Frage von squirrel83, 123

Inkasso: Wie lange dauert es bis ein Gerichtsvollzieher tätig wird?

Ich bin Freiberufler und die Rechnung an eine Auftraggeberin blieb unbezahlt. Daraufhin Mahnverfahren, gerichtlicher Mahnbescheid, dann der Vollstreckungsbescheid, alles ohne Reaktion. Daraufhin habe ich eine Rechtsanwaltskanzlei mit der Eintreibung der Forderung beauftragt. Zwei Tage später kam die Rechnung der Kanzlei mit Rechtsanwalts- und Gerichtsvollzieherkosten. Diese habe ich am selben Tag noch bezahlt. Dies ist nun etwa vier Monate her, und es ist bisher noch immer nichts passiert. Vor einem Monat habe ich dann mal bei der Kanzlei den aktuellen Stand der Dinge nachgefragt. Als Antwort kam nur, dass die Gerichtsvollzieher wegen der Urlaubszeit alle überlastet seien und man mich sofort informieren würde, sobald es etwas neues gibt. Dies ist mein erster Inkasso-Fall. Sind derartige Wartezeiten normal? Oder wie viele Monate dauern erfahrungsgemäß Gerichtsvollzieher-Urlaube? Sind die wirklich so überlastet oder sind das Ausreden der Kanzlei? Habe ich mich vielleicht doch an die falsche Rechtsanwaltskanzlei gewendet? Bin übrigens in Köln und die Höhe der Forderung ist ungefähr fünftausend Euro.

Antwort
von Xipolis, 41

Sind derartige Wartezeiten normal?

Wartezeiten von vier Monaten (!) sind sehr, sehr ungewöhnlich. Vier bis sechs Wochen wären die Regel. 

Wobei aus den Gründen eine sofortige Vorpfändung (vorläufiges Zahlungsverbot) zu beantragen wäre, denn der Schuldner ist mit Zustellung des Vollstreckungbescheides gewarnt und kann in der Zwischenzeit das Konto leer räumen.

Oder wie viele Monate dauern erfahrungsgemäß Gerichtsvollzieher-Urlaube?

Es sind nie alle Gerichtsvollzieher gleichzeitig im Urlaub.

Sind die wirklich so überlastet oder sind das Ausreden der Kanzlei? 

Definitv sind Gerichtsvollzieher sehr stark ausgelastet - das aber eine Vollstreckung Monate lang verzögert wird ist nicht üblich und hier wäre auch zu prüfen ob nicht bereits ein Fall von Amtshaftung vorliegt.

Definitiv sollten Sie sich regelmässiger mit Ihrem Rechtsbeistand telefonisch in Verbindung setzen um nach dem aktuellen Stand und den nächsten Schritten zu fragen, anstelle nur zu warten. Wenn Ihr Rechtsbeistand sie vertröstet, hacken sie nach - sie wollen ja schließlich nicht auf den St-Nimmerleins-Tag warten. 

Eine Vorpfändung wird unverzüglich beim Drittschuldner zugestellt und notfalls alle vier Wochen wiederholt bis der PfÜB erlassen ist. 

Habe ich mich vielleicht doch an die falsche Rechtsanwaltskanzlei gewendet?

Meines Erachtens wäre es zum einen sinnvoller gewesen, bei der Beantragung des Vollstreckungsbescheides NICHT die Zustellung durch das Mahngericht zu veranlassen, sondern die Zustellung im Parteibetrieb zu beantragen. In dem Fall wären Ihnen beide Ausfertigungen zugeschickt.

Dann hätte es Sinn gemacht, sobald Ihr Antrag dem Mahngericht vorliegt, dort den Rechtspfleger telefonisch anzurufen um schon vor Zustellung zu erfahren, ob der Bescheid erlassen ist.

In dem Moment wo sie das wissen, beantragen Sie formlos bei der GV-Verteilstelle des Vollstreckungsgerichts das vorläufige Zahlungsverbot gegen die Drittschuldner (eine Ausfertigung des VBs brauchen Sie dafür nicht). Da es sich dabei um einen Eil-Antrag handelt, geht dieser unverzüglich in die Zustellung und die Konten, oder sonstige Drittschuldner sind blockiert.

Sobald dann die Ausfertigungen vorliegen, gehen diese an das Vollstreckungsgericht und die Pfändung(en) werden ganz normal beantragt.

Natürlich ist es Ihr gutes Recht einen Rechtsbeistand dies durchführen zu lassen - meines Erachtens hätten Sie dies aber auch selbstständig besorgen können.

Kommentar von Xipolis ,

Tipp:

Ihr Rechtsbeistand sollte einen kombinierten Vollstreckungsantrag stellen, falls noch nicht geschehen. Die Bankverbindung(en) kann Ihr Rechtsbeistand bei Creditreform und auch bei anderen Auskunfteien abfragen.

Dein Auftraggeber hat vielleicht auch Anspruch auf Steuererstattungen beim Finanzamt oder bei seinen Auftraggebern (Werklohn!). Das müsste und würde normalerweise Dein Rechtsbeistand recherchieren.

Es macht aber Sinn bei einer so langen unzumutbaren Verzögerung Sinn, beim Vollstreckungsgericht, wegen Untätigkeit, Dienstaufsichtsbeschwerde zu stellen, auch dies sollte Dein Rechtsbeistand in Erwägung ziehen, denn das erhöht den Druck auf diese Stellen.

Ihr Rechtsbeistand könnten auch noch den persönlichen Arrest gegen den juristischen Vertreter Ihres Auftraggebers zu beantragen (§ 916 ZPO) um Ihren Anspruch zu sichern.

Antwort
von kevin1905, 50

Sind derartige Wartezeiten normal?

Kommt schon mal vor.

Antwort
von Qochata, 63

viel zu lange. rufe selber mal beim zuständigen gericht unter angabe des aktenzeichens an

Antwort
von Undefined999, 55

Hey,

hast du denn schon mal versucht, die Auftraggeberin persönlich zu erreichen? Also per Telefon oder so um mal nachzufragen, was bei ihr los ist?

Ansonsten sind meiner Erfahrung nach solche Wartezeiten durchaus normal.

Und wenn der Gerichtsvollzieher nichts pfändbares vorfindet, dann bleibst Du auf allen Kosten (also Anwalt, Gerichtsvollzieher usw.) sitzen.

Meiner Meinung nach ist eine persöhnliche Klärung mit dem Gläubiger immer noch am Besten.
Denn was bringt es, jemanden der eh schon kein Geld hat um die Rechnung zu begleichen, eine noch viel höhere Rechnung zu schicken, bzw. noch mehr kosten für diese Person zu verursachen.
Davon hat keiner was, du bleibst auf den höheren kosten sitzen und die Auftraggeberin hat noch mehr Schulden.

Aber irgendwie scheine ich mit dieser Ansicht recht alleine zu sein.
Ich verstehe es nicht, wo ist der Sinn darin, dafür zu sorgen, dass jemanden der eh schon Schulden hat, noch viel mehr Schulden bekommt?

Kommentar von squirrel83 ,

Die Frage war in keinster Weise, ob persönliche Klärung oder Inkasso über Rechtsanwalt besser ist. Das hängt wohl immer von der jeweiligen Situation/Fall ab und davon, was schon alles unternommen wurde, um an das Geld zu kommen. Dementsprechend kann ich mit der Antwort nichts anfangen ;-)
Aber glaube mir, ich bin der letzte, der sofort zum Rechtsanwalt rennt, ohne vorher sämtliche anderen Alternativen zumindest versucht hat.
Würdest du den Fall kennen, würdest du sicher nicht anders handeln als ich.
Außerdem ist bekannt, dass Geld bei der Schuldnerin mehr als ausreichend vorhanden ist, aber wie gesagt, meine Frage war nicht, wie ich mit der Schuldnerin umgehe, sondern ob diese Wartezeiten normal sind.

Kommentar von Undefined999 ,

ich hatte doch geschrieben, dass diese Wartezeiten meiner Erfahrung nach normal sind.
In einem Fall musste ich knapp ein Jahr auf den Gerichtsvollzieher warten.
Der Rest war einfach nur meine allgemeine Meinung zu dem Thema

Kommentar von squirrel83 ,

Danke

Antwort
von SturerEsel, 59

Ja, das kann alles bis zu einem Jahr dauern.

Du solltest dich damit abfinden, dass das Geld futsch ist und dass du sogar dem schlechten Geld noch gutes hinterher geworfen hast.

Kommentar von squirrel83 ,

Geld ist bei der Schuldnerin mehr als ausreichend vorhanden, sie führt nach wie vor ein erfolgreiches Unternehmen.
Es geht um eine B2B-Rechung, nicht an eine Privatperson.

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