Frage von Manfred95, 42

Innerhalb von 2 Jahren Aufnahmeprüfung für Musikstudium vorbereiten?

Hallo liebes Forum! Ich spiele jetzt seit 7 Jahren Gitarre und 6 Jahren Bass. Mein Abitur habe ich diese Jahr gemacht. Das Problem ist allerdings dass ich alles Autodidakt erlernt habe und bis vor kurzem nie die Notwenigkeit gesehen habe mich tiefgehender mit Musiktheorie, Formenlehre und Gehörbildung zu beschäftigen.

Grundlegende Dinge wie Noten lesen,Tonleitern,Intervalle,Quintenzirkel etc. beherrsche ich. Wenn es jedoch analytischer wird reichen die Kenntnisse natürlich nicht aus.

Mein Hauptinstrument wäre der Bass.Jedoch strebe ich ein Studium im Bereich Jazz/Pop an. Ich kenne die Hürden und Auflagen der Aufnahmeprüfung.Dazu habe ich mich umfangreich Informiert.Dazu gehört auch ein Vorspiel am Klavier. Am Klavier kann ich einfache Akkorde und Melodien spielen aber für mehr reicht es da auch nicht.

Auf dem Bass fühle ich mich allerdings sehr sicher und auch Technisch fit.Mit meinem Instrument habe ich "viel" Erfahrung.Grundlegende Kenntnisse im Improvisation sind vorhanden.Auf Jam-Sessions (in meinem Fall oft Blues) kam ich immer gut zurecht. auch wenn es für das Studium nicht unbedingt relevant ist kann ich von mir behaupten dass ich ein wirklich breites Spektrum an Musik höre und kenne.Von Bebob Jazz über Disco Funk bis Punk ist wirklich alles dabei.Biographien diverser Künstler oder Informationen die ich zur Entstehung eines Genres bekommen konnte habe ich verschlungen.

Mein Plan war jetzt alles auf eine karte zu setzen. Für die 2 Jahre würde ich mir einen Nebenjob suchen und jeden Tag damit verbringen (außer vllt. mal einen Tag in der Woche) den nötigen "Stoff" aufzuholen und mich für das Studium/Aufnahmeprüfung vor zu bereiten. Zuerst würde ich versuchen so viel wie möglich alleine zu lernen.Das ist ja dank dem Internet und diverser Programme (Earmaster etc.) heute kein Problem mehr. Die Bücher "Allgemeine Musiklehre" von Hermann Grabner und Neue Allgemeine Musiklehre von Christoph Hempel habe ich mir bereits besorgt. Im zweiten Jahr meiner Vorbereitung würde ich mich an einer Musikschule für einen Studien-Vorbereitungskurs anmelden um das gelernte zu vertiefen und mir Professionelle Hilfestellung zu holen.

Oft wissen Junge menschen erstmal eine ganze weile nicht wohin sie in ihrem Leben wollen,nach jedoch erst kürzliche überstandener schwerer Krankheit sehe ich mein Ziel jetzt ganz klar.An Leidenschaft und Ambition fehlt es auch keineswegs.Mein allgemeines Lerntempo würde ich auch als etwas schneller als der Durchschnitt bezeichnen.

Ich möchte jetzt ungerne Antworten hören wie "das mit dem jeden Tag lernen ziehst du sowieso nicht durch"... Diese 2-3 Jahre sehe ich als verlängerte Schulzeit an,zudem macht es mir auch wirklich Freude,auch die Theorie.

Meint Ihr ich habe realistische Chancen es mit diesem Plan in 2-3 Jahren fit für die Aufnahmeprüfung zu sein? Habt ihr Ratschläge für mich?

Vielen Danke an alle die den ganzen Text gelesen haben.

Liebe Grüße! M

Antwort
von MuseMelpomene, 11

Ich kann mich nur dem Vorredner anschließen. Das Hauptargument werden nicht deine Theoriekenntnisse, sondern dein Bassspiel sein. In Theorie sicher zu sein, ist ne gute Sache und auch nötig für die Aufnahmeprüfung. Aber viel wichtiger fände ich auch: Such dir für ein Hauptinstrument einen Lehrer - und zwar einen guten Lehrer, der das selbst studiert hat! Und spiel vorher mal bei einem Dozenten an der Hochschule vor um eine Einschätzung deines Könnens zu bekommen!

Antwort
von Jerne79, 29

Ich würde mir als erstes eine professionelle Einschätzung deiner Spieltechnik holen. Selbst wenn du es an diese Hochschule schaffst, wirst du dort auf Leute treffen, die seit Jahren professionellen Unterricht haben und auf sehr hohem Niveau spielen, die von ihren Lehrern bei kleinsten Fehlern korrigiert wurden. Ein erheblicher Teil war sicherlich auf einem musischen Gymnasium und ist auch in der Musiktheorie mehr als fit.

Hol dir einen Realitätsabgleich, wo du stehst. Lass dir sagen, ob es reichen würde oder was du tun müsstest, um es zu schaffen. Arbeite mit einem guten Lehrer.

Deine Chancen, plötzlich an einer Hochschule zu bestehen, wenn du vorher noch nie Unterricht hattest, halte ich für verschwindend gering. Jetzt wieder im Alleingang Theorie zu pauken und erst kurz vor dem Studium überhaupt mit jemandem zu arbeiten, halte ich für nicht zielführend.



Kommentar von Manfred95 ,

Danke für diese schnelle Antwort! Eine oder mehrer Professionelle Meinungen werde ich mir sicherlich einholen!

Deines Erachtens nach sollte ich mir also baldmöglichst einen geeigneten Lehrer suchen?

LG!

Kommentar von Jerne79 ,

Ja, am besten schon gestern.

Vielleicht kannst du auch Kontakt zu einigen Studenten dieses Faches aufnehmen, um konkret zu erfahren, was dort verlangt wird, damit du einschätzen kannst, was auf dich zukommen würde.

Es ist eben ein erheblicher Unterschied, ob du für dich selbst lernst oder mit einem Lehrer, vielleicht auch mit anderen zusammen.

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich früher oder später Sachen eingeschlichen haben, die ... sagen wir es mal so wenig negativ wie möglich: unerwünscht sind.

Du konntest bisher in deinem eigenen Tempo lernen, wo sonst ein Lehrer das Tempo vorgegeben hätte. Je nach Ehrgeiz kam vielleicht auch mal der Gedanke "ach, das klingt schon okay so", ein Lehrer hätte dir das nicht durchgehen lassen. Du wärst mit plötzlichen Aufgaben konfrontiert worden, auf die du hättest reagieren müssen. Es ist niemand, der auf einem höheren Level spielt als du mit Erwartungen an dich herangetreten. Das sind alles Erfahrungen, die dir fehlen.

Ich kann nicht einschätzen, wie gut du spielst, ob du mit anderen spielst, wie du selbst mit dir beim Lernen umgehst. Aber ohne korrigierende Eingriffe ist es wahrscheinlich, das nicht alles den Maßstäben entspricht, die ein Lehrer anlegen würde. Und solche Sachen wieder wegzubekommen, ist sehr, sehr schwer, schließlich hattest du viele Jahre Zeit, sie dir anzugewöhnen. Auch psychisch ist das alles starker Tobak.


Kommentar von Manfred95 ,

Die Nötige Korrektur eines Lehrers hätte sicher einiges einfacher gemacht aber Fehler haben sich bei mir keine eingeschlichen.Da wurde bei mir auch schon mal drüber geschaut.Keine Verkorksten Griff oder Anschlagstechniken.Ich habe eine ganze Weile bei einem Professionellem Musiker in der Blues Combo gespielt.Und Dinge wie "ach,das klingt schon okay so" gab es dort da schließlich so Lebensunterhalt verdient wird und bei mir selber da ich doch recht perfektionistisch veranlagt bin nicht.Deinen Rat werde ich mir jedoch zu herzen nehmen und mich umschauen!Unter anderem den Kontakt zu Studenten des Fachs suchen!

Kommentar von Manfred95 ,

*

"gab es dort da nicht " sollte es heißen:)

Kommentar von Jerne79 ,

Ich habe eine ganze Weile bei einem Professionellem Musiker in der Blues Combo gespielt.

Das wäre ehrlich gesagt eine hilfreiche Information im Eingangstext gewesen, damit man dich etwas besser einschätzen kann.

Aber ohne bösartig sein zu wollen: Ob sich Fehler eingeschlichen haben, merkt man meist erst hinterher, sonst würden sie sich nicht einschleichen. ;)

Hol dir unabhängige Meinungen. Wenn alles in Ordnung ist, hast du eine nette Bestätigung. Wenn nicht, erfährst du das wenigstens nicht erst beim Vorspielen.

Alles Gute!


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