Frage von ttiggerr, 157

Inkasso fordert Geld. Kann ich nicht bezahlen, wie gehe ich am besten vor?

Hallo alle zusammen,

ich habe folgendes Problem: vor etwa drei Jahren war ich in einem Fitnessstudio angemeldet und bin da auch hin gegangen. Nach einer Weile konnte ich die Monatsgebühr nicht bezahlen und meine Karte wurde gesperrt. Da ich die Gebühren nicht bezahlt habe, und meine Karte immer noch nicht aktiviert wurde, bin ich davon ausgegangen, dass das Studio mich gekündigt hat, weil sich danach keiner mehr bei mir gemeldet hat.

Letzte Woche habe ich aber erfahren , dass das wohl doch nicht der Fall war. Habe von einem Inkassounternehmen/Forderungsmanagement ein Bescheid bekommen, dass die das Geld innerhalb von einer Woche haben wollen, rund 990 Euro. Ist für mich als ALG II Bezieher definitiv nicht möglich. Also habe ich angerufen und in dem Gespräch hieß es, dass eine Ratenzahlung von 75 Euro pro Monat möglich wäre. Am Telefon habe ich das Angebot verneint und habe denen im Anschluss einen Brief geschrieben, in dem ich gesagt habe, dass ich zahlungswillig bin und es mir leisten könnte 35 Euro/Monat zu zahlen. Zeitgleich habe ich sofort beim Fitnessstudio gekündigt. Zudem habe ich als "Beweis" eine Kopie meines ALG ll Bescheides mitgeschickt. Damit war die Firma nicht zufrieden und hat mir ein anderes Angebot gemacht: 82 €/Monat oder 260 Euro Einmalzahlung und danach 62€/Monat. Kann ich nicht bezahlen. Habe also dort angerufen und die meinten, anders geht's nicht.

Meine Frage ist jetzt, habe ich wirklich keine andere Möglichkeit bzw. wie kann ich weiter vorgehen? Abwarten oder erneut einen Brief schreiben?

Antwort
von Parhalia, 93

Wenn sich der Gläubiger ( in Deinem Fall die Inkasso-Firma ) nicht auf einen Vergleich oder eine für Dich leistbare Ratenzahlung einlässt, so kannst Du rechtlich auch nichts dagegen unternehmen.

Schicke einfach noch mal von Deiner Seite aus ein letztes Angebot z.B. über max. 40 Euro ( notfalls auch max. 50 Euro ) monatlicher Tilgung und warte dann auf die Reaktion.

In der Zwischenzeit empfehle ich Dir ( nur für den Fall einer möglichen Zwangsvollstreckung / Kontopfändung ) die Umwandlung Deines Kontos in ein "P-Konto". Dann können die in einem möglicherweise folgenden Antrag auf Zwangsvollstreckung wenigstens nicht Deine Kohle vom Konto pfänden. ( das sagst Du denen natürlich nicht )

Denn ein ofizielles Vollstreckungsverfahren über das Amtsgericht mit anschliessender Beauftragung eines Gerichtsvollziehers ist mit weiteren ( erheblichen ) Gebühren verbunden. In diesem Verfahren könntest / müsstest Du dann bei fruchtloser Pfändung die eidesstattliche Versicherung ablegen und dann davon ausgehend weiter sehen, wie man sich mit dem Gläubiger einigen kann.

Aber auf jeden Fall UMGEHEND noch VOR Ablauf der gesetzten Zahlungsfrist mit dem Gläubiger erneut in Kontakt treten und nachverhandeln.

Kommentar von Parhalia ,

Hier hast Du noch eine umfangreiche Übersicht, was bei einer Geldforderung durch einen Inkasso-Betrieb zu beachten ist, wie sich die Gebühren zusammensetzen und was in welcher Höhe überhaupt berechnet werden darf :

http://www.schuldnerberatung-schickner.de/news/inkassokosten-zulassig-oder-nicht...

Solange Du noch nichts unterschrieben hast bzgl. der Inkasso-Forderungen, so kannst Du die Korrektheit der Forderungen erst mal in Ruhe überprüfen. ( lassen )

Antwort
von kevin1905, 73

bin ich davon ausgegangen

Das sollte man sein lassen. Eine Kündigung ist eine einseitige empfangsbedürftige Willenserklärung, die teilweise dem Schriftformerfordernis unterliegt.

Ist dir also keine Kündigung wirksam zugegangen, ist dein Vertrag nicht gekündigt.

Habe von einem Inkassounternehmen/Forderungsmanagement ein Bescheid
bekommen, dass die das Geld innerhalb von einer Woche haben wollen, rund
990 Euro.

Inkassobüros versenden keine Bescheide. Das ist eine Forderung ggf. eine Mahnung.

Also habe ich angerufen und in dem Gespräch hieß es, dass eine Ratenzahlung von 75 Euro pro Monat möglich wäre.

Du lässt aber auch kein Fettnäpfchen aus und machst so ziemlich alles falsch.

  1. Schließt man mit Inkassobüros keine Ratenzahlungen ab. Dadurch kommen nur Ratenzahlungs und ggf. Einigungsgebühren dazu.
  2. Muss man die Forderung erstmal dem Grunde und der Höhe nach sortieren. Einiges ist ggf. verjährt (2012 und älter), bzw. einige Gebühren des Inkassobüros lassen sich u.U. rausstreichen.
  3. Das Telefon ist kein geeignetes Kommunikationsmedium in Rechtsangelegenheiten.

Also brösel die 990,- € bitte mal detailliert auf und fordere vom Inkassobüro eine Gläubigervollmacht an (§ 174 BGB). Prüfe bitte auch ob alle Angaben gem. § 11a RDG in dem Inkassoschreiben vorhanden sind.

Antwort
von franneck1989, 82
  • Aktuelle Forderungsaufstellung mal bitte durchgeben!

  • Keine Ratenzahlung mit dem Inkassobüro vereinbaren!
  • Nicht mehr telefonieren
  • Erst nach Prüfung der Forderungsaufstellungen sollte man weitere Schritte unternehmen
Antwort
von Jack98765, 82

Der Gläubiger bestimmt wie er sein Geld haben möchte. Du kannst froh sein, dass sie dir mit einer Ratenzahlung entgegenkommen. Eigentlich könnten sie alles sofort verlangen und das Geld einklagen und dann wird es noch teuerer.

Kommentar von EXInkassoMA ,

Evtl  teurer für den auftraggeber und nicht für den schuldner

Kommentar von Jack98765 ,

Ich kenne mich im deutschen Recht nicht aus und ob es etwas gibt, das mir als Gläubiger hilft auch Jahre später noch an mein Geld zu kommen, aber in Österreich gibt es die Mahnklage und mit dieser kann ich das Geld auch noch nach 30 Jahren eintreiben. Irgendwann wird der Schuldner sicher mal Geld haben. Auf den Kosten bleibe ich nur sitzen, wenn er über diese Zeit tatsächlich keine entsprechenden Einkünfte hat.

Kommentar von Parhalia ,

Das bewirkt in Deutschland ein rechtswirksamer "Vollstreckungstitel" ebenfalls. Den Vollstreckungstitel kann man hierzulande im Rahmen eines amtlich / gerichtlichen Mahnverfahrens erwirken. Der ist dann ab seiner Rechtskraft auch 30 Jahre lang vollstreckbar.

Aber in der Fragestellung ist es noch nicht so weit, da die dort beschriebene Forderung in sich noch nicht verjährt ist. Die 3-jährige Verjährungsfrist einer Forderung beginnt hier erst mit Ablauf des Jahres zu laufen, in dem die Forderung entstand. Schulden aus dem Jahr 2013 können also noch bis Ende 2016 eingefordert werden, bzw. es kann dafür noch ein amtlich / gerichtlicher Vollstreckungsbescheid beantragt werden.

Im Fall der Fragestellung versucht der Gläubiger zunächst über ein Inkasso-Büro an sein Geld zu kommen. Im Gegensatz zu dem amtlich / gerichtlichen Mahnverfahren resultiert hier heraus ohne Schuld-Eingeständnis des Schuldners aber weder eine Ablaufhemmung der Verjährungsfrist, noch ein rechtlich vollstreckbarer Titel. Dazu muss auch in dieser Variante das amtlich / gerichtliche Mahnverfahren eingeleitet werden, wenn der Schuldner seine Schuld nicht eingesteht. 

Die einzige Auswirkung der "privaten" Zahlungserinnerung oder Anmahnung ist der Umstand, ab ( beweisbarem ) Zugang dieser "Mahnung" dann u.A. Verzugszinsen auf die Hauptforderung bei weiterem Verzug seitens des Schuldners geltend gemacht werden können.

Soweit mal stark vereinfacht.

Antwort
von EXInkassoMA, 67

Andere fragen : 

wie ist dein score? 

Gibts noch andere schulden? 

Hast du noch den vertrag?  Was steht da in den agbs bez der nichtzahlung? 

Gib evtl mal den namen des fitnessladens

P. S nichts unterschreiben 

Kommentar von ttiggerr ,

ja, ich zahle noch an 4 weitere umternehmen schulden. mein score? meinst du schufa? keine Ahnung aber ich gehe stark davon aus nicht sehr gut. Gerät das Mitglied mit der Zahlung eines Beitrags in Höhe von mindestens einem Monatsbeitrag in Verzug , so ist das Studio berechtigt , den Zutritt zur trainingsanlage bis zur vollständigen Begleichung der offenen Beiträge zu verweigern. Gerät das Mitglied mit der Zahlung des Betrag in Höhe von mindestens zwei Monatsbeiträgen in Verzug so ist das Studio berechtigt den Vertrag mit dem Mitglied außerordentlich zu kündigen und Schadensersatz nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen zu verlangen. Dieser beläuft sich im mindestfall auf die noch offenen Abo Gebühren bis zum regulären Vertragsende. ist keine bekannte fitnesskette, hat nur drei oder vier Studios.

Kommentar von EXInkassoMA ,

Vermutl wurde gem agbs bereits gekündigt 

Für Wie lange wurde der vertrag abgeschlossen ?  

Wieviel monate hattest du bezahlt. 

Die 990 euro sind inkl inkassokosten? 

Liste evtl mal die Gebühren auf.Gebuhrentechnisch wird in der Branche gerne getrickst. 

Einen mahnbescheid vom Gericht hast du nicht bekommen? 

Kommentar von Parhalia ,

Wichtig wäre hier auch eine Info über die reguläre monatliche Beitragshöhe, die Du für das Fitness-Studio hättest zahlen müssen. Auch das Jahr des Vertragsabschlusses bei dem Fitness-Studio wäre wichtig. Wenn es im Jahre 2013 war, so ist die ursprüngliche Hauptforderung ( sofern dem Grunde nach berechtigt ) des Fitness-Studios regulär noch nicht verjährt.

Kommentar von ttiggerr ,

ich habe trotzdem nochmal eine Kündigung geschrieben. ich glaube der war für 24 Monate. ich weiß gar nicht wie lange ich bezahlt habe. ist schon eine Weile her. monatlich war eine Beitragshoehe von 25,- fällig. ja, 2013 hatte ich den Vertrag abgeschlossen. nein von einem Gericht habe ich noch nix gekriegt. das Inkassounternehmen will bis zum 29. eine "Bestätigungszahlung" haben. ja hier stehen auch die bearbeitungskosten..

Kommentar von ttiggerr ,

*der Vertrag war für 24 Monate abgeschlossen

Kommentar von EXInkassoMA ,

Hauptforderung ist wie hoch ?

Hier eine Liste (rechts auf der Seite ) was an Inkasso Gebühren maximal überhaupt statthaft ist

http://www.schuldnerberatung-schickner.de/news/inkassokosten-zulassig-oder-nicht...    Bei Forderungen bis 1000 € sind demnach rund 30 € zu zahlen (24 IKU Gebühren plus 4,80 Auslagenpauschale)

Mitgliedsbeitrag 25 € pro Monat ? Bei 2 Jahren sind das wenn Du Alles(!) zusammenziehst nur 600 €
 ?!  Wie setzen sich da die 990 zusammen ?

Gibt es da keine detailierte Forderungsaufstellung ?

Insider Info : Da es sich bei den Kunden von Fitnessvereinen in der Regel um jüngere Kunden handelt wird diesbezüglich oft auf Unkenntnis gehofft

Kommentar von ttiggerr ,

Also die Hauptforderung beträgt 861,50€ und die "Zinsansprüche unserer Mandantin aus Verzug ab frühestens 20.11.2013 gemäß Paragraph 280,288 BGB aus den jeweiligen Rechnungsbetrag (in der Summe 861,50€) in Höhe von 5,00%" sind 117,38€ , dann noch kundenmahnauslagen un Höhe von 7,50€.. Ich schätze dass kommt so zustande, dass das Studio mich nicht gekündigt hat, sondern den Vertrag einfach weiterlaufen lassen hat. Der Vertrag verlängert sich automatisch um ein Jahr solange man nicht kündigt. also dann noch weitere 12 Monate drauf..

Kommentar von Parhalia ,

@ttiggerr

Dann empfehle ich Dir mal dringlichst, die Höhe der "Hauptforderung" des Fitness-Centers an sich mal dahingehend überprüfen zu lassen, ob die laut ihrem eigenen Vertragswerk ( welches Du ja dahingehend zitiertest ) nach einem Rückstand in Höhe von 2 Mitgliedsbeiträgen nicht den gesamten Abo-Vertrag auf Basis der vereinbarten 24 Monate Laufzeit schon abzuwickeln hätten in ihren ( von Dir zitierten ) "Schadenersatzansprüchen".

Da Du momentan im Bezug von ALG II stehst, so steht Dir auf entsprechenden Antrag auch eine stark kostenreduzierte Rechtsberatung durch einen entsprechend versierten Anwalt zu, der sich die nun zugegangene Forderung mal GENAUESTENS anschauen kann.

Denn meines Erachtens hätte das Studio den 24-monatigen Vertrag schon dann ausserordentlich kündigen müssen, als der Beitrags-Rückstand i.H.v. 2 Monatsbeiträgen erreicht, bzw. überschritten war.

Denn wie @EXInkassoMA schon richtig sagte, so kämst Du ja selbst bei 24 Monaten kompletten Beitragsrückstandes hier "nur" auf 600 Euro.

Da frage ich mich, ob der Studio-Betreiber dann rechtlich den Vertrag ( wegen mehr als 2-3 ausbleibender Monatsbeiträge ) nicht ohnehin schon in seiner Schadenersatz-Forderung nach Zutritts- / Kartensperre zur regulären Auslaufzeit des massgeblichen Vertrages hätte aufkündigen müssen.

Ich bin aber auch nur reiner LAIE...aber mal so rein gedanklich im Hinterkopf...

Kommentar von EXInkassoMA ,

Lt agbs hätte es eigentlich längst zur Kündigung kommen müssen. 

Hast Du im vorfeld nichts vom fitnessladen bekommen? 

Was sagt googel zu diesem fitnessstudio? 

Die anderen 4 forderungen die du ratenmasig bedienst sind tituliert? 

Antwort
von luckymickie, 75

Hallöchen,

also ich kenne jemanden der oft Probleme wie du hast. Eine Ratenzahlung war in seiner Wunschhöhe immer möglich. Warum dein Inkasso sich so sturr stellt, kann ich nicht verstehen.

Ich würde denen nochmal ein Schreiben schicken, dass du deine Schuld begleichen möchtest, aber du nur 35 Euro zahlen kannst. Ich würde denen auch nochmal deutlich machen, dass mehr einfach nicht drin ist und wenn Sie damit nicht zufrieden sind, von dir kein Geld erwarten können. Eigentlich sollten Sie dann sagen: ich nehme was ich kriegen kann.

Ansonsten gibt es über die Arbeitsagentur/ Jobcenter auch Schuldenberater, nutze diesen Service doch, wenn du dir unsicher bist. Das kostet nichts.

Bevor die Schulden von Monat zu Monat immer mehr werden.

Vielleicht kannst du auch mit der Arbeitsagentur/Jobcenter ein Darlehen vereinbaren und die Summe komplett zahlen. Die Schulden zahlst du dann in deiner Ratenhöhe an das Jobcenter. Da musst du aber mit denen reden. Die werden sich da nicht verweigern, denn es werden sonst Mehrkosten an das Inkasso und das wird auch das Jobcenter vermeiden wollen.

Kommentar von Parhalia ,

Was die Unterstützung durch das Jobcenter in dieser Angelegenheit betrifft, so halte ich die Gewährung eines Vorschusses oder zinslosen Darlehens in dieser Situation für äusserst unwahrscheinlich.

Die KÖNNEN in bestimmten Notlagen zwar dahingehend helfen, aber die beschriebenen Schulden fallen nicht in diesen Ermessensspielraum der Behörde.

Kommentar von Parhalia ,

Schöner Link, aber dann lies' auch mal, was da zum Punkt 

 - "Private Schulden während Hartz 4 Bezug " 

steht...

Und deshalb sieht es für die beschriebenen Schulden ( Inkasso wegen Fitness-Center ) mau aus.

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