Frage von Sushi2008, 50

Muss ich Inkassogebühren bezahlen trotz Mail-Kontakt mit dem Gläubiger?

Hallo :)

Ich habe im Dezember bei Rossmann online was eingekauft. Bereits im Januar schrieb ich dann die Mahn Abteilung von Rossmann per Mail an ob ich eine Ratenzahlung (2 Max 3 raten) mit denen vereinbaren könnte. Keine Antwort. Nun meinerseits 2 Mail Anfang Februar. Mitte Februar dann die Antwort - wir haben alles weitergeleitet ans Inkasso unternehmen. Vielen Dank. Nun meine Frage - muss ich das so hinnehmen ?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von franneck1989, 50

Nein, musst du nicht. Du hast durch deine mehrfachen Mails dem Unternehmen mitgeteilt, dass du zahlungsunfähig bist.

Ich zitiere diesbezüglich mal das AG Brandenburg, Urteil vom 23. Juli 2012 · Az. 37 C 54/12:

"Die Aufwendungen sind im Falle der Erfolglosigkeit nur zu erstatten,
wenn der Schuldner vor Einschaltung des Inkassounternehmens weder
erkennbar zahlungsunfähig noch zahlungsunwillig gewesen ist (weitere
Nachweise bei Palandt-Grüneberg, § 286, a.a.O.)."

Die Gebühren des Inkassobüros wirst du nicht bezahlen müssen.

Es können jedoch durchaus andere Verzugskosten (Zinsen, Gebühren für Mahnbescheid usw.) geltend gemacht werden



Kommentar von Sushi2008 ,

Das hab ich auch gefunden aber war mir unsicher. Vielen Dank schon mal 

Kommentar von franneck1989 ,

Ein Recht auf Ratenzahlung hast du allerdings nicht.

Der Gläubiger konnte sofort einen Mahnbescheid erlassen. Wenn du nicht zahlen kannst, hätte er dann innerhalb von 14 Tagen einen Vollstreckungstitel gegen dich in der Hand.

Kommentar von Sushi2008 ,

Rossmann sagt am Telefon dass es Ihnen leid tut dass sie nicht geantwortet haben aber zahlen muss ich das Geld. Und es kam der Hinweis - wenn ich jetzt lediglich die Höhe der Bestellung plus Mahngebühren an Rossmann bezahle würde dass das Geld sofort zum Inkasso Büro ginge. Somit wäre dann der fällige Betrag laut Inkasso  ja aber  dann nicht getilgt. Die Dame wies mich darauf hin dass dann bald der Gerichtsvollzieher vor der Tür stünde. 

Also wende ich mich direkt ans Inkasso Büro ? Diese wünschen aber lediglich postalische Korrespondenz 

Kommentar von franneck1989 ,

Hör nicht auf diesen Blödsinn und höre auch bitte in Zukunft auf, in solchen Angelegenheiten zu telefonieren.

Auch wenn der Gläubiger ein Inkassobüro einschaltet, bleibt er weiterhin Gläubiger. Somit sind auch Zahlungen an ihn selbstverständlich schuldbefreiend. Zur Sicherheit kannst du dann in den Verwendungszweck "Nur Hauptforderung plus 5 Euro Mahngebühren" o.ä. schreiben.

Kurz: Wenn du die Hauptforderung aus dem Einkauf und zusätzlich 5 Euro Mahngebühren (sehr großzügig) an Rossmann überweist, bist du aus der Nummer raus. Sollte es eine Rücklastschrift und/oder eine Adressermittlung gegeben haben, dann schlage nochmals 5 bzw. 10 Euro drauf.

Das Inkasso kann dann rumstänkern, wie es will...

Kommentar von Sushi2008 ,

Ich denke immer mit Freundlichkeit kommt man vllt weiter :/ naiv wie man in diesem Fall ja eben sehr gut sehen konnte. 

Sollte ich dem Inkasso dennoch einen Brief zukommen lassen ? 

Kommentar von mepeisen ,

Wenn, dann maximal folgendes:

"Wertes Inkasso. Ich weise die Forderung vollumfänglich zurück. Ich untersage die Speicherung meiner personenbezogenen Daten und die Meldung an Auskunfteien. Einem gerichtlichen Mahnbescheid werde ich widersprechen. Weitere Bettelbriefe beantworte ich nicht."

Im Übrigen kommt der Gerichtsvollzieher nicht einfach mal so vorbei. Die Drohung mit einem GV um die Inkassogebühren zu erzwingen ist für sich ggf. sogar eine Straftat (Nötigung). Nun weißt du im Grunde auch, wie du dieses Telefonat zu nehmen hast. Schriftlich kriegst du solche Aussagen nie. Hier geht's nur darum, dich einzuschüchtern.

Antwort
von kevin1905, 41

Ja und nein.

Du hast keinen Anspruch auf Ratenzahlung und du scheinst dich in Verzug zu befinden. Also bezahl den Gläubiger zzg. Zinsen, bevor ein gerichtlicher Mahnbescheid ergeht.

Inkassobüro ignorieren.

Antwort
von Gerneso, 46

Du hast wissentlich etwas bestellt, was sofortige und vollständige Bezahlung erfordert und mit der Bestellung den allgemeinen Geschäftsbedingungen zugestimmt.

Nach Erhalt der Ware hier zu verhandeln ist unverschämt und nicht vom Verkäufer hinzunehmen. Wenn Ratenzahlung angeboten würde, wäre das direkt bei Kaufabschluss als mögliche Zahlungsvariante angeboten worden.

Warum bestellt man etwas, was man sich gar nicht leisten kann und stellt sich anschließend als Opfer hin?

Wie würdest Du das denn finden, wenn Du einen Anstellungsvertrag mit einem Arbeitgeber abschliesst, in dem geregelt ist, dass Du jeden Montag Betrag x erhälst und wenn die Zahlung fällig wäre, der AG fragt, ob er das auch irgendwie in Raten an Dich zahlen kann?

Kommentar von franneck1989 ,

Nach Erhalt der Ware hier zu verhandeln ist unverschämt und nicht vom Verkäufer hinzunehmen.

Ebenso unverschämt ist die Einschaltung eines Inkassobüros als Druckmittel

Ein gerichtlicher Mahnbescheid wäre zielführender und günstiger

Kommentar von Gerneso ,

Wie Schulden eingetrieben werden ist ein standardisierter Prozess, den das Unternehmen für sich bestimmt und entschieden hat. Keine individuelle Einzelfallentscheidung.

Kommentar von kevin1905 ,

Wie Schulden eingetrieben werden ist ein standardisierter Prozess, den das Unternehmen für sich bestimmt und entschieden hat.

Klar kann das Unternehmen dies halten, wie es möchte.

Die Frage ist aber was der Schuldner bezahlen müsste. Und in 99 von 100 Fällen ist das Inkassobüro NICHT vom Schuldner zu bezahlen.

Kommentar von Gerneso ,

Ja, aber wenn man einfach mal vor dem Einkauf seine Finanzkraft prüft, kommt man gar nicht erst in die Situation wo man sich selbst in finanzielle Schwierigkeiten bringt.

Scheinbar glauben einige Leute aber sie können bestellen und anschließend über Zahlungsbedingungen verhandeln.

Und wenn der "böse" Dienstleister dann einfach auf den Kaufvertrag besteht ist der schuld und nicht der eigentliche Verursacher selbst.

Kommentar von mepeisen ,

Das ist trotzdem keine Rechtfertigung für Inkassogebühren. Ganz im Gegenteil: Wenn dem Gläubiger die finanziellen Schwierigkeiten bekannt sind (und das sind sie durch die Mails), dann sind Inkassogebühren ganz grundsätzlich nicht erstattungsfähig. Denn die finanziellen Probleme verschärfen sich sogar durch die Inkassogebühren, auf keinen Fall aber lösen sie sich plötzlich in Luft auf.

Und ja, da sind sich Gerichte einig.

So Läden wie Rossmann als großer Konzern brauchen vieles, aber garantiert keine Hilfe von Inkassobüros.

Und wenn der "böse" Dienstleister dann einfach auf den Kaufvertrag besteht ist der schuld und nicht der eigentliche Verursacher selbst.

Täuscht du wissentlich darüber hinweg, dass es bei der Frage um Inkassogebühren geht? Diese Argumentation erinnert an Mitarbeiter von Inkassobüros, die immer wieder solche absurden Argumente vorbringen. Absurd deswegen, weil es dem TE doch gar nicht um die eigentliche Hauptforderung geht,. er will sie ja irgendwie bezahlen, kann es nur nicht direkt und sofort. Warum auch immer. Und du argumentierst, dass es deswegen erlaubt sei, ihm auch noch "Strafgebühren" aufzubrummen, quasi als Druckmittel.

Glücklicherweise verbieten das unsere Gesetze.

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