Frage von lion246, 39

Interpretation einer Strophe. Wie würdet ihr diese interpretieren?

Wie würdet ihr diese Strophe interpretieren : 

„Wie schön ist diese stolze Stadt der Gierde! Ihr Elend und geschmähter Überfluss - Und schwerer Straßen sehr verzerrter Zierde." 

Danke im Voraus für eure Vorschläge! Lg

Antwort
von rotesand, 28

Hallo!

Ich würde es so interpretieren, dass die "stolze Stadt" zwei Gesichter hat: Einmal grenzenloses Elend, einmal Überfluss und Völlerei. Aber das ist subjektiv!

Hoffe ich konnte dir dennoch helfen :) Liebe Grüße!

Kommentar von lion246 ,

Kannst du mir deine Interpretation noch näher erklären? Bzw.: wieso ein Gesicht des grenzenlosen Ehlends 

Kommentar von rotesand ,

Das "Gesicht des grenzenlosen Elends" ist eine Metapher und in meiner Definition können es heruntergekommene Häuser, armselig hausende Menschen, hohe Kriminalitätsraten und Alkoholismus/Arbeitslosigkeit sein.

Kommentar von lion246 ,

Könntest du mir noch eine einzelne Interpretation zu diesem Vers geben? "Und schwerer Straßen sehr verzerrte Zierde." 

Danke sehr!

Antwort
von GetSchwifty, 27

Ich würde das so interpretieren, dass von einer Stadt die Rede ist, die vor Prunk nur so überquillt und daneben sieht man das Elend der Armenviertel/ Slums. Eine reiche Stadt die nicht in der Lge ist die Ärmsten zu versorgen. Sie nimmt es sogar den armen um es den reichen zu geben. 

Beispiel könnte vllt Sao Paulo sein

Antwort
von hutten52, 5

Kritik an einer Stadt, die auf ihren maßlosen Reichtum stolz ist und stets in der Begierde nach noch mehr Reichtum lebt. Gerade dieser äußerliche Prunk ist im Grunde "elend", also wertlos, erbärmlich, und wird zu recht geschmäht. Die schweren Straßen: breite, protzige Straßen, die den Menschen erschlagen.

"Verzerrter Zierde": Die Häuser sind überladen mit Verzierungen, verschnörkelt, geschmacklos, unecht, Man denkt an ein "verzerrtes" Gesicht, ein schiefes Lächeln, eine Grimasse, eine Maske, die das eigentliche Elend, die geistige Schäbigkeit und Leere verhüllen soll. 

Kommentar von lion246 ,

Vielen vielen Dank! Du hast mir soo sehr weiter geholfen!!! 

Wenn du Zeit hast und möchtest würde ich dich bitten mir noch einen Vorschlag für eine weitere Und letzte Strophe zu geben. 

"Schamloser Tag entdeckt dir die Konturen.
Die Häuser stehn befleckt mit Staub und Ruß,
Es flirrt um Eilende und Wagenhaufen
Furchtsame Weiber, Männer, blasse Hu*en..."

Kommentar von hutten52 ,

Nach Tagesanbruch zeigt der helle Tag schonungslos die Wahrheit, die bisher im Halbdunkel verborgen war. 

Die protzigen, scheinbar glänzenden Häuserfassaden sind befleckt, d. h. unrein, auch im Sinne von sündig. Staub und Ruß: Gegenteil von Sauberkeit, Reinheit. Ruß kommt aus Industrievierteln, in denen nicht nur der Reichtum und der scheinbare Glanz der Innenstadt produziert wird, sondern auch die Abfallprodukte die sich dem genauen Blick nun zeigen. 

"Es flirrt": Man kann nicht genau sagen, was da flirrt, d. h. alles flirrt, betäubt die Sinne, trübt den klaren Blick. 

Die Menschen sind nur "Eilende", sie haben kein Gesicht, keine Individualität, sind hektisch in Bewegung. Wagenhaufen: Eine Metapher für das wilde Getriebe des Großstadtverkehrs. Haufen: etwas Zusammengeworfenes oder gar ein Abfallhaufen, Hundehaufen, also ganz abwertender Sinn. 

Letzter Vers: Eine gefährliche, bedrohliche Stimmung. Frauen (Weiber = Objekte, ohne eigenen Willen, unterworfen) haben Angst, Männer stehen zwischen diesen "Weibern" und den Hu.en, den käuflichen, schamlosen Frauen. Die Stadt als Ort  von Männern, die entweder Frauen beherrschen oder Frauen kaufen. Kauf ist auch eine Art der Herrschaft. 

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