Tür öffnete waren gewisse Dinge komisch. Daher habe ich meine Kollegin darum gebeten, mal nachzusehen ob die immer noch irgendwo sind. Im Endeffekt mussten wir die Polizei rufen, weil sie auf unserem Gelände & dem Nachbargelände von einer Baufirma randalierten. Kurz nach dem Eintreffen der Polizei, kamen die Polizisten auch mit den beiden Herren. Die beiden grinsten vor sich hin & nachdem wir bestätigt haben, dass es die richtigen sind, wollten wir wieder rein gehen. Nebenbei sagten wir (Polizisten, Kollegin & ich), dass wir nicht verstehen können, wie man sowas lustig finden kann. Danach ging ich rein & in meiner Abwesenheit (jedoch vor den beiden Polizisten) fing er an mich u.A. als "Ntte" zu bezeichnen. Dieses sagten mir die Polizisten jedoch unter 6 Augen & rieten mir zu einer Anzeige wegen Beleidigung.
Ist eine Anzeige wegen Beleidigung (Rufmord, übler Nachrede, Verleugnung?) überhaupt effektiv? Was erwartet dann den "Täter" & was habe ich persönlich von solch einer Anzeige? Ich habe schon viel im Internet gesucht, jedoch nicht's brauchbares gefunden.

Vielen Dank für eure Antworten & ein schönes Wochenende!

LG

Expertenantwort
von TheGrow, Community-Experte für Polizei, 36

Hallo Liiisa95,

im Falle einer Verurteilung wegen Beleidigung müssten die Täter damit rechnen zu einer Geldstrafe verurteilt werden.

Eine Geldstrafe wird anders als bei Bußgeldern nicht in Euro, sondern in Tagessätzen (kurz TS) verhängt. Ein TS beträgt 1/30 des monatlichen Einkommens. Liegt das Einkommen beispielsweise durch Ausbildung / Hartz4 bei 400 Euro würde der TS bei (400 : 30) 13,33 Euro betragen.

Werden sie also zu 15 TS a´ 13,33 Euro verurteil, müssten sie insgesamt knapp 200 Euro in die Staatskasse zahlen.

Allerdings erhebt die Staatsanwaltschaft nur dann öffentliche Klage, wenn auch öffentliches Interesse an der Strafverfolgung besteht.

In vielen Fällen wird das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung verneint, so dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren gem. § 376 StPO einstellt und auf dem Privatklageweg verweist.

Schöne Grüße
TheGrow

Kommentar von Liiisa95 ,

Okay danke schonmal!
Da ich sehe, dass du dich anscheinend dort etwas auskennst, könntest du mir noch kurz erklären was eine öffentliche Klage ist & was man unter öffentlichen Interesse versteht? Sorry für die Fragerei. Jedoch hatte ich noch nie mit sowas zu tun & kenne mich dort nicht großartig aus.

Kommentar von TheGrow ,

Öffentliche Klage bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft durch Vorlegung der Anklageschrift den Antrag auf den Erlass eine Strafbefehls oder einer Verhandlung stellt. In dem Fall entstehen den Steller des Strafantrages keine Kosten

Dann gibt es den Privatklageweg, der einzuschreiten ist, wenn die Staatsanwaltschaft keine öffentliche Klage erhebt. In dem Fall trägt der Antragsteller der Privatklage auch das Kostenrisiko.

Die Zulässigkeit der Privatklage und welche Delikte als Privatklagedelikte gelten ist im § 376 StPO festgelegt:

Siehe: https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__374.html

Antwort
von PoisonArrow, 47

Da die Männer ja sowieso schon ein Strafverfahren erwartet wegen (ich rate mal:) nächtlicher Ruhestörung, Hausfriedensbruch, evtl. sogar Einbruch, möglichwerweise groben Unfugs, (...), kommt mit der Beleidigung halt noch eins oben drauf.

Du selbst bekommst natürlich kein Geld, aber der- oder diejenige(n) müssen den dafür fälligen Betrag zahlen.

Dieser kann variieren zwischen ein paar hundert und über tausend Euro.

Auch, wenn Du in diesem Fall leer ausgehst, würde ich es trotzdem anzeigen. Solche Typen gehören bestraft.

Grüße, ----->

Kommentar von Liiisa95 ,

Danke für deine Antwort!

Kommentar von BellAnna89 ,

Sehe ich genauso

Antwort
von Schnoofy, 37

Wenn Du Dich nach einer Anzeige besser fühlst tu es.

Wenn es allerdings Dein Ziel ist, Schmerzensgeld zu erhalten solltest Du Dir keine große Hoffnungen machen. Selbst wenn Du einen Zivilprozess gewinnen solltest, bei solchen Leuten ist selten etwas zu holen.

Kommentar von Liiisa95 ,

Vielen lieben Dank für deine Antwort!

Antwort
von Famas1907, 31

Das ist rechtlich gesehen ein Angriff auf deine Ehre und es gehört somit zu den wichtigsten Bestandteilen deiner Person (Leib, Leben, Ehre und Gut).

Eine Anzeige kann zu einer Geldstrafe führen und somit wird dem "netten Herrn" mal klar dass er nicht mit allem durchkommt und vielleicht mal überlegen sollte bevor er den Mund aufmacht.

Da die Polizei selbst Zeuge ist, ist das eine handfeste Sache.

Ich als Security muss sowas öfter mal machen - sonst lernen die das nie.

Lg

Kommentar von Liiisa95 ,

Okay vielen Dank.
Viele sagen ja man selbst hat davon nicht's.

Antwort
von Deepdiver, 38

http://facto24.de/2010/05/20/schimpfworterliste-beleidigungen-konnen-teuer-sein-...

Da siehst du, was die dann für eine Geldbuße bekommen können.

Kommentar von Liiisa95 ,

Ja ok danke. Das hat mir schonmal geholfen.
Du weißt aber nicht zufällig wie effektiv solch eine Anzeige ist & was man dann persönlich davon hat?

Kommentar von Deepdiver ,

Du persönlich hast nur deine Genugtuung. Effektiv ist nur, das er eine Geldbuße bekommen kann und sich evtl das nächste mal überlegt, was er sagt.

Kommentar von Kuestenflieger ,

das dauert jahre , bis zur beurteilung ; weil zuviel derartiges anliegt - bei fehlenden 2000 richtern.

Antwort
von KsCaptainHook, 44

Ist die gleiche Strafe wie die angebliche Beamtenbeleidigung die es aber in dem sinne nicht gibt nur unter dem Begriff findest du teilweise auch Geld Forderungen 7nd kannst das auf dich beziehen, denn es gibt nur den Punkt Beleidigung, ich denke mal da springt nen hunni für dich raus ;-)

Kommentar von PoisonArrow ,

da springt nen hunni für dich raus

Das ist Unsinn, das Geld wandert in die Staatskasse.

Kommentar von KsCaptainHook ,

Das stimmt nicht ganz ;-) ich hatte das gleiche Vergnügen als beschuldigter wegen Beleidigung haha 😂 also kann ich zu 10000% deine Antwort wiederlegen

Antwort
von Still, 8

Hausfriedensbruch, üble Nachrede, Verleumdung etc. Sind klassische Privatklagedelikte und werden so gut wie nie von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Frage dich mal selbst, ob du dir die Mühe einer Privatklage machen willst.

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