Frage von Happiness88, 26

İnwiefern ist das filmische Bild im Gegensatz zum distanziert- optischen Zugang auf einen immersiv- somatischen Zugang angewiesen Was bedeutet dieser Begriff?

Antwort
von berkersheim, 6

Überhaupt nicht! Im Laufe der Filmgeschichte gibt es viele Experimente, z.B. die Filmchen von Oskar Schlemmer, bei denen kein „immersiv-somatischer“ Zugang gesucht wird. Ehrlich gesagt stören mich auch diese gewollt aufgeblasenen Fremdwort-Konstrukte, die meist nur verbergen sollen, dass nicht viel dahinter ist. Für „immersiv“ werden acht verschiedene deutsche Synonyme angeboten: absolut, allgemein gültig, allumfassend, generell, global, umfassend, unbestimmt, universell. Keiner davon entspricht aber dem, was Robin Curtis in seinem Beitrag „Immersion und Einfühlung“ auffächert und auch er zeigt zu Beginn, dass im Englischen das Wort „Immersion“ sehr verschiedene Bedeutungen hat. Grob bedeutet bei ihm „Immersion“ ein vollständiges Eintauchen, was für die Wassertaufe verwendet wird oder: „Doch muss schon hier darauf hingewiesen werden, dass etwa der englische Satz „I was completely immersed“ sich bis heute vordringlich auf die Rezeptionserfahrung mit Büchern bezieht. Konkret heißt das, mit einer so überwältigenden Lektüre beschäftigt zu sein, dass man sich und seine Umgebung ‹vergisst› und sich in die durch die Imagination entstandene Welt hineinversetzt fühlt.“ Diese Erfahrung kenne ich vor allem sehr intensiv von Demofilmen dreidimensional über den ganzen Raum (man sitzt sozusagen mittendrin) und wenn man sozusagen in einer Achterbahn mitfährt und die nach unten kippt, dann zieht sich bei einem selbst der Magen zusammen, als ob man real in der Achterbahnkanzel sitzend nach unten stürzen würde.

Dieses, den Zuschauer in die Filmhandlung hineinziehen, ist aber keine Wirkung des Bildes allein. Da muss die Story stimmen, der Schnitt, das Tempo und vor allem auch der Ton. Bei Werbefilmen wird ja immer wieder versucht, einen kurz in eine „andere Welt“ zu entführen. Wenn man dann bei gelungenen Filmen den Ton wegschaltet, ist das Leben raus aus dem Film. Selbst für Hobbyfilmer wie mich ist es eine Grundanwendung, einen geschlossenen, die Filmsequenz tragenden Ton zu haben, über dem man z.B. von Weitwinkel auf Mittelausschnitt und dann auf Nahaufnahme, auf emotionale Reaktionen Beteiligter und wieder auf Weitwinkel usw. so springen kann, dass der Zuschauer das Gefühl hat, diese Bildfolge selbst zu sehen, während der Ton die Kontinuität herstellt. Das ist der Anspruch eines Spielfilms, der den Zuschauer mitnehmen will. Das muss aber nicht immer sein und für alle „laufenden Bilder“ gelten. Die „Kunstfilme“ von Oskar Schlemmer suchen meiner Meinung nach das Gegenteil, die wollen auf Distanz halten (siehe bei Youtube Das Triadische Ballett). Das ist z.B. auch der Unterschied zwischen den „alten“ Dokumentar-Tierfilmen und den modernen wie „Die Nomaden der Lüfte“.


Ein immersiv-somatischer Zugang wird vor allem seit Neuestem herzustellen versucht über die Videobrille und Programme, mit denen sich die Nutzer mit ihren gefühlten Handlungen in eine virtuelle Welt versetzen können. Da wird das Ich-Erleben direkt mit einer virtuellen Welt verknüpft. Ich bin mal gespannt, wann es neue Angebote der Suchtberatung gibt, weil die Leute aus ihrer Flucht in virtuelle Traumwelten nicht mehr loskommen.

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