Frage von AOMkayyy, 72

Interpretation zu Aristoteles - Der Mensch als gesellschaftliches Wesen (Zoon politikon)?

Hi, ich sollte mehrere Texte in Bezug zu der These "Moral ist eine Wichtigtuerei des Menschen von der Natur" setzen. Jedoch fällt es mir bei diesem Text ziemlich schwer und ich würde mich freuen wenn mir jemand zumindest ein paar Denkanstöße geben könnte.

besagter Text: Wie im Samen der ganze Baum veranlagt ist, so ist im Menschen der Staat veranlagt. Wer außerhalb des Staats lebt, der ist entweder ein Tier oder ein Gott. Alles strebt nach irgendeinem Gute, daher bezeichnet man das, wonach alles strebt als das Gute. Jede Polis, jede Gemeinschaft besteht um eines Gutes willen. Gemeinschaft zielt auf ein Gut und das ist die Polis, die politische Gemeinschaft. Es ist besser, für die Polis das Gute zu erreichen als für den Einzelnen, da das Ganze mehr ist als das Einzelne.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 40

Das Zitat "Moral ist eine Wichtigtuerei des Menschen vor der Natur" stammt von Friedrich Nietzsche. Nun hat Nietzsche ein besonderes Verhältnis zur überkommenen Moral. Seine Absicht der "Umwertung der Werte" sagt deutlich, dass er vor allem mit der überkommenen christlichen Moral auf Kriegsfuß stand. So gesehen besagt der Spruch Nietzsches, dass er der Meinung ist, dass sich der Mensch mit seiner von den Anforderungen der Natur losgelösten Moral wie ein eingebildeter Fatzke benimmt, der meint, dass er was Besseres als die Natur sei, dass er über ihr stehe, also sich einbildet, die Krone der Natur zu sein.

Der Aristoteles-Text spricht von einer Moral, die noch den Anlagen der Natur entspricht. Nicht geistige Überheblichkeit macht uns moralfähig sondern es ist von Natur aus in uns hineingelegt, dass wir uns zum Schutz und zum Besten für das Individuum zu Gemeinschaften zusammenschließen. Ziel dieses Zusammenschlusses ist das größtmögliche Glück des Einzelnen! Ziel ist Glück und nicht Sündentilgung. Ziel ist im Jetzt und nicht in einem nur versprochenen anderen Leben. Die aus der Natur des Menschen entspringende Moral zielt auf das Jetzt und auf das persönliche Glück und auf eine erfülltes Leben in diesem Leben und nicht in einem anderen jenseits dieses Lebens.

Jetzt ist zu bedenken, dass Aristoteles aus seiner Lebenserfahrung spricht und zu seiner Zeit war die Polis, der Stadtstaat von Athen die Gemeinschaft, die den einzelnen Bürgern die größte Entfaltung geboten hat. Er kannte Sparta, er kannte das makedonische Königtum (war ja Alexanders Lehrer), und er kannte das Großkönigtum der Perser. Überall waren die Bürger weniger frei wie in der Polis Athen. Darum ist für ihn die Organisation des Stadtstaates von Athen das anzustrebende Ideal, in dem beides verwirklicht werden kann: Einmal das Streben des Einzelnen nach größtmöglicher Lebensfülle und zum anderen die Notwendigkeit, sich zu diesem Zweck als Gemeinschaft zu organisieren. Zu seiner Zeit konnten Menschen allein ohne Gemeinschaft in der wilden Natur nicht überleben. Das schafften, wie er sagt, nur von Natur aus entsprechend ausgestattete Tiere oder die Götter. Nur der Mensch ist in abgestimmter Arbeitsteilung fähig, als Gemeinschaft mehr zu produzieren als jeder für sich allein.

Kommentar von AOMkayyy ,

Vielen Dank für die umfassende Antwort :)

Antwort
von Ottavio, 30

Ich finde die Aufgabe bescheuert. Die Beziehung kann eigentlich nur lauten, dass es zwei grundverschiedene Positionen sind. Und ???

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