Frage von Hanibal1234, 120

Inkassorechnung nach Lastschrift?

Hallo, ich hatte 23.02.2016 eine Abbuchung auf meinem Konto, von einem Tankvorgang am 19.01.2016 über 100,-€. Da ich diese Abbuchung leider nicht 100% bestätigen konnte (kein Beleg mehr vorhanden), nahm ich Kontakt mit meiner Bank auf, diese meinte ich soll die Lastschrift einfach zurückbuchen und die Tankstelle würde dann schon auf mich mit einer Kopie des Beleges zukommen. Soweit ist es leider nicht gekommen. Ich hatte am 28.04.2016 nun eine Inkassoforderung einer Rechtsanwaltskanzlei im Briefkasten mit einer Zahlungsforderung von nunmehr 197,11€. Nach einem Telefonat mit der Kanzlei liegt mir nun auch endlich der Beleg vor. Ich muss gestehen ich hatte getankt. Als ist die Hauptforderung von 100,-€ gerechtfertigt. Jedoch finde ich das vorgehen und die jetzige Rechnungssumme absolut als Abzocke. Was kann ich tun??

Antwort
von Xipolis, 49

In meinen Augen besteht für Dich sogar eine risikobehaftete Wahrscheinlichkeit bei Zuhilfenahme eines Rechtsanwaltes komplett kostenfrei herauszukommen.

-> Denn die Lastschrift wurde verspätet eingelöst, so dass sich der Gläubiger im Annahmeverzug befunden hat.

Was würde ich tun an Deiner Stelle tun?

Falls eine Rechtsschutzversicherung vorhanden ist oder Anspruch auf Beratungshilfe bei geringem Einkommen besteht, dann würde ich einen Rechtsanwalt mandatieren.

Falls nicht, würde ich die Hauptforderung über 100,00 € zweckgebunden (Aktenzeichen + nur Hauptforderung) überweisen.

Der Mahnung des Rechtsanwaltes würde ich schriftlich widersprechen.

-------------------- schnipp --------------------


Absender


Empfänger

Ort, Datum 


Aktenzeichen
Tankstelle / Hanibal1234

Ihre Mahnung vom Datum
Widerspruch gegen Ihre Forderung 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihre oben genannte Mahnung habe ich am 28.04.2016 erhalten. Die Hauptforderung Ihrer Mandantin über 100,00 € habe ich am Datum überwiesen. Die Zahlung erfolgt im Rahmen der Kulanz und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht.
Ich widerspreche den von Ihnen aufgestellten Verzugs-/Mahnkosten. Ich werde nicht zahlen, da die Forderung im Übrigen unberechtigt ist. 

Ich begründe meinen Widerspruch wie folgt: Ihrer Auftraggeberin wurde mit Vertragsabschluss eine Lastschrifteinzugsermächtigung erteilt. Daraus ergibt sich, dass der Rechnungsbetrag vom 19.01.2016 von meinem Konto hätte abgebucht werden sollen. Dies ist offensichtlich erst erheblich verspätet geschehen, so dass der Betrag nicht mehr von mir vorgehalten wurde und eine Zuordnung der Abbuchung nicht mehr möglich war. Daraus ergibt sich, dass sich Ihre Auftraggeberin im Gläubigerannahmeverzug gemäß § 293 BGB befunden hat. Ein Zahlungsverzug meinerseits kann daher nicht eingetreten. Ferner verweise ich Sie auch auf § 300 Abs. 1 BGB.

Rein vorsorglich mache ich Sie darauf aufmerksam, dass eine widersprochene Forderung nicht an die Schufa oder eine andere Auskunftei gemeldet werden darf. 

Bitte verzichten Sie auf weitere Mahnungen und auf die Beantragung eines gerichtlichen Mahnbescheides. Einen solchen würde ich vollumfänglich widersprechen. Den in diesem Schreiben geäußerten Forderungswiderspruch halte ich konsequent aufrecht, da die Forderung Ihrer Auftraggeberin unberechtigt ist. 

Mit freundlichen Grüßen 

Unterschrift 

---------- schnapp -----------

Zum Nachlesen aus dem Schriftentum der Rechtsprechung: http://www.neue-justiz.nomos.de/fileadmin/neue-justiz/doc/Aufsatz\_NJ\_11\_11.pd...
Falls die Hauptforderung doch berechtigt war, sind auch die Lastschriftrückgabekosten und die Kosten der Adressermittlung sowie ein Verzugszins berechtigt.
Kommentar von mepeisen ,

Interessanter Ansatz und danke für den Link. Ist eigentlich völlig logisch bei über einem Monat Unterschied zwischen Tankvorgang und Abbuchung. :-)

Kommentar von Xipolis ,

Aus dem Grund macht es als Gläubiger auch durchaus Sinn in so einer Situation dem Schuldner schriftlich zur Zahlung durch Überweisung aufzufordern und auf die Ermächtigung zu verzichten.

Antwort
von kevin1905, 68

100,- € zzgl. Kosten der Rücklastschrift und Zinsen an die Tanke bezahlen. 110,- € pauschal.

Kommentar von Hanibal1234 ,

Macht das Sinn?? Laut dem Schreiben der Kanzlei, hat die Tanke Ihre Forderungen an die Sirius Inkasso GmbH abgetreten. 

Kommentar von mepeisen ,

Dann zahle zweckgebunden halt ans Inkasso. geht genauso. Wichtig ist nur, dass im Verwendungszweck steht, dass du nur HF+Zinsen usw. bezahlst.

Im übrigen: Die Adressauskunft wirst du auch bezahlen müssen. Die wissen ja nicht automatisch deine Adresse.

Kommentar von Xipolis ,

Lasse Dir Abtretungurkunde (§ 410 Abs. 1 Satz 1 BGB) und Vollmachtsurkunde (§ 174 BGB) vorlegen

Antwort
von Nightlover70, 59

Das ist zwar jetzt blöd. Die Tankstelle ist hier wohl im Recht.
Das heißt, dass Du die Anwaltskosten übernehmen musst.

Kommentar von Hanibal1234 ,

Danke - Seh ich aktuell leider genauso - Unwissenheit schütz vor Strafe nicht. Leider - Trotzdem - Vielen Dank

Kommentar von mepeisen ,

Nein. Dass ein großer Mineralölkonzern die Hilfe eines Inkassos benötigt, ist nicht einzusehen. Zudem wäre, wenn überhaupt, nur die Gebühr für ein Schreiben einfacher Art (mit Auslagen max. 18€) zu bezahlen.

Alle anderen Kostenpositionen (Zinsen, Adressauskunft, HF und Rücklastschrift) müssen natürlich trotzdem bezahlt werden.

Kommentar von Xipolis ,

Es ist ja eine Abtretung und das Inkasso hat einen Rechtsanwalt (vermutlich Partner) beauftragt um die Gebühren verlangen zu können. 

Kommentar von Nightlover70 ,

Wer sagt, dass es um einen Mineralölkonzern geht. Im Text steht Tankstelle, also gehe ich erstmal von einem Tankstellenbetreiber aus.
Es wurde zudem ein Anwalt beauftragt. Ein Anwaltsschreiben ist deutlich teurer als die von Dir genannten 18€

Kommentar von mepeisen ,

Wer sagt, dass es um einen Mineralölkonzern geht

Gegenfrage: Wie viele wirklich freien Tankstellen gibt es?

Allerdings verrate ich dir ein Geheimnis: In der Mitte der Kette steht ein Zahlungsdienstleister. Dieser ist spezialisiert genug, dass er kein Inkasso braucht. In der Praxis kommt es nie vor, dass bei irgendeinem Supermarkt oder einer Tanke der Pächter selbst auch nur einen Handschlag macht.

Es wurde zudem ein Anwalt beauftragt. Ein Anwaltsschreiben ist deutlich teurer als die von Dir genannten 18€

Nein. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Sowohl Anwalt als auch Inkasso unterliegen dem RVG. Und die 18€ entsprechend der RVG-Gebühr für ein "Schreiben einfacher Art". Für eine volle 1,3 RVG-Gebühr muss es eine Einzelfallprüfung und eine Rechtsberatung geben. Beides findet im Masseninkasso nie statt, egal ob nun Anwalt oder Inkassobüro.

Bitte informiere dich doch vorher, wenn du meine Angaben als falsch hinstellen möchtest.

Kommentar von Xipolis ,

Nightlover,

das kommt auf das Schreiben bzw. die Tätigkeit des RAs und den Streitwert an.

15.- € Geschäftsgebühr + 3.- € Kommunikationspauschale sind für eine einfache Mahnung bei 100.- € Streitwert vollkommen ausreichend gem. VV-Nr. 2301 und 7002 RVG, denn hier wurde ja keine Rechtsberatung durchgeführt.

Falls doch müsste man sogleich die Zulassung des Inkassounternehmens anzweifeln, wegen offensichtlicher Inkompetenz.

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