Frage von emmi97, 25

Inwiefern ist CRISPR/Cas9 eine ökologisch sinnvolle Methode zur Ausrottung von Malaria und wie würde das Ganze das Ökosystem beeinflussen?

Expertenantwort
von Agronom, Community-Experte für Biologie, 10

Ökologisch sinnvoll ist diese Art der Bekämpfung, da sie spezifisch nur auf diese Art angewendet wird und keine direkten Nebenwirkungen auf andere Tiere hat, wie es z.B. bei Insektiziden wäre.

Antwort
von raimas, 11

Ich nehme an, du meinst nicht CRISPR/Cas9, sondern einen Gene Drive. CRISPR/Cas9 ist nur die Methode, mit der ein Gene Drive in Tiere eingebaut wird.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gene_Drive

Man muss sich klarmachen, dass ein Gene Drive zu einer vollständigen Ausrottung einer bestimmten Tierart führen könnte, wenn er z.B. so designt wird, dass nur noch Männchen der betreffenden Art geboren werden. Dabei soll sich der Einsatz ja nicht gegen die Malariaerreger selbst, sondern gegen ihre Überträger, die Malariamücken, richten.

Bei Mückenpopulationen, die vom Menschen auf fremde Kontinente verschleppt werden, könnte man das uneingeschränkt befürworten, da man so nur menschliche Fehler rückgängig macht. Aber gerade die Tatsache, dass diese Mückenarten vom Menschen weltweit über die Tropen verschleppt wurden, sollte zu denken geben. Wenn Mücken mit dem Drive der Sprung von einem Kontinent auf den anderen gelingen sollte, könnte das zu einem weltweiten Aussterben der betreffenden Mückenart führen.

Ausserdem sind die Artgrenzen längst nicht so starr, wie man das vielleicht in der Schule lernt. Kreuzungen zwischen Arten sind in der Natur häufiger als man denkt. Ich habe keine speziellen Infos zu Stechmücken, aber ich würde damit rechnen, dass es auch bei ihnen vorkommt. In dem Fall könnte der Drive auch auf andere Arten überspringen, die eigentlich gar nicht die Zielart darstellen.

Auch wenn Stechmücken uns Menschen ausserordentlich lästig werden können, so haben sie doch eine Menge ökologische Funktionen. Für zahlreiche andere Tierarten stellen Mücken, sowohl als Larven im Wasser wie auch als Adulte, eine enorm wichtige Nahrungsquelle dar, die zur passenden Jahreszeit in fast unerschöpflicher Menge vorhanden ist. Gerade weil Mücken so häufig sind, könnte ihr völliges Aussterben gänzlich unerwartete Konsequenzen haben. 

Grundsätzlich finde ich die Idee mit dem Gene Drive vielversprechend. Aber ein tatsächlicher Einsatz würde ganz ausserordentlich gründliche Vorüberlegungen erfordern, da die Auswirkungen hinterher nicht mehr eingegrenzt werden können. Da CRISPR/Cas9 offenbar recht einfach und billig in der Anwendung ist, befürchte ich, irgendein Forscherteam könnte eigenmächtig eine Entscheidung für einen Gene Drive treffen, ohne sich vorher ausreichend mit Kollegen besprochen zu haben.

(Alles Gesagte gilt auch für andere mögliche Anwendungen eines Gene Drive). 

Antwort
von Daoga, 15

Eingriffe per Gentechnik sind grundsätzlich risikoreich, denn sobald ein veränderter Organismus erst mal in Freiheit ist, ist es schwierig bis unmöglich, ihn wieder auszurotten. Auf welche Lebewesen soll die Methode angewandt werden, auf Menschen oder Moskitos?

Kommentar von emmi97 ,

Ja, das weiß ich auch, da die Modifizierung replikativ ist. Sie soll auf Anopheles-Stechmücken angewandt werden. Aber welche Feinde hat diese Mücke z.B. neben Springspinnen und inwiefern ist sie für ihr Ökosystem unerlässlich???

Kommentar von Daoga ,

Da sich die Mückenlarven in stehenden Gewässern entwickeln, sind sie eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche andere Wasserlebewesen, von Wasserkäfern und Tauchspinnen bis zu Fischen. Der Hauptvorteil der Gentechnik-Methode wäre, daß sie gezielt nur die krankheitsübertragenden Stechmücken trifft, also keine anderen Insektenarten schädigt, wie es heute leider bei den Großeinsätzen von Insektengiften gegen die Stecher der Fall ist. Da aber Veränderungen per Gentechnik kompliziert sind und potentiell nicht vorhersehbare Nebenwirkungen haben, ist immer die Frage, ob der potentielle Nutzen den potentiellen Schaden aufwiegen kann (wenn etwas schief geht und die Stecher durch die Veränderung auch ganz andere Veränderungen mitbekommen, vielleicht aggressiver werden, gefährliche Gifte im Speichel entwickeln etc.) Ein weiteres Problem ist, daß gentechnisch-veränderte Mücken sich zwar nur langsam innerhalb einer natürlichen Population verbreiten könnten (wenn überhaupt), aber wenn bei ihnen was zum Gefährlichen verändert wurde, dann kann man sie nie wieder einfangen oder ungeschehen machen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten