Frage von Kocher1960, 66

Inkasso oder Dedektei?

Habe eine Titulierte Forderung aus dem Jahr 2000, dreimal versucht zu pfänden. der schuldner macht falsche Angaben in der Vermögensauskunft, arbeitet weiter schwarz (KFZ) und ich komm nicht an mein Geld. Habe eine Liste mit KFZkennzeichen die alle bei ihm repariert wurden. Auch Firmen sind dabei. Soll ich jetzt ein Inkassounternehmen beauftragen oder besser eine Dedektei oder eine Meldung beim Finanzamt machen. Danke

Antwort
von mepeisen, 23

Schritt 1: Zur Polizei gehen und Strafanzeige abgeben. Wegen aller in Frage kommender Delikte, insbesondere wegen einer falschen Vermögensauskunft und ggf. wegen Bankrott (Beiseite Schaffen von Vermögen u.ä.). Dabei zwei Varianten äußern: A) Der Schuldner betreibt alles selbst, hat es verschwiegen oder nutzt einen Strohmann. B) Der Schuldner ist dort angestellt und verschweigt das Einkommen. Die Halter der PKW als Zeugen benennen.

Schritt 2: Wenn man weiß, wo die Werkstatt ist, einen Gerichtsvollzieher mit Pfändung in das Betriebsvermögen beauftragen. Da werden genug Werkzeuge und Ersatzteile sein. Ggf. wird da sogar ein Auto sein, all das dem Gerichtsvollzieher als Hinweis geben, dass all das gepfändet werden soll und dass er sich nicht von irgendwelchen Behauptungen beeindrucken lassen soll, dass das alles nicht dem Schuldner gehören würde, denn die Eigentumsverhältnisse sollten von einem Gericht durchleuchtet werden wegen begründeten Verdachts der absichtlich falsch abgegebenen Vermögensauskunft.

Schritt 3: Wenn man halbwegs gesichert weiß, wer zu den dauerhaften Kunden des Schuldners gehört, für diese ein Zahlungsverbot und einen Pfändungsbeschluss beantragen. Damit etwaige Bezahlungen für Reparaturen in deine Tasche fließen statt in seine.

Natürlich bedeuten Schritt 2 und 3, dass man Geld vorstrecken muss. Je nachdem, wie hoch der Titel ist, hält sich das in Grenzen. In jedem Fall bekommt damit sehr schnell zum einen den Schuldner extrem unter Druck und zum zweiten die Informationen, was da tatsächlich abläuft.

Wenn dein Verdacht richtig ist, dass der Schuldner eigentlich Geld hätte, um die Schulden zu bezahlen, ist auch wahrscheinlich, dass der Schuldner schnell bezahlt, um beispielsweise wegen der falschen Vermögensauskunft mit einer milden Strafe rechnen zu dürfen.

Die einzige Gefahr wäre, dass du dich in die Reihe vieler weiterer Gläubiger einreihen müsstest, die bereits erfolglos an all den Quellen pfänden.

Antwort
von Xipolis, 33

Ein Inkassounternehmen zu beauftragen würde Dich nur unnötig Geld kosten, da diese auch nur den Schuldner durch Schreiben oder durch den Gerichtsvollzieher zur Zahlung auffordern können.

Mit einer Detektei könntest Du möglicherweise an Informationen kommen, musst dafür aber Geld in die Hand nehmen. Das hängt sehr von der Höhe der Forderung ab und davon inwieweit Du bereit bist weiteres Geld zu versenken, denn diese Kosten können so nicht ohne weiteres auf den Schuldner abgewälzt werden.

Wichtig wäre, dass Du zur Polizei gehst und dort Anzeige bzw. Strafantrag wegen dem Verdacht der eidlichen Falschausage und dem Verdacht der Schwarzarbeit stellst.

Überlege Dir auch Deinen Titel an ein Inkassounternehmen abzutreten gegen 5 % der Forderung.

Antwort
von kevin1905, 45

der schuldner macht falsche Angaben in der Vermögensauskunft

Wurde hierüber Strafanzeige gestellt? Falsche Versicherung an Eides Statt ist strafbar, damit fällt u.U. auch eine evtl. Restschuldbefreiung flach.

arbeitet weiter schwarz (KFZ) und ich komm nicht an mein Geld

Wurde das ebenfalls angezeigt?

Soll ich jetzt ein Inkassounternehmen beauftragen oder besser eine Dedektei oder eine Meldung beim Finanzamt machen.

Das Inkassobüro ist Geldverschwendung. Die Detektei wäre eine Möglichkeit, aber du müsstest die Kosten vorstrecken. Du möchtest wahrscheinlich Beweise für die Straftaten deines Schuldners sammeln?

Antwort
von Artus01, 51

eigentlich hast Du kaum eine Chance solange der Schuldner kein Einkommen über dem Pfändungsfreibetrag angibt.

Die ganze Schwarzarbeit und die falschen Angaben könnten ihn irgendwann ins Gefängnis bringen, Dir aber nicht Dein Geld, in Haft erst recht nicht.

Kommentar von mepeisen ,

eigentlich hast Du kaum eine Chance solange der Schuldner kein Einkommen über dem Pfändungsfreibetrag angibt

Kommt immer auf die Begleitumstände an. Auch ein Einkommen unterhalb muss in der Vermögensauskunft angegeben werden. Gibt er gar nichts an, hat der Schuldner grundsätzlich ein Problem. Wie weit das reicht und ob dann etwas zu holen ist, wird man dann sehen müssen.

Kommentar von Artus01 ,

Ist alles richtig, nur bringt es dem Gläubiger nicht viel.

Kommentar von mepeisen ,

Wenn er eine eigene Werkstatt hat, kann man erst mal die ganzen dort befindlichen PKW und Werkzeuge pfänden. Das Inventar. Und dann sieht man weiter.

Wenn der wirklich nur angestellt ist, wird das mächtig Ärger geben für ihn. Aber ggf. auch für seinen Chef wegen Schwarzarbeit. nicht ausgeschlossen, dass dann festgestellt wird, wie viel Lohn er bekommen hatte und dann ist plötzlich der Chef als Drittschuldner bis zum pfändbaren teil dieses schwarz ausgezahlten Lohns haftbar.

Auf jeden fall ist in einer Kfz-Werkstatt erst mal mehr zu holen als bei einem reinen Dienstleistungsunternehmen, was außer eins zwei PCs nur virtuelle Vermögensgegenstände wie beispielsweise Software und seinen guten Ruf hat.

Entweder man probiert es oder man knirscht weiter mit den Zähnen. Klar, am Ende könnte man hier Geld investieren und trotzdem nie etwas zurück bekommen. Damit muss man rechnen. Die Entscheidung liegt aber beim TE. Können wir nicht abnehmen, was er machen soll :-)

Kommentar von Artus01 ,

Das kann alles funktionieren, meist jedoch nicht.

Wie der Fragesteller schreibt ist er ja nicht der einzige Gläubiger. Die KFZ-Werkstatt wird daher wohl mehr ein Hinterhofschrauberbude sein. Da gibt es nicht viel zu pfänden, das evenuell was bringen würde.

Aber grau ist alle Theorie, solange man nicht mehr über den Schuldner und deren Lebensumstände weiß.

Kommentar von mepeisen ,

Das kann alles funktionieren, meist jedoch nicht.

Richtig. Habe ich in meiner eigenen Antwort oben auch auch durchaus geschrieben. :-)

Da gibt es nicht viel zu pfänden, das evenuell was bringen würde.

Kommt wieder auf den Schrauber an und darauf, wie hoch die Schulden sind. Wenn es beispielsweise um 700€ geht, muss man ja nicht wirklich viel finden. Einige Ersatzteile, die sich gut versteigern lassen und schon ist das Geld drin.

Aber grau ist alle Theorie, solange man nicht mehr über den Schuldner und deren Lebensumstände weiß.

Das ist richtig.

Bisher hat der TE ja auch nur das Wissen, dass der Schuldner mehrere Autos repariert hat. Da auch Firmen dabei sind, hat es eine gewisse Regelmäßigkeit und vor allem scheint er oberflächlich vernünftige Rechnungen zu schreiben.

Der Verdacht geht also erst mal ausschließlich so weit, dass er das einfach nur in der Vermögensauskunft "vergessen" hat.

Dass er Steuern hinterzieht usw. ist eine mögliche Schlussfolgerung, die nicht stimmen muss. Er kann das durchaus auch korrekt versteuern usw. Macht es für den TE nicht wirklich besser, aber es gibt ja in Polizei und Finanzamt/Zoll (je nachdem) Institutionen, die dem von Amts wegen nachgehen müssen und aufklären können müssten.

Das ist die eine Frage.

Die zweite, ob davon was zu holen ist, ist bedingt damit verknüpft. Denn je nachdem, wie die Aufklärung ausgeht, wird daraus eine vbuH und damit geht die Forderung nicht mehr in Insolvenz unter. Ob der TE jemals Geld zurückbekommet, weiß hier sowieso niemand.


GANZ WICHTIG: Man muss sich selbst eine Grenze setzen. Wie viel Geld bin ich bereit, da noch hinzuwerfen bis ich sage "Dumm gelaufen, sehe ich nie wieder, ich breche nun ab"? Wie viel Aufwand will ich in Aufklärung investieren?

Kommentar von Artus01 ,

Der letzte Absatz kann nur vollkommen unterstrichen werden.

Antwort
von Robin1978, 66

Wenn du ihm wegen Steuerbetrug anklagst werden die, fals es da was zu holen gibt, sich zuerst Ihr Geld holen!Wenn du beweise hast kannst du zu nem Rechtsanwalt gehen, bedenke aber das du diese Mehrkosten nicht auf dem Schuldner abwälzen kannst! Desweiteren wenn er nichts offiziell auf seinem Namen laufen lässt, hat Du kaum die möglichkeit zu beweisen das er Geld bekommt! Habe auch ein Titel seid 2001 (7000 D-Mark)laufen, mein ex Chef wohnt seid dem bei seinem Vater und natürlich gibt's da nichts zu pfänden, da alles offiziel auf seinem Vater läuft!

Kommentar von Xipolis ,

Dann hast Du einen einen Anspruch auf das Erbe.

Kommentar von Robin1978 ,

Der titel ist nur 30jahre gültig!

Kommentar von Xipolis ,

Robin1978,

nicht "nur", sondern mindestens. Denn jeder neue Vollstreckungversuch lässt die Verjährung von vorne beginnen.

Kommentar von mepeisen ,

Wenn du ihm wegen Steuerbetrug anklagst

Privatpersonen können so eine Klage nicht führen.

fals es da was zu holen gibt, sich zuerst Ihr Geld holen

Das Finanzamt ist übrigen Gläubigern gleich gestellt. Es muss sich, da die Schulden dann aufgrund des alten Titels später entstanden ist, sogar hinten anstellen.

Wenn du beweise hast kannst du zu nem Rechtsanwalt gehen, bedenke aber das du diese Mehrkosten nicht auf dem Schuldner abwälzen kannst!

Auch das ist falsch. Es kommt stark drauf an, was der Rechtsanwalt dann macht (ebenso wie die Detektei). Wenn das alles zweck dienlich ist - und bei solchen Machenschaften kann eine Rechtsberatung üblicherweise immer zweckdienlich sein - dann muss der Schuldner diese Zusatzkosten ebenfalls erstatten. Angerichtet hat der Schuldner den Schaden durch sein Verhalten und nicht der TE. Erst wenn der TE unsinnige Sachen macht, muss der Schuldner das nicht bezahlen.

Desweiteren wenn er nichts offiziell auf seinem Namen laufen lässt, hat Du kaum die möglichkeit zu beweisen das er Geld bekommt!

Das ist theoretisch richtig, aber dann würde ihm ggf. ja ein Gehalt zustehen und selbst wenn das schwarz bezahlt wird, hat der Schuldner etwas Verbotenes gemacht und ggf. in der Vermögensauskunft gelogen, als er dieses Gehalt verschwiegen hat. Schwarzarbeit ist ebenso kein Kavaliersdelikt.

Kommentar von Robin1978 ,

Du magst ja schon recht haben, ist aber sehr viel Theorie, Praktisch sieht das leider ganz anders aus!

Kommentar von mepeisen ,

Was sieht in der Praxis anders aus? Wenn du beispielsweise "eine Klage auf Steuerbetrug" einreichst, wird der Richter sagen "Sie sind nicht das Finanzamt. Klage abgewiesen."

Kommentar von Robin1978 ,

Ich meinte damit, das es nicht so leicht ist an sein Geld zu kommen, an meinem beispiel, müsste ich zum rechtsanwalt, ein neues verfahren beim amtsgericht eröffnen, viel geld erstmal selber investieren, damit es dann evtl. dann doch heißt da gibt es nichts zu holen!

Der Titel bringt daher erstmal nicht viel, Papier ist geduldig. Ich bin nicht der einzige Schuldner, er weis schon was er machen muss,  damit er nicht zahlt! vielleicht in zehn Jahren!

Ich wusste aber nicht das der Titel automatisch sich verlängert, nach mem Pfändungs versuch!

Kommentar von Xipolis ,

§ 212 BGB 

Neubeginn der Verjährung

(1) Die Verjährung beginnt erneut, wenn
1. der Schuldner dem Gläubiger gegenüber den Anspruch durch Abschlagszahlung, Zinszahlung, Sicherheitsleistung oder in anderer Weise anerkennt oder
2. eine gerichtliche oder behördliche Vollstreckungshandlung vorgenommen oder beantragt wird.
(2) Der erneute Beginn der Verjährung infolge einer Vollstreckungshandlung gilt als nicht eingetreten, wenn die Vollstreckungshandlung auf Antrag des Gläubigers oder wegen Mangels der gesetzlichen Voraussetzungen aufgehoben wird.
(3) Der erneute Beginn der Verjährung durch den Antrag auf Vornahme einer Vollstreckungshandlung gilt als nicht eingetreten, wenn dem Antrag nicht stattgegeben oder der Antrag vor der Vollstreckungshandlung zurückgenommen oder die erwirkte Vollstreckungshandlung nach Absatz 2 aufgehoben wird.

Antwort
von geheim007b, 33

das Geld abschreiben und entsprechende Anzeigen machen. Zivilrechtlich schützt der Staat solche Leute, da ist leider kaum etwas zu machen. Detektei kostet auch nur Geld, offiziell "mittellos" ist er dann imer noch.

Antwort
von Frikadello, 58

Am besten ein Inkassobüro beauftragen und gleichzeitig den Zoll wegen der Schwarzarbeit informieren.

Kommentar von mepeisen ,

Was soll das Inkasso machen außer Briefe schreiben? Das wird einen, der sowieso bereits Steuern hinterzieht und in Vermögensauskünften lügt, nicht weiter beeindrucken.

Kommentar von Frikadello ,

Die vom Inkasso schicken dem dann den Kuckuck

Kommentar von Xipolis ,

Dafür braucht der Gläubiger kein Inkassounternehmen.

Abgesehen davon wurde hier bereits die Vermögensauskunft (Erklärung an Eides statt) und damit ist eine erneute Vermögensauskunft frühestens nach zwei Jahren möglich.

Kommentar von Frikadello ,

Wann die Vermögensauskunft erteilt wurde steht nicht in der 'Frage nur das der Titel aus dem Jahr 2000. Also lieber klappe halten.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten