Inwiefern Ärzte wahrheitsgetreu und vollständige informationen an Patienten?

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1 Antwort

Der Arzt könnte durchaus gewichtige Argumente gegen die vollständige und wahrheitsgetreue Informationspflicht vorbringen. 

Zum ersten steht jede Diagnose eines Arztes unter dem Vorbehalt einer gewissen Irrtumswahrscheinlichkeit. Das bedeutet, dass z.B. fast jeder Arzt im Verlauf seines Lebens feststellen muss, dass er Krebspatienten, die er für absolut terminal gehalten hat, diesen Jahre später in Frische und Gesundheit begegnet. Er macht damit also die Erfahrung, dass nahezu keine Diagnose absolut sicher ist.

Zum zweiten gerät bei einer sog. ehrlichen und vollständigen Information der Patient meist in eine so tiefe Depression oder gar Verzweiflung, dass der Lebenswille komplett verloren geht. Der Lebenswille ist aber ein extrem bedeutungsvoller Faktor für den Gesundungsprozess. Das aktive Hoffnungsmoment setzt so viele Botenstoffe und Hormone frei, die die Heilung fördern, dass kein Arzt auf ihre Mitwirkung gern verzichten würde.

Der Patientenvertreter würde vermutlich ähnlich argumentieren, weil er um die oben geschilderten Sachverhalte weiß und ja das Wohl des Patienten primär im Blick haben sollte. Die blutlose Aufklärungspflicht ist für jede humane Patientenbehandlung absolut kontraindiziert - auch wenn die sog. Verfechter einer bedingungslosen "Wahrheit" so eine Verpflichtung anmahnen sollten.

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