Frage von Levin77, 138

Inwiefern hat die Gravitation von Sagittarius A Einfluss auf uns?

Aus einer Quelle die ich zurzeit vergessen habe, erinnere ich mich, dass davon die Rede ist, dass Sagittarius A mittels ihrer immensen Gravitation, die Milchstraße zusammenhält.
Ein schwarzes Loch absorbiert ja jegliche Materie, also müsste sie unser Sonnensystem ja auch in ein paar/etlichen Milliarden (?!) Jahren absorbiert haben.
Die genauen Zahlen weiß ich zwar nicht, aber die Sonne soll ja explodieren und uns somit vernichten, soweit wir nicht durch irgendwelche Asteroiden oder anderen Himmelskörpern ausgelöscht werden.
Aber nehmen wir mal an dies wird nie passieren, würden wir dann von Sagittarius A aufgesogen werden?

Passt jetzt nicht zum Thema, aber beim Wikipedia Artikel zu Sagittarius A (https://de.wikipedia.org/wiki/Sagittarius_A*), steht ein Stern am Ende des Titels.
Was hat dies zu bedeuten?

Vielen Dank und schönen Tag noch :)

Expertenantwort
von uteausmuenchen, Community-Experte für Astronomie & Physik, 79

Hallo Levin77,

1) Nein, das Schwarze Loch in der Mitte der Milchstraße hält die Milchstraße nicht zusammen. Das macht die Schwerkraft der 100 Milliarden Sterne in der Milchstraße (und der DM) Im Vergleich zu dieser Zahl sieht man, warum die Masse von Sgr A* von rund 400 Millionen Sonnenmassen nicht die dominante Masse in der Milchstraße ist.

Nicht vergessen sollte man dabei auch, dass die Schwerkraft mit dem Quadrat des Abstandes abnimmt. Wir zum Beispiel sind 26 000 Lichtjahre weit weg. Wir spüren die Schwerkraft der Sterne in Sonnennähe und die Schwerkraft aller Sterne zwischen uns und Sgr A* erheblich stärker.

2) Nein, Schwarze Löcher sind keine Staubsauger. Es schluckt nur, was ihm zu nahe kommt. In seiner unmittelbaren Umgebung verlieren die Sterne wegen der hohen Gasdichte Bewegungsenergie und nähern sich deshalb allmählich dem Ereignishorizont des Schwarzen Loches an.

Im Moment und noch für etliche Jahre muss es aber hungern, weil im Moment kein Stern nahe genug an seinem Ereignishorizont ist.

3) Nein, die Sonne wird nicht explodieren. Die Sonne ist viel zu leicht für eine Supernova-Explosion. Die Sonne wird sich gemütlich zum Roten Riesen aufblähen, ein paar 100 000 Jahre als RR strahlen und dann zum Weißen Zwerg zusammenfallen und auskühlen

4) Theoretisch, wenn das Universum sehr, sehr, sehr, sehr..... (sehr viele "sehr") ... sehr lange besteht, dann, ja dann verschlingt Sgr A* die Milchstraße. Möglicherweise. ;-) (Vorhersagen über solche Zeiträume sind nicht sooooo gut experimentell gesichert...)

Im Falle des Big Freeze - dem allmählichen Auskühlen des Universums - hätte das Universum diese Zeit.

Schätzungen zufolge würden die Schwarzen Löcher dann in etwa im Zeitrahmen 10^10^26 bis 10^10^76 Jahren (Obacht: doppelter Exponent. Das ist eine 1 gefolgt von 10^26 Nullen bzw. 1 gefolgt von 10^76 Nullen) ihre Galaxien verschlungen haben.

Die Sonne existiert noch rund 5 Milliarden Jahre, also eine 5 mit 9 Nullen statt 10^26. Wir brauchen uns darüber also nicht wirklich Sorgen machen.

5) Ich zitiere : "Geklärt ist immerhin, woher der sonderbare Name »Sagittarius A Stern« gekommen ist, der 1982 zum ersten Mal in der Literatur auftauchte. Der Autor dieses Papers, Bob Brown, hatte angestrengt über eine treffende Bezeichung nachgedacht, um die 8 Jahre früher entdeckte exotische
Radiopunktquelle von anderen Zentrumsquellen zu unterscheiden. Schließlich fiel ihm das hochgestellte Sternchen aus der Atomphysik ein, das angeregte Atome markiert - so kam das Kürzel zustande."

(Quelle: https://astro.uni-bonn.de/~dfischer/news/680.html)

Grüße

Kommentar von NutzlosAlpha ,

warum die Masse von Sgr A* von rund 400 Millionen Sonnenmassen nicht die dominante Masse in der Milchstraße ist

Sgr A* hat eine Masse von 400 Mio. Sonnenmassen? Oder sprichst du von der Masse der Milchstraße? Aber die beträgt 400 Mia. Das solltest du vielleicht nochmal korrigieren.

Kommentar von uteausmuenchen ,

Dachte eigentlich schon, dass Sgr A* 400 Sonnenmassen hat.
Korrigier mich, wenn meine Quelle überholt ist.

http://adsabs.harvard.edu/abs/2009ApJ...692.1075G

""The central object mass is (4.31 ± 0.06|_{stat}
± 0.36|_{R_0})× 10^6 M_⊙"

Kommentar von NutzlosAlpha ,

Dachte eigentlich schon, dass Sgr A* 400 Sonnenmassen hat.

Hmm, ist schon etwas spät, wie? Nun sind es nur noch 400 Sonnenmassen. Und deine Quelle ist durchaus nicht veraltet aber 4,31 x 10^6 sind immer noch 4,31 Millionen Sonnenmassen. Womit wir dann den richtigen Wert hätten.

Schöne Grüße.

Kommentar von uteausmuenchen ,

Ja, danke, jetzt passts

Kommentar von stey1954 ,

Ich dachte 4,2 Millionen Sonnenmassen???? Es gibt welche SL mit 40 Milliarden SM!!!!

Kommentar von prohaska2 ,

Nein, Schwarze Löcher sind keine Staubsauger.

Danke, danke, danke!

Ich dachte schon, dass ich mit dieser Meinung allein wäre.

Nein, die Sonne wird nicht explodieren.

Und nochmals: danke!

Kommentar von grtgrt ,

FRAGE an die Astrophysiker:

Auf Seite http://astrofotografie.hohmann-edv.de/aufnahmen/SGR-A.php wird Sagittarius A als "starke Radioquelle" bezeichnet.

Aber wie kommt man zur Ansicht, diese "starke Radioquelle" müsse ein Schwarzes Loch sein? Wenn aus Schwarzen Löchern nicht mal Licht entkommen kann, können sie sich doch kaum als starke Radioquelle zeigen, oder?

Kommentar von uteausmuenchen ,

Hallo grtgrt,

vielleicht helfen Dir zur Erklärung die Vorlesungs folien von Harald Lesch hier weiter:

www.usm.uni-muenchen.de/people/lesch/Vorlesung2009/Vorlesung\_3\_Milchstrasse\_2...

Und zwar meine ich speziell die Seiten 9 - 18.

Wir können SGR A nicht im optischen Bereich beobachten, weil zu viel Staub in der galaktischen Ebene davor ist. Man muss deshalb auf Radio- IR oder Röntgenbereich ausweichen. Mit allen 3 Wellenlängenbereichen hat man Aufnahmen gemacht und ausgewertet. Die Stelle erstmals als Radioquelle auf. Später hat sich dann gezeigt, dass außerdem ordentlich Röntgenstrahlung dort entsteht.

Mit genaueren Messungen konnte man SGR A in einzelne Radioquellen - thermische und nichtthermische -  auflösen, von denen eine ziemlich punktförmig ist. Die anderen, größeren ließen sich als schnell rotierende Gaswolken identifizieren. Eine Art Sternentstehungsgebiet.

Gerade das ziemlich eng umrissene Gebiet strahlt aber intensiv über verschiedene Wellenlängenbereiche. Es zeigt sich u.a. über Messungen im IR, dass sich dort ein sehr dichter Sternhaufen befindet.

Man kann über mehrere Aufnahmen nachweisen, dass und wie schnell sich die Sterne in diesem Sternhaufen bewegen. Und dabei gibt es eben eine Überraschung: Die Annahme eines homogenen Sternhaufens wird sehr schnell über die extreme Geschwindigkeitszunahme im Inneren des Sternhaufens widerlegt: Je enger der Radius ist, mit dem die Sterne ihre Runden ziehen, desto schneller sind sie - sehr viel schneller als erwartet.

Daraus ist zu schließen, dass in dem Sternhaufen noch eine Masse sitzen muss, die wir nicht sehen, weil sie durch den dichten Sternhaufen verdeckt und überstrahlt ist. Man kann aber aus den Rotationsgeschwindigkeiten eine untere Grenze für die Masse, die umrundet wird, abschätzen und aus den Radien der Runden eine Obergrenze für den Radius des zentralen Objektes.

Die Dichte, die sich ergibt, weist sehr eindeutig auf ein SL. Selbst wenn man zunächst einen extrem dichten Sternhaufen annehmen würde, so wäre dieser bei dieser Sterndichte nicht stabil und wäre innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit zum SL  kollabiert.

Die Beobachtungen im Röntgen- und Gammabereich, die belegen, dass SGR A* auch hier intensiv strahlt,  passen eben zu diesen Ergebnissen. Was wir sehen, das sind eben die Sterne, die das SL umrunden. die Folgen der extremen Magnetfelder und das schnell um das SL rotierende Gas. Aber die Art und Weise, wie das rotiert, die lässt als Schluss nur das SL zu.

Grüße

Kommentar von grtgrt ,

Vielen Dank, das überzeugt.

LG, grtgrt

Expertenantwort
von PWolff, Community-Experte für Physik, 64

Zunächst mal hält die große Masse im Zentrum unsere Galaxis zusammen und unser Sonnensystem auf seiner Umlaufbahn hierin.

Die Gezeitenkräfte dürften viel zu klein sein, um einen merklichen Einfluss zu haben.

Massen fallen im Laufe der Zeit ineinander, sowohl aufgrund der Gravitationsstrahlung als auch - wenn es sehr viele Massenelemente sind -, weil sie immer wieder zusammenstoßen und Bewegungsenergie verlieren.

Im Fall unserer Milchstraße dürfte das mehrere Weltalter dauern; unsere Sonne wird längst ein weißer Zwerg (oder ein schwarzer Zwerg) sein, bis sie in die Nähe des schwarzen Loches kommt.

Antwort
von segler1968, 56

Schwarze Löcher sind keine Staubsauger. Wäre die Sonne ein schwarzes Loch, würde sich an der Erdumlaufbahn nichts ändern.

Unsere Sonne ist zu klein für eine Spernova. Sie explodiert nicht.

Kommentar von segler1968 ,

Ach so: Der Stern gehört zum Namen. Der heißt "Sagittarius A Stern"

Antwort
von Bevarian, 46

Nich nur Bildchen gucken sondern auch lesen - im zweiten Absatz wird erklärt, wie Sagittarius zur Erweiterung A* kam...   ;(((

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