Frage von bottle44, 32

Inwiefern ist ein duales Studium Wirtschaftsinformatik o.Ä. redundant zu einer Fachinformatikerausbildung?

Guten Abend,

da kommendes Jahr der Abschluss meiner Ausbildung zum Fachinformatiker - Systemintegration ansteht wollte ich mich über meine Möglichkeiten zur Fortsetzung informieren.

Da ich die Option erwäge, ein Studium anzuhängen um meine Gehaltsmöglichkeiten nach oben zu erweitern, habe ich mich nach Plätzen für duale Studiengänge umgesehen. Dort sah ich, dass das duale Studium der Wirtschaftsinformatik wohl einen Abschluss zum Fachinformatiker beinhaltet. Inwiefern würde ich dort Stoff doppelt angehen? Sollte man lieber direkt in einen normalen Bachelorstudiengang in einer Informatikrichtung angehen?

Oder sollte man vorher in eine normale Anstellung wechseln, um Berufserfahrung aus mehreren Betrieben zu sammeln? Letzteres gibt die Option des schnellen Geldes aber wenn ein Studium sowieso ansteht könnte man es ja auch sofort angehen und schneller bei größerem Gehalt landen.

Gruß

Antwort
von NoHumanBeing, 18

Ich bin gelernter Fachinformatiker Fachrichtung Anwendungsentwicklung und habe danach ein "normales" Informatikstudium aufgenommen, zunächst Bachelor, dann Master.

Langfristig gesehen ist es gut, möglichst früh zu studieren, weil Du nach Deinem Studium sehr viel mehr verdienen wirst, als als Facharbeiter. Gerade im Bereich Informatik kenne ich die Zahlen sehr gut. Der Bachelorabschluss verdoppelt Dein (Brutto-)Gehalt in etwa, der Masterabschluss sorgt gegenüber dem Master für ein weiteres Plus von etwa 20 %. Der wesentliche Vorteil im Masterabschluss liegt aber darin, dass Du an wesentlich interessante Tätigkeiten kommen wirst. Insbesondere wenn es um "kritische Bereiche", wie Sicherheit, etc. geht, kommst Du dort ohne Masterabschluss in der Regel nicht hinein.

Ich persönlich würde ein Informatikstudium einem Studium der Wirtschaftsinformatik vorziehen, da das Wirtschaftsinformatikstudium durch seine höhere Breite naturgemäß nicht so tief gehen kann. Gerade von einer studierten Kraft erwartet man aber höchste Spezialisierung und Fachwissen. Es kommt aber auch sehr stark auf Deine Interessen an. Du solltest nicht Informatik studieren, weil Du dort die besseren Jobaussichten erwartest. In einem Studiengang, der Deinen persönlichen Neigungen besser entspricht wirst Du eine bessere Leistung nachweisen können und mit einem besseren Abschluss hast Du bessere Chancen im Beruf. Gerade in Deutschland kommt es sehr stark auf formale Qualifikation an, wenn es darum geht, Stellen zu besetzen oder Gehälter festzulegen.

Das alles ist natürlich keineswegs unberechtigt. Ein Studium (gut) abzuschließen ist schon eine beachtliche Leistung. Das wirst Du spätestens dann zu schätzen wissen, wenn Du es selbst getan hast. Diese Leistung sollte natürlich auch entsprechend "gewürdigt" werden in Form der Bezahlung und sonstiger Bedingungen im Job, sonst würde sich diese Mühe vermutlich kaum noch jemand machen. Es ist ein Geben und Nehmen, Leistung und Gegenleistung. Im Studium gehst Du eben als Student in Vorleistung, leistest jahrelang viel, setzt Dich intensiv mit den anspruchsvollsten Themen auseinander, hast Ausgaben durch das Studium und die Lebenshaltung, aber keine (oder kaum) Einnahmen. Den Gegenwert für Deine Aufwendungen bekommst Du allerdings erst nach dem Abschluss und das auch nicht "auf einmal", sondern "monatlich" und auch nur gegen weiteren Aufwand. Es ist also alles andere, als "der schnelle Profit", aber langfristig gesehen lohnt es sich.

Vom dualen Studium rate ich ab, es sei denn, Du bist richtig hart im nehmen. Ein Studium "schlaucht" wirklich und bringt Dich an die Grenzen Deiner Belastbarkeit. Die meisten brauchen die vorlesungsfreie Zeit, um Dich von dieser intensiven Belastung zu erholen. Außerdem hast Du in der vorlesungsfreien Zeit ja auch nicht wirklich "Urlaub". Es finden nur keine Vorlesungen statt, aber es können Hausarbeiten anzufertigen sein, Blockseminare stattfinden, etc. Bei einem dualen Studium wirst Du in der Regel in der vorlesungsfreien Zeit arbeiten müssen. Dann hast Du also quasi überhaupt keine Freizeit mehr. Du magst jetzt denken, dass das schon ok ist, aber ein Studium ist, sofern man es ernsthaft angeht, wirklich stressig und ich würde sagen, Du wirst die Zeit zwischen den Semestern zur Erholung brauchen.

Kommentar von NoHumanBeing ,

[..] der Masterabschluss sorgt gegenüber dem Master für ein weiteres Plus von etwa 20 %.

Das sollte natürlich heißen: "[..] der Masterabschluss sorgt gegenüber dem Bachelor für ein weiteres Plus von etwa 20 %."

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