Frage von Wobvolley, 81

Inkasso-Kosten Anwalt?

Ich hatte vor 4 Wochen eine Forderung eines Gläubigers in Höhe von knapp 4.000 Euro beglichen. Ich hatte Monate zuvor gegen einen Mahnbescheid des Gerichtes Einspruch eingelegt. Der Anwalt vom Gläubiger hatte mich aufgefordert den Einspruch zurückzunehmen. Das tat ich nicht, sondern zahlte den Betrag... Nun schreibt mir der Rechtsanwalt, dass die Hauptforderung damit erledigt sei, aber die Kosten zu klären seien und droht mir, direkt zu klagen, wenn ich nicht innerhalb von 14 Tagen über 400,00 Euro zahle. Dabei berechnet er mit dem Faktor 1,3. Ich hatte damit überhaupt nicht gerechnet. Im ersten Schreiben schrieb er sinngemäß, dass ich weitere Kosten vermeiden könne. Ist das so einfach rechtens?

Antwort
von Xipolis, 34

Wie kevin1905 schon schrieb, denn der Gläubiger hat ja den Rechtsanwalt und das Gericht und Sonstiges bereits bezahlt und hier geht es nun um den Schadenersatz.

Grundsätzlich müsste man aber die Positionen aus dem Mahnbescheid kennen um zu prüfen, welche Kosten berechtigt sind und wissen, wer der Gläubiger ist und was der Rechtsanwalt außergerichtlich zuvor gemacht hat.

Unter III. Nebenforderung müsste sich als Punkt auch die Anwaltsvergütung für die vorgerichtliche Tätigkeit finden.

Bei einem Streit wert von knapp 4.000,00 € beträgt diese:

Entweder

a) max. 1,3 Geschäftsgebühr (mind. 0,5; je nach Aufwand) 2300 VV RVG = 323,70 €

zzgl. Auslagen-Pauschale 7002 VV RVG = 20,00 €

oder

b) 0,3 Geschäftsgebühr (nur Mahnschreiben) 2301 VV RVG = 74,70 €

zzgl. Auslagen-Pauschale 7002 VV RVG = 14,94 €

Unter II. Verfahrenskosten müssten sich die Rechtsanwaltkosten finden.

1,0 Verfahrensgebühr (Antragstellung) 3305 VV RVG = 249,00 €

Im Falle b) zzgl. Auslagen-Pauschale 7002 VV RVG = 5,06 €

Die vorgenannte Geschäftsgebühr muss hierauf angerechnet werden (Vorbem. 3 Abs. 4 VV RVG).

a) - 0,65 anzurechnende Geschäftsgebühr  2300 VV RVG = 161,85 €

Es verbleibt dann eine Verfahrensgebühr in Höhe von 87,15 €.

Oder

b) - 0,15  anzurechnende Geschäftsgebühr  2301 VV RVG = 37,35 €

Es verbleibt dann eine Verfahrensgebühr in Höhe von 211,65 €.

Rechnerisch ergibt sich damit folgende Rechtsanwaltsgebühren insgesamt:

a)

323,70 € Geschäftsgebühr

  87,15 € verbleibende Verfahrensgebühr

  20,00 € Auslagenpausche außergerichtlich

    0,00 € Auslagenpauschale gerichtlich

430,85 € gesamt

b)

 74,70 € Geschäftsgebühr

211,65 € verbleibende Verfahrensgebühr

  11,94 € Auslagenpausche außergerichtlich

    5,06 € Auslagenpauschale gerichtlich

306,35 € gesamt

Kommentar von Xipolis ,

Formal ist das korrekt, rechnerisch müsste es nochmal geprüft werden.

Antwort
von kevin1905, 48

Anwaltkosten sind etwas anders zu sehen als Inkassokosten.

Die 1,3 Gebühr ist für beide die Obergrenze. Ein Inkassobüro erbringt jedoch regelmäßig nicht die Leistung eines Rechtsanwalts (Prüfung, Rechtsberatung, individuelle Korrespondenz und ggf. Vertretung vor Gericht).

Inkassobüros arbeiten im Massengeschäft auf Flatrate oder Erfolgsbasis, womit keine Kosten entstehen, die dem Schuldner zur Erstattung auferlegt werden könnten. Bei Rechtsanwälten sieht das anders aus.

Daher könnte der Rechtsanwalt durchaus erfolgreich sein, wenn er versucht die Kosten einzuklagen. Hier würde ich evtl. versuchen einen Vergleich anzustreben.

Kommentar von Xipolis ,

Kommt halt darauf an wer der Gläubiger ist und was der Rechtsanwalt außergerichtlich geleistet hat.

Es sollte halt mehr sein, als eine Mahnung die die Rechtsanwaltsgehilfin geschrieben hat.

Wenn wir davon ausgehen, dass der Mandant mind. eine Stunde zum Gespräch vor Ort war und ein mehrseitiger Vertrag nebst AGB geprüft werden musste geprüft werden musste, dann mag 1,3 angemessen sein.

Für's Verfahren ist ja die Gebühr immer 1,0.

Rechnerisch ergibt sich bei 1,3 demnach 430,85 € bei 0,3 komme ich auf 306,35 €.

Antwort
von Vollstreckerin, 16

Hallo,

was Du schreibst ist unverständlich, da geht sehr viel durcheinander. Gegen einen Mahnbescheid kann man nur Widerspruch einlegen; gegen den Vollstreckungsbescheid hingegen Einspruch.

Dies nur am Rande.

Deine Frage ist nur zu beantworten, wenn Du haarklein schilderst , wann er was geschrieben und geltend gemacht hat. In der Überschrift hast Du von Inkassokosten geschrieben, um die es aber im text nicht mehr geht. Da geht es nur noch um den Anwalt. Wenn Inkassokosten neben den Anwaltsgebühren stehen, kann es sein, dass da etwas fragwürdig ist.

Ich empfehle eine grobe Linie. Wenn Du das bezahlt hast, was im Mahnverfahren geltend gemacht worden war, bist Du schonmal ganz schön sehr auf der sicheren Seite.

Wenn er jetzt noch weitere Gebühren geltend macht, würde ich ihn zunächst auffordern, konkret darzulegen, wie die sich ergeben und wie sie sich zu den bereits gezahlten, die im Mahnverfahren bereits geltend gemacht worden waren, verhalten.

Es kann schon sein, dass er dann hier mit irgendwelchen Ausflüchten und Schutzbehauptungen kommt, wofür die 400,00 EUR seien. Das kann man dann aber nur sehr konkret und detailliert beantworten.

Aufgrund des Wortlautes Deiner Frage kann man nur eine ziemlich allgemeine und unkonkrete Antwort geben.

Viele Grüße Vollstreckerin

Antwort
von franneck1989, 39

Gib mal durch, wie sich laut Anwalt die 400,- zusammen setzen. Das erscheint mir deutlich zu viel zu sein.

Grundsätzlich ist die Forderung wohl berechtigt. Die Kosten für die vorgerichtliche Tätigkeit und die Gebühren für den Mahnbescheid musst du tragen, wenn du dich in Verzug befunden hast.

Kommentar von Wobvolley ,

1,3 Geschäftsgebühr von 3942,06 = 327,60

Pauschale Post = 20,00

Summe: 347,60 netto

413,64 inkl MwSt.

Kommentar von mepeisen ,

Um was für einen Gläubiger handelt es sich? Das ist schon mal wichtig, inwieweit die Mehrwertsteuer überhaupt gefordert werden darf.

Ansonsten: Was exakt hast du denn beglichen? Was exakt stand alles auf dem Mahnbescheid an gebühren drauf und wurde von dir ebenfalls bereits bezahlt?

Kommentar von Xipolis ,

Wäre wichtig, weil die Geschäftsgebühr ja auch angerechnet werden muss auf die Verfahrensgebühr (und auch bei 20.- € Pauschale Schluss ist).

Kommentar von franneck1989 ,

Das ist korrekt so und muss gezahlt werden, falls du in Verzug warst und bisher nur die Hauptforderung gezahlt wurde. Wer ist denn Gläubiger? Eventuell kann man die MwSt streichen

Kommentar von Xipolis ,

Abgesehen von der MwSt. passt das rechnerisch. Ob hier die 1,3 angemessen sind, dafür müsste man den Sachverhalt kennen.

Antwort
von uni1234, 45

Grundsätzlich ist die Forderung berechtigt. Wenn Du nach dem Einspruch gegen den Mahnbescheid die Forderung begleichst, dann dann erledigt sich der Rechtsstreit. Die Kosten des Rechtsstreits trägst Du in diesem Fall. Zu den Kosten des Rechtsstreits zählen auch die Kosten des gegnerischen Anwalts.

Um Deine Frage im Einzelfall zu klären müsstest Du allerdings noch einmal den genauen Ablauf des Verfahrens schildern. Kam es bisher zu einem Gerichtstermin? Ist ein "Urteil" des Gerichts ergangen?

Kommentar von Wobvolley ,

Es gab keinen Gerichtstermin und kein Urteil. 

Kommentar von uni1234 ,

Dann ist das Vorgehen des Anwalts zumindest komisch da es in jedem Fall noch zu einer Verhandlung kommt. Auch die Drohung Klage zu erheben erscheint fragwürdig, da genau über die Anwaltskosten in der kommenden Verhandlung geredet wird. 

Kommentar von mepeisen ,

Dir ist schon klar, dass das gerichtliche Mahnverfahren bereits ein Gerichtsverfahren ist, wenn auch ein sehr spezielles?

Wenn die Kosten richtig berechnet sind, ist das auch alles andere als komisch. Der Anwalt kann und darf für das mahnverfahren Kosten berechnen.

Kommentar von uni1234 ,

Wenn Einspruch gegen den mahnbescheid erhoben wird, wo landet die Sache dann? Richtig, beim Richter. Der entscheidet über die Kosten wenn die Sache sich erledigt hat. 

Natürlich kann der Anwalt für das Mahnverfahren Kosten berechnen, das habe ich auch nirgendwo in Abrede gestellt oder?Der Anwalt verlangt die Bezahlung obwohl das Verfahren noch nicht beendet ist. Dies finde ich merkwürdig und komisch. 

Kommentar von Xipolis ,

Wenn Einspruch gegen den mahnbescheid erhoben wird,

Das Rechtsmittel ist hier der Widerspruch (§ 694 ZPO).

wo landet die Sache dann? Richtig, beim Richter. Der entscheidet über die Kosten wenn die Sache sich erledigt hat.

FALSCH!

Die Sache landet beim Rechtspfleger des Mahngerichts und wenn sich dann (nach sechs Monaten) nichts tut wird die Akte geschlossen.

Damit dass Ganze an das Streitgericht abgegeben wird, bedarf es eines Antrags einer der beiden Parteien (§ 696 Abs. 1 ZPO).

Und selbst dann bekommt es dort erstmal ein Rechtspfleger auf den Tisch, der dann den Kläger auffordert zu begründen.

Kommentar von franneck1989 ,

Die Drohung ist doch logisch und nachvollziehbar. Für beide Seiten ist eine außergerichtliche Regelung das beste und einfachste. Es wird ja nur zu einer Verhandlung kommen, wenn Klage erhoben wird

Kommentar von franneck1989 ,

Da liegst du falsch. Automatisch landet das keineswegs bei einem Richter. Wenn keiner der Beteiligten sich rührt passiert bei einem Widerspruch erstmal gar nichts.

Kommentar von Xipolis ,

Mahnbescheid -> Widerspruch (Einspruch gibt es hier nicht), da tut sich erstmal nichts mehr, es sei denn der Antragsteller reicht Zahlungsklage ein.

Antwort
von Borowiecki, 33

Ich denke ein Anwalt kann dich beraten kostet auf jedenfalls weniger was der Inkasso von dir verlangt

Kommentar von Xipolis ,

Hier ist kein Inlassounternehmen involviert und ein Rechtsanwalt würde hier 226,10 € Beratung kosten.

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