Frage von robb85, 106

Inkassogebühr höher als ursprüngliche Forderung beim Gläubiger?

Hallo!

Ist es möglich, dass die Inkassogebühr höher ist als die eigentliche Schuld?

Im konkreten Fall geht es m. M. um eine ungerechtfertigte, aber vertraglich wohl legitime Forderung einer Versicherung in Höhe von knapp 64 EUR. Da ich auf diese eine Zeit lang nicht reagiert habe, aber auch nur diese eine Aufforderung kam, bekam ich nun Post vom beauftragten Inkassounternehmen der Versicherung. Diese nehmen sich das Recht heraus, zzgl. zur besagten Forderung von 64 EUR eine Inkassogebühr i. H. v. gut 88 EUR zu berechnen. Also ein Gesamtbetrag i. H. v. 152 EUR. Ist denn das so rechtens?

Natürlich, ich weiss,.... Verzugszinsen etc. Aber bei 64 EUR und gut fünfprozentiger Verzinsung (pro Jahr), gerechnet auf ca. sechs Monate ist das doch nicht normal so, oder? Nach meiner Berechnung wären das Verzugszinsen i. H. v. 1,60 EUR zzgl. ggf. des Poststempels (0,70 EUR), ggf. Material (Umschlag, Papier und Druckkosten) 0,30 EUR und natürlich noch Kosten des Sachbearbeiters, um in eine standardisierte Maske die Empfängerdaten/Schuldnerdaten und die des Gläubigers, und natürlich noch die Forderung einzutragen.

Da muss es doch irgendeine Gesetzesgrundlage für geben, oder? Ein anwaltliches Honorar bspw. ist doch auch gedeckelt in Deutschland. Wie ist das bei Inkassounternehmen geregelt?

Wäre für konstruktive Beiträge sehr dankbar.

Antwort
von EXInkassoMA, 40

15 € plus 3 € Auslagenpauschale wären maximal an Inkassokosten zu zahlen

http://www.schuldnerberatung-schickner.de/news/inkassokosten-zulassig-oder-nicht...

ICH persönlich würde nichts an Inkassogebühren bezahlen da es sich bei dem Vetrsicherungskonzern um einen geschäftserfahrenes Unternehmen handelt welches keinerlei Hilfe einer Inkassobude benötigt

Eine Klage expl wg diesen Kosten mangels Erfolggsaussichten recht unwahrscheinlich


Antwort
von kevin1905, 53

Ist es möglich, dass die Inkassogebühr höher ist als die eigentliche Schuld?

Ja, weil diese in Staffeln gerechnet wird. Höchstgrenze ist das RVG, also was ein Rechtsanwalt für die gleiche Tätigkeit abrechnen dürfte.. Für Forderungen bis 500,- € Streitwert ist die Forderung immer gleich hoch.

Ist denn das so rechtens?

Ja. Aber das heißt noch nicht, dass du es bezahlen musst.

und natürlich noch Kosten des Sachbearbeiters, um in eine
standardisierte Maske die Empfängerdaten/Schuldnerdaten und die des
Gläubigers, und natürlich noch die Forderung einzutragen.

Darf nicht in Rechnung gestellt werden.

Löse das Problem, in dem du die Hauptforderung an den Versicherer zahlst, zzgl. Zinsen und 5,- € pauschal als Mahngebühren. Bei der Überweisung dies auch genau so angeben.

Inkassobüro kriegt einen Widerspruch. Du musst die nicht bezahlen.

Antwort
von Geheim0815, 63

Das Problem ist das die Inkassoarbeit erstmal nichts mit der Ursprungsforderung zu tun hat, bei einer Forderung von 1€ fallen wenn man ihr nachrennen muss dennoch höhere Kosten an. Leider ist es gesetzlich in Deutschland nicht geregelt (wäre dringend nötig), aber es gibt viele Gerichtsentscheidungen... manche deckeln es mit dem was ein Anwalt kosten würde, manche sprechen die Inkassokosten komplett ab. Wie hoch die Anwaltskosten wären kannst du dir mit diversen Rechnern ausrechenen lassen (0,3 Gebühr), sofern du direkt an die Versicherung zahlst und alles andere zurückweißt ist es unwarscheinlich das jemand klagt.... ob du die Versicherung dann allerdings behalten kannst ist die andere Frage (ebenso wie die Frage ob du mit einer solchen Versicherung weiter zusammen arbeiten willst die gleich zum Inkasso rennt).

Antwort
von slogan, 65

ja, ist möglich. Gerade bei kleinen Beträgen kann durch die zusatzkosten und Gebühren der Ausgangswert um über 100 % überstiegen werden. Bei höheren Schulden fällt es prozentual nicht so ins Gewicht.

Antwort
von ChefMoralAnwalt, 34

Inkassobüros haben für ihre "Leistungen" keine Rechtsgrundlage. Auf das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz ( RVG ) dürfen sich Inkasso Clowns gerade nicht berufen.

Und die § aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch ( BGB ) drehen sich Inkasso Haie immer so, dass es für sie gut ist.

Zahl nur die Hauptforderung plus 1,20 € für jede Papiermahnung. Sofern der Hauptgläubiger überhaupt Mahnungen versendet hat. Zahle keine Gebühren für Mahnungen, die per E-Mail versandt worden sind.

https://anwaltauskunft.de/magazin/leben/freizeit-alltag/615/wie-hoch-duerfen-mah...

Die Inkassoforderung wird eh zurückweisbar sein, da sie sicher nach § 174 BGB keine Gläubiger Vollmacht mit beiliegen hat.

https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__174.html

Kommentar von mepeisen ,

Inkassobüros haben für ihre "Leistungen" keine Rechtsgrundlage. Auf das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz ( RVG ) dürfen sich Inkasso Clowns gerade nicht berufen.

Lies bitte mal §4 RDGEG. Inkassos können und dürfen auch außergerichtlich gemäß RVG abrechnen.

Das heißt natürlich nicht, dass man trotzdem die Forderung begleichen muss, denn der Knackpunkt ist: Im Masseninkasso findet weder eine Einzelfallprüfung noch eine Rechtsberatung jemals statt. Damit wankt die 1,3 Gebühr, die hier stets gefordert wird, ganz gewaltig... Um nicht zu sagen, dass sie zu recht von vielen Gerichten zusammengestrichen wird auf wenige Euros.

Antwort
von Samika68, 51
Kommentar von kevin1905 ,

Der Rechner hilft aber nicht im Bezug darauf, ob die Inkassokosten überhaupt zu tragen sind.

Der Auftraggeber ist ein Versicherer, also ein Finanzdienstleister. Dieser braucht für sein Mahnwesen nicht die Hilfe eines weiteren Finanzdiesntleisters, ergo sind die Inkassokosten nicht erstattungspflichtig.

Kommentar von EXInkassoMA ,

Den Rechner kann man getrost in der Pfeife rauchen denn er gibt immer nur den maximal erlaubten Wert an

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